Warum braucht es ein Gebäudebrüterinventar?
In den vergangenen Jahrzehnten sind die Bestände gebäudebrütender Schwalben- und Seglerarten in der Schweiz zurückgegangen – vor allem durch den Verlust geeigneter Brutplätze bei Gebäudesanierungen und Neubauten. Brut‑ und Nistplätze sind gesetzlich geschützt und es besteht im Kanton Zürich eine Inventarpflicht für diese Arten. Unsere Daten müssen daher immer wieder aktualisiert werden. Wir haben nun erstmals eine flächendeckende Kartierung gemacht und das bestehende Gebäudebrüterinventar erweitert. Denn: Je besser das Inventar, umso wirksamer ist der Schutz.
Wie wurde das Inventar erhoben?
Die Siedlungsfläche der Stadt Zürich wurde in 142 Untersuchungsflächen unterteilt, die jeweils dreimal begangen wurden. Die Feldarbeiten erfolgten von geschulten Ehrenamtlichen der städtischen Naturschutzvereine – mit einer speziell entwickelten Smartphone-Applikation, die eine exakte geografische Verortung der Brutstandorte ermöglichte. Die Methode war standardisiert und orientierte sich an bewährten Verfahren. Den über 120 Ehrenamtlichen der städtischen Naturschutzvereine möchte ich an dieser Stelle besonders danken – ohne ihren Einsatz und ihr Engagement wäre dieses umfassende Inventar nicht möglich gewesen.
Welche Gebäutebrüter-Art kommt in Zürich besonders häufig vor?
Der Mauersegler ist mit mindestens 1176 Brutpaaren die häufigste Art, gefolgt von Alpensegler und Mehlschwalbe mit jeweils knapp 190 Brutpaaren. Insgesamt wurden 1859 Brutstandorte erfasst, davon sind 712 sicher von Vögeln besetzt. Die Verbreitung der Arten ist stark unterschiedlich und spiegelt die ökologischen und baulichen Gegebenheiten wider.
Erfreulich ist daher, dass wir auch neue Brutplätze gefunden haben, allein 354 vom Mauersegler. Dieser steht auf der Vorwarnliste der Roten Liste der Schweiz. Zürich hat aber das Potenzial, ein wichtiger Rückzugsraum für diese Art zu werden.
Wie zuverlässig sind die erfassten Daten?
Ein Vergleich mit älteren Daten zeigt, dass viele frühere Meldungen nicht mehr bestätigt werden konnten – aufgrund baulicher Veränderungen oder veralteter Informationen. Kommt hinzu, dass die Brutstandorte von Seglern teils wirklich in Mauerritzen oder unter Dächern versteckt sind und auf den ersten Blick oft gar nicht sichtbar sind. Die Mehlschwalbe ist einfacher zu erfassen. Die Zahlen sind daher bewusst als Minimalwerte zu verstehen. Wenn ein Standort nicht inventarisiert ist, heisst es leider nicht unbedingt, dass dort keine Vögel brüten.
Was sind die Konsequenzen für den zukünftigen Schutz?
Ein solches Inventar kann nur durch die Kombination systematischer Erhebungen, gezielter Kontrollen von Verdachtsstandorten und regelmässigen Wiederholungen erhalten werden. Eine flächendeckende Neuerhebung alle zehn Jahre ist unerlässlich, um den Verlust von Brutplätzen langfristig zu verhindern. Trotz aller Bemühungen kann unser Inventar niemals abschliessend sein. Daher empfiehlt es sich für Bauwillige, sich mit dem Thema frühzeitig auseinanderzusetzen und bei Bedarf Abklärungen zu treffen, um böse Überraschungen bei Umbauten und Ersatzneubauten zu verhindern. Im schlimmsten Fall droht nämlich ein Baustopp, weil brütende Vögel laut Gesetz nicht gestört werden dürfen. Wir bieten daher Beratungen für Private an, um geeignete Lösungen für den Schutz von Brut- und Nistplätzen zu finden – im Einklang mit den gesetzlichen Schutzvorgaben.
Was können Private für den Schutz von Gebäudebrütern tun?
Private können einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie Nisthilfen für Mauersegler oder Alpensegler an ihren Gebäuden anbringen – besonders bei Sanierungen oder Neubauten. Auch Meldungen von Sichtungen, etwa von Brutplätzen oder verdächtigen Niststellen, sind wertvoll: Sie helfen, unbekannte Standorte zu identifizieren und gezielte Kontrollen vorzunehmen. Deshalb sind wir froh, dass die Orniplan AG, mit der wir die Kartierung durchgeführt haben, eine Online-Meldeplattform für das Stadtgebiet von Zürich lanciert hat.