Von Januar bis Juni 2026 wurden im Kanton Zürich 5206 Unternehmen gegründet. Das ist ein neuer Rekord für eine erste Jahreshälfte und vorläufiger Höhepunkt eines anhaltenden Gründungsbooms. Das zeigen die Auswertungen des Instituts für Jungunternehmen IFJ. Aktuell ist auch diese Zahl: Nur jedes zweite Unternehmen in der Schweiz überlebt die ersten fünf Jahre. Beim Bund läuft die Statistik emotionslos unter dem Titel «Überlebensraten neuer Unternehmen».
Stellt man die beiden statistischen Informationen nebeneinander, kommt einem in leicht abgewandelter Form ein Sprichwort aus einem ganz anderen Lebensbereich in den Sinn: «Unternehmerin oder Unternehmer zu werden ist nicht schwer. Es zu bleiben und langfristig wirtschaftlich erfolgreich zu geschäften, hingegen sehr.»
Unterstützung über den ganzen Lebenszyklus
An dieser Stelle der Geschichte tritt Ahead Zürich auf. Ein wichtiges Ziel des unabhängigen Gründungs- und Innovationszentrums ist es, die Überlebensrate junger Unternehmen in der Wirtschaftsregion Zürich zu erhöhen. Getragen wird Ahead von Stadt und Kanton Zürich sowie von der Zürcher Kantonalbank (ZKB).
Der Begriff «beraten» greift bei Ahead allerdings zu kurz. Das sechsköpfige Team aus erfahrenen Unternehmerinnen und Unternehmern mit Geschäftsführerin Chantal Stäuble begleitet grundsätzlich den ganzen Lebenszyklus eines Unternehmens mit eigenem Know-how und einem externen Netzwerk von ausgewiesenen Fachpersonen, niederschwellig und umsetzungsorientiert. Mit Gründerinnen und Gründern analysiert das Team in einer kostenlosen Erstberatung die Geschäftsidee, hilft beim Gründungsakt, bei Treuhand- und Versicherungsthemen oder bei der Vermarktung. Bei Finanzbedarf vermittelt Ahead Mikrokredite zu guten Konditionen bis zu 40 000 Franken. Und KMU profitieren bei Innovationsvorhaben von bis zu 35 Stunden kostenloser Begleitung durch externe Spezialistinnen und Spezialisten.
Johanna Altherr stöberte im Nachlass ihres verstorbenen Vaters und stiess dort auf Trouvaillen ihres Grossvaters Alfred Altherr, Designer, Architekt und eigentlicher Pionier der Schweizer Wohnkultur. Johanna reproduziert seither Möbel und Lampen und führt so 50 Jahre später das Erbe ihres Grossvaters weiter, der unter anderem bei Le Corbusier in Paris gestaltete. Dank Gründungsberatung von Ahead und einem Mikrokredit konnte Johanna ihr Marketing professionalisieren und den visuellen Auftritt ihrer Marke online auf das hohe Qualitätsniveau ihrer Produkte heben.
Im letzten Sommer wurde die Genossenschaft aus der Taufe gehoben. Sie vereint die Aktivitäten mehrerer Vorgängerorganisationen unter einem Dach. Das Jahr 2025 übertraf die gesteckten Ziele in jeder Hinsicht: Ahead hat 518 Gründungsberatungen durchgeführt, 237 Anfragen zur Finanzunterstützung bearbeitet und diese in 21 Mikrokredite der ZKB umgemünzt und zudem 36 Innovationsprojekte begleitet.
Unter Gründen versteht Ahead mehr als das Abarbeiten einer online verfügbaren Checkliste zum Akt selbst. Die zwei bis vier Jahre danach gehören zum Gründen dazu. Die Beratung von Ahead ist so auf den ganzen, laut Statistik kritischen Zeitraum eines jungen Unternehmens ausgelegt.
Zwei Herausforderungen seien herausgepickt. Nummer eins: Das neue Leben als Unternehmerin oder Unternehmer ist in der Realität nicht so unbeschwert und «hip», wie es in Social-Media-Posts tönt. Unternehmertum erfordert viel persönliches Engagement, unternehmerische Verantwortung kann belastend sein. «Häufig entscheidet weniger die geniale Idee, sondern die Persönlichkeit über den Erfolg der Selbstständigkeit», sagt Prisca Brugger, die den Bereich Gründungsberatung leitet.
Angehende Gründerinnen und Gründer kommen mit unterschiedlichem Ansatz und Antrieb zu Ahead. Die einen wollen eine eigene Leistung im Nebenjob anbieten. Andere setzen voll auf die Karte Selbstständigkeit – allein oder in einer Geschäftspartnerschaft. Es sind Menschen – Handwerkerinnen, Kreative, Tüftler, Coaches, Beraterinnen, Therapeuten, Händler, Gastronomen – aus allen Branchen und mit ganz unterschiedlichem Erfahrungshorizont.
Eine zweite Herausforderung betrifft das Geld. Es kommt nicht immer früher herein, als es ausgegeben werden muss. Selbst wenn sich ein lanciertes Produkt oder eine Dienstleistung gut verkaufen, kann die fehlende Liquidität bei Nachbestellungen, beim Einkauf von Rohmaterial oder für nötige Investitionen ins Marketing zum Problem werden. Nicht zu vergessen: Selbstständigkeit muss Gewinn abwerfen. Die laufenden Lebenshaltungskosten müssen gedeckt werden können, die Altersvorsorge darf nicht zu kurz kommen.
Stefania Bacskay-Bektas arbeitete als Restauratorin unter anderem an der Zentralbibliothek Zürich, als sich ihr eine besondere Chance bot: Sie konnte eine Zürcher Buchbinderei in Adliswil übernehmen, die über 30 Jahre erfolgreich geführt worden war. Dank Mikrokredit restauriert sie heute mit «KOZO books» historische Bücher, Alben und Papierobjekte. Und sie stellt neue Werke her: Künstlerbücher, Spezialanfertigungen und Unikate. Beides für eine traditionsbewusste Klientel in der Stadt Zürich.
Bei der Finanzierung des Geschäftsvorhabens und beim Thema Liquidität setzt der Mikrokredit an. Dies ist das Feld von René Chenevard. Er unterstützt Unternehmerinnen und Unternehmer beim Erstellen der Antragsdossiers zuhanden der ZKB. Und er hilft, ein realistisches Budget zu erstellen. «Wir prüfen, hinterfragen, befähigen und rechnen. Aus einer Idee soll ein existenzsicherndes Unternehmen werden.»
Bei der Kreditvergabe gelten klare Regeln. Nur Einzelfirmen oder GmbH sind kreditberechtigt, Aktiengesellschaften werden nicht berücksichtigt.
Der Mikrokredit wird als Kontokorrent zur Verfügung gestellt. Das hat grosse Vorteile: Gründerinnen und Gründer können den vereinbarten Kreditrahmen flexibel in Tranchen nutzen. Zinsen sind nur auf dem effektiv bezogenen Betrag geschuldet.
Das dritte Standbein, die Innovationsberatung, richtet sich an erfahrene KMU. Ihnen mangelt es meist nicht an Ideen. Es fehlen aber Zeit und Fokus, eine Innovation im operativen Alltag umzusetzen.
Das galt auch für die Straumann Hüppen AG in Wädenswil mit ihrem seit 1947 nach Geheimrezept produzierten, land- und stadtbekannten Feingebäck. Drei Produktionslinien mit nur zwölf Mitarbeitenden liessen im Alltag wenig Raum für Experimente. Dank Unterstützung eines Fachspezialisten aus dem Ahead-Netzwerk ertüftelten Geschäftsführer Vladimir Minic und sein Team neue Füllungen für ein jüngeres Publikum, die sich mit den bestehenden Anlagen herstellen lassen.
Anna Zakharova leitet den Bereich Innovationsberatung. Die ersten Beratungsstunden – maximal 35 – sind kostenlos. Die Beratung umfasst ein Gespräch, eine Analyse des Status quo und eine Förderstrategie. Ahead bringt in das Innovationsprojekt eine unternehmerisch-strategische Aussensicht ein sowie ein thematisch breites Netzwerk von Fachleuten mit ein. Diese unterstützen KMU dabei, im laufenden Betrieb ein neues Produkt oder neue Prozesse einzuführen.