Saubere Luft ist heute für viele selbstverständlich. Noch vor wenigen Jahrzehnten war das anders: Russ aus Feuerungen, Abgase aus dem Verkehr und Emissionen aus Industrie und Gewerbe belasteten die Luft in Zürich erheblich. Internationale Smogereignisse wie in Los Angeles und London machten die gravierenden gesundheitlichen Folgen verschmutzter Luft sichtbar. Auch in Zürich wuchs das Bewusstsein, dass Rauch, Russ und Verkehrsabgase nicht einfach Begleiterscheinungen des Fortschritts waren, sondern ein Umwelt- und Gesundheitsproblem.
In den 1960er-Jahren beginnt Zürich, die Luftqualität systematisch zu untersuchen. Mit dem Aufbau des Lufthygienischen Laboratoriums entsteht eine Fachstelle, die Luftschadstoffe erstmals regelmässig misst und auswertet. Messkampagnen zeigen, dass Schwefeldioxid aus Feuerungen und Industrie zu den wichtigsten Schadstoffen zählt und dass an stark befahrenen Strassen die Belastungen durch Kohlenmonoxid besonders hoch sind. Aus einzelnen Messkampagnen entsteht ein städtisches Messnetz, das ein umfassenderes Bild der Luftqualität liefert. Gleichzeitig beginnt Zürich, Ölfeuerungen zu kontrollieren und deren Emissionen zu reduzieren. Mit den ersten Schadstoffmessungen, einem stadtweiten Messnetz und den abgasseitigen Ölfeuerungskontrollen übernimmt Zürich eine Vorreiterrolle in der Luftüberwachung.
Mit dem starken Wachstum des Verkehrs rücken Luftschadstoffe zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit. Die «Zürcher Umweltschutzwoche» macht auf die Problematik aufmerksam und sensibilisiert die Bevölkerung. Gleichzeitig entwickelt sich die Messtechnik stetig weiter und kontinuierliche Messprogramme für Stickoxide und weitere Luftschadstoffe entstehen. Mobile Messwagen, statistische Auswertungen, Emissionskataster und Ausbreitungsmodelle ermöglichen immer genauere Aussagen über die Herkunft und Verteilung der Schadstoffe. Sie lassen sich nicht mehr nur messen, sondern immer mehr auch vorhersagen. 1978 ruft der Bund das Nationale Beobachtungsnetz für Luftfremdstoffe (NABEL) ins Leben, um die Luftqualität schweizweit langfristig zu überwachen – dank einheitlicher Messmethoden werden die Luftbelastungen erstmals vergleichbar. Zürich gehört von Beginn an zu den Messstandorten. Parallel dazu untersucht der UGZ mit Messungen an stark belasteten Verkehrsachsen wie der Rosengartenstrasse die lokale Belastung durch den Strassenverkehr. Die Luftreinhaltung entwickelt sich von punktuellen Untersuchungen zu einer systematischen Daueraufgabe.
Die Diskussion um das Waldsterben und den sauren Regen verändert die Umweltpolitik grundlegend. Luftverschmutzung wird nicht länger als lokales Problem verstanden, sondern als ernsthafte Gefahr für Gesundheit und Umwelt. Mit dem Umweltschutzgesetz und der Luftreinhalte-Verordnung erhält die Schweiz Mitte der 1980er-Jahre erstmals einen umfassenden gesetzlichen Rahmen. Damit werden verbindliche Immissionsgrenzwerte und vorsorgliche Emissionsbegrenzungen eingeführt. Gleichzeitig setzt sich der geregelte Drei-Wege-Katalysator bei Personenwagen durch und reduziert die Emissionen von Kohlenmonoxid, Stickoxiden und unverbrannten Kohlenwasserstoffen deutlich. Zürich setzt die neuen Vorschriften konsequent um und baut seine Luftüberwachung gezielt als Grundlage für den Vollzug aus. Bereits 1983 werden die Ergebnisse einer ersten flächendeckenden Messkampagne in einem Bericht veröffentlicht.
Die Wirkung der ersten Luftreinhaltemassnahmen wird zunehmend sichtbar. Schwefeldioxid verliert an Bedeutung, gleichzeitig rücken neue Schadstoffe wie Ozon, Feinstaub, Benzol und flüchtige andere organische Verbindungen (VOC) in den Fokus. In Zürich ermöglichen VOC-Messungen und ein Benzolmodell erstmals Aussagen über die Belastung des krebserregenden Benzols im gesamten Stadtgebiet. Zudem werden schwefelarme Brenn- und Treibstoffe eingeführt und der Schwefelgehalt weiter reduziert. Die Verkehrsbetriebe Zürich setzen früh Dieselpartikelfilter bei Bussen ein und leisten damit einen Beitrag zur Reduktion der Dieselrussemissionen. Seit 1990 dokumentieren flächendeckende Messkampagnen die Entwicklung der Luftqualität in Zürich im Vierjahresrhythmus.
Die technischen und regulatorischen Massnahmen der vergangenen Jahrzehnte zeigen Wirkung: Die Luftqualität verbessert sich weiter, doch bei NO₂ und PM10 verlangsamen sich die Fortschritte. Gleichzeitig rücken Dieselruss, elementarer Kohlenstoff sowie Partikelanzahl und ultrafeine Partikel stärker in den Fokus. Mit dem wachsenden Anteil von Dieselfahrzeugen verschärft sich der Zielkonflikt zwischen geringerem CO₂-Ausstoss und höheren Emissionen von Stickoxiden und Russpartikeln. Strengere Abgasvorschriften und Partikelfilter reduzieren diese Belastung schrittweise. Der Hitzesommer 2003 mit hohen Ozonwerten und die Feinstaubepisoden im Winter 2005/06 führen zu koordinierten Informations- und Interventionskonzepten von Bund und Kantonen. Bei hoher Luftbelastung wird die Bevölkerung beispielsweise per SMS informiert.
Nach Jahrzehnten konsequenter Luftreinhaltepolitik lassen sich die Fortschritte klar belegen. Die Konzentrationen vieler Luftschadstoffe sinken auf einen Bruchteil früherer Werte und Wirkungskontrollen bestätigen, dass sich die Luftqualität gegenüber den 1980er-Jahren deutlich verbessert hat. Bei Feinstaub (PM10) werden die Immissionsgrenzwerte an immer mehr Messstandorten eingehalten, während Stickstoffdioxid an stark befahrenen Strassen sowie Ozon weiterhin Herausforderungen bleiben. Mit dem ersten städtischen «Massnahmenplan Luftreinhaltung» richtet Zürich 2011 den Fokus gezielt auf diese verbleibenden Belastungsschwerpunkte und bündelt zusätzliche Massnahmen für Feuerungen, Baustellen und den Verkehr. Die Überarbeitung des Massnahmenplans im Jahr 2019 trägt der deutlich verbesserten Luftqualität Rechnung und konzentriert sich auf Stickstoffdioxid, PM2.5, Ozon und stark belastete Verkehrsachsen.
Die Luftqualität in Zürich ist heute so gut wie seit Beginn der Messungen nicht mehr. Viele klassische Luftschadstoffe sind stark zurückgegangen, die meisten Grenzwerte der Luftreinhalte-Verordnung werden eingehalten. Herausforderungen bleiben jedoch bei NO₂ an stark belasteten Verkehrsachsen, bei Ozon und Feinstaub sowie insbesondere bei ultrafeinen Partikeln. Moderne Messverfahren ermöglichen heute auch die Erfassung ultrafeiner Partikel. Seit 2023 werden bei Fahrzeugkontrollen zudem Partikelanzahlmessungen eingesetzt, um defekte oder manipulierte Diesel-Partikelfilter zuverlässig zu erkennen.
Die Luftbilanz 2024 bestätigt den langfristigen Erfolg der Luftreinhaltepolitik. Gleichzeitig zeigt sie, dass die Belastung durch ultrafeine Partikel in den vergangenen zehn Jahren nicht im gleichen Mass zurückgegangen ist wie jene durch PM10. 2024 verschärfte die EU ihre Luftqualitätsvorgaben deutlich und richtete sie stärker an den Empfehlungen der WHO aus. Damit rückt neben der Einhaltung gesetzlicher Grenzwerte zunehmend eine möglichst geringe gesundheitliche Belastung in den Fokus. Eine Studie des UGZ zeigt zudem, dass die bisherigen Luftreinhaltemassnahmen jährlich Gesundheitskosten in dreistelliger Millionenhöhe vermeiden. Die Luftreinhaltung bleibt auch künftig eine wichtige Aufgabe, bei der Wissenschaft, Regulierung, Vollzug und Technik eine zentrale Rolle spielen.