Kurator*innen, Künstler*innen und ihre Ausstellungen spielen die Hauptrolle. Sie führen durch Museen, Galerien und durch die Stadt. Erkundungstouren im Begleitprogramm erforschen das kollektive Gedächtnis in den Strassen. Sie untersuchen, wie Botanik, Wissenschaft und Fortschritt zusammenhängen. Sie blicken zwischen Pflastersteine und beleuchten Orte, wo Kunst, Volkswissen und Natur aufeinandertreffen.
Ein kulinarisches Experiment unterstreicht Kochen als künstlerische und soziale Praktik. Das Tonhalle Orchester entdeckt einen Kunstraum musikalisch, eine Intervention lädt am Tag des Frauenstreiks zur gemeinsamen Zeichensetzung und ruft «MUTterland». Zudem: Partys in Schiffbau und Shedhalle, Podien und Diskussionen, Pilates und Brunch.
Ein starkes Kunstökosystem in Zürich
Dies sind nur einige Anlässe von vielen. Das Zurich Art Weekend (ZAW) vernetzt Menschen und künstlerische Positionen in einem reichhaltigen kuratierten Programm. Es findet bewusst am Wochenende vor der Art Basel statt. «In Zürich entstehen Ideen, verdichten sich, entwickeln sich weiter. Basel ist der zentrale Treffpunkt des internationalen Kunstmarkts», sagt ZAW-Gründungsdirektorin Charlotte von Stotzingen vor der Eröffnung der neunten Ausgabe.
«Zürich hat ein aussergewöhnlich starkes Schweizer Kunstökosystem», sagt sie. Da wollte sie eine Plattform ins Leben rufen, die den Austausch fördert. Charlotte von Stotzingen spricht schnell und konzentriert, eine Andeutung von französischem Akzent, englische Begriffe fliessen ein. Kunst ist ihr Thema und ihr Element, viele Bälle spielerisch in der Luft zu halten, ganz offensichtlich auch – sei es als Organisatorin und Kuratorin, sei es als Gesprächspartnerin.
Das Zurich Art Weekend rückt die Zürcher Kunstszene ins internationale Rampenlicht. Zudem setzt es sich, so fasst es die Direktorin kurz, für die Demokratisierung der Kunst und den Zugang zu ihr ein. Der kuratorische Anspruch ist hoch, dabei bleibt der Anlass niederschwellig zugänglich. «Zugänglichkeit soll nicht im Widerspruch zu Qualität stehen.» Drittens soll die Interdisziplinarität gefördert werden, etwa zwischen Kunst und Wissenschaft.
Gleichzeitig bietet das Wochenende mit einem neu lancierten Zurich Art Forum auch Kunstexpert*innen mit geschlossenen Anlässen Gelegenheiten zum Austausch. Es ist der Moment, um Kontakte zu knüpfen, neue Zusammenarbeiten einzugehen, Entwicklungen und Fragestellungen zu diskutieren.
Hochwertig kuratiert, offen für alle
Charlotte von Stotzingen lebt seit dem ersten Zurich Art Weekend 2018 in Zürich, ihre drei Kinder gehen hier zur Schule. Seit sie Kinder habe, sei sich ihrer Verantwortung für die Zukunft noch ausgeprägter bewusst, erzählt sie. Dazu gehört für sie auch, darüber nachzudenken, welche gesellschaftliche Rolle der Kunst in den wachsenden Städten zukommt.
Kunst schafft einen Mehrwert, sagt sie. Die Bereicherung ist wirtschaftlich messbar, aber nicht nur. Denn die Positionen und Perspektiven der Kunst schaffen auch einen schwer bezifferbaren, jedoch unbezahlbaren gesellschaftlichen Mehrwert. Charlotte von Stotzingen: «Man kann es existenziell nennen, denn keine Stadt lebt vom wirtschaftlichen Erfolg allein.» Diese «Soft Power» und «vermittelnde Diplomatie» der Kunst schärfen aus ihrer Sicht das Profil von Städten.
Auch so viel soll das Zurich Art Weekend leisten. Kein thematischer Fokus, allein die kuratorische Freiheit setzt die Zeichen dafür. Ein inhaltlich roter Faden ergibt sich nicht aus der Vielfalt der Veranstaltungen und Orte, aus der Beziehung zwischen Künstler*innen, Besucher*innen und Gastgeber*innen. Aber in Zürich zeigt sich der Zeitgeist.
Vom 12. bis 14. Juni rückt der Event in rund 80 Ausstellungen Künstler*innen und Kurator*innen in den Fokus Das Begleitprogramm bringt mit mehr als 200 Veranstaltungen an mehr als 70 Orten zeitgenössische Kunst und Publikum zusammen. Es ist offen und kostenlos zugänglich.
Mit seinem vielfältigen Programm stärkt das Zurich Art Weekend die Stadt als dynamischen und offenen Ort für Kunst, Austausch und Begegnung. Gleichzeitig trägt die Veranstaltung wesentlich zur internationalen Sichtbarkeit des Standorts Zürich bei und fördert die Vernetzung zwischen Kulturinstitutionen, Kunstschaffenden und der Kreativwirtschaft. Die Stadtentwicklung Zürich unterstützt das Zurich Art Weekend deshalb finanziell. (nt/red.)