Jedes Jahr besuchen rund 500 Lernende das Berufsvorbereitungsjahr an der Fachschule Viventa. Im Schuljahr 2024/25 fanden 97 Prozent von ihnen eine Anschlusslösung: Mehr als 80 Prozent starteten eine Berufslehre EFZ oder EBA, eine Vorlehre, ein Praktikum oder besuchen eine weiterführende Schule.
Für «Schulzeugs» haben wir einen Blick hinter diese Zahlen geworfen und drei ehemalige Absolvent*innen zu ihrer Zeit an der Viventa befragt. Sie alle sind erfolgreich ihren Weg gegangen und befinden sich mitten in der Lehre.
Jasmin Meier besuchte im Schuljahr 2024/25 das Schulische Berufsvorbereitungsjahr. Zu Beginn war die 16-Jährige unsicher, was das Jahr ihr bringen würde. Ihre Zweifel haben sich schnell gelegt: «Jede Sekunde vom Berufsvorbereitungsjahr hat sich für mich gelohnt – schulisch, bei der Berufswahl und im Klassenverbund konnte ich viel profitieren». Zu Beginn des Jahres wollte sie Elektronikerin werden, doch trotz Schnuppern und vielen Bewerbungen fand sie keine Lehrstelle. Drei Wochen vor den Sommerferien 2025 hatte Jasmin immer noch keine Anschlusslösung. «Ich habe einfach nicht aufgegeben. Es war mehr Disziplin als Motivation eine Lehrstelle zu finden. Dafür habe ich alles gegeben. Ich sagte mir; pushen, pushen, pushen.» Ihr Lehrer wies sie auf eine freie Lehrstelle als Konstrukteurin bei Everllence (ehemals MAN Energy Solutions) hin. «Und dann ging alles ruckzuck», erzählt Jasmin. Sie konnte schnuppern, hatte ein Vorstellungsgespräch und hat die Lehrstelle gleich erhalten. Seit dem Sommer 2025 lernt sie nun Konstrukteurin und arbeitet zuerst zwei Jahre bei libs (Industrielle Berufslehren Schweiz) in Oerlikon. «Mir gefällt es sehr gut. Es ist streng, aber abwechslungsreich. Vor allem haben wir einen sehr guten Zusammenhalt unter den Lernenden», berichtet Jasmin. Sie dürfe schon recht selbstständig arbeiten und nach zwei Jahren bei libs wird sie für die restlichen zwei Lehrjahre in ihren Lehrbetrieb wechseln. Sie sagt: «Momentan freue ich mich vor allem auf die Arbeit mit dem CAD-Programm, mit der ich bald starten kann.»
So wie Jasmin hat auch Semere Nugus nie aufgegeben. Der 21-Jährige macht an der Fachschule Viventa die Attestlehre zum Unterhaltspraktiker. Zuvor war er bei uns im Betrieblichen Berufsvorbereitungsjahr und absolvierte ein Praktikum im Bistro in Wipkingen. «Doch in der Gastronomie habe ich meine berufliche Zukunft nicht gesehen», erklärt er. Semere schätzt, dass er im Berufsvorbereitungsjahr gut von seiner Klassenlehrerin unterstützt wurde – bei der Berufswahl und beim Bewerben. «Als ich als Unterhaltspraktiker schnuppern war, hat es mir gleich gefallen», erzählt Semere. Seine Lehrerin fragte beim damaligen Leiter Facility Management der Viventa an – und Semere erhielt die Chance, eine Vorlehre als Unterhaltspraktiker zu machen. «Zuerst war ich nicht begeistert von der Vorlehre, aber ich erhielt das Versprechen, dass ich im Anschluss die EBA-Lehre anhängen kann.» Ihm gefällt seine abwechslungsreiche Arbeit: Als angehender Unterhaltspraktiker ist er überall im Einsatz, drinnen und draussen, mit Maschinen und an Geräten – viel handwerkliches Geschick ist erforderlich. «Mir gefällt es sehr gut, das Team ist lässig und in der Schule ist es nicht zu leicht, aber auch nicht zu schwer. Im Moment habe ich einen Notendurchschnitt von einer Fünf», erzählt er begeistert. Semere will im Anschluss an die EBA- noch die EFZ-Ausbildung Fachmann Betriebsunterhalt anhängen. Auch dafür wird ihm der Schnauf nicht ausgehen.
«Die Lehre als Dentalassistent war die richtige Wahl für mich», sagt Etienne Ruiz. Er hat das Praktische Berufsvorbereitungsjahr im Schuljahr 2022/23 besucht. Sein Berufswunsch war zu Beginn des Jahres Medizinprodukte-Technologe. «Leider hat das nicht geklappt», sagt der 19-Jährige. Im Berufskatalog ist er auf den Beruf des Dentalassistenten gestossen. Beim Schnuppern merkte er, dass ihm die Arbeiten gut liegen: Der Kontakt mit den Patient*innen, der Umgang mit Instrumenten, das Vorausplanen und das logische Denken. «Im Berufsvorbereitungsjahr hatte ich genau die Unterstützung, die ich für die Berufswahl und die Lehrstellensuche gebraucht habe», sagt Etienne. Er lernte in diesem Jahr auf die Leute zuzugehen und selbstständiger zu arbeiten. Im Beruf Dentalassistent sei er als Mann mit offenen Armen empfangen worden. «Die Stelle, die ich erhalten habe, gefällt mir sehr gut. Wir haben ein tolles Team, der Zahnarzt ist nett und in Horgen blicken wir von unserer Praxis auf den Zürichsee», berichtet er. Er spüre das Vertrauen der Vorgesetzten und dürfe selbstständig röntgen. Nach der Lehre will er die Berufsmatur machen. Wohin seine Reise ihn führt, weiss er noch nicht, aber er will auf jeden Fall im medizinischen Bereich bleiben, vielleicht sogar einmal Zahnarzt werden. Zum Schluss meint er: «Ich danke Gott, dass ich diese Lehre gefunden habe.»
Andreas Lott arbeitet seit 20 Jahren als Lehrer im Praktischen Berufsvorbereitungsjahr im Schulhaus Wehntal. Seit 10 Jahren ist er zudem Bereichsleiter. Im Interview erzählt er, was Lernende vom Berufsvorbereitungsjahr erwarten können.
Was bringt Jugendlichen ein Berufsvorbereitungsjahr an der Viventa?
Ein Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) bringt jenen Jugendlichen Vorteile, die den direkten Übergang in eine Berufsausbildung noch nicht geschafft haben oder noch zusätzliche Orientierung benötigen. Sie erhalten Unterstützung bei der Berufswahl und der Lehrstellensuche und werden schulisch wie überfachlich gefördert. Im Praktischen Berufsvorbereitungsjahr lernen die Jugendlichen in Werkstätten reale Arbeitsabläufe kennen und erkennen ihre versteckten Talente. Das erleichtert die Entscheidung für einen passenden Beruf und erhöht die Chancen auf einen Ausbildungsplatz. Im Betrieblichen Berufsvorbereitungsjahr absolvieren sie ergänzend zum Schulunterricht ein Praktikum und sammeln so wichtige Berufserfahrungen. Im Schulischen Berufsvorbereitungsjahr stehen die Vertiefung der Allgemeinbildung und der Erwerb theoretischer Fachkenntnisse im Zentrum. Im Integrationsorientierten Berufsvorbereitungsjahr sind es die Verbesserung der Deutschkenntnisse, das Kennenlernen der Schweizer Kultur und die Erweiterung der Allgemeinbildung.
Welche Kompetenzen werden im Berufsvorbereitungsjahr vermittelt?
Wir trainieren verschiedene überfachliche Kompetenzen in den Bereichen Selbst-, Sozial- und Methodenkompetenz. Lernende übernehmen Verantwortung für ihre Aufgaben und Ziele, deren Terminplanung und -einhaltung sowie den Lernerfolg. Sie lernen, Entscheidungen selbstständig zu treffen, etwa bezüglich ihrer Berufswahl. Durch das Bewältigen neuer Herausforderungen, wie durch das Herstellen von Produkten in den Werkstätten, gewinnen sie Sicherheit in ihre Fähigkeiten, erweitern diese laufend und erhalten dadurch mehr Selbstvertrauen. Durch die Arbeit im Team, das Kommunizieren sowie das Eingehen auf das Gegenüber und das Lösen von Konflikten werden die Kompetenzen gezielt gestärkt. Die Jugendlichen reflektieren ihre eigenen Stärken, Schwächen und Interessen. Sie entwickeln ein Bewusstsein für ihre persönlichen und beruflichen Ziele. Das Berufsvorbereitungsjahr gibt Struktur und fördert die Fähigkeit, langfristige Ziele zu verfolgen. Lernende erkennen den Nutzen eigener Anstrengung für den nächsten Schritt in Ausbildung oder Beruf.
Weshalb magst du deine Arbeit als Bereichsleiter eines Praktischen BVJ und das Unterrichten?
Mir gefällt es, sinnvolle Arbeit zu leisten und die Jugendlichen auf ihrem Weg und in ihrer Entwicklung zu begleiten. Ich schätze das gute Lehrerteam und die gut eingerichteten Werkstätten, die praxisnahes Lernen ermöglichen. Besonders wichtig ist für mich der vorhandene Gestaltungsspielraum, um Unterricht und Abläufe aktiv mitzugestalten und so ein motivierendes Lernumfeld zu schaffen. Ich unterrichte gerne, weil ich die Jugendlichen auf ihrem Weg zu Lebensunternehmer*innen begleiten darf. Meine eigenen Erfahrungen weiterzugeben und sie bei ihren Schritten ins Berufsleben zu unterstützen, bereitet mir grosse Freude. Gleichzeitig bleibe ich durch die Lernenden jung, lerne von ihren Ideen und Perspektiven und erhalte dadurch immer wieder neue Impulse.