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CATWALK – 7. Juni bis 6. Oktober 2019

Klaus Lutz, ACROBATICS
Klaus Lutz, ACROBATICS (16-mm Film, 1996, Copyright Estate Klaus Lutz)

CKÖ, Klaus Lutz, Yves Netzhammer / Hermann Haller

Auf Augenhöhe

Schönheit und Erotik stehen im Zentrum von Hermann Hallers plastischen Werken. Gleichwohl wirken sie in ihren Bewegungen oft wie eingefroren. Zu leben beginnen sie erst, wenn man sie aus wechselnden Blickwinkeln betrachtet. Das wusste wohl auch Haller. Sein 1932 nach eigenen Plänen realisiertes Atelierhaus jedenfalls liess er mit Treppe und Galerie ausstatten. So konnte er aus unterschiedlichen Höhen auf seine Plastiken blicken. Der von Wahrnehmung und Bewegung geprägten Auseinandersetzung mit der Kunst spürt diese Ausstellung nach. Dabei stellt sie Hallers Schaffen in einen Dialog mit drei zeitgenössischen künstlerischen Haltungen.

Eine gegenläufige, zwischen Installation und Skulptur oszillierende Rampe («ELIOTT», 2019), die das Zürcher Kunstkollektiv CKÖ eigens für diesen Ort konzipierte, versperrt als hellblaue, auf die Atelierarchitektur Bezug nehmende Konstruktion zunächst die Sicht auf die meisten Arbeiten Hallers. Betritt man diesen Catwalk, so ermöglicht er einen schnell wechselnden, dynamischen Überblick über Hallers Frauengestalten im hinteren Atelierraum sowie eine ganz direkte, auf Augenhöhe stattfindende Begegnung mit dem Originalgips seines Meisterwerks, dem auf einem zehn Meter hohen Sockel über der Zürcher Landiwiese schwebenden «Mädchen mit den erhobenen Armen» (1939).

Der in der zeitgenössischen Kunst kaum mehr eine Rolle spielende Sockel inspirierte den Künstler Yves Netzhammer zu seiner neusten Arbeit («27 Sockelzeichnungen», 2019). Die Installation besteht aus weissen Quadern, die bald auf dem Boden stehen, bald hoch oben an der Wand hängen. Dadurch verändern sie unsere Wahrnehmung von Hallers Figuren, die Netzhammer wiederum zu Zeichnungen auf seinen weissen Sockeln anregten. Diesen auf das Essentielle reduzierten Metamorphosen weiblicher Körper antwortet sein doppelbödig traumartiges, um Sein und Vergehen kreisendendes Video «Tage ohne Stunden» (2016) im Dachraum, wo Hallers kleine Terrakottafiguren aufbewahrt werden.

Ähnlich surreal bewegt wie dieses Video ist der expressionistisch überhöhte Film «Acrobatics» (1996), in welchem der 2009 verstorbene Filmer und Performancekünstler Klaus Lutz sein selbst kreiertes Universum wie ein clownesker Seiltänzer durchmisst. Dieses Werk ist das Ergebnis eines irrwitzigen Schaffensprozesses, der Lutz immer neue Räume ausloten liess – auch in seinen Zeichnungen. Im Druckzyklus «Terminal» (1989), der aus 25 Leporellos besteht, verdichten sie sich zu einer Folge filmartig bewegter Strichmännchen, die an Hieroglyphen oder chinesische Zeichen erinnern. Ähnlichen Formen finden sich auf den beiden Filmstills, die wie Lutz‘ gesamtes Schaffen von jener schöpferischen Besessenheit zeugen, die auch Haller bei der Darstellung des weiblichen Körpers antrieb.

Öffnungszeiten

7. Juni bis 6. Oktober 2019 

Freitag/Samstag/Sonntag: 12 bis 18 Uhr

Eintritt frei.

Yves Netzhammer, 27 Sockelzeichnungen (2019)
Yves Netzhammer, 27 Sockelzeichnungen (2019)
Yves Netzhammer, 27 Sockelzeichnungen (2019)
Yves Netzhammer, 27 Sockelzeichnungen (2019)
CKÖ, In progress ELIOTT by CKÖ
CKÖ, In progress ELIOTT by CKÖ (2019)

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