Rund 100 Personen trafen sich kurz vor 12.30 Uhr im Studio 2 der Schule Brunnenhof zum Start der ersten Waidberger Demokratiekonferenz. Nach einer kurzen Begrüssung durch die Präsidentin der KSB Waidberg, Gabriela Rothenfluh, ging ich auf das von der Kreisschulbehörde für die Legislatur 2022-26 vorgegebene Schwerpunktthema «Demokratie und Partizipation» ein, mit dem sich die Schulen im Schulkreis Waidberg in den letzten Jahren auf unterschiedliche Weise beschäftigt haben. Die Demokratiekonferenz war ein abschliessender Höhepunkt dieses Prozesses.
Das Thema Demokratie ist höchst aktuell: Weltweit sind Demokratien unter Druck, autoritäre Kräfte sind (wieder) auf dem Vormarsch. Wachsende Ungleichheiten, Kriege, die Klimaerhitzung, Migration – die demokratischen Staaten des globalen Nordens scheitern nicht einfach nur daran, Lösungen für die grossen Herausforderungen unserer Zeit zu finden, vielmehr befeuern sie die miteinander verbundenen Krisen aktiv. Anstelle von Zukunftshoffnung, dem Lebenselixier liberaler Demokratien, herrschen vielerorts Unsicherheit, Verlustangst, Frust, Ohnmacht und Wut vor. Das ist der ideale Nährboden für die Demokratie-Zerstörer*innen.
Bildung allein rettet die Demokratie nicht. Und dennoch ist sie unabdingbar für demokratische Gesellschaften. Das wurde im anregenden Referat des Zürcher Erziehungswissenschaftlers Roland Reichenbach deutlich. Beide, Demokratie und Bildung, brauchen Hoffnung, sonst machen die Menschen nicht mehr mit. Es ist, so Reichenbach, Aufgabe der aktuellen Erwachsenengeneration(en), Kindern mittels Erziehung und Bildung positive (Lebens-)Perspektiven zu eröffnen. Die Schule unterstützt Kinder – im besten Fall – stufengerecht darin, zu «demokratiekompetenten Bürger*innen» zu werden: im Selbst-Lernen (Selbstkompetenz), im sozialen Lernen (etwa Partizipation) und im politischen Lernen (politische Bildung).
Weiter ging es mit Workshops: zweimal 90 Minuten, insgesamt neun Angebote. Es war ein Abbild der vielfältigen Aktivitäten, die im Waidberg (und darüber hinaus) in der laufenden Legislatur im Bereich Demokratie und Partizipation in Gang gesetzt wurden. Schüler*innen, Lehrpersonen, Mitarbeitende der PH und des Schulamts sowie weitere externe Fachleute führten Workshops zu Klassenräten, Partizipationslernen im Kindergarten, Schulparlamenten, einem städtischen Partizipationsleitfaden, der schulischen Behandlung von Abstimmungsvorlagen, soziokratischen Verfahren oder einem auf sozialem, emotionalem und ethischem Lernen abgestützten Bildungsprogramm durch. Die Workshops stiessen auf Interesse, es wurde intensiv diskutiert, manche hätten gerne auch noch länger Zeit gehabt.
Um 17 Uhr trafen sich die Teilnehmenden für einen gemeinsamen Abschluss nochmals im Studio 2. Oberstufenschüler*innen aus der Schule Brunnenhof führten souverän durch die letzte Stunde. Zuerst wurden mithilfe bunter Papierflieger Eindrücke zu den verschiedenen Workshops gesammelt. Dann sprach Enikö Zala-Mezö, Professorin an der PH Zürich und wichtige «Begleiterin» des Waidberger Schwerpunktthemas, über Adultismus, der bei vielen Erwachsenen tief verankerten Tendenz, Kinder und Jugendliche aufgrund ihres Alters nicht für voll zu nehmen, ihnen nicht auf Augenhöhe zu begegnen. Diese Art der Diskriminierung ist für eine auf Partizipation und Demokratie ausgerichtete Schule selbstredend ein Problem.
Vor dem Apéro folgte schliesslich noch ein Interview zweier Schülerinnen mit Gabriela Rothenfluh, in dem es u.a. um die Bedeutung politischer Bildung, die eigene Politisierung und das Zusammenleben von Schule und KSB-Verwaltung im Brunnenhof ging.
Es wurde an der Konferenz mehrfach betont: Das umfassende Demokratie-Lernen in den Waidberger Schulen endet nicht mit dem Schwerpunktthema «Demokratie und Partizipation». Demokratie und Partizipation gehören zur DNA des Schulkreises – und umgekehrt hat auch die Demokratie nur eine Zukunft, wenn sie immer wieder neu gelernt, gelebt, verteidigt und entwickelt wird.
Als Schule sind wir stolz auf unseren Schulrat und die Teilnahme an der Waidberger Demokratiekonferenz. Das von der Kreisschulbehörde für den Schulkreis vorgegebene Schwerpunktthema „Demokratie und Partizipation“ hat uns zusätzlich motiviert, den Blick auf demokratische Prozesse noch einmal zu schärfen.
Die Kinder unseres Schulrats werden jeweils nach den Sommerferien in einem institutionalisierten Wahlverfahren gewählt. Die Arbeitsgruppe Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) organisiert die Wahl. So kann sich das Schulrat-Team voll und ganz auf seine Aufgaben konzentrieren, während die Wahl transparent und fair abläuft. Im Schulrat lernen die Kinder, wie Demokratie und Partizipation funktionieren. Sie übernehmen Rollen wie Präsident*in, Vizepräsident*in, Aktuar*in oder Zeitchef*in und erfahren, welche Verantwortung damit verbunden ist. Sie lernen, wie man eine Sitzung vorbereitet, Traktandenlisten erstellt, Entscheidungen trifft und Konflikte lösungsorientiert bearbeitet. Ein zentraler Bestandteil ihrer Arbeit ist es, selbstwirksam zu handeln. Sie organisieren Aktionen, diskutieren Ideen, setzen Vorschläge um und erleben dabei hautnah, dass ihr Handeln einen Unterschied macht. Gleichzeitig erkennen sie, dass es gewisse Grenzen und Vorgaben gibt. Innerhalb dieser müssen sie selbständig als Schulrat agieren können. Beispielsweise lässt sich der Pausenplatz nicht so einfach umgestalten und die Regeln der Schule müssen eingehalten werden.
In unserem Workshop «Der Schulrat als Element schulischer Partizipation. Schulische Mitbestimmung im Fokus: Wahl und Arbeit des Schulrats» an der Demokratiekonferenz wollten wir genau diese Erfahrungen teilen. Zusammen mit einigen Schulratskindern haben wir ein kleines Theaterstück einstudiert, das eine typische Schulratssitzung zeigt: Manchmal wird hitzig diskutiert, manchmal wird gelacht, und immer wieder lernen die Kinder, zuzuhören, Kompromisse zu finden und gemeinsam Entscheidungen zu treffen. Zu Beginn des Workshops gab die Schulleitung einen kurzen Überblick über die Schule und ihre Schwerpunkte. Danach erzählten zwei Lehrpersonen vom Wahlverfahren und den Abläufen im Schulrat. Alles sehr praxisnah.
Anschliessend konnten die Zuschauer*innen die Kinder direkt befragen. Dabei wurde klar: Die Kinder sind stolz auf ihre Arbeit, sie fühlen sich ernst genommen und erleben, dass ihre Stimme zählt. Wir danken unseren Schulrät*innen herzlich für ihr engagiertes Mitwirken, das Einstudieren des Mini-Theaters und für ihren Einsatz für die demokratische und politische Bildung. Als Schulteam sind wir begeistert von ihrem Mut, ihrer Kreativität und ihrem Verantwortungsbewusstsein. Die Kinder zeigen eindrücklich, wie Partizipation gelebt werden kann und inspirier(t)en damit nicht nur uns, sondern auch die Besucher*innen der Waidberger Demokratiekonferenz.
Désirée Achermann (Fachlehrperson Schule Riedhof)
Eldana, Dalmar und Yara vom Schulhaus Lachenzelg haben zuerst die Schüler*innen-Organisation (SO) vorgestellt und präsentiert, welche Erfolge die SO bereits feiern konnte. Anschliessend wurden gemeinsam mit den Workshop-Teilnehmenden Visionen für die Schule der Zukunft erarbeitet. Nach der Auseinandersetzung stand fest: In zehn Jahren sollte die Schule projektbasierter, partizipativer und individueller gestaltet werden, als dies heutzutage der Fall ist.
Nicolai Zegg (Klassenlehrer Lachenzelg)
- dem Waidberger Netzwerk Partizipation, das bei der Programmkonzeption unterstützte;
- allen Workshop-Leitenden, die für ein vielfältiges Programm sorgten;
- den über 25 Schüler*innen, die an der Konferenz mitwirkten;
- dem Team Hausdienst und Technik der Schule Brunnenhof, das für eine funktionierende Infrastruktur sorgte;
- und schliesslich allen Teilnehmenden, die sich Zeit genommen und eingebracht haben.