Für Naturliebhaber*innen ist der sogenannte «Kamelbuckel» oberhalb von Zürich-Leimbach ein besonderer Ort. Er unterliegt der kantonalen Schutzverordnung Uetliberg und zeichnet sich durch eine abwechslungsreiche Landschaftsstruktur aus: Es gibt lichte Wälder, steile Felsabschnitte sowie trockene und feuchte Wiesen. «Diese Vielfalt an Lebensräumen auf engem Raum macht den Kamelbuckel besonders wertvoll», sagt Philipp Jucker, Teamleiter Artenförderung und Schutzgebiete bei Grün Stadt Zürich.
Bei den jüngsten waldbaulichen Eingriffen wurde dichter Baumbewuchs entfernt. Dadurch erhalten nachwachsende Baumarten wie Föhren und Eichen mehr Platz und Licht. Das spezielle Ökosystem hat sich merklich weiterentwickelt. Das bestätigt eine Fauna-Kartierung, die im Auftrag von Grün Stadt Zürich durchgeführt wurde.
Zwischen April und September 2025 haben Naturforscher*innen das Gebiet sorgfältig untersucht und die Funde ausgewertet. Das Ergebnis: 119 verschiedene Tierarten wurden nachgewiesen. Besonders interessant sind dabei die sogenannten Spezialisten. Das sind Tiere, die ganz bestimmte Bedingungen zum Überleben brauchen und deshalb nur in hochwertigen Lebensräumen vorkommen. Von den 119 festgestellten Arten sind 34 solche Spezialisten. Darunter befinden sich 11 Arten der Roten Liste, die als gefährdet gelten – etwa die Braunschwarze Rossameise oder der Uhu.
Zu den Gewinnern der Waldauflichtung zählen auch mehrere Schmetterlingsarten, darunter der Waldteufel, eine wichtige Zeigerart für diesen Lebensraum. Er bevorzugt grasreiche, lichte Wälder und sonnige Waldränder, idealerweise in Kombination mit Magerwiesen. Obwohl die Art schweizweit nicht gefährdet ist, gilt sie im Mittelland als beinahe ausgestorben. Im Kanton Zürich kommt sie nur noch in wenigen Gebieten vor, etwa im Tösstal und in Dättlikon. Umso erfreulicher ist der Nachweis am Kamelbuckel. Sein Vorkommen zeigt, dass die Aufwertungsmassnahmen bereits Wirkung zeigen.
Um diesem reichen Tierbestand auch in Zukunft ein Zuhause zu bieten, sind gemäss Nils Schönenberger, Leiter Region Waldrevier Uetliberg, gezielte Pflegemassnahmen entscheidend. So müssen schnellwachsende Bäume und Sträucher regelmässig entfernt werden, damit wieder mehr Sonnenlicht auf den Boden gelangt. «Gleichzeitig belassen wir Totholz vor Ort, da es zahlreichen Insekten als Lebensraum dient», so Schönenberger. Auch das Mähregime spielt eine wichtige Rolle: Gras zwischen den Bäumen wird nur einmal jährlich im Herbst gemäht, damit Schmetterlinge und Heuschrecken lange Gräser zum Überwintern vorfinden.
Damit die Tierarten ihren Lebensraum besser erweitern können, wurde zwischen dem Kamelbuckel und dem angrenzenden Gebiet Fallätsche als zusätzliche Massnahme eine zusätzliche Fläche als Trittbrett aufgewertet. «Diese funktioniert wie eine Verkehrsader und fördert die Ausbreitung der Arten», erklärt Philipp Jucker. Die aktuellen Funde zeigen, dass sich die Aufwertungsmassnahmen bereits auszahlen. Wie sich die Artenvielfalt am Kamelbuckel langfristig entwickelt, sollen weitere Kartierungen in den kommenden Jahren zeigen.
Die Auflichtungen und weiteren Pflegemassnahmen von Grün Stadt Zürich in den Gebieten Kamelbuckel, Fallätsche und Leiterliberg geschehen in enger Zusammenarbeit mit dem Kanton Zürich. Den Rahmen dafür bildet der kantonale Aktionsplan «Lichter Wald Zürich». Mit diesem fördert der Kanton gezielt aufgelichtete Waldgebiete, um seltene Tier- und Pflanzenarten zu schützen.