Es wartet ein goldener Herbst auf das Zürcher Hallenstadion. Über zwanzig Events allein im November, ausverkaufte Shows, volle Ränge. Für Philipp Musshafen, CEO des traditionsreichen Veranstaltungsorts in Oerlikon, ist 2025 ein Glücksjahr. «Es ist das beste Jahr seit meinem Amtsantritt», sagt er. Und wenn alles gut läuft, könnte es gar ein Rekordjahr werden.
Seit 2020 steht der 50-jährige Luzerner an der Spitze des Hallenstadions – einer Institution, die nicht nur für unvergessliche Konzerte, Firmenanlässe und Sportereignisse steht, sondern auch als Wirtschaftsmotor wirkt. Wenn bis zu 15 000 Menschen in die Halle strömen, profitieren Gastronomie, Hotellerie, Zulieferbetriebe – und nicht zuletzt auch die Kassen von Stadt und Kanton Zürich. Eine Studie soll bald die Wertschöpfung beziffern.
Philipp Musshafen, der in Küssnacht (SZ) wohnt, bringt für diesen Job nicht nur ein feines Gespür für Kultur und Publikum mit, sondern auch den nötigen betriebswirtschaftlichen Hintergrund. Nach seiner Ausbildung an der Hotelfachschule Luzern hatte er mehrere Führungspositionen in der Schweizer Hotellerie inne, bevor er den Schritt ins Event-Business tat. Er wurde Geschäftsführer der Maag Music & Arts AG, welche bei der Hardbrücke die Maag Halle und in Oerlikon die Halle 622 bespielt.
Musshafen hat einen weiteren, entscheidenden Trumpf: Musik ist seine Leidenschaft. Aufgewachsen mit Ska und Punk-Rock der 1980er- und 1990er-Jahre, hat sich sein Musikgeschmack inzwischen dank Spotify und seinen beiden Söhnen deutlich verbreitert und er hört täglich zwei Stunden Musik – mindestens. Seine Wunschband fürs Hallenstadion? Oasis – eine Herzensangelegenheit. Oder Coldplay: Es wäre ein Coup ̶ die Band spielt fast nur noch an monumentalen Stadion-Shows.
Doch das Geschäft mit der Live-Unterhaltung kommt nicht nur mit Herzblut zu laufen, es ist auch Knochenarbeit. Die Pandemie, der Wegzug des ZSC, Inflation und steigende Energiekosten – all das hat Spuren hinterlassen. Zudem ist das 1939 eröffnete und 2005 komplett sanierte Hallenstadion wieder in die Jahre gekommen. Grosse Acts erwarten heute eine Infrastruktur, wie sie in London, Paris oder Berlin Standard ist – ausreichende Höhe und Dachlast, flexible Technik, breite Logistik- und Publikumsbereiche.
Musshafen benennt die Herausforderungen offen: «Wir müssen sie managen, aber es ist machbar.» Anders als in vielen europäischen Städten befindet sich das Hallenstadion nicht vollständig in öffentlicher Hand. Stadt und Kanton Zürich sind mit etwas mehr als 40 Prozent beteiligt, Subventionen gibt es aber keine.
«Die Rock & Pop-Unterhaltungskultur hat es in Zürich schwerer als der Sport oder die Hochkultur», sagt Musshafen. Zwar funktioniere die Zusammenarbeit mit den Vertretungen der Stadt im Verwaltungsrat und auch mit den kantonalen Behörden gut. «Aber wenn wir uns nicht weiterentwickeln können, sind wir in zehn Jahren ein Museum.»
Musshafen hat Pläne. Und er denkt nicht nur an grosse Namen, sondern an eine nachhaltige Diversifizierung: mehr Comedy, mehr Kongresse, mehr spezielle Sportveranstaltungen und ganz neue Formate. Zwar sind Konzerte weiterhin das Rückgrat – sie machen 65 Prozent der Auslastung des Hallenstadions aus –, doch mehr Vielfalt ist das Ziel.
Sein Traum für das Hallenstadion? 2000 bis 3000 zusätzliche Sitzplätze, höhere Räume, breitere Gänge für mehr Komfort. Das erfordert unter anderem intensive Diskussionen mit dem Denkmalschutz – der dem Gebäude seinen Charakter bewahrt, aber Modernisierungen erschwert. Musshafen ist Realist, aber kein Pessimist. Er weiss, dass kleine Schritte manchmal mehr bewegen können als grosse Würfe.
Mehr als nur Konzerte
Seit seinem Amtsantritt hat sich das Hallenstadion spürbar gewandelt. Digitalisierung, Effizienzsteigerung, Nachhaltigkeit – Musshafen hat zusammen mit seinem eingeschworenen Team das Traditionshaus fitter gemacht für die Zukunft. Nicht nur als Konzertort, sondern als multifunktionalen Begegnungsraum mitten in Zürich. Und immer mit dem Ziel, das Hallenstadion als Standortvorteil für Zürich und seine Bevölkerung sichtbar zu machen und weiterzuentwickeln. Was 1939 begann, schreibt er weiter: als lebendige Bühne einer Stadt, die sich bewegt.
Die Stadtentwicklung Zürich hat täglich mit vielen interessanten Menschen zu tun, die in Zürich etwas bewegen. In dieser Rubrik stellen wir sie unseren Leser*innen vor.