«Der Übertritt von der Mittelstufe ins Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) der Viventa war nicht einfach für mich. In der Mittelstufe haben mir alle Mitschüler*innen geholfen und waren sehr nett zu mir. Weil ich mich sehr wohl in der Klasse gefühlt habe, sehne ich mich deshalb manchmal nach dieser Zeit zurück. Drei Jahre lang habe ich mit den gleichen Kolleg*innen die Klasse besucht, dort durfte ich allen 'du' sagen, sogar den erwachsenen Personen. Ich fühlte mich wie zu Hause. Hier an der Viventa fühle ich mich mehr wie in der Schule. In der Mittelstufe verbrachte ich meine Zeit eher mit den Jungs, an der Viventa bin ich mehr mit den Mädchen befreundet. Ein grosser Unterschied ist auch der Schulweg. Vorher brauchte ich 5 Minuten, jetzt sind es im Normalfall – wenn kein Verkehr herrscht– 45 Minuten. In der Mittelstufe wurde ich ausschliesslich von Frauen betreut und unterrichtet. Hier sind es mehr männliche Personen, was für mich völlig in Ordnung ist.
In meiner Klasse 17-B5 gibt es zwei Personen, die mir ans Herz gewachsen und sehr lieb und hilfsbereit sind. Es gibt noch zwei weitere Lernende aus einer anderen Klasse des Berufsvorbereitungsjahrs, die ich auch sehr mag. Im BVJ muss man die Lehrpersonen siezen und auch ich werde gesiezt. Für meine Selbstständigkeit muss ich vermehrt den Elektro-Rollstuhl nutzen, was ich in der Vergangenheit nicht musste. Ich denke immer wieder daran, wie schön es wäre, wenn die Menschen aus der Mittelstufe, die ich toll fand, und die Menschen, die ich hier toll finde, zusammen in einer Klasse wären. Das wäre keine Klasse, sondern eine wundervolle Gruppe. Ich meine damit nicht nur die Schülerinnen und Schüler, sondern auch die Erwachsenen. Natürlich wäre der Standort dieser Gruppe in Männedorf.
Was ich an der Viventa besser finde als an der Mittelstufe? Die Vielfalt an Menschen bezüglich Kultur und Herkunft ist grösser, dadurch ist es auch sehr spannend. Der Deutschunterricht ist sehr cool, weil wir einen coolen und lustigen Lehrer haben. Die Betreuungspersonen sind sehr hilfsbereit und suchen gemeinsam mit mir nach Lösungen. Hier gehen alle sehr stark auf mich ein. In diesem Schuljahr ist noch nicht geplant, dass ich eine Lehrstelle finde. Ich muss zuerst meine schulischen Lücken füllen. Erst im nächsten Schuljahr ist mein Ziel, eine Lehrstelle zu finden. In Mathematik und Informatik, meinen beiden schwächsten Fächern, erhalte ich hier viel Unterstützung. Es gibt einige wenige Lernende hier, die mich ärgern, aber hauptsächlich gefällt es mir gut und ich liebe es, in die Schule zu kommen, obwohl ich einen weiten Weg habe. Ich finde es sehr interessant, dass wir in der Schule manchmal über Politik reden. Das haben wir in der Mittelstufe nicht gemacht. Ich hoffe, dass wir noch öfters über Politik reden werden, da ich sehr gerne über Politik spreche. Ausserdem sind politische Themen und Diskussionen sehr wichtig, weil unsere Welt letztendlich davon abhängig ist. Ich freue mich bereits, wenn ich im Herbst volljährig werde und abstimmen darf.
Bevor ich ins Berufsvorbereitungsjahr kam, hatte ich mich sehr wenig mit meiner Berufswahl auseinandergesetzt. Das hat sich hier schon sehr verändert. Ich durfte bereits mehrere Berufe kennenlernen, wie Bäcker oder Detailhandelsfachmann, und werde in Zukunft in diverse Institutionen und Betriebe reinschauen können. Wir sind immer noch intensiv daran, einen idealen Beruf zu finden. Bis jetzt habe ich noch keinen Traumberuf entdeckt, aber bei jedem geschnupperten Beruf gab es etwas Interessantes. Ich bin zuversichtlich, dass ich eine gute Lösung finde.
Mein grösster Traum ist es, eines Tages eine grosse Familie mit vielen Kindern zu gründen. Dass ich im gleichen Gebäude oder mindestens in der Nähe meiner allerbesten Freunde wohne. Und natürlich, dass ich eine geeignete Arbeit haben werde, die ich spannend finde und gerne mache. Und natürlich gesund zu bleiben. Danach denke ich, sind alle meine Wünsche erfüllt und so fühle ich mich in Sicherheit und wohl.»
Lernende mit Beeinträchtigung besuchen ein Berufsvorbereitungsjahr der Fachschule Viventa. Sie werden in ihrer Klasse zusätzlich individuell begleitet. Im Unterricht erhalten sie je nach Bedarf heil- und/oder sozialpädagogische Unterstützung sowie ein Jobcoaching.