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Der Tod in Zahlen

grafische Silhouette Friedhof Sihlfeld (Schmuckbild)

«STERBEN HEISST FÜR MICH, DASS MEINE SEELE WEITERZIEHT, DASS ICH IN DEN HERZEN DER LEUTE WEITERLEBE.»

Muhamed, 13 Jahre,
Sekundarschule Im Birch, Zürich

Der Tod in Zahlen
Beitrag zur Ausstellung «Der Leichnam» (16.6.2016 - 28.4.2017 im Friedhof Forum)
verfasst von Judith Riegelnig, Fidel Thomet, Christine Süssmann, Denise Ruoss, Bruno Bekowies
herausgegeben vom Friedhof Forum, Zürich 2016

Vorwort

Ein durchschnittlicher Leichnam sah früher recht jung aus, oft war er ein kleines Kind. Zum Leichnam wurden die meisten unserer Vorfahren von einem Moment zum nächsten, fast immer standen sie mitten im Leben. Noch bis ins 20. Jahrhundert musste man damit rechnen, an einer Krankheit wie Typhus oder Cholera zu sterben. Die Pestzüge im Mittelalter rafften jeweils bis zu einem Drittel der Bevölkerung in kurzer Zeit dahin. Heute sterben in der Stadt Zürich von über 400 000 Einwohnerinnen und Einwohnern etwa 3500 pro Jahr, das ist weniger als ein Prozent.

Fast alle Menschen in der Schweiz sind heute in der komfortablen Lage, nicht ständig um das eigene Leben oder das einer nahestehenden Person bangen zu müssen. Der Tod ist in den letzten Jahrzehnten immer berechenbarer geworden. Die Zahl der Personen, die vor ihrem 60. Lebensjahr sterben, nimmt stetig ab. Die Lebenserwartung erhöhte sich in den letzten 30 Jahren von 77 auf 83 Jahre. Ein Leichnam ist heute fast immer runzlig. Auch am Lebensanfang hat sich viel verändert: Hätten wir in der Stadt Zürich noch immer die gleiche Kindersterblichkeit wie 1900, so wären im letzten Jahr nicht 4 Kinder vor ihrem ersten Geburtstag gestorben, sondern 2475. Zu jener Zeit starben in Zürich prozentual mehr Menschen als dies heute in Lesotho der Fall ist, dem Land mit der aktuell höchsten Sterberate überhaupt. Der Tod war einst mitten in den Schweizer Familien. Der Leichnam auch.

Vielleicht entdecken Sie in diesem Buch die eine oder andere überraschende Zahl. Und falls Sie demnächst Geburtstag haben, gibt es eine gute Nachricht: Manche Studien besagen, Menschen würden häufiger an ihren eigenen Geburtstagen sterben als an anderen Tages des Jahres. Wir wünschen dennoch happy birthday, denn für Zürich trifft dies nicht zu.

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