Ratha, was ist das Beste an deiner Arbeit als Betriebsmitarbeiter an der Fachschule Viventa?
Dass ich jeden Tag Neues lernen kann und immer dazu lerne. In den sieben Jahren hier an der Viventa ist kein Tag vergangen, an dem ich nicht etwas gelernt hätte. Mir gefällt auch, dass ich viele Menschen kennenlerne, seien es Lehrpersonen, Bereichsleitende oder Kolleg*innen aus der Verwaltung oder Reinigung. Denn ich schätze den Kontakt und den Austausch mit den Leuten sehr.
Was ist das Mühsamste?
Für mich ist alles okay, nichts ist mühsam. Arbeit zu haben ist wichtig. Welche Arbeit das ist, spielt für mich keine grosse Rolle. Hier gibt es so viele gute Leute, das ist mir am wichtigsten.
Für welche Arbeiten bist du zuständig?
Ich bin Springer im Hausdienst und bin in allen Schulhäusern der Viventa im Einsatz – ich bin immer da, wo ich gerade gebraucht werde. Ich staubsauge Treppenhäuser, reinige Böden und Fenster, richte Sitzungszimmer ein, bringe Waren oder hole sie ab, mache kleine Reparaturen, putze draussen Böden mit dem Hochdruckreiniger oder bereite die Turnhallen vor. In der Ferienzeit reinigen wir die Schulhäuser von Grund auf. Im Schulhaus Wehntal mähen wir auch den Rasen oder schneiden Hecken – das mache ich auch sehr gern. Wer gern arbeitet, findet immer etwas zu tun. Meine Tochter besuchte übrigens das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) im Wehntal. Nun macht sie die Lehre als Dentalassistentin. Das BVJ hat ihr gut gefallen. Ich habe auch zwei Söhne. Die Zwillingsbuben sind 21-jährig, sie haben Autismus und sind in einer darauf spezialisierten Einrichtung. Sie leben in einer anderen, ihrer eigenen Welt. Aus diesem Grund habe ich auch einen guten Zugang zu den Jugendlichen der Viventa15plus.
Wie ist euer Zusammenhalt im Team?
Wir haben einen sehr guten Zusammenhalt im Team Facility Management, alle sind sehr nett. Wir haben einen sehr guten Chef, der alle Mitarbeitenden respektiert und gleich behandelt.
Wie und wann bist du zur Viventa gekommen?
Vor 34 Jahren bin ich wegen des Bürgerkriegs aus Sri Lanka in die Schweiz geflüchtet. Schon nach drei Monaten habe ich im Café Röschibach, 350 Meter entfernt vom Schulhaus Wipkingen, am Buffet gestartet. Nach zwei Jahren konnte ich in den Service wechseln. Das Restaurant war wie mein Zuhause, es war sehr familiär. Deshalb kenne ich auch sehr viele Leute hier im Quartier. Urs, unser pensionierter Leiter Facility Management, war oft zum Mittagessen im Café und als das Restaurant nach 29 Jahren schliessen musste, habe ich alle Stammgäste informiert, dass ich auf der Suche nach einer neuen Arbeit bin. Urs hat mich dann zum Probearbeiten eingeladen – so kam ich zur Viventa.
Wie war es für dich ganz am Anfang in der Schweiz?
Zum Glück habe ich nach so kurzer Zeit in der Schweiz eine Anstellung gefunden. Ich musste sehr schnell Deutsch lernen, gerade im Service funktioniert es sonst nicht. Damals mit 19 Jahren hatte ich auch noch mehr Speicherplatz (lacht). Nicht einfach war, dass der Rest meiner Familie in ganz unterschiedliche Länder geflüchtet ist. Zwei meiner Brüder leben mit ihren Familien in Deutschland. Die anderen Geschwister und meine Mutter leben in Kanada. Mein Vater ist leider vor fünf Jahren dort verstorben. Meine Frau, die auch aus Sri Lanka stammt, habe ich bei einem Besuch in Kanada kennengelernt. Sie ist zu mir gezogen und die Kinder kamen hier zur Welt. Uns gefällt es sehr gut in der Schweiz. Nach Sri Lanka bin ich nie zurückgekehrt, ich reise lieber nach Kanada und Deutschland, um meine Familie zu besuchen.
Du arbeitest in all unseren Schulhäusern. Welches gefällt dir am besten?
Alle Schulhäuser gefallen mir, alle haben ihre Eigenheiten. Die meiste Zeit arbeite ich in Wipkingen, von hier aus schauen wir, wo es mich gerade braucht.
Was sind Erlebnisse in der Viventa, die du nie vergessen wirst?
Wir haben immer eine lustige Zeit zusammen und gehen meistens zusammen Mittagessen. Manchmal gibt es natürlich auch ärgerliche Dinge, wie Sprayereien in Schulhäusern, die ich dann reinigen muss. Mein Credo im Leben ist: Jeden Tag und bis zur letzten Minute sollte man dazulernen. Auch Bewegung ist gut. Und die habe ich bei der Arbeit genügend, etwa wenn ich mit dem Rückenstaubsauger die sechs Stockwerke des Treppenhauses in Wipkingen reinige.
Bist du selbst eigentlich gerne zur Schule gegangen?
Bis 19 bin ich in meinem Heimatort im Norden von Sri Lanka zur Schule gegangen – und das sehr gern. Ich habe das Gymnasium absolviert, Mathe war eines meiner Lieblingsfächer. Wäre der Bürgerkrieg nicht gewesen, hätte ich weiterstudiert. Hier in der Schweiz wollte ich dann finanziell von Anfang an auf eigenen Beinen stehen. So ist das Leben: Es ist auch Zufall, wo man landet.
Was wünschst du dir für die Zukunft?
Ich habe keinen speziellen Traum, ich möchte einfach gut für meine Kinder sorgen und hoffe, dass meine Jungs einen guten Platz zum Leben haben und meine Tochter ihre Ausbildung erfolgreich beendet. Für mich sind Familie und Gesundheit das Wichtigste. Auch meiner Mutter ist die Familie sehr wichtig. Sie ruft mich jeden Tag von Kanada aus an. Meine Jungs mit Autismus können nicht reden. Sie kommunizieren mit Fremden mit dem Computer. Wir verstehen sie meistens nonverbal. Ich bin ihr Beistand und möchte mich solange es geht um sie kümmern. Nun habe ich endlich nach langer Suche eine Institution gefunden, in der sie betreut wohnen können. Es war schwierig zwei Plätze zu finden, denn wir wollen sie natürlich nicht voneinander trennen.
Was bedeutet dir die Arbeit?
Arbeiten ist für mich das beste Medikament. In den 29 Jahren im Restaurant habe ich nur drei Tage wegen Krankheit gefehlt. Ich habe immer noch Kontakt mit den Chefs und Angestellten von damals. Und auch hier komme ich jeden Tag gerne zur Arbeit.