2023 erreichte die Zahl der Beschäftigten mit 545 938 Personen in der Stadt Zürich einen neuen Höchstwert, im dritten Jahr in Folge. Davon arbeiteten noch 56 900 Personen, also rund zehn Prozent der Beschäftigten, bei einem Unternehmen, das zum Werkplatz zählt (2011: 14 Prozent). Das zeigt die neue Studie «Werkplatz Stadt Zürich – Auswertung der Statistik für Unternehmensstruktur (STATENT) 2011 bis 2023» der Stadtentwicklung Zürich (STEZ).
Unter den Werkplatz fallen Unternehmen, die sich mit der Herstellung, der Montage, dem Unterhalt und der Reparatur von Waren und Infrastruktur, mit der Logistik, der Lagerhaltung, dem Bau oder dem Grosshandel beschäftigen. Innerhalb des Werkplatzes lässt sich ein gewerblicher Teil mit Unternehmen bis 49 Vollzeitstellen und ein industrieller Teil ab 50 Vollzeitstellen unterscheiden.
Innerhalb des Werkplatzes lassen sich drei dominante Branchen identifizieren: «Produktion», «Bau» und «Grosshandel» machten 2023 zusammen 71 Prozent der Beschäftigten und 85 Prozent der Arbeitsstätten aus. Bei diesen grossen Branchen verlief die Beschäftigungsentwicklung nicht überall negativ: Regelrecht eingebrochen ist die Zahl der Beschäftigten im Bau mit einem Minus von 26 Prozent; 2023 arbeiteten noch 11 563 Personen auf dem Bau, 2011 waren es über 15 000 gewesen. Im Grosshandel ging die Zahl um zwölf Prozent auf 15 333 zurück. Die Produktion dagegen schnitt mit plus ein Prozent entgegen dem Trend im Werkplatz leicht positiv ab, nach einem starken Rückgang bis 2017. 2023 waren insgesamt 13 384 Personen in der Produktion tätig.
Neben den drei grossen Branchen gliedert sich der Werkplatz in drei weitere kleinere Sektoren: «Transport, Logistik» (u.a. Speditionsfirmen, Kurierdienste), «Versorgung, Entsorgung» (u.a. Energie-, Wasserversorgung) und schliesslich «Sonstige» als Sammelbranche für einzelne unterschiedlich gelagerte Werkplatz-Tätigkeiten (u.a. Spezialreinigung, Gartenbau). Die drei Branchen wiesen von 2011 bis 2023 einen Rückgang von minus sieben Prozent (Transport, Logistik) beziehungsweise ein Wachstum von plus 19 (Versorgung, Entsorgung) und plus neun Prozent (Sonstige) bei der Beschäftigung aus.
Die Trendwende in der Produktion lässt sich mit der Entwicklung der drei wichtigsten Teilbranchen begründen. Sie vereinigten 2023 knapp die Hälfte aller Beschäftigten der Branche auf sich und entwickelten sich zuletzt alle positiv: Die Herstellung von Nahrungs-, Genussmitteln und Getränken konnte seit Ende 2017 bei der Beschäftigung um 19 Prozent zulegen, die Herstellung elektronischer, optischer Geräte und elektrischer Ausrüstungen um 38 Prozent. Beim Maschinenbau lag das Plus ebenfalls bei 38 Prozent.
Die Analyse der Beschäftigtenzahlen nach Unternehmensgrösse hat zudem gezeigt, dass die anhaltende Erholung ab 2017 hauptsächlich auf das Konto der industriellen Unternehmen mit mehr als 50 Vollzeitstellen geht. Bei den kleineren gewerblichen Produktionsunternehmen bis 49 Vollzeitstellen setzte erst Ende 2021 eine leichte Erholung ein. Allerdings war der Rückgang davor im Gewerbe weniger stark gewesen als in der Industrie.
Im Bau ist «Bauinstallation, Ausbau» in Bezug auf die Zahl der Beschäftigten mit Abstand die grösste von drei Teilbranchen – in diesem Zweig arbeiteten 2023 drei Viertel aller Personen. Die Teilbranche verzeichnete von 2011 bis 2023 ein Minus von 16 Prozent. Der Hochbau als zweitgrösste Teilbranche verlor 56 Prozent bei der Beschäftigung. Einzig der «Tiefbau» konnte um sechs Prozent zulegen.
Bis etwa 2016 sank die Beschäftigung bei den grösseren industriellen sowie bei den kleineren gewerblichen Unternehmen der Bauwirtschaft mehr oder weniger im Gleichschritt. Dann beschleunigte sich der Rückgang in der Bauindustrie deutlich. Erst ganz am Schluss des analysierten Zeitraums stabilisierte sich die Beschäftigung auf tieferem Niveau wieder. Beim gewerblichen Teil blieb die Tendenz im gesamten Zeitraum konstant leicht negativ.
Wirft man im «Grosshandel» einen Blick auf die drei gemessen an der Beschäftigung wichtigsten Teilbranchen, ergibt sich ein widersprüchliches Bild: Der Grosshandel mit Nahrungs-, Genussmitteln und Getränken wuchs von 2011 bis 2023 sehr regelmässig um 48 Prozent. Damit entwickelte er sich mit einem Anteil von fast ein Drittel am Total der Beschäftigten 2023 zur zahlenmässig bedeutendsten Teilbranche des Grosshandels. Der Grosshandel mit Gebrauchs- und Verbrauchsgütern büsste im gleichen Zeitraum elf Prozent Beschäftigte ein, der Motorfahrzeughandel 32 Prozent.
Die kleineren gewerblichen Unternehmen des Grosshandels waren zu Beginn der analysierten Periode beschäftigungsmässig noch leicht im Plus, danach ging die Entwicklung ähnlich abwärts wie beim industriellen Grosshandel.
Werkplatz-Unternehmen stellen – als gemeinsamen Nenner – spezielle Ansprüche an einen Standort. Sie beanspruchen tendenziell viel Platz oder benötigen spezielle Räume für Lagerung (u.a. Tiefkühlen) oder für maschinelle Produktion. Sie sind zum Teil störend für die Nachbarschaft (u.a. Geruch, Lärm) und können häufig weniger hohe Mieten für eine Liegenschaft bezahlen als beispielsweise klassische Dienstleistungsunternehmen. Aus diesen Gründen ist die räumliche Verteilung der Unternehmen des Werkplatzes in der Stadt Zürich interessant.
Die Werkplatz-Beschäftigten konzentrierten sich 2023 grob auf drei Gebiete in der Stadt. Das bedeutendste dieser Gebiete umfasst – entlang der Bahngeleise Richtung Limmattal – Teile der Quartiere Gewerbeschule, Escher Wyss, Hard und Altstetten. Das zweite grössere Werkplatz-Gebiet findet sich in den Quartieren Oerlikon und Seebach im Norden der Stadt. Das dritte schliesslich liegt in der Binz im Quartier Alt-Wiedikon, eher im Südwesten der Stadt. In den drei Gebieten arbeiteten 2023 zusammengezählt rund 37 000 Personen bei Unternehmen des Werkplatzes, also knapp zwei Drittel der Werkplatz-Beschäftigten in der Stadt.
Definition Werkplatz und Datenbasis
Für die von der STEZ verwendete Werkplatz-Definition ist die Art der wirtschaftlichen Tätigkeit entscheidend. Die Basis bildet die Unterscheidung nach Wirtschaftsarten der «Nomenclature générale des activités économiques» (NOGA) in der Version 2008.
Unter den Begriff «Werkplatz» fallen Unternehmen, die sich mit der Herstellung, der Montage, dem Unterhalt und der Reparatur von Waren und Infrastruktur, mit der Logistik, der Lagerhaltung, dem Bau oder dem Grosshandel beschäftigen. Für das Zurechnen zum Werkplatz spielt nicht zuletzt eine Rolle, dass diese wirtschaftlichen Tätigkeiten häufig spezifische Anforderungen an einen Unternehmensstandort stellen. Diese Anforderungen unterscheiden sich insbesondere stark zu denjenigen für reine Büroarbeit. Innerhalb des Werkplatzes lässt sich ein gewerblicher Teil mit Unternehmen bis 49 Vollzeitstellen (Vollzeitäquivalente, VZÄ) und ein industrieller Teil ab 50 Vollzeitstellen unterscheiden.
Die Werkplatzstudie der STEZ beinhaltet die Auswertung der von Statistik Stadt Zürich (SSZ) aufbereiteten Zahlen der Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT) des Bundesamtes für Statistik (BFS) im Zeitraum von 2011 bis 2023. STATENT umfasst Informationen zu allen Unternehmen in der Schweiz, die verpflichtet sind, für ihre Angestellten sowie für sich selbst (Selbstständigerwerbende) bei einem Mindesteinkommen von jährlich 2 300 Franken AHV-Beiträge zu bezahlen.