Warum brauchen Wildbienen besonderen Schutz?
Wildbienen brauchen in erster Linie Schutz, weil viele Arten stark gefährdet sind. Rund die Hälfte gilt als bedroht, etwa zehn Prozent sind in der Schweiz bereits ausgestorben. Hauptursachen sind Flächenversiegelung, überbaute Wiesen und aufgeräumte Grünflächen ohne Blüten und Nistplätze.
Wildbienen sind zudem zentral für funktionierende Ökosysteme. Viele Pflanzen und Wildbienen haben sich über lange Zeit aneinander angepasst und sind voneinander abhängig. Gehen Wildbienen zurück, leidet die Pflanzenvielfalt – mit Folgen für Biodiversität und Landwirtschaft.
Gerade ihre Spezialisierung macht die Wildbienen verletzlich. Da viele auf bestimmte Pflanzen angewiesen sind, können sie nicht einfach ausweichen. Anders als Honigbienen leben sie meist solitär und werden nicht durch den Menschen betreut – fällt ihr Nistplatz oder ihre Nahrung weg, verschwindet die Art.
Wie steht es aktuell um die Wildbienen in Zürich?
In der Schweiz gibt es über 600 Wildbienenarten, rund 200 davon wurden in der Stadt Zürich nachgewiesen. Das ist beachtlich für eine Grossstadt. Dennoch sind viele Arten nur noch an wenigen geeigneten Orten zu finden – etwa auf offenen Bodenstellen, Totholz oder in kleinen Kies- oder Sandbereichen. Herausfordernd ist die hohe Dichte an Honigbienenvölkern in der Stadt Zürich. Sie hat in den letzten zehn Jahren stark zugenommen und verschärft die Situation für die Wildbienen durch Nahrungskonkurrenz. Deshalb hat die Stadt Zürich ein Zeichen für die Biodiversität gesetzt: Neue Gesuche von Imker*innen für Honigbienenstände auf städtischen Flächen werden nicht mehr gutgeheissen.
Was können wir alle konkret tun?
Wichtig sind Nistplätze, wie kleine offene Sandflächen, ein sonniger Steinhaufen, morsches Holz oder markhaltige Pflanzenstängel – zum Beispiel von Brombeeren, Königskerzen oder Disteln. Diese Stängel sollten über den Winter stehen bleiben und erst im späten Frühling zurückgeschnitten werden. Auch kleine Flächen zählen: Auf Balkonen eignen sich heimische Wildpflanzen wie Glockenblumen, Natternkopf oder Wiesensalbei.
Grundsätzlich hilft mehr Unordnung für mehr Natur. Zentral ist auch, keine Pestizide oder synthetischen Dünger zu verwenden. In der Stadt Zürich unterstützt das Förderprogramm Stadtgrün private Grundeigentümerschaften bei der ökologischen Aufwertung von Flächen – etwa durch Entsieglung, Blumenrasen, Wildstauden, Strukturen für Nistplätze und pestizidfreie Pflege.
Warum ist der Schutz der Wildbienen Teil der Biodiversitätsstrategie der Stadt Zürich?
Wildbienen reagieren sehr empfindlich auf Veränderungen – deshalb zeigt ihr Bestand früh an, wie es um die Natur im Siedlungsraum steht. Blütenreiche Flächen fördern nicht nur Bienen, sondern auch Schmetterlinge, Käfer und andere Insekten. Offene Bodenstellen helfen bodenbrütenden Arten, altes Gras bietet Überwinterungsplätze, Samen sowie Insekten dienen Vögeln und Kleinsäugern als Nahrung. Wer strukturreiche Lebensräume schafft, stärkt also nicht nur die Wildbienen, sondern auch die Biodiversität in der Stadt Zürich.
Die Ausstellung «Vernetzte Natur – Lebenswerte Stadt» widmet sich bis noch zum 3. Januar 2027 der Natur im urbanen Umfeld. Dabei wird auch das Wildbienenparadies in der Stadtgärtnerei vorgestellt.