Die Zahl der Beschäftigten steigt in der Stadt Zürich kontinuierlich und erreicht fast jedes Jahr einen Rekordwert: Arbeiteten 2011 noch 443 621 Personen in der Stadt Zürich, waren es 2023 bereits 545 938 – eine Zunahme von 23 Prozent. Das geht aus der aktuellen Studie «Werkplatz Stadt Zürich – Auswertung der Statistik der Unternehmensstruktur 2011 bis 2023» hervor.
Allerdings entwickelten sich nicht alle Branchen positiv. Jene, die dem Werkplatz zugeordnet werden, schrumpften gar um zehn Prozent. Heute arbeiten nur noch 56 900 Personen und damit jede*r zehnte Beschäftigte in einem Werkplatzunternehmen – 2011 war es noch fast jede*r siebte. Zum Werkplatz zählen produzierende, reparierende, bauende, handelnde oder lagernde Betriebe.
Mit der Studie will die Stadtentwicklung Zürich die Entwicklung des Werkplatzes über einen längeren Zeitraum sichtbar machen und Einschätzungen aus den bisherigen Analysen anhand der neuesten verfügbaren Zahlen überprüfen. Die Studie untersucht die Entwicklung von 2011 bis 2023. In diesen Zeitraum fallen Jahre, die geprägt waren vom starken Franken, der Digitalisierung, steigenden Bodenpreisen infolge des Bevölkerungswachstums und der Pandemie.
Die Strukturen in der Zürcher Wirtschaft haben sich verschoben. Das zeigt sich an der unterschiedlichen Entwicklung des Werkplatzes und der übrigen Wirtschaft: Das Wachstum ging auf das Konto von Dienstleistungsbranchen, während der industrielle und gewerbliche Teil stagnierte oder zurückging.
Räume für die Industrie von heute
Doch das Bild ist differenzierter, als diese Zahlen vermuten lassen. Denn trotz des Rückgangs zeigt die Studie auch neue Stärken des Werkplatzes. «Der Werkplatz steht unter Druck, aber es gibt Lichtblicke – insbesondere in Teilen der industriellen Produktion, also bei den grösseren Unternehmen, die in der Stadt produzieren», sagt Roger Müller, Projektleiter bei der Wirtschaftsförderung, die zur Stadtentwicklung Zürich gehört.
Die Wirtschaftsförderung setzt sich generell für gute Rahmenbedingungen für die Wirtschaft und den Erhalt der vielfältigen Branchenstruktur ein. Die Stadtentwicklung Zürich verfasst deshalb wirtschaftliche Analysen und Berichte und setzt sich dafür ein, dass Unternehmen bezahlbare und ihren Bedürfnissen entsprechende Räume finden, insbesondere in den bestehenden Industrie- und Gewerbezonen.
Drei Sektoren dominieren den Werkplatz Zürich: Produktion, Bau und Grosshandel. Zusammen vereinen sie 71 Prozent der Beschäftigten und 85 Prozent der Arbeitsstätten. Doch ihre Entwicklung verlief sehr unterschiedlich.
Am stärksten hat der Bausektor an Boden verloren: Zwischen 2011 und 2023 sank die Zahl der Beschäftigten um 26 Prozent auf rund 11 500 Personen.
Im Grosshandel fiel das Minus moderater aus: minus zwölf Prozent bei den Beschäftigten, minus 24 Prozent bei den Betrieben. Die einzelnen Betriebe entwickelten sich jedoch unterschiedlich: Der Nahrungs- und Genussmittelhandel wuchs und beschäftigte 2023 fast 50 Prozent mehr Personen als 2011, die Zahl der Mitarbeitenden im Motorfahrzeughandel dagegen sank um einen Drittel.
Die Produktion hingegen, die dritte grosse Branche des Werkplatzes, erlebt seit einigen Jahren eine Renaissance. Nachdem die Zahl der Beschäftigten in der ersten Hälfte des Untersuchungszeitraums richtiggehend eingebrochen war, stieg sie ab 2017 wieder. Heute liegt die Beschäftigung leicht über dem Niveau von 2011. Besonders gut entwickelten sich die Teilbranchen Nahrungsmittel und Getränke (+19 Prozent), elektronische und optische Geräte (+38 Prozent) und Maschinenbau (+38 Prozent).
«In Zürich ist eine urbane Produktion mit spezialisierten Unternehmen entstanden, die teilweise direkt für den Markt Stadt Zürich produzieren. Gleichzeitig floriert die klassische Industrie in High-Tech-Geschäftsfeldern wie Energieeffizienz oder Datenverarbeitung», sagt Roger Müller. «Das zeigt: Die Produktion in der Stadt Zürich ist vielseitiger, als wir glauben. Und sie hat Zukunft.»
Dynamik in den kleineren Sektoren
Auch bei den kleineren Sektoren zeigt sich ein gemischtes Bild. In der Branche Transport und Logistik nahm die Zahl der Beschäftigten um sieben Prozent ab – trotz des Booms im Onlinehandel.
Anders die Branche Versorgung und Entsorgung: Die Zahl der Beschäftigten wuchs im gleichen Zeitraum um 19 Prozent (3 223 Personen), jene der Betriebe gar um 42 Prozent. Energieversorgung, Kreislaufwirtschaft und Abfallmanagement haben stark an Bedeutung gewonnen – nicht zuletzt im Zuge der Klimapolitik. Zudem wirkt sich hier das Bevölkerungswachstum sehr direkt aus.
Der Werkplatz wird in der Statistik in gewerbliche Betriebe unterteilt, welche Mitarbeitende im Umfang von bis zu 49 Vollzeitstellen beschäftigen und in industrielle Unternehmen, mit einer höheren Beschäftigung. 2023 arbeiteten 40,7 Prozent der Beschäftigten in Gewerbebetrieben, 59,3 Prozent in Industriebetrieben. Die Beschäftigung ging beim Gewerbe im Untersuchungszeitraum stärker zurück (-minus elf Prozent) als in der Industrie (minus neun Prozent)
Räumlich konzentriert sich der Werkplatz auf drei Gebiete, die zusammen zwei Drittel aller Beschäftigten vereinen: Das grösste liegt entlang der Bahngeleise Richtung Limmattal – in den Quartieren Escher Wyss, Hard, Altstetten und Gewerbeschule. Ein zweites Zentrum bildet der Norden der Stadt mit Oerlikon und Seebach, wo sich zunehmend technologieorientierte Produktionsunternehmen ansiedeln. Das dritte liegt in der Binz in Alt-Wiedikon, wo sich kreative und handwerkliche Kleinbetriebe etablieren.
Die Studie macht zwei gegenläufige Entwicklungen sichtbar. Auf der einen Seite stehen Werkplatz-Unternehmen in der Stadt weiterhin unter Druck. Das Angebot an geeigneten Standorten ist begrenzt. Produktions- unternehmen benötigen eine gute Verkehrsanbindung und Raum für Logistik und Lager. Sie sind auf eine emissionstolerante Nachbarschaft angewiesen – und in der Regel auf bezahlbare Räume.
Gleichzeitig bieten sich für Werkplatz-Unternehmen Chancen dank der Nähe zum wachsenden und zahlungskräftigen Absatzmarkt der Stadt. Interessant ist ein Stadtstandort nicht auch zuletzt, um Fachleute in technischen und innovativen Berufen zu gewinnen.
Kleiner, aber wettbewerbsfähig
Der Abwärtstrend hat sich in den letzten Jahren abgeschwächt. Der Werkplatz trägt heute zwar weniger zur Beschäftigung bei, bleibt aber ein wichtiger Pfeiler der städtischen Wirtschaft: Er sichert Arbeits- und Ausbildungsplätze in technischen Berufen, fördert Innovation und trägt massgeblich zur Versorgung und Funktionsfähigkeit der Stadt bei. «Der Werkplatz Zürich ist zwar kleiner geworden, aber er ist wettbewerbsfähig», sagt Roger Müller. Er wandelt sich hin zu einer vielfältigen, technologiegetriebenen und dienstleistungsnahen Produktionslandschaft.