Die Region Stockholm ist weltweit bekannt für ihr Life Science Cluster aus erstklassigen Forschungseinrichtungen und einem dynamischen Netzwerk von Biotechnologie- und Pharmaunternehmen, Inkubatoren und KMU. Die enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Industrie und öffentlichem Sektor hat Stockholm zu einer der führenden Destinationen in Bezug auf Innovation im Gesundheitswesen gemacht. Etwa die Hälfte aller Beschäftigten und 55 Prozent aller schwedischen Unternehmen im Life-Science-Sektor sind in der Region Stockholm ansässig – und die Pionierarbeit in der Forschung, die hier insbesondere in den Bereichen Präzisionsmedizin, Arzneimittel für neuartige Therapien (ATMP) und klinische Studien geleistet wird, zieht Mediziner aus der ganzen Welt an.
So auch eine grosse Delegation aus Zürich – Ärzte, Spitaldirektoren, Krankenkassen-Spezialisten, Start-Ups und die Gesundheitsdirektion. Denn so vergleichbar Schweden und die Schweiz in vielen Rahmenbedingungen des Gesundheitswesens sind – was Stockholm gegenüber Zürich auszeichnet, ist die enge Kooperation von öffentlicher Hand, Behörden, Verwaltung und den medizinischen Klinik- und Forschungsinstitutionen.
Dazu kommt eine weit fortgeschrittene Digitalisierung des Gesundheitswesens: nationale Register, elektronische Patientendossiers, hohe Anteile an Telemedizin und eine dezentrale Struktur des Gesundheitswesens mehrheitlich in der Verantwortung der Provinzen und Gemeinden, die «eHealth» staatlich fördern.
Ein starker Akzent liegt auf der Prävention und der Kombination von digitaler und physischer Medizin. Denn das Ziel des schwedischen Gesundheitssystems ist ein angemessener und bedarfsgerechter Zugang zu medizinischer Versorgung für alle, unabhängig von Einkommen und Wohnort – und dies trotz hohem Fachkräftemangel bei Ärztinnen und Pflegepersonal.
Die Gäste aus Stadt und Kanton Zürich trafen sich mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedenster Bereiche des schwedischen Medizinlandschaft. Sie liessen sich im neuen Life Science- und Health-Tech-Forschungszentrum Forskaren im Stadtteil Hagastadt über geplante Projekte im Gesundheitsbereich in und für Stockholm informieren.
Sie sprachen über Innovationsmanagement und digitale Transformation am Karolinska Universitätsspital und besuchten die Sand Clinic, die sich auf individuell zugeschnittene Therapien und auf personalisierte Prävention spezialisiert hat. Und sie tauschten sich mit der regionalen Wirtschaftsförderungsstelle «Innovation Region Stockholm» aus, um die politischen und strukturellen Rahmenbedingungen für die Förderung des Gesundheitswesens in Stockholm zu verstehen.
Eine Gemeinschaft von Changemakern
Derweil beschäftigte sich die zweite Delegation unter der Leitung von Stadt und Zürich Tourismus mit der Stadtentwicklung und Schwedens führendem Innovationszentrum: «Epicenter» ist ein Ort für Start-ups und Scale-ups genauso wie für grosse Unternehmen.
Zusammenbringen und Zusammenarbeiten sind die Schlüsselbegriffe – die Community ist es, die den Erfolg des Unternehmens mit Standorten in allen nordischen Hauptstädten ausmacht. Es ist kein herkömmlicher Techno-, sondern ein echter Innovationspark mitten in der Stadt mit dem Ziel, eine Gemeinschaft von Innovatoren und Changemakern aufzubauen und ein Umfeld zu schaffen, in dem Ideen gedeihen können. Und das nebenbei für seine Gründer ganz gut rentiert, denn das Modell der Kooperation mit einem Immobilienunternehmen, das die Liegenschaften auf Basis der Umsatzmiete baut und zur Verfügung stellt, lohnt sich für alle Partner.
Im Süden Stockholms liegt das ehemalige Schlachthofareal Slakthusområdet. Es wurde 1906–1912 nach Plänen des Architekten Gustaf Wickman erbaut – zur selben Zeit wie der Schlachthof Zürich. Mittlerweile wird auch in Stockholm nicht mehr mitten in der Stadt geschlachtet, und das Areal ist zum Stadtentwicklungsgebiet geworden, das 2019 durch das Immobilienunternehmen Atrium Ljungberg aufgekauft wurde und sich nun zum Kreativ- und Wohnbezirk entwickeln soll. Eingezogen in den ehemaligen Industriehallen sind bereits erste Restaurants, eine Kaffeerösterei oder ein Club, der regelmässig bis zu 2000 Besucherinnen in den einstigen Meatpacking-District lockt.
In den nächsten zehn Jahren soll das ehemalige Industrieareal mit 200'000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche zu einem neuen Stadtteil mit Wohnraum für 3’000 Einwohnerinnen, mit 14'000 Arbeitsplätzen, Kultureinrichtungen, Einzelhandel, Gastronomie, Hotels und Bildungsinstitutionen werden – alles in möglichst nachhaltiger Bauweise unter Wiederverwendung der bestehenden Bauten und Bauteile bis zum Einsatz neuer nachhaltiger Materialien und erschlossen durch die Verlängerung einer bestehenden U-Bahn-Linie. Food und Kultur sind die Leitmotive. Der Unternehmergeist, der die hundertjährige Geschichte des städtischen Schlachthofs bestimmte, soll ihn nun zum neuen Treffpunkt für die Kreativindustrie Stockholms machen.
Nachhaltige Entwicklung prägt auch das grösste Stadtentwicklungsprojekt der Stadt, den ehemaligen Hafen «Royal Seeport» (Bild ganz oben), der bis 2030 rund 12 000 Wohnungen und 35 000 Arbeitsplätze Raum bieten soll. Hier baut und plant die Stadt selbst und experimentiert mit neuen Technologien, ressourcenschonenden Bauweisen und gemeinschaftlichen Wohnformen. Leitlinie ist das 2021 publizierte Programm für nachhaltige Stadtentwicklung, Ziel ist ein Netto-Null-Quartier zu schaffen, mit Parks, Schulen, öffentlichem Verkehr, Einkaufsmöglichkeiten, Arbeitsstätten – alles erreichbar in fünf Minuten zu Fuss.
Beide Entwicklungsgebiete nehmen Themen auf, die auch Zürich kennt: die Transformation eines ehemaligen Schlachthofs zu einem zeitgemässen lebendigen Gewerbestandort mit öffentlichen Nutzungen und das Schaffen von Netto-Null-Pilotquartieren. Ähnlich sind die Ansätze, mit denen das geschehen soll, in beiden Städten – anders die Rahmenbedingungen, die Planungsinstrumente und die Dimensionen.
Schwesterstädte im Geiste
Das muss auch Bürgermeisterin Karin Wanngård beim Treffen mit der Stadtpräsidentin im altehrwürdigen Rathaus, dem Stadshus, von Stockholm zugestehen, in dem auch die Nobelpreise verliehen werden, und dessen goldener Saal, die Galerie des Prinzen oder auch der Beratungssaal des Stadtparlaments ihresgleichen suchen. Die Art und Weise, wie sie ihre Stadt zum Erfolg geleiten will, aber erinnert an Zürichs Devisen: Stockholm wie Zürich sollen weltoffene Städte sein, deren Lebensqualität auf den Bürgerinnen und Bürgern aufbaut, die deren Bedürfnisse anhört und ernst nimmt.
Mit dieser Bestätigung und vielen inspirierenden Ideen hat die Züricher Delegation Schwedens Hauptstadt wieder verlassen. Der allgemeine Tenor ist klar: Der gemeinsame Auftritt von Stadt, Kanton und Zürich Tourismus im Verbund mit den Hochschulen bewährt sich, die Fokussierung auf einen thematischen Schwerpunkt für die Gesamtdelegation ebenfalls.
Die Vertreterinnen der Gesundheitsberufe waren hell begeistert vom engen, sehr fachlichen Austausch mit ihren Peers aus Stockholm und vom Einblick in die Welt des schwedischen Gesundheitssystems. Die Basis, um weiterführende Beziehungen zu knüpfen und zu pflegen, ist geschaffen. Ebenso lebt die Inspiration aus denjenigen Erfahrungen, die in Stockholm funktionieren und sich vielleicht nicht so leicht eins zu eins auf die Schweiz übertragen lassen, aber wichtige Impulse darstellen.
Die Grundlage ist auch gelegt für einen zweiten Besuch in zwei Jahren, um die Zusammenarbeit und die in der Zwischenzeit erfolgten Austausche zu vertiefen, wie ihn das neue Konzept von «Zürich meets…» vorsieht. Und die Bedeutung des politischen Austausches und der geteilten Erlebnisse innerhalb der Delegation unter den beteiligten Stakeholdern sind einmal mehr nicht zu unterschätzen.
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