«Ich bin jeweils extrem stolz auf das, was die Lernenden hier in einem Jahr erreichen», erklärt Nicole del Curto, Klassenlehrerin im Vorbereitungskurs «Sekundarschulabschluss für Erwachsene». Sehr viele ihrer Lernenden sind spät zugewanderte junge Erwachsene, die kein offizielles Schweizer Schulzeugnis besitzen. «Wir haben aber auch Lernende bei uns, welche die Sek B abgeschlossen haben, nun aber noch den A-Abschluss schaffen wollen. Es gibt auch Lernende, die aus diversen Gründen den Abschluss nicht in der Tasche haben – sei es, dass sie aus psychischen Gründen nicht mehr zur Schule gehen konnten oder sei es, weil sie anderweitig krank waren», erklärt Nicole.
Fussball als Integrationshilfe
Der 18-jährige Makar Aleksyk besucht bei ihr den Unterricht. Er gehört zur Gruppe der spät zugewanderten Jugendlichen und ist vor zwei Jahren aus der Ukraine geflüchtet. Makar braucht einen Abschluss in der Schweiz, um seine Traumlehrstelle in der Informatik zu finden. «Ich habe erwartet, dass die Lernenden im Kurs älter sind, aber die meisten sind zwischen 20 und 30 Jahre alt. Eine Lernende ist mit 45 Jahren die Älteste in unserer Klasse», sagt Makar. In seiner Freizeit trainiert er dreimal die Woche im Fussballklub FC Witikon – deshalb seien sein Deutsch und Schweizerdeutsch so gut. Die Schule mache ihm Spass. Er ist sehr wissbegierig und vor allem die Sprachen liegen ihm.
Stoff reduzieren, damit die Grundlagen sitzen
Makar drückt auch bei Werner Gamper die Schulbank. Dieser unterrichtet sei zwölf Jahren als Fachlehrer im Vorbereitungskurs «Sekundarschulabschluss für Erwachsene» – und zwar Mathematik und Geometrie: «Es ist toll, wie motiviert unsere Lernenden sind. Sie haben ein klares Ziel vor Augen und wir können den Fokus auf die Wissensvermittlung legen.» Die Herausforderung sei, den Stoff so zu reduzieren und zu komprimieren, dass die Basics bei den Lernenden sitzen. «In einem Jahr decken wir den Stoff ab, für den die reguläre Oberstufe drei Jahre Zeit hat – da müssen wir klug priorisieren und uns auf das Wesentliche konzentrieren», erklärt Werner. Herausfordernd sei für viele das Fach Französisch, da die meisten noch nie mit der Sprache in Berührung gekommen sind.
Unterstütztes und selbstständiges Lernen
Der Unterricht im Kurs ist so aufgebaut, dass Nicole und die Fachlehrpersonen jeweils bis zum Frühling mit den Lernenden den Stoff der drei Jahre Sekundarschule behandeln. Danach wird geübt, gebüffelt und gerechnet. Die Lernenden lösen unzählige schriftliche Prüfungen und repetieren den Stoff in allen Fächern – von Mathematik bis Raum, Zeit und Gesellschaft. «In Lernateliers können wir den Stoff vertiefen», erklärt Makar.
Die Prüfung naht
«Je näher die Prüfung rückt, desto gestresster fühlen wir uns natürlich», sagt Makar. Der Vorbereitungskurs endet zwar vor den Sommerferien, die Prüfung findet jedoch erst im Spätherbst statt. Deshalb bietet die Viventa auch noch Vorbereitungsblöcke nach den Sommerferien an, damit das Gelernte nicht vergessen geht. «Fast alle Lernenden schaffen die Prüfung», sagt Klassenlehrerin Nicole. Und was zieht Makar nach fast einem Jahr für ein Fazit? «Mir gefällt es im Kurs und in der Klasse und ich fühle mich von den Lehrpersonen gut begleitet. Bei der Berufswahl unterstützt uns das Förderzentrum der Viventa. Berufsberater*innen vom Laufbahnzentrum helfen uns zusätzlich bei Bewerbungen.» Nach den Sommerferien wird Makar ein Praktisches Berufsvorbereitungsjahr im Fokus «Technology & Design» starten, die Sekundarschulprüfung absolvieren und dann eine Lehrstelle fürs kommende Jahr suchen. «Der Sekundarschulabschluss ist ein wichtiges Eintrittsbillett in die Berufswelt», sagt Mathematiklehrer Werner. Er erinnert sich an eine ehemalige Lernende, die unbedingt eine Informatiklehre machen wollte, der Berufsberater aber davon abriet. Trotz aller Widerstände hat sie es geschafft.
Seit 1989 können Erwachsene im Kanton Zürich den Sekundarschulabschluss nachholen. Die Fachschule Viventa bietet sowohl einen Jahreskurs als auch einen berufsbegleitenden Zweijahreskurs an, um sich auf die Prüfung vorzubereiten. Dabei werden die Lernenden individuell unterstützt und eng begleitet.