Die beiden 6. Klässler*innen Glenn und Maia berichten, wie sie das Schulhaus Bläsi heute erleben. Ergänzend dazu werden die Erinnerungen meines Vaters, Christian Egli, wiedergegeben, der die Schule Bläsi in den 1950er-Jahren besucht hat.
Auf die Frage, was ihnen an ihrer Schule besonders gefällt, betonen Maia und Glenn sofort die überschaubare Grösse. Glenn mag, dass es nicht so viele Schüler*innen sind. Auch Maia findet es schön, dass sich im Schulhaus fast alle kennen.
Ihr Morgen beginnt ähnlich: Glenn startet um 7.30 Uhr in den Tag, macht sich bereit, putzt die Zähne und geht etwa eine Viertelstunde vor Unterrichtsbeginn zur Schule, um mit Kollegen auf dem Pausenplatz zu reden. Maia steht etwas später auf, macht sich ebenfalls bereit und trifft sich vor Schulbeginn gerne noch mit ihren Freundinnen.
Bei den Lieblingsfächern unterscheiden sich die beiden etwas:
Maia liebt besonders BG, weil sie dort kreativ sein kann. Auch Englisch fällt ihr leicht und macht ihr Spass.
Glenn hingegen nennt Sport an erster Stelle, Bewegung gefällt ihm einfach. Dazu kommt «M+I», wo er am Computer arbeitet und vieles lernt, das er später beruflich gut brauchen kann.
Auch ihre Lerngewohnheiten ähneln sich: Beide lernen gerne mit anderen zusammen. Glenn arbeitet gut mit Kollegen draussen im Gang, während er am Platz eher allein lernt. Maia unterstützt sich gerne mit Freundinnen gegenseitig, lernt zuhause aber meist allein.
Im Schulhaus begegnen sie verschiedenen Berufsgruppen: Lehrpersonen, Hortleitung, Schulleitung, Schulsozialarbeit und andere. Die Lehrpersonen sehen sie natürlich täglich, aber auch die Schulsozialarbeit ist präsent, besonders dann, wenn es um Unterstützung bei persönlichen Themen oder Konflikten geht. Hilfe holen sie sich je nach Situation bei der Lehrperson, der Schulsozialarbeit oder bei Klassenassistenzen.
Beim Blick ins Klassenzimmer beschreiben sie eine grosse Wandtafel, ein gemütliches Sofa, gruppenweise angeordnete Pulte, einen Töggelikasten und einen Stuhlkreis mit Teppich.
Beim Ausprobieren neuer Dinge hilft ihnen vor allem die Lehrperson, aber auch gegenseitige Unterstützung im Klassengefüge spielt eine grosse Rolle. In Gruppenarbeiten erleben beide ihre Kolleginnen und Kollegen als hilfreich.
In den Pausen geht es lebhaft zu: In der kleinen Pause spielen beide hin und wieder am Töggelikasten, oder sie unterhalten sich mit Freunden. In der grossen Pause spielt Glenn Fussball, während Maia lieber mit ihren Freundinnen über die Schule oder aktuelle Situationen spricht.
Bei Streit versuchen sie Ruhe zu finden oder sich von der Situation zu entfernen. Wenn es nicht anders geht, holen sie Hilfe bei Lehrpersonen. Die Schulsozialarbeit oder die Konfliktlotsen unterstützen bei grösseren Konflikten, das finden beide hilfreich.
Wichtig sind ihnen im Zusammenleben mit anderen vor allem Respekt, Freundlichkeit und dass man miteinander Spass haben kann. Beide fühlen sich in ihrer Schule sehr wohl, vor allem, weil sie schon lange dort sind und sich alle kennen. Das familiäre Umfeld gibt ihnen Sicherheit.
An schöne Momente erinnern sich Glenn und Maia ebenfalls gut. Besondere Erlebnisse wie die Projektwoche, das Klassenlager in der 5. Klasse oder die ZVV-Reise, bei der alle zusammen unterwegs waren, bleiben ihnen in guter Erinnerung.
In ihrer Freizeit treffen sie Freund*innen, machen Hausaufgaben und gehen ihren Hobbies nach. Maia reitet, spielt Geige und geht im Winter gerne Skifahren, im Sommer ist Schwimmen angesagt. Glenn spielt Unihockey, trifft Freunde oder «gamet».
Veränderungswünsche haben die beiden nur wenige. Maia würde den etwas veralteten Spielplatz erneuern. Glenn wünscht sich, dass die Steine auf dem Steinplatz ersetzt werden.
Zum Schluss richten sich beide mit einer Botschaft an die Erwachsenen: Glenn findet, dass Erwachsene wissen sollten, dass Schule Spass macht, auch wenn sie manchmal nervig sein kann. Maia wünscht sich, dass sich Erwachsene daran erinnern, wie es früher für sie selbst war. Auch Hausaufgaben seien manchmal mühsam, aber Schule bringe viele Freundschaften und schöne Momente mit sich.
Das Schulhaus bestand aus zwei Gebäuden, dem Bläsi A an der Bläsistrasse und dem danebenliegenden Bläsi B. Im A waren die Sekundarschüler*innen untergebracht, im B die Primarschülerinnen und Primarschüler. Ich selbst hatte die Primarschule in Oberengstringen besucht. In der Sekundarschule war ich dann im obersten Stock, im Zimmer ganz hinten in der Ecke. Es roch dort immer nach Bodenwichse. Vor dem Schulhaus lag der Pausenplatz und der Schulhausabwart achtete streng darauf, dass nichts liegen blieb. Lag doch etwas auf dem Boden, meldete er es sofort dem Lehrer. Fussball oder andere Ballspiele waren verboten während der Pause. Man ging einfach hin und her. Gegenüber dem Schulhaus befand sich der Elektroladen Furrer.
Ein typischer Schultag begann damit, dass der Lehrer das Zimmer betrat. Ich empfand ihn als gemein, besonders zu meinem Freund Hüssi und mir. Wir sassen vorne in der Mitte, genau dort, wo er uns am besten beobachten konnte. Die Schulbänke standen streng in Reihen angeordnet. Auch samstags hatten wir Unterricht. Oft dachte ich jeweils um zehn Uhr: 'Jetzt hat noch keiner eine Ohrfeige erhalten, lange wird es nicht mehr dauern.' Meistens bekamen dann Hüssi oder ich spätestens bis zwölf Uhr eine verpasst. Der Lehrer mochte uns von Anfang an nicht. Er kannte uns nicht aus der Primarschule in Höngg, wir kamen aus Oberengstringen, und die Kinder von dort hatten damals einen schlechten Ruf. Ich mochte den Schulweg sehr, denn ich fuhr mit dem Fahrrad nach Höngg und das war wunderbar. In Oberengstringen versammelten sich damals alle Schülerinnen und Schüler und es hiess: Wer nach Höngg zur Schule ging, war gescheit; wer nach Weiningen musste, galt als dumm.
Wir hatten Französisch, Deutsch, Mathematik, Schreiben, Naturwissenschaften und Religion. Religion fand beim Pfarrer statt. Diesem zerdrückten wir einmal hinter seinem Rücken sogar den Hut, auch er schlug die Kinder. Unser Schulmaterial bestand aus einer Schachtel mit Bleistiften und Farbstiften sowie vielen Heften. Wir mussten sehr viel von der Tafel abschreiben und oftmals auch selbst an die Tafel schreiben. Einen Kopierapparat gab es nicht.
Einmal machten wir eine mehrtägige Schulreise auf den Chasseral. Wir mussten in Einerkolonne wandern. Hüssi und ich liefen zuhinterst, plauderten miteinander und bekamen prompt beide eine Ohrfeige. Reden war nicht erlaubt.
An den Schulsilvester erinnere ich mich auch gut. Einige Schüler zerstörten Briefkästen. Sie durften danach nicht mehr zur Schule kommen und erhielten auch keine Mandarinli und Nüssli. Das war damals am Schulsilvester Brauch.
In meiner Freizeit spielte ich oft im Wald Räuber und Poli oder ging in der Limmat baden. In den Ferien half ich auf einem Bauernhof aus, wo ich Rösti zum Frühstück ass und Gemüse putzte. Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg verdiente ich als Primarschüler etwas Geld, indem ich Peterli-Bündeli machte.
Am Ende meiner Schulzeit bin ich nicht zum Abschluss-Examen erschienen. Ich holte mein Zeugnis später ab, denn an diesem Tag begleitete ich meinen Vater auf einer acht bis zehnstündigen Fahrt nach Paris. Das war ein grossartiges Erlebnis.
Wenn ich zurückblicke, muss ich sagen, dass mir an der Schule eigentlich nichts gefallen hat, ausser dem Schulweg mit dem Fahrrad.
Den Schülerinnen und Schülern von heute würde ich gerne mitgeben, im Unterricht gut mitzumachen. Das habe ich selbst leider nicht getan. Die Hausaufgaben machte ich meist morgens kurz vor Schulbeginn.