Die Wohn- und Arbeitsbevölkerung der Stadt Zürich wächst. Diese Entwicklung ist Ausdruck der hohen Attraktivität der Stadt als Lebens-, Arbeits-, und Bildungsstandort. Weiter tragen auch rechtliche Rahmenbedingungen bei: Die Innenentwicklung in urbanen Zentren ist ein zentrales raumplanerisches Ziel von Bund und Kantonen.
Im Kontext einer wachsenden Stadt wird in der Forschung und der Politik die Frage nach einem «angemessenen» oder «idealen» Verhältnis von Beschäftigten zu Einwohnenden für eine nachhaltige Stadtentwicklung kontrovers diskutiert. Im Rahmen der Beantwortung des Postulats 2024/40 hat die Metron Raumentwicklung AG im Auftrag der Stadtentwicklung das Verhältnis von Beschäftigten zu Einwohnenden unter die Lupe genommen.
Die Analysen von Metron zeigen, dass fast alle grossen Schweizer Städte eine Beschäftigungskonzentration aufweisen, mit einem Verhältnis deutlich über dem Schweizer Durchschnitt von 0.63 Beschäftigen pro Einwohnende. Damit fungieren die Städte in allen Agglomerationen als Wirtschaftsmotoren.
Wird auf die Stadt Zürich fokussiert und diese im grösseren funktionalen Raum betrachtet, wird ihre Bedeutung als wirtschaftliches Zentrum klar ersichtlich. In der Stadt Zürich beträgt das durchschnittliche Verhältnis von Beschäftigten zu Einwohnenden 1.26. Mit zunehmender räumlicher Ausdehnung des Betrachtungsperimeters sinkt dieser Wert auf 0.71 (für den Perimeter Kanton Zürich). Diese Abstufung zeigt den Übergang von der Kernstadt, in der sich die Arbeitsplätze konzentrieren, zu einem zunehmend durch Wohnnutzungen geprägten Umland.
Die Aufgabenteilung von Stadt und Umland gilt auch innerhalb der Stadt Zürich unter den Quartieren – das zeigen Daten von Statistik Stadt Zürich. Während in der City auf eine Einwohnerin oder einen Einwohner rund 35 Arbeitsplätze entfallen, und Quartiere wie Enge oder Escher Wyss stark von Arbeitsplätzen geprägt sind, zeigt sich in Leimbach das umgekehrte Bild: Dort kommt auf rund zwölf Personen nur ein Arbeitsplatz, ähnlich wie in Witikon oder Affoltern. Diese sind klare Wohnquartiere.
Die Unterschiede widerspiegeln die funktionale Aufgabenteilung innerhalb der Stadt: Innerstädtische Quartiere mit hoher Arbeitsplatzkonzentration übernehmen Zentrumsfunktionen und bündeln Arbeitsplätze in Branchen wie Finanzdienstleistungen, Gesundheitswesen oder tertiärer Bildung. Demgegenüber dominieren in den Aussenquartieren Wohnnutzungen, ergänzt durch quartiernahe Versorgung (Detailhandel, Primarschulen, kleinere Dienstleistungsbetriebe).
Um räumliche Muster besser erkennen zu können, hat Metron die Kennzahl «Beschäftigte pro Einwohnende» nicht nur auf Gemeindeebene, sondern zusätzliche pro Hektar ausgewertet. Diese kleinräumige Auswertung zeigt (analog zu den Daten von Statistik Stadt Zürich), dass das Siedlungsgebiet der Stadt Zürich stark heterogen ist und sich seine Vielfalt nicht in einer einzelnen Kennzahl abbilden lässt. Weiter macht die Hektarauflösung ausgeprägte Bänder von Gebieten mit hohen Beschäftigtenanteilen sichtbar, die ins Limmattal und ins Glattal hineinreichen. Diese Struktur zeigt die engen funktionalen Verflechtungen über die Stadtgrenze hinaus. Eine Betrachtung des Verhältnisses von Beschäftigten zu Einwohnenden innerhalb der Stadtgrenzen allein blendet diese Zusammenhänge aus.
In der Metron-Studie wird auch der Zusammenhang des Verhältnisses von Beschäftigten zu Einwohnenden und dem Mobilitätsverhalten analysiert. Die Analyse zeigt, dass das Verhältnis von Beschäftigten zu Einwohnenden am Arbeitsort nur geringfügige Auswirkungen auf die Länge und Dauer der Arbeitswege von Zu- und Binnenpendelnden hat.
Die Vermutung, dass in Gebieten mit höheren Anteilen an Einwohnenden kürzere Arbeitswege resultieren, weil die Wohnbevölkerung häufiger direkt vor Ort arbeitet, lässt sich nicht bestätigen. Die Bereitschaft zu pendeln, um einen Arbeitsplatz zu finden, der den eigenen Ansprüchen genügt, scheint generell hoch zu sein.