Das Positive vorneweg: Trotz den schwierigeren Rahmenbedingungen ist das Fazit der Bevölkerung unverändert gut. 84 Prozent der Zürcher*innen bewerten die Lebensqualität in ihrer Stadt mit den beiden Höchstnoten «sehr gut» und «gut», und 72 Prozent leben sehr gerne hier. Das zeigt die neuste Bevölkerungsbefragung der Stadt Zürich.
Auch die Zufriedenheit mit verschiedenen Einrichtungen und Angeboten in der Stadt ist in den meisten Fällen gegenüber 2023 unverändert hoch: Der öffentliche Verkehr ist wie immer der Spitzenreiter mit 87 Prozent Zufriedenen, gefolgt von den Einkaufsmöglichkeiten, der postalischen Versorgung, den Möglichkeiten zum Ausgehen und dem Kulturangebot, dem Gesundheits- und Pflegeangebot, den Sportanlagen und Schwimmbädern und den Schulen und Kindergärten.
Es sollen mehr bezahlbare Wohnungen gebaut werden
Schlecht schneidet das Parkplatzangebot in der Innenstadt ab, und mit Abstand das Schlusslicht bildet das Wohnungsangebot. Die medialen Diskussionen hinterlassen deutliche Spuren in den Antworten und Einschätzungen.
Die Dynamik der Veränderung bringt für die Zürcher*innen auch Unruhe und Unsicherheit mit sich. Die diesjährige Bevölkerungsbefragung legt daher wie die letzte einen Fokus auf die Einschätzung zu Zürichs Entwicklung, um den Puls der Bevölkerung zu fühlen.
Die Befragung zeigt, dass fast drei Viertel (72 Prozent) der Ansicht sind, dass sich die Stadt Zürich in eine gute Richtung entwickle. Zwei Drittel finden, die Stadt könnte sich noch dynamischer entwickeln, und 46 Prozent hat die Stadt früher besser gefallen. Im Jahresvergleich nimmt die Zustimmung dazu, dass sich Zürich in eine gute Richtung entwickle, allerdings leicht ab – dafür steigt die Ansicht, dass mehr Wohnraum geschaffen werden sollte (59 Prozent der Befragten stimmen dieser Aussage voll zu). Und nicht einfach Wohnraum, sondern bezahlbare Wohnungen: 43 Prozent finden, die Stadt tue viel zu wenig zur Förderung des preisgünstigen Wohnraums.
In diesen Aussagen werden die Herausforderungen der dichter werdenden Stadt deutlich: Das Thema Wohnen steht erstmals ganz zuoberst auf dem Sorgenbarometer. «Wohnraum» wird von 56 Prozent der Befragten als grösstes Problem der Stadt Zürich genannt. Und zum ersten Mal seit Messbeginn (1999) steht der Verkehr nicht mehr an erster, sondern an zweiter Stelle (47 Prozent). Auf den nächsten Rängen folgen die Lebenshaltungskosten, die Bevölkerungsdichte und die Kriminalität.
Letztere Aussage überrascht etwas – denn das subjektive nächtliche Sicherheitsgefühl im Quartier ist stabil sehr hoch (85 Prozent der Einwohner*innen fühlen sich nachts zu Fuss unterwegs sicher) und es werden auch nicht viele Orte im Quartier bewusst gemieden von den Anwohner*innen. Signifikant weniger sicher fühlen sich allerdings Frauen als Männer, und sie sagen auch weiterhin aus, auf der Strasse und am Bahnhof belästigt worden zu sein.
Wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung gerückt ist mit den Unruhen um die Bäckeranlage auch das Thema Drogen. Das Engagement der Stadt Zürich gegen den Drogenmissbrauch wird nur noch von 50 Prozent der Befragten als «gerade richtig» bewertet (2023 waren es 55 Prozent), 47 Prozent finden dagegen, es werde zu wenig getan (2023 waren dies 39 Prozent). Es zeigt sich: Auch in der Stadt, die eine der weltweit besten Drogenpolitiken erfunden hat, schlummert das Problem stets unter der Oberfläche.
Allgemein spiegeln sich die gesellschaftlichen Diskussionen und Unsicherheit auch in der Bevölkerungsbefragung 2025: Die Lebensqualität in der Stadt wird zwar unverändert geschätzt, und die Mehrheit der Befragten findet, die Stadt entwickle sich in die richtige Richtung oder könnte sich ruhig noch etwas dynamischer entwickeln.
Demgegenüber steht die wachsende Sorge um das knapper und teurer werdende Gut Wohnraum. Hier ist die Stadt gefordert, um den Zugang zu bezahlbarem Wohnraum zu verbessern und die Siedlungsentwicklung sozialverträglich zu gestalten. Dies wird auch in den kommenden Jahren eine grosse Herausforderung bleiben.