Die Beziehungen zwischen der Stadt Zürich und dem Königreich Bhutan bestehen schon fast seit zwanzig Jahren. 2010 zeigte das Museum Rietberg die Ausstellung «Bhutan – Heilige Kunst aus dem Himalaya»; mit den Kunstwerken kamen bhutanische Mönche, die sie während der ganzen Ausstellungsdauer bewachten und dem Publikum erläuterten. Was mit der Kunst begann, wurde zur Entwicklungskooperation: Aus dem Kulturaustausch zwischen dem Museum Rietberg und der bhutanischen Regierung entwickelte sich eine weiterführende Zusammenarbeit der Stadt mit dem Herzstück Bhutans, dem Bumthang Valley.
Denn im September 2011 ersuchte der damalige bhutanische Forst- und Landwirtschaftsminister Dr. Lyonpo Pema Gyamtsho die Stadt Zürich um Unterstützung beim Erhalt des kulturellen Erbes seines Landes. In der Folge entschied die Stadt Zürich, Bhutan mit fachlichem Know-how in der räumlichen Entwicklungsplanung zu unterstützen. Von 2011 bis 2013 wurde unter Federführung des Amts für Städtebau ein Masterplan für das Bumthang-Tal erarbeitet.
Ziel war es, trotz Bevölkerungswachstum und wirtschaftlicher Entwicklung eine nachhaltige Siedlungsentwicklung sicherzustellen. Die Zürcher Fachleute unterstützten dabei ein bhutanisches Planungsteam bei der Ausarbeitung einer Richtplanung. Nach eineinhalb Jahren kam die Zusammenarbeit mit der Übergabe des Masterplans durch die Stadtpräsidentin Corine Mauch und dem Vorsteher des Hochbaudepartements, André Odermatt, im August 2013 an den bhutanischen Minister für Bau- und Siedlungswesen, Lyonpo Dorji Choden, in Bumthang zum Abschluss.
Eine feierliche Zeremonie eröffnete die Workshops
Seither wurde der Bumthang Valley Master Plan schrittweise implementiert und umgesetzt, und Bumthang hat seine Bevölkerung nahezu verdoppelt. Aufgrund des Wachstums und der steigenden Touristenzahlen steht das Tal vor neuen Herausforderungen in Bezug auf die begrenzte öffentliche Verkehrsinfrastruktur und das Abwasser- und Abfall-Management.
Im Juli 2024 wandte sich der Premierminister von Bhutan, Tshering Tobgay, deshalb erneut an die Stadt Zürich und ersuchte um technische Unterstützung für die Region Bumthang. Die Gespräche zwischen Zürich und Bumthang wurden wieder aufgenommen und die Kernpunkte der Zusammenarbeit identifiziert: eine Überarbeitung des Masterplans, Abklärungen zu einem Gesamtsystem für dezentrale Abwasserreinigung, Entwicklung eines nachhaltigen Gesamtverkehrssystems. Diese Punkte wurden in einem Memorandum of Understanding zwischen der Stadt Zürich und der bhutanischen Regierung, vertreten durch das Ministry of Transport, festgehalten und im April 2026 in Thimphu, der Hauptstadt von Bhutan, unterzeichnet.
Dazu reiste eine Delegation aus der Stadt Zürich mit der Stadtpräsidentin, der Vorsteherin des Sicherheitsdepartements, den Direktorinnen der Dienstabteilung Verkehr, des Amts für Städtebau und der Stadtentwicklung, mit einem Projektleiter des es Amts für Städtebaus, der schon vor dreizehn Jahren am Masterplan mitgearbeitet hatte, und einem externen Experten nach Bhutan. Die Reise diente nicht nur der feierlichen offiziellen Besiegelung der Zusammenarbeit, sondern vor allem dazu, die Situation vor Ort anzuschauen und erste technische und fachliche Workshops durchzuführen. Aufgrund deren Ergebnisse soll nun bestimmt werden, wie die Zusammenarbeit fortgesetzt werden soll. Die Workshops wurden mit einer feierlichen Zeremonie in Bumthang eröffnet (s. Titelbild).
Der Fachaustausch erwies sich als äusserst wertvoll. Gemeinsam mit den politischen und fachlichen Vertreter*innen der nationalen Ebene (des Ministeriums), der regionalen und der lokalen Ebene diskutierten die Zürcher Expert*innen drei Tage lang über Raumplanung und Stadtentwicklung. Sie thematisierten Hochwasserschutz, Nutzungspläne, nachhaltige Verkehrssysteme, Abwasser- und Abfallmanagement, sprachen eingehend über die architektonische Entwicklung und die traditionelle Baukultur des Tals und über seine wirtschaftliche Grundlage in der Holzindustrie. Daraus kristallisierten sich vier mögliche konkrete Bereiche der Zusammenarbeit heraus:
Der erste dreht sich um die Definition eines neuen Zentrums von Bumthang, denn seit dem Abriss des alten Zentrums von Chamkhar verfügt die Region über kein Stadtzentrum mehr. Idealerweise bleibt dies Chamkhar. Dies erfordert Massnahmen, die leicht umzusetzen sind und sofort Wirkung zeigen – wie beispielsweise ein Park oder eine Grünfläche entlang der Hauptstrasse –, um die Attraktivität des Gebiets zu steigern, das bereits als lokaler Knotenpunkt dient und relativ dicht bebaut ist.
Erfahrungen von Bondo können auch Bhutan helfen
Das zweite Projekt hat die integrierte Flussuferbebauung des Flusses Bumthan Chhu, der die drei Teile von Bumthang verbindet, zum Thema. Entlang des Flusses soll eine Langsamverkehrsroute für Radfahrer*innen und Fussgänger*innen eingerichtet werden. Dies erfordert jedoch eine vorgängige Analyse der Überschwemmungsgebiete und gegebenenfalls eine neue Hochwasserschutzinfrastruktur, um die Landnutzung innerhalb der Pufferzonen der potenziellen Überschwemmungsgebiete zu ermöglichen – ähnlich, wie dies beim Schweizer Hochwasserschutzprojekt «Bondo II» aus dem Jahr 2025 geschehen ist.
Entlang dieser linearen Route könnten verschiedene kleine und grosse Pocket-Parks, kleine Freiräume im Siedlungsgebiet, entstehen, die die einzelnen Dorfabschnitte miteinander verbinden und sie als lokales Erholungsgebiet an das Flussufer anbinden.
Um die wirtschaftliche Grundlage des Bumthang-Tals zu stärken, soll als drittes die bestehende Holzindustrie im Tal gestärkt werden. Es gibt aktuell 39 lokale Holzverarbeitungsbetriebe, von denen 12 aktive Sägewerke sind, die hauptsächlich Holz für den Export nach Indien produzieren. Mit einem Ausbau der Weiterverarbeitung dieses Holzes könnte die Wertschöpfung der Holzindustrie im Tal verbleiben. Sie stellt eine wichtige Säule der lokalen Wirtschaft dar und kann dazu beitragen, dass das Tal eine grössere Unabhängigkeit erlangt. Damit einhergehen sollte ein Ausbau der Bildungseinrichtungen für das Holzhandwerk in Anlehnung an das duale Berufsbildungsmodell der Schweiz und das System der handwerklichen Lehrlingsausbildung.
Im Rahmen der Bemühungen zur Stärkung der lokalen Holzverarbeitungsindustrie könnte als viertes in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich auch ein konkretes Projekt umrissen werden, das sich auf die traditionelle Holzarchitektur des Bumthang-Tals konzentriert und diese weiterentwickelt – kosteneffizient und zeitgemäss (Wärmedämmung, neue Technologien).
Diese Ideen werden nun konkreter definiert und geprüft. Auf dass die Kooperation der Stadt Zürich mit Bhutan eine neue Ebene erlangt.