Was hat Zürich, was andere Städte gerne hätten?
Die klassische Antwort: den See! Er ist nicht nur sauber, sondern – im Gegensatz zu vielen anderen Städten – fast überall zugänglich. Er ist ein wichtiger Teil unseres Lebens, ein Ort der Freiheit, wo viele Jugendliche sozialisiert werden. Zum Seebecken gehört auch die Street Parade, ohne die Zürich für mich eine andere Stadt wäre. Die überraschendere Antwort: Die gute Zusammenarbeit zwischen den städtischen Behörden und der Wirtschaft. Das Unternehmertum wird ernst genommen. Ein aktuelles Beispiel ist der runde Tisch zum Thema Open Airs, wo die Behörden gemeinsam mit den Musikveranstaltern nach konstruktiven Lösungen suchen.
Was würden Sie abschaffen?
Das Badeverbot in der Innenstadt! Auch zwischen Quaibrücke und Drahtschmidlisteg sollte ein Sprung in die Limmat erlaubt sein. Und zweitens: die völlig veraltete Vorruhezeit. Zwar beginnt die offizielle Nachtruhe erst um 22 Uhr, beziehungsweise 23 Uhr am Wochenende. Doch bereits ab 19 Uhr muss der Lärm gemäss Gesetz minimiert werden. Das ist nicht mehr zeitgemäss – Zürich ist in den letzten Jahrzehnten mediterraner geworden: Wir leben mehr draussen und gehen später ins Bett.
Was ist Ihre liebste Tram- oder Bushaltestelle?
Bahnhof Hardbrücke. Die Station bietet einen einmalig urbanen Blick auf Stadt und Gleise – und bei Föhn sieht man sogar die schneebedeckten Alpen. Zudem erschliesst sie ein Mekka der Zürcher Nachtkultur: die Geroldstrasse und das Maag-Areal. Dort gibt es noch fantastische Industriegebäude und ein Brachland mit kulturellen Institutionen – sie sollte man eigentlich unter Schutz stellen.
Worüber sollten wir abstimmen können?
Über die Frage «In welcher Stadt wollen wir eigentlich leben?» Wollen wir eine museale Schlafstadt? Oder eine junge, offene, lebendige Stadt, in der Jugendliche ihren Platz haben und es am abend auch mal laut ist? Heute können Einzelpersonen mit juristischen Mitteln sehr vieles verhindern, seien das Veranstaltungen oder Bauprojekte. Deshalb sollten an der Urne entscheiden können: Wollen wir eine Politik des Verhinderns oder eine Politik des Ermöglichens?
Was würden Sie einem Kind zeigen?
Das politische Zürich – das Rathaus, wo jeder eine Gemeindeversammlung besuchen kann, und das Stadthaus. Es ist kein langweiliges Amtshaus, sondern ein spannender Ort, an dem Leben der Stadt zusammenkommt: von der Geburt bis zum Tod, von Sozialfällen über Neuzuzügerinnen bis zu Hochzeitspaaren. Noch schöner und spannender wäre allerdings das Umgekehrte: eine Kinder-Stadtführung, um Zürich einmal mit Kinderaugen zu sehen. (mk)
Der 50-Jährige ist in Zürich in der Grünau aufgewachsen, gelernter Sozialarbeiter und engagiert sich seit 30 Jahren für das Zürcher Nachtleben. Von 2001 bis 2015 war er für Saferparty.ch, das städtische Nightlife-Präventionsangebot, zuständig. Ausserdem hat er den Verein Safer Clubbing Schweiz und die Bar & Club Kommission Zürich mitgegründet, deren Geschäftsführer er seit 2015 ist. Zudem berät er als freischaffender Berater verschiedene Netzwerke und ist Mitglied der IG Zürcher Gastfreundschaft. (mk)
Die Stadtentwicklung Zürich arbeitet eng mit Partner*innen zusammen. Was diese von der Stadt Zürich denken, sagen sie uns in dieser Rubrik.