Läuft man an einem lauen Abend durch Zürich, wird offensichtlich, welche Branche in der Stadt prosperiert: die Gastronomie. In Hinterhöfen, auf Dächern, in Badis, in Hofeinfahrten, in Parks, auf ehemaligem Brachland und selbst an Strassenrändern sitzen Menschen beisammen und essen und trinken. An solchen Abenden scheint es, als würde ganz Zürich auswärts essen.
Dass die Gastronomie im Aufwind ist, das zeigt auch die neuste Gewerbestudie der Stadtentwicklung Zürich. Die Zahl der Gastrobetriebe stieg zwischen 2011 und 2022 von 1594 auf 1727 Lokale, ihre Beschäftigten gar von 17 276 auf 19 055 Personen.
Mit einem solchen Zuwachs ist die Gastrobranche allerdings die Ausnahme. Zwar stieg in Zürich die Zahl der Gewerbebetriebe zwischen 2011 und 2022 insgesamt leicht von 13 984 auf 14 302 Firmen, die Zahl der Mitarbeitenden hingegen sank von 75 766 auf 74 257 Personen. Als Gewerbebetriebe gelten Unternehmen, die Mitarbeitende im Umfang von bis zu 49 Vollzeitstellen beschäftigen
Sie brauchen Platz und starke Böden
Diese Entwicklung weist darauf hin, dass es für Gewerbebetriebe schwieriger geworden ist, in der Stadt Zürich zu bestehen. Ihre Inhaber geben in der Firmenbefragung der Stadt Zürich an, dass es für sie vor allem anspruchsvoller geworden ist, attraktive und dennoch bezahlbare Räume zu finden.
Das gilt insbesondere für Produktionsbetriebe wie Schreinereien oder Autogaragen. Etliche von ihnen benötigen Platz, besonders starke Böden oder tragfähige Lifte, ihre Lieferanten – oder auch sie selbst – machen Lärm oder stinken. Bei diesen Betrieben sank die Zahl der Beschäftigten in den vergangenen Jahren mit zehn Prozent überdurchschnittlich stark.
Publikumsorientierte Gewerbebetriebe wie Läden, Wäschereien, Coiffeur- oder Kosmetiksalons hingegen konnten sich besser halten. Viele weisen einen starken Bezug zum Quartier auf und die persönliche Beziehung zu den Kund*innen ist wichtiger. Die Zahl der Beschäftigten wie auch die der Arbeitsstätten dieser Betriebe stieg je um fünf Prozent auf 7871 Arbeitsstätten mit 43 653 Beschäftigten.
Gewerbebetriebe sind wichtig für die Stadt Zürich. Sie versorgen die Bevölkerung im Quartier und ersparen ihr lange Wege ins Zentrum. Sie reparieren und erhalten Wohnungen, Büros und die Infrastruktur der öffentlichen Hand und sie bieten Lehrstellen und Arbeitsplätze an. Sie machen die Stadt vielfältiger und dadurch auch widerstandsfähiger gegenüber Krisen.
«Das Gewerbe trägt massgeblich zum Erhalt der Vielfalt an Branchen und Fachkräften bei und zur Belebung der Quartiere.», sagt Anna Schindler, Direktorin der Stadtentwicklung Zürich. «Deshalb sind attraktive Rahmenbedingungen für das Gewerbe ein zentrales Ziel der Stadt.»
Die Gesamtwirtschaft wächst seit Jahren
Weil das Gewerbe für Zürich so bedeutend ist, ist es für die Stadtentwicklung Zürich wichtig zu wissen, in welcher Verfassung es ist. Die vorliegende Studie «Das Gewerbe in der Stadt Zürich – Auswertung der Statistik der Unternehmensstruktur» gibt ihr nicht nur viele Informationen zum aktuellen Zustand des Gewerbes in der Stadt, sondern zeigt auch die Entwicklung seit 2011 auf.
Während sich beim Gewerbe ein durchzogenes Bild zeigt, prosperierte die gesamte Zürcher Wirtschaft in den letzten Jahren: Die Zahl der Beschäftigten wuchs noch stärker als die der Einwohner*innen; sie stieg zwischen 2011 bis 2022 um über 20 Prozent auf einen Rekordwert von 536 980 Stellen (Pensen auf Vollzeitstellen aufgerechnet).
Als Gewerbebetriebe gelten Unternehmen, die Mitarbeitende im Umfang von bis zu 49 Vollzeitstellen beschäftigen. Zu ihnen zählen Produktions- und Handwerksbetriebe (zum Beispiel Bäcker oder Strassenbauer), Betriebe, die reparieren oder instand halten (zum Beispiel Autogaragen), Gastronomiebetriebe, Detail- oder Grosshandelsbetriebe oder Dienstleistungsbetriebe wie Schuhmachereien oder Optikergeschäfte.