Was hat Zürich, was andere Städte gerne hätten?
Zwei Dinge. Zum einen dieses unschlagbare Paket aus globalem, urbanem Flair und der Kleinräumigkeit einer Stadt, in der alles im Nu erreichbar ist. Zum anderen eine professionelle Stadtverwaltung mit enormer Expertise. Zürich hat den Anspruch, Projekte ganzheitlich und innovativ anzugehen – die Verknüpfung der Klima- und Mobilitätsstrategie ist dafür ein sehr gutes Beispiel. Davon profitiert auch der Städteverband.
Was würden Sie abschaffen?
Den Hang zum Perfektionismus. Er blockiert uns oft. Wir brauchen schlicht zu lange bis ein Projekt steht. Dabei rennt uns die Zeit davon – gerade beim Klimaschutz oder bei Wohnbauprojekten. Wir sollten Prozesse verschlanken, mutiger entscheiden und Ideen einfach mal im Alltag testen, statt sie zu zerreden. Natürlich immer im Rahmen der rechtlichen Vorgaben, und dafür braucht Zürich auch Handlungsspielraum.
Was ist Ihre liebste Tram- oder Bushaltestelle?
Das Bellevue – ganz klare Sache. Ich habe schon als Doktorandin darüber geforscht und realisiert, wie perfekt dieser Ort städtebaulich funktioniert. Das Bellevue ist nicht nur für die Nutzer*innen des ÖV durchdacht, sondern auch ästhetisch ein echtes Bijou.
Worüber sollten wir abstimmen können?
Wir dürfen glücklicherweise schon über sehr vieles mitbestimmen. Spannend fände ich aber Volksbefragungen zu zwei aktuellen Reizthemen. Erstens: Wie steht es um die Akzeptanz von E-Scootern? Als Teil der Multimobilität sind sie sinnvoll, aber der aktuelle Wildwuchs schreit nach neuen Regeln. Zweitens bin ich gespannt, wie die Bevölkerung zur Airbnb-Initiative steht, über die wir voraussichtlich 2027 abstimmen. Wohnraum ist knapp und kostbar. Andere Städte greifen bereits hart durch und verbieten Kurzzeitmieten – zieht Zürich nach?
Was würden Sie einem Kind zeigen?
Im Sommer definitiv die Fluss- und Seebäder. Regnet es, hat Zürich ein grossartiges Kulturangebot für Kinder – das Museum Rietberg oder das Landesmuseum sind nur zwei davon. Und natürlich den Hauptbahnhof: Die Züge, das Gewusel, die Baustellen und vielen Läden. Hier zeigt sich die ganze Dynamik der Stadt auf einen Schlag. (mk).
Die Stadtentwicklung Zürich arbeitet eng mit Partner*innen zusammen. Was diese von der Stadt Zürich denken, sagen sie uns in dieser Rubrik. Monika Litscher ist seit 2025 Direktorin des Schweizerischen Städteverbands (SSV). Die promovierte Kulturwissenschafterin war zuvor als Professorin und Gastdozentin an verschiedenen Hochschulen tätig. Sie lehrte unter anderem zu Themen wie Stadtkultur und öffentlichen Räumen und wirkte als Geschäftsleiterin des Fachverbands Fussverkehr Schweiz. Sie ist in Sevelen (SG) aufgewachsen und lebt seit 1997 in Zürich. (mk)