Daniel, was ist das Beste an deiner Arbeit als Lehrer für Informatik, Elektrotechnik, MathePLUS und Coaching?
Dass es mir grosse Freude macht, die Lernenden zu unterrichten und ihnen das Fach Informatik und das Programmieren näherzubringen. Es macht Spass, wenn sie Erfolg haben und eine Webseite programmieren oder einen Roboter und einen Mikrocontroller herstellen können. Ich gebe auch sehr gern Coaching und unterstütze die Lernenden bei der Lehrstellensuche – ein wichtiger Schritt für sie ins Erwachsenenleben.
Was ist das Mühsamste?
Wenn die Lernenden unregelmässig in den Unterricht kommen – sie verpassen dann den Anschluss. In der Informatik wird es schwierig, das Verpasste aufzuholen, denn das Wissen ist aufbauend – es gibt nicht immer wieder neue Themen, bei denen sie einhaken können. Bei einigen Klassen gibt es keine Probleme mit Absentismus, bei anderen Klassen können es bis zu drei Lernende pro Klasse sein, die immer wieder fehlen. Diese Jugendlichen kommen dann plötzlich wieder in den Unterricht und haben keine Ahnung, wo wir stehen. Es ist jeweils wichtig, dass ich als Klassenlehrer früh mit ihren Eltern Kontakt aufnehme. Manchmal wird es dann besser, weil die Eltern Einfluss nehmen.
Wie gestaltest du deinen Unterricht?
Zuerst demonstriere ich, was wir programmieren wollen. Ich gebe das Ziel vor, vermittle die Theorie und die notwendigen Befehle und zeige es vor. Anschliessend können die Lernenden selbstständig arbeiten. Ich unterstütze sie bei Fragen. Sie sollen selber Erfolgserlebnisse haben und merken, was sie alles schaffen können. Ich mache auch jedes Jahr eine Projektarbeit als Prüfung, bei der sie selbst ein Produkt entwickeln. Das kommt bei den Jugendlichen gut an, es gibt eine Note und ihr Ehrgeiz wird geweckt.
Was gefällt dir an deinen Fächern?
Mein Herz schlägt für die Informatik. Ich liebe es, zu programmieren und gleich zu testen, ob es funktioniert, beispielsweise die Befehle, die ich einem Roboter erteile. Es ist eine sehr kreative Arbeit. Die Elektrotechnik kommt zum Einsatz, wenn wir Roboter mit Sensoren programmieren, sie ist der Informatik ähnlich. MathePLUS gebe ich über Mittag jenen Jugendlichen, die schwach sind in diesem Fach. Da können wir in Ruhe und ohne Prüfungen Lücken aufarbeiten. Im Coaching lerne ich die Jugendlichen auf eine andere Art kennen. Ich baue eine Beziehung auf, unterstütze sie, mache Mut, zeige andere Wege auf, diskutiere im Eins-zu-Eins-Setting. Das ist eine gute Abwechslung zum übrigen Unterricht und macht mir auch grossen Spass.
Wie viele Lernende des Profils «Technik & Informatik», wollen Informatiker*in werden?
Am Anfang des Schuljahres wollen 80 Prozent Informatiker*in werden. Im Fach Informatik lernen sie dann, um was es wirklich geht. Sie merken, dass man sich sehr gut konzentrieren können muss. Geduld zu haben ist sehr wichtig und auch abstraktes Denken ist essentiell. Viele Lernende haben diese Fähigkeiten nicht. Sie merken, dass es zu schwierig ist. Die Lehrbetriebe nehmen nur die Besten – und Informatik-Lehrstellen gibt es nicht viele. Trotzdem bin ich überzeugt, dass auch für jene, die nicht Informatiker*in werden, Kenntnisse der Informatik wichtig sind. Denn in vielen Berufen, wie zum Beispiel als Automobilmechatroniker*in, spielt die Informatik eine immer wichtigere Rolle. Ich versuche, die Freude am Fach zu vermitteln.
Bei wie vielen deiner Lernenden ist es realistisch, dass sie einen Informatik-Beruf erlernen?
15 bis 20 Prozent unserer Lernenden haben die Fähigkeit, Informatiker*in zu werden. Jedes Jahr haben wir zehn bis fünfzehn Lernende, die eine Lehrstelle in diesem Bereich antreten. Viele werden auch Automobilmechatroniker*in oder gehen in den Detailhandel. Oft brauchen sie bei uns auch noch Zeit, um herauszufinden, welchen Beruf sie erlernen wollen. Ich sage ihnen auch immer, dass ihnen nach einer Lehre noch sehr viele Wege offenstehen.
Welches sind die grössten Herausforderungen bei deiner Arbeit?
Die Geduld nicht zu verlieren bei entmutigten Lernenden – gerade in der Mathe. Gewisse Lernende haben aufgegeben. Sie zu ermutigen, dabei zu bleiben, braucht viel Kraft und viel Geduld. Ich muss auch eine klare Linie haben, damit sie wissen, wo meine Grenzen sind. Respekt ist mir sehr wichtig, ich respektiere die Lernenden und sie müssen auch mich respektieren. Wenn es nicht klappt, hilft meist ein Gespräch mit dem Lernenden allein, in dem ich frage, was los ist und wir gemeinsam eine Lösung suchen. Das wirkt meist extrem gut.
Weshalb schätzt du den Lehrerberuf?
Ich liebe es, mein Wissen weiterzugeben und die Lernenden zu stärken, zu unterstützen und eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. Ich habe Automechaniker gelernt und die Matura auf dem zweiten Bildungsweg absolviert. Danach habe ich Informatik studiert. An meinem Beispiel sehen die Lernenden, was alles möglich ist.
Wann und weshalb bist du zur Viventa gekommen?
Nach meinem Informatikstudium habe ich 14 Jahre lang an der Berufsschule Informatik unterrichtet, danach arbeitete ich zwei Jahre als Informatiker in einer Firma. Dort habe ich gemerkt, dass ich den Lehrerberuf vermisse – die Selbstständigkeit und die Freiheit in der Unterrichtsgestaltung. Deshalb habe ich mich vor fünf Jahren hier beworben und die Stelle bekommen. Meine langjährige Erfahrung aus der Berufsschule kommt unseren Lernenden zugute. Ich weiss genau, was auf sie zukommt.
Welche Geschichten aus deiner Zeit bei uns sind dir besonders im Gedächtnis geblieben?
Letztes Jahr habe ich eine Weiterbildung zum Berufswahlcoach absolviert. Dort habe ich einige neue Techniken erlernt. Gleichzeitig hatte ich einen sehr introvertierten Lernenden, der nur Absagen erhalten hat. Anhand seines Beispiels habe ich in der Weiterbildung meine Abschlussarbeit geschrieben. Ich habe alles Gelernte bei ihm angewendet. Und es war dann ein kleines Wunder, dass er noch im Juli eine Lehrstelle in der Pflege erhalten hat. Ein Happyend für ihn, mich und für meine schriftliche Arbeit (lacht).
Wie hoch ist der Druck, dass möglichst alle Lernenden im Berufsvorbereitungsjahr eine passende Anschlusslösung finden?
Eine passende Anschlusslösung für die Lernenden ist unser Ziel und dafür geben wir alles. Der Druck ist aber nicht so hoch, weil wir über ein ganzes Unterstützungsnetzwerk verfügen und nicht alleine auf uns gestellt sind, wie etwa als Sekundarlehrperson. Wir sind gut aufgestellt mit Coaching, externen Berufsberatenden und Coachingplus durch das Förderzentrum. Wenn ich zu einem Lernenden den Draht nicht finde, schicke ich ihn ins Förderzentrum. Oft können sie dort viel bewirken und finden mit den Lernenden auch passende Lehrstellen. Das läuft sehr gut und ich kann das nur empfehlen.
Was ist dir am wichtigsten bei deiner Arbeit an der Viventa mit den Lernenden?
Der gegenseitige Respekt. Wenn ich etwas verlange, müssen die Lernenden es umsetzen. Wenn sie ein Anliegen haben, habe ich dafür ein offenes Ohr für sie. Ich will kein Mobbing und keine Gewalt in der Klasse. Wir hören uns zu.
Wie ist euer Team im Wehntal?
Wir sind ein kleines und gutes Team – mit nur sieben Lehrpersonen ist es familiär. Wir arbeiten gut miteinander, unterstützen uns gegenseitig, essen am Mittag zusammen und können dann vieles besprechen und manches Problem lösen.
Was bedeutet dir deine Arbeit?
Ich unterrichte sehr gern hier, sonst würde ich den weiten Weg vom Toggenburg nicht auf mich nehmen (lacht). Die Arbeit gibt mir viel Zufriedenheit. Es erfüllt mich, die Lernenden zu unterstützen.
Im Praktischen Berufsvorbereitungsjahr beschäftigen sich die Lernenden mit ihrer Berufswahl und der Lehrstellensuche, festigen ihre Allgemeinbildung und sammeln erste praktische Fertigkeiten und Kompetenzen. Die Lernenden haben die Wahl zwischen sechs verschiedenen Profilen: Berufswelteinstiegsklasse, Dienstleistung & Gestaltung, Handwerksberufe, Handwerk & Technik, Technik & Informatik, Wirtschaft & Detailhandel.