Anna Meier betreibt mit ihren zwei Kollegen Glen Müller und Dany Pfyl nicht einfach «nur» den Kiosk in der Frauenbadi am Zürcher Stadthausquai. Abends organisieren sie in der Barfussbar während der Sommersaison zusätzlich Dutzende Events. Fix im Unterhaltungskalender stehen «Live am Mittwuch», «Sounds am Dunnstig» und «Tanz am Sunntig», wobei man sich von der grafischen Darstellung des Tanzbeins oder eher des Tanzfusses auf der Website nicht abschrecken lassen sollte.
An den drei Abenden steht die Türe im «Badhaus für Frauenzimmer», 1888 direkt in die Limmat gebaut, auch für Männer offen. Jeweils pünktlich ab 20 Uhr. Den Ort mit seiner einmaligen Atmosphäre kann man zudem privat mieten. Einzig mit Baden ist am Abend nichts. Ab einer Temperatur von zwanzig Grad ist der Name «Barfussbar» Programm. Die Schuhe müssen zwar nicht draussen bleiben, aber sie machen Pause im Schuhdepot neben dem Eingang.
Geht liebevoll mit ihnen um
Hohe Schule ist, dass Anna Meier am Badi-Kiosk und in der Barfussbar bewusst auf die klassischen Sommer-Verkaufsschlager unter den Getränkemarken, Snacks oder Glacés verzichtet. «Wir setzen auf lokale Firmen. Die meisten unserer Lieferanten kennen wir persönlich.» Anna Meier probiert gerne aus. Selbst in den Ferien – natürlich nur im Winterhalbjahr – reist die geschäftliche Neugier mit. Sich selbst und ihre Kollegen Glen Müller und Dany Pfyl beschreibt sie als «fast schon ein bisschen verfressen». Das befördert die kulinarische Innovation.
Die Barfussbar ist inzwischen ein Hotspot. Die Limite am Abend von maximal 350 Personen wird regelmässig erreicht. Wenn voll ist, ist voll. Diese strikt einzuhaltende Obergrenze macht die Eingangskontrolle zur grossen Kunst der Diplomatie und der ausgesprochenen Freundlichkeit. «Treat them with love», predigt Anna Meier ihrem Team wie ein Mantra. Das gilt für den Kontakt an der Türe genauso wie an der Bar.
Trotz exklusiver Lage ist die Barfussbar kein Szene-Ort. Anna Meier und ihre Mitinhaber steuern das bewusst mit dem Programm. Die Live-Musik am Mittwoch reicht vom Singer-Songwriter über Jazz bis Hip-Hop. Der Donnerstag hat After-Work-Charakter mit Hintergrundsound. Am Sonntag legen DJs Italo-Pop oder 80er-Jahre-Hits auf, oder es gibt einen Rave. «Es kommen die Leute zu uns, die es geniessen, mitten in Zürich barfuss tanzen zu können, und die gerne so sind, wie sie sind.»
Ihre erste Karriere machte Anna Meier im Spital. Mit 28 kündigte sie ihren Job als diplomierte Pflegefachfrau ins Blaue hinaus. Stress und psychische Belastung hatten Spuren hinterlassen. Sie begann in der Gastronomie zu jobben, und absolvierte die Tourismus-Fachschule in Luzern. Auf Empfehlung einer Freundin heuerte sie für eine Saison in der Barfussbar an. Sie blieb länger und lernte den Betrieb an der Seite des ursprünglichen Erfinders, Jonas Thiel, in jeder Facette kennen. Als Thiel und seine langjährige Geschäftspartnerin Kerstin Kurer 2015 die Barfussbar mit der Pacht in der Frauenbadi weitergaben, blieb sie an Bord. Ein Jahr später wurde sie Teilhaberin.
«Ich werde wahrscheinlich in diesem Job pensioniert», sagt die 42-Jährige mit einem Schmunzeln. Sie weiss, dass die Pacht in ein paar Jahren wieder ausgeschrieben wird. Aber Anna Meier strotzt vor Zuversicht. Aktuell steht sie in fortgeschrittenen Verhandlungen für ein zweites geschäftliches Standbein der Barfussbar, ebenfalls mit Bezug zum Lieblingselement Wasser. Das liegt in der Familie – ihr Vater war Matrose auf dem Zürichsee.
Die Stadtentwicklung Zürich ist mit vielen interessanten Menschen in Kontakt, die in Zürich etwas bewegen. In dieser Rubrik stellen wir sie unseren Leser*innen vor. Die Stadtentwicklung setzt sich für eine vielfältige Gastronomie-Szene in Zürich ein. (rm)