Der Künstler Otto Baumberger schuf 1926 im Bahnhof Wiedikon zwei Wandbilder für das ehemalige Warenhaus Jelmoli. Sie zeigen auf der einen Seite Menschen aus verschiedenen Weltregionen, die mit Waren wie Textilien oder Gewürzen dargestellt sind.
Auf der gegenüberliegenden Seite zeigen sie Szenen eines modernen, städtischen Zürichs mit einkaufender Kundschaft. Während die Zürcher Figuren aktiv dargestellt sind, sind die afrikanischen, arabischen und asiatischen Menschen passiv und stereotyp dargestellt.
Der städtische Bericht «Möglichkeiten zum Umgang mit kolonialen Spuren im Stadtraum» (2021) empfahl eine Kontextualisierung der Wandbilder. Die Wandbilder gehören den SBB. Deshalb regte die Stadt bei den SBB die Umsetzung einer entsprechenden Massnahme an.
Die SBB liessen die Wandbilder untersuchen und brachten im Jahr 2024 im Bahnhof Wiedikon eine Informationstafel an.
Was lösen die Wandbilder bei Ihnen aus?
Der Künstler Otto Baumberger schuf 1926 in der Schalterhalle des Bahnhofs Wiedikon zwei Wandbilder für das Warenhaus Jelmoli. Sie verkündeten die Vision einer modernen städtischen Gesellschaft: Sie versprachen Konsum, Freizeit, Mobilität, Spiel und Bildung für alle Zürcherinnen und Zürcher.
Im Zentrum beider Wandbilder steht der Konsum von Gütern aus aller Welt: Früchte, Teppiche und Tee im einen, Baumwolle im anderen Bild. Diese Waren kamen aus Kolonien oder ehemaligen Kolonien in Afrika, Arabien, Asien und Amerika. In dem einen Wandbild bieten drei Menschen aus diesen Weltgegenden ihre Waren an. Sie sind in passiver Haltung und stereotyp dargestellt, gewissermassen als Herkunftslabel für die Güter. Die Zürcher Figuren sind dagegen aktiv. Diese Rollenteilung versinnbildlicht die Diskriminierung ganzer Erdteile als reine Lieferanten von Rohstoffen und Nahrungsmitteln, benachteiligt durch ungerechte Preise, Handels- und Arbeitsbedingungen.
Solche Werbebilder sollten die Lust auf den Kauf von Kolonialwaren wecken. Sie benutzten dazu verbreitete Fantasien, Vorstellungen und Bilder von Menschen aus anderen Ländern. Wenn sie unhinterfragt bleiben, bestätigen und verstärken sie rassistische Vorstellungen und Diskriminierungen, prägen das kollektive Bildgedächtnis und überdecken das durch Versklavung, Vertreibung und Ausbeutung verursachte Leid. Ziel der SBB ist es, für das Thema zu sensibilisieren und einen Beitrag zur aktiven Auseinandersetzung zu leisten.
Schweizerische Bundesbahnen SBB
Das Präsidialdepartement hat ein Unterrichtsmaterial zu den kolonialen Verstrickungen der Stadt Zürich erarbeiten lassen. In einer Unterrichtseinheit werden die Wandbilder von Otto Baumberger thematisiert.
Eine Schriftliche Anfrage aus dem Gemeinderat stellte die Frage, ob das Unterrichtsmaterial mit der politischen Neutralität der Volksschule vereinbar sei. Der Stadtrat beantwortete die Schriftliche Anfrage.