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Handel und Dienstleistungen

Vom Textilhandel zu Finanzdienstleistungen

1898, Illustration des Kaufhauses Grieder

Zürich war bereits ein Handels- und Dienstleistungszentrum, als es sich 1893 mit elf Nachbargemeinden zur Grossstadt Zürich zusammenschloss. An einer europäischen Nord-Süd-Handelsroute gelegen und als regionaler Marktstadt entwickelte sich Zürich schon im Mittelalter zum Austauschsort für Waren und Dienstleistungen.

In den Jahrzehnten vor der ersten Eingemeindung erlebten der Seiden- und der Baumwollhandel eine Hochphase. In der Zürcher Landschaft gefertigte Textilien wurden über die Stadt als Umschlagplatz bis in die Vereinigten Staaten geliefert. Parallel dazu entwickelte sich Zürich zu einem bedeutenden Finanzzentrum. Auslöser dafür war der Bau der Eisenbahnen. Die verschiedenen, konkurrierenden Privatbahnen brauchten für ihre Bauvorhaben hohe Summen an Kapital. Die bestehenden Bankhäuser waren nicht auf diesen neuen, enormen Kreditbedarf der Bahnunternehmen ausgerichtet. Um das Kreditgeschäft nicht gänzlich ausländischen, meist französischen Instituten zu überlassen, entstand 1856 die Schweizerische Kreditanstalt, die sich in der Folge zur ersten Grossbank der Schweiz entwickelte und die Basis für den Aufstieg Zürichs zum führenden Finanzplatz legte.

1876 zog die Kreditanstalt an den Paradeplatz, wo 1899 auch der in Basel gegründete Schweizerische Bankverein seine Zürcher Filiale eröffnete. Als Ergänzung und vor allem auf die Nachfrage nach Hypothekar- und Gewerbekrediten ausgerichtet, wurde 1870 die Zürcher Kantonalbank gegründet, die im Hypothekarbereich schnell wuchs und die an der Bilanzsumme gemessen bereits 1877 die grösste Bank der Schweiz war.

1899, Schweizerischer Bankenverein (heute UBS) am Paradeplatz
1899, Schweizerischer Bankenverein (heute UBS) am Paradeplatz

Im Windschatten dieser Grossbanken entstanden zur selben Zeit die auch heute für den Finanzplatz wichtigen Versicherungen: Die Rentenanstalt (heute Swiss Life), die Schweizerische Rückversicherungsanstalt (heute Swiss Re), die Zürich Allgemeine Unfall- und Haftpflicht-Versicherungs-AG (heute Zurich Insurance Group).

1910, Schweizerische Lebensversicherungs- Rentenanstalt (heute Swiss Life) am General-Guisan-Quai
1910, Schweizerische Lebensversicherungs- Rentenanstalt (heute Swiss Life) am General-Guisan-Quai

Wertpapierhandel und Börse

Das notwendige Kapital für die Investitionen in den Eisenbahnbau wurde über Inhaberaktien und Obligationen aufgenommen. Diese Finanzpapiere konnten gehandelt werden und bildeten die Basis für den Börsenhandel in Zürich. Die Börsengeschäfte wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an wechselnden Orten abgeschlossen. Zuerst im Foyer des Aktientheaters an den Unteren Zäunen, zeitweise auch in der alten Tonhalle. Das erste eigentliche Börsengebäude wurde 1880 an der oberen Bahnhofstrasse, Ecke Börsenstrasse/Talstrasse eröffnet.

Die verschiedenen Stationen des Börsenhandels in der Stadt Zürich illustriert die Bildstrecke weiter unten. Die fulminante Entwicklung der Börsenumsätze ab den 1980er-Jahren ist in der gerade folgenden Grafik abgebildet.

Umsatz der Börse in Zürich

1877, Bauplan der ersten Zürcher Börse an der Ecke Bahnhofstrasse / Börsenstrasse
1877, Bauplan der ersten Zürcher Börse an der Ecke Bahnhofstrasse / Börsenstrasse

Finanzsektor als wichtiges Standbein der Zürcher Wirtschaft

Heute gehört der Finanzplatz Zürich zu den bedeutendsten Finanzzentren der Welt. Global gesehen rangiert Zürich in der Top-Liga, in Europa hinter London auf Platz 2.

Für die Stadt und die Region ist der Finanzplatz ein zentrales wirtschaftliches Standbein und ein nicht wegzudenkender Wirtschaftszweig. Er sorgt für eine hohe Wertschöpfung und stellt zahlreiche Arbeitsplätze.

Wie die Grafik unten zeigt, wuchs die Zahl der Banken-Arbeitsplätze in den letzten 60 Jahren stark an. Die Finanzkrise im Jahr 2008 stellte einen Wendepunkt dar. Seither geht die Beschäftigung bei den Banken zurück. Auf tieferem Niveau, aber konstanter zeigen sich die Zahlen bei den Versicherungen.

Beschäftigung im Finanzsektor

Arbeiten auf der Bank ist in der Mehrheit Männersache. Der Anteil der Frauen in der Branche ist deutlich tiefer als der Männeranteil. Ein ausgeglicheners Bild zeigt sich bei den Versicherungen. Auch hier arbeiten zwar mehr Männer, der Frauenanteil ist aber höher als bei den Banken.

Beschäftigung Banken

Beschäftigung Versicherungen

Von der City in die Aussenquartiere

Der Bankenplatz Zürich, das war bis zur Jahrtausend-Wende die Innenstadt rund um den Paradeplatz und die Bahnhofstrasse. Rund die Hälfte aller Bankangestellten arbeitete in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre im City-Quartier.

In den letzten 15 Jahren hat sich diese örtliche Kumulierung gelockert. Besonders augenfällig ist der seither hohe Beschäftigten-Anteil in Wiedikon. Dies geht unter anderem auf die Erweiterung des von der Credit Suisse genutzten Uetlihofs zurück. Mit rund 8000 Arbeitsplätzen ist der Uetlihof eines der grössten Bürogebäude der Schweiz. In der Grafik ebenfalls gut zu sehen ist der hohe Anteil von Bankarbeitsplätzen in Altstetten. Zürich-West mit den Quartieren Langstrasse und Escher-Wyss hat in den letzten Jahren ebenfalls an Bedeutung gewonnen.

Beschäftigte der Banken nach Quartier

Beschäftigte der Versicherungen nach Quartier

Bei den Versicherungen fällt der hohe Anteil der Beschäftigten im Quartier Enge ins Auge. Der gesunkene Anteil an Arbeitsplätzen in der Enge in den Erhebungsjahren 2014 und 2015 ist dem Neubau der Swiss Re am Mythenqui geschuldet. Mit der Fertigstellung und dem Wiederbezug des neuen Swiss Re Next-Gebäudes Anfang 2018 werden sich die Anteile wieder zugunsten der Enge als traditionellem Versicherungs-Standort verschieben.

An Bedeutung als Versicherungsstandort gewonnen hat Zürich-Nord. An der Thurgauerstrasse und der Hagenholzstrasse in Seebach haben sich in den letzten Jahren verschiedene Versicherungsanbieter mit Niederlassungen angesiedelt.

Mit «Finanzplatz Zürich» ist heute nicht mehr nur das Gemeindegebiet der Stadt Zürich gemeint. In der Regel wird damit die ganze Region bezeichnet, die sich aus den Kantonen Zürich, Zug und Schwyz zusammensetzt. So zum Beispiel im Finanzplatz-Monitoring, das Stadt und Kanton Zürich regelmässig in Auftrag geben. 

Märkte, Lädeli und Einzelhandel für die Quartierversorgung

Handel und Dienstleistungen in einer grossen Stadt umfassen ganz wesentlich die Versorgung der Bevölkerung mit Waren und Angeboten für den täglichen Gebrauch. Traditionell sind es in Zürich die Wochenmärkte und die Fachhandelgeschäfte, die diese Funktion übernehmen. Das ist auch in der Zeit der ersten Eingemeindung und um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert noch so. 

In seinem Beschluss vom 31. Dezember 1892 zur ersten Marktverordnung für die Grossstadt Zürich hält der Stadtrat acht Orte fest, an denen Märkte stattfinden können. Die erste Marktverordnung enthält auch eine abgestufte Gebührenordnung: Butter- und Käsehändler hatten zwei Franken pro Stand und pro Monat zu entrichten, Beerenverkäufer zahlten 15 Rappen pro Markttag und Längsmeter des Standes, für Kabishändler wurden fünf Franken pro Wagenladung und pro Woche fällig.

1898, Illustration des Geschäftshauses Grieder am alten Standort an der Bahnhofstrasse 10
1898, Illustration des Geschäftshauses Grieder am alten Standort an der Bahnhofstrasse 10

Eine spezielle Entwicklung im Detailhandel, die zeitlich mit Zürichs Sprung zur Grosstadt zusammenfällt, ist das Aufkommen der Kaufhäuser. Inspiriert durch die Grands Magasins in Paris eröffnete Josef Weber im Jahr 1892 auf der Papierwerdinsel den «J. Webers Bazar». Dieser bot als eines der ersten grossen Warenhäuser der Schweiz erstmals verschiedenste Handelswaren unter einem Dach. Die Preise waren fix angeschrieben, ein Feilschen wie auf dem Markt gab es nicht mehr. Trotz dieser Neuerungen und trotz elektrisch beleuchteten Schaufenstern als Attraktion ging Josef Weber bereits 1893 das Geld aus. Der Bankier Heinrich Burkhard stieg als Kapitalgeber ein. Aus dem «J. Webers Bazar» ging in der Folge der «Globus» hervor.

Das System der fixen Preise hatte der Italiener Johann Peter Jelmoli-Ciolina bereits rund 60 Jahre vorher in seinem Modegeschäft an der Schipfe eingeführt. Aus seinem Geschäft entstand 1896 die Grands Magasins Jelmoli S.A., die zwei Jahre später ihr Warenhaus am heutigen Standort, auf dem ehemaligen Areal der Seidenhöfe, eröffnete.

1903, Erfrischungsraum im Geschäftshaus Jelmoli an der Seidengasse 1
1903, Erfrischungsraum im Geschäftshaus Jelmoli an der Seidengasse 1

Ab den 1920er-Jahren kommen neue Formen der Quartier- und Stadtversorgung hinzu. 1925 fahren die Verkaufswagen der Migros zum ersten Mal aus, 1948 eröffnet die Migros an der Seidengasse in Zürich den ersten Supermarkt mit Selbstbedienung und leitet damit einen weiteren fundamentalen Wandel im Detailhandel ein.

Veränderungen und neue Ideen begleiten den Handel seit jeher. Der Wandel gehört untrennbar zur Geschichte des Handels. Wohin die Reise in Zukunft gehen könnte und welche Szenarien für den Detailhandel und die Quartierversorgung in Zürich denkbar sind, hat die Stadtentwicklung Zürich Ende 2017 mit dem Projekt Stadt der Zukunft - Handel im Wandel untersucht.

1903, Geschäftshaus Jelmoli an der Ecke Seidengasse / Sihlstrasse
1903, Geschäftshaus Jelmoli an der Ecke Seidengasse / Sihlstrasse

Bevor die Waren auf den Märkten, in den Fachgeschäften, Kaufhäuser und Selbstbedienungsläden überhaupt angeboten werden können, müssen sie in die Stadt geschafft werden. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geschah dies vor allem über den Gütertransport der Eisenbahn. Rund um den heutigen Hauptbahnhof entstanden Lagerhäuser und Lagerhallen für den Güterumschlag, die Zwischenlagerung und die weitere Feinverteilung. Die Lagerstrasse und die Zollstrasse (als Standort des damaligen Zollfreilagers) erinnern noch heute daran. Mit der fortschreitenden Stadtentwicklung wanderten diese Logistikzentren zuerst an die Peripherie und vermehrt auch ganz aus der Stadt.

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