In den letzten fünf Jahren hat sich die rechtliche Lage für lesbische, schwule, bisexuelle, trans, intergeschlechtliche und queere (LGBTIQ+) Personen in der Schweiz erheblich verbessert. Trotz Fortschritte sind aber in anderen Bereichen auch gegenteilige Entwicklungen zu beobachten. Politische Kämpfe rund um LGBTIQ-Rechte bringen öffentliche Diskussionen mit sich und rücken queere Menschen in den gesellschaftlichen Fokus. Erstmals wurde anhand der Abstimmungskampagne zur «Ehe für alle» untersucht, wie LGBTIQ+ Personen die Kampagne erlebt haben und welche Effekte sie auf ihre Gesundheit hatte.
Wie erleben LGBTIQ+ Personen die aktuelle Situation in der Schweiz? Was sind die Auswirkungen von Diskriminierung auf das Wohlbefinden von LGBTIQ+ Personen? Wie haben LGBTIQ+ Personen die Abstimmungskampagne zur «Ehe für alle» erlebt? Wie können Einzelpersonen und Institutionen aktiv dazu beitragen, dass sich LGBTIQ+ Personen in der Schweiz wohl und sicher fühlen?
Diesen Fragen gehen Dr. Léïla Eisner und Dr. Tabea Hässler vom Psychologischen Institut der Universität Zürich am BiblioTalk nach. Sie leiten das Schweizer LGBTIQ+ Panel (Längsschnittstudie).
Transkript Fachstelle für Gleichstellung Stadt Zürich, 16. Januar 2025 Einführung von Nathan Schocher, Fachstelle für Gleichstellung Guten Abend, geschätztes Publikum. Ich begrüsse Sie im Namen der Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich ganz herzlich zum heutigen BiblioTalk zum Thema: Wie geht es queeren Menschen in der Schweiz? Ergebnisse aus dem Schweizer LGBTIQ+ Panel. Herzlich willkommen heisse ich auch Tabea Hässler und Léïla Eisner vom LGBTIQ+ Panel. Mein Name ist Nathan Schocher. Ich bin hier auf der Fachstelle Projektleiter für den Themenbereich LGBTI. Und ich darf Sie heute als Moderator durch den Abend führen. Die Fachstelle für Gleichstellung ist das Kompetenzzentrum und die Anlaufstelle für Gleichstellung in der Stadt Zürich. Wir setzen uns ein für die rechtliche und tatsächliche Gleichstellung von Frau und Mann in allen Lebensbereichen. 2013 wurde unser Auftrag erweitert auf die Gleichstellung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen. Wir befinden uns in der Bibliothek zur Gleichstellung. Sie haben es vielleicht schon gesehen. Hier liegen diverse Bücher zum Thema des heutigen Abends auf. Diese und viele weitere können Sie auch ausleihen. Die Bibliothek ist immer dienstags und Donnerstagnachmittag geöffnet. Barbara Lienhard, die Bibliotheksverantwortliche, unterstützt Sie gerne bei der Literatursuche. Sabine Rock wird die Referate und die anschliessende Diskussion aufnehmen, so dass Interessierte den heutigen BiblioTalk nachhören können. Bitte sprechen Sie deshalb nachher bei der Diskussion auch immer ins Mikrofon. Ich komme dann jeweils zu Ihnen. Transkript BiblioTalk «Wie geht es queeren Menschen in der Schweiz?» Das Thema Zum Thema des heutigen Abends. Ich freue mich, dass heute Tabea Hässler und Léïla Eisner bei uns zu Gast sind. Zusammen haben die beiden das Swiss LGBTQ+ Panel ins Leben gerufen. Es handelt sich um eine Längsschnittstudie, die seit 2019 jährlich die Situation von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans-, intergeschlechtlichen und queeren Personen in der Schweiz untersucht. Und das ist für uns spannend, da sich in den letzten fünf Jahren die rechtliche Lage für lesbische, schwule, bisexuelle, trans, intergeschlechtliche und queere Personen in der Schweiz erheblich verbessert hat. Die Bevölkerung hat sich zum Beispiel klar für eine Erweiterung des Antidiskriminierungsgesetzes um die sexuelle Orientierung sowie für die Einführung der «Ehe für alle» ausgesprochen. Zudem wurde der Prozess zur Änderung von Namen und Geschlechtseintrag in offiziellen Dokumenten vereinfacht. Politische Kämpfe rund um LGBTIQ+ Rechte bringen jedoch zwangsläufig öffentliche Diskussionen mit sich und rücken dadurch queere Menschen manchmal auch ungewollt in den gesellschaftlichen Fokus. Zudem gibt es trotz der Fortschritte besorgniserregende Entwicklungen: Hassverbrechen nehmen zu, Transpersonen werden verstärkt politisch angegriffen und das Schweizer Parlament hat sich gegen ein Verbot von medizinisch aufschiebbaren Operationen an intergeschlechtlichen Kindern ausgesprochen. Wie erleben also LGBTIQ+ Personen selbst die aktuelle Situation in der Schweiz? Welche Auswirkungen hat Diskriminierung auf ihr Wohlbefinden und wie erleben sie Abstimmungskampagnen wie zum Beispiel die zur «Ehe für alle»? Und wie können letztlich Einzelpersonen und Institutionen aktiv dazu beitragen, dass sich LGBTIQ+ Personen in der Schweiz wohl und sicher fühlen? Anhand der Daten des Swiss LGBTIQ+ Panels werden uns im Referat Antworten auf diese Fragen präsentiert werden. Die Referierenden Tabea Hässler hat in Köln Psychologie studiert und 2019 an der Universität Zürich promoviert. Seit 2021 hat Tabea an der Universität Zürich eine Oberassistenz im Bereich Sozialpsychologie inne. Tabea Hässler forscht zu den Themen Intergruppenbeziehungen, sozialer Wandel, Vorurteile, Diskriminierung, ethnische Minderheiten und LGBTIQ+. Léïla Eisner, herzlich willkommen, kommt aus der Romandie. Sie hat Politikwissenschaft in Lausanne studiert und in Sozialpsychologie auch dort promoviert. Sie ist Honorary Research Fellow an der School of Psychology der University of Queensland und forscht und lehrt seit 2023 nun auch als Oberassistentin an der Universität Zürich. Ihre Forschungsinteressen sind gesellschaftlicher und institutioneller Wandel, Normen, demokratische Prozesse, Umfragemethologien und LGBTIQ+. Zum Ablauf des heutigen Abends: Tabea Hässler und Léïla Eisner werden uns einen Überblick über ihre Forschungsergebnisse Ergebnisse geben. Insgesamt werden das etwa 40 Minuten Input sein. Ich bitte Sie, allfällige Fragen und Anmerkungen für die Diskussion im Anschluss an das Referat aufzuheben. Spätestens um 19:30 Uhr lade ich 2 Transkript BiblioTalk «Wie geht es queeren Menschen in der Schweiz?» Sie dann alle herzlich zu Käse, Hummus, Brot und Wein auf die Galerie ein, wo wir noch weiter miteinander diskutieren können. Und jetzt übergebe ich sehr gerne das Wort an Tabea Hässler und Léïla Eisner. Referat «Wie geht es queeren Menschen in der Schweiz?» Tabea Hässler: Vielen Dank für die Einladung und für die nette Einführung. Ich freue mich, dass Sie und ihr alle da seid. Ja, wir reden heute über «Wie geht es queeren Menschen in der Schweiz?» und würden uns auch danach freuen, beim Apéro noch mit Ihnen und euch zu diskutieren. [Folie 2] Also einen kurzen Überblick über heute. Wir werden ganz kurz erst mal sagen, was oder wie ist die Situation in der Schweiz und weltweit? Dann gehen wir auf einige Befunde aus unserem Panel ein, bevor Léïla dann noch mal die Ergebnisse für unsere Studie von der «Ehe für alle» vorstellen wird und dann auch noch mal auf Best Practices eingehen können. Was können Institutionen und Unternehmen machen, um queeren Menschen grössere Sichtbarkeit zu geben? Und die Akzeptanz zu fördern. Und ganz zum Schluss gehen wir auch noch kurz auf die Umfrage ein, die wir hoffentlich Anfang Februar starten werden. Über das Schweizer LGBTIQ+ Panel [Folie 3] Zum Schweizer LGBTIQ+ Panel. Nathan hat schon viel gesagt. Wir haben das Panel 2019 gestartet. Léïla hat damals in Lausanne doktoriert, ich hier in Zürich. Und wir haben gedacht, dass es ja schön wäre, auch Umfragen zu machen, wo man wirklich die ganze Schweiz repräsentiert. Deswegen ist unsere Umfrage viersprachig. Wir hatten Glück, dass ein Kollege die noch auf Italienisch übersetzt hat, weil wir am Anfang überhaupt keine Fördermittel hatten. Aber es ist ganz, ganz toll, dass wir jetzt auch sehen, dass wir wirklich die ganzen Sprachregionen der Schweiz repräsentieren können. Und ein wichtiges Ziel von uns war, dass wir gesagt haben, wir möchten gerne die ganze LGBTIQ-Community repräsentieren, aber auch nicht queere Menschen. Weil viele vorherige Umfragen oft eben auch da ein bisschen Einschränkung hatten. Und wir möchten auch gerne den Graben zwischen der Praxis und der Forschung schliessen, indem wir eben nicht nur wissenschaftliche Publikationen veröffentlichen, sondern auch Berichte. 3 Transkript BiblioTalk «Wie geht es queeren Menschen in der Schweiz?» Wichtige Begriffe und Definitionen [Folien 4-6] Jetzt ganz kurz zu den wichtigen Begriffen oder auch zu der Einteilung. Es ist wichtig, dass wir sagen, im Panel repräsentieren wir zum einen einerseits Personen, die sich aufgrund ihrer sexuellen Orientierung unterscheiden oder auch in der romantischen Anziehung. Hier geht es also darum: Bin ich heterosexuell? Bin ich schwul, lesbisch, bisexuell, pansexuell oder auch zum Beispiel asexuell? Und wie gesagt, wir haben auch heterosexuelle Personen, die teilnehmen. Dann haben wir – wir sprechen von Angehörigen geschlechtlicher Minderheiten, hier auch Personen, deren Geschlechtsidentität vielleicht von den ihnen zugewiesenen Geschlecht abweicht oder eben auch intergeschlechtliche Personen, wo es wirklich um die biologischen Geschlechtsmerkmale geht. Damit die Umfrage nicht zu lange wird, werden wir das so ein bisschen getrennt auswerten. Aber es ist wichtig zu erwähnen, dass natürlich auch trans oder intergeschlechtliche Personen ganz unterschiedliche sexuelle Orientierung haben können. Das ist ein Punkt, den man schon ein bisschen vergessen geht und den ich sehr, sehr wichtig finde. Als Kontrollgruppe, und hier ist es immer ein bisschen sperrig – wir werden später nur noch von cis heterosexuellen Personen sprechen – haben wir cis-heterosexuelle, endogeschlechtliche Personen. Also Personen, die nicht intergeschlechtlich sind, die sich zu einer Person von einem anderen Geschlecht angezogen fühlen und die sich mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Einleitung: Zum Kontext [Folie 8] Jetzt, wenn wir uns die Situation angucken, wo stehen wir oder wo standen wir auch, als wir das Panel gelauncht haben? Dann sehen wir, dass wir vor allem in vielen westlichen Ländern, aber nicht nur einige neue Rechte bekommen haben. Gleichzeitig sehen wir auch in der letzten Zeit eine zunehmende Polarisierung. Einerseits zwischen den Ländern, wo es jetzt einige Länder gibt, die zum Beispiel die «Ehe für alle» eingeführt haben, wie die Schweiz. Andere Länder machen Rückschritte, indem neue LGBT Personen kriminalisiert werden. Und wir sehen eben auch in vielen Ländern, auch in der Schweiz, eine zunehmende Politisierung und Polarisierung, wo gerade vor allem geschlechtliche Minderheiten gerade sehr in den Medienfokus gerückt werden. Was in einigen Ländern noch sehr präsent ist und was wir auch in unseren Daten sehen, ist, dass LGBT-Personen überall auf der Welt immerhin noch Diskriminierung erfahren. Und die kann ganz unterschiedlich ausfallen. Das heisst, es kann sein, dass man offene Diskriminierung erlebt, dass man zum Beispiel beschimpft wird. Es kann aber auch subtil 4 Transkript BiblioTalk «Wie geht es queeren Menschen in der Schweiz?» sein, dass man ausgeschlossen wird und vielleicht auch gar nicht immer weiss «Bin ich jetzt diskriminiert worden oder mag mich die Person wegen anderen Charakteristiken nicht?». Diskriminierung kann absichtlich erfolgen, aber auch unabsichtlich. Dass zum Beispiel eine Person, eine weiblich gelesene Person einfach fragt, ob sie einen Partner hat und gar nicht in Erwägung zieht, dass die Person vielleicht auch andere und vielleicht eine Partnerin haben könnte. Oder dass zum Beispiel nicht binäre Personen ausgeschlossen werden. Und Diskriminierung kann auch entweder strukturell sein, zum Beispiel hier in der Schweiz gibt es kein drittes Geschlecht in offiziellen Dokumenten oder eben nicht strukturell, das heisst von individuellen Personen. Was all diese Formen von Diskriminierung gemeinsam haben, ist sie dazu führen, dass sich Personen nicht outen. Das werden wir auch nachher noch mal in den Daten zeigen. Und dass eben solche Diskriminierungen und auch das Monitoring kann ich mich outen, kann ich mich nicht outen? Kann ich über meine Familie erzählen, über mein Leben erzählen oder muss ich das Verstecken? Sich negativ auf die mentale, aber auch die körperliche Gesundheit von Menschen beziehen? Das wird Léïla nachher auch noch präsentieren und gleichzeitig senkt es aber auch die Arbeitszufriedenheit und die Leistung und das eben in vielen, vielen Bereichen. Und deswegen ist es ganz, ganz wichtig, dass wir ein Umfeld schaffen, wo sich alle persönlich und alle Personen sicher fühlen, sich selber sein zu können. Hier eben auch sehr bekannt in der Forschung. Unterstützung ist ganz, ganz zentral und Unterstützung kann ganz verschiedene Formen annehmen. Das heisst, es kann sein, dass ich wirklich Personen habe in meinem Umfeld, die mich unterstützen. Das kann die queere Community sein, das können aber auch Allies sein. Unterstützen kann aber auch strukturell sein in Form von Antidiskriminierungsgesetzen, Policies, die sich ganz klar für Diversität aussetzen. Hier haben wir also verschiedene Möglichkeiten. Situation in der Schweiz [Folie 10-12] Nun, wie sieht es aus in der Situation der Schweiz? Nathan hat das schon angesprochen, dass wir in den letzten Jahren sehr, sehr viele Veränderungen hatten. 2019, als wir angefangen hatten, gab es die eingetragene Partnerschaft und die Stiefkindadoption. Jetzt sind wir sechs Jahre weiter und man sieht hier sehr gut, dass sich recht viel verändert hat. Wir haben die «Ehe für alle» mit ihr, die Stiefkindadoption und die künstliche Befruchtung. Wir haben Schutz vor Diskriminierung, allerdings nur aufgrund der sexuellen Orientierung und nicht der Geschlechtsidentität. Wir werden nachher noch mal sagen, warum das problematisch ist. Wir haben die erleichterte Änderung des Geschlechtseintrag. Was weiterhin fehlt, ist der Schutz vor Diskriminierung aufgrund der Geschlechtsidentität. Es gibt keine dritte Geschlechtskategorie in der 5 Transkript BiblioTalk «Wie geht es queeren Menschen in der Schweiz?» Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern, zum Beispiel in Deutschland, wo das eingeführt wurde. Und wie Nathan angesprochen hat, das Schweizer Parlament hat sich dagegen entschieden, aufschiebbare Operationen an intergeschlechtlichen Kindern zu verbieten. Und allein in Zürich werden ungefähr 140 Kinder pro Jahr operiert. Das ist ein immenser Eingriff in die körperliche Unversehrtheit und wird von zahlreichen, auch medizinischen Organisationen kritisiert. Schweizer LGBTIQ+ Panel: Erhebung [Folie 13] Jetzt: Wie erheben wir, wie die Situation ist? Dafür machen wir unser Panel und uns war es wie gesagt sehr, sehr wichtig, ganz verschiedene Personen zu repräsentieren. Deswegen haben wir zu Beginn ganz viele Organisationen angeschrieben. Wir haben gehofft, 200 Personen zu bekommen. [Folie 14] Hier sehen Sie, dass das in Französisch geteilt wurde, auf Deutsch, auf Italienisch. Wir haben Schulaufklärungsprogramme gehabt, die Lesbenorganisation, das Transgender Network und auch queere Magazine, die uns beworben haben. Und dank dieser Aufmerksamkeit haben wir es geschafft, im ersten Jahr schon 1600 Leute zu erreichen. Also viel, viel mehr als geplant. Ursprünglich wollten wir auch einfach eine Umfrage machen. Wir waren in unserem Doktorat und haben das so nebenbei ins Leben gerufen. Und uns haben sehr, sehr viele Leute geschrieben, dass solche Umfragen wichtig sind, und das hat uns motiviert, weiterzumachen. [Folie 15] Jetzt möchte ich heute die Ergebnisse von unserer 2023er Umfrage präsentieren. Letztes Jahr hatten wir eine Pause, aber wir werden dieses Jahr wieder ins Feld ziehen und würden uns freuen, wenn wir auch ganz viele neue Teilnehmende bekommen. [Folie 16] Hier möchte ich ganz kurz die Tabelle erklären. Also was haben wir? Wir sehen hier, wir hatten 2023 2812 Teilnehmende. Das wären 100%. Wir haben hier verschiedene sexuelle Orientierungen. Dann sehen wir, dass circa 1200 Personen gesagt haben, dass sie homosexuell sind. Das wären 42%. Wenn wir uns angucken, bi- und pansexuelle Personen sind das weitere 30% oder circa 850 Personen, was für uns sehr sehr interessant ist, weil die eben sehr oft nicht sichtbar sind und wir aber doch relativ viele Personen in unserem Panel vertreten haben. Wir sehen auch hier, dass wir heterosexuelle Personen haben. Und wie gesagt, zum einen sind das cis endogeschlechtliche heterosexuelle Personen, aber wir haben zum Beispiel auch bei den 6 Transkript BiblioTalk «Wie geht es queeren Menschen in der Schweiz?» geschlechtlichen Minderheiten Personen, die heterosexuell sind. Hier [Folie 16] haben wir noch mal aufgezeigt, wie viele cis-weibliche Personen, trans-weibliche Personen, trans-männliche, cis-männliche, nicht binäre Personen wir haben. Und ich finde es auch immer wichtig zu sagen, dass es so ein bisschen ein Spektrum ist, weil wir sehen zum Beispiel bei den nicht binären Personen in unserem Panel, das sich 2/3 als Trans identifizieren und 1/3 nicht. Also auch hier ist das trans versus cis ist ein bisschen eine sehr grobe Kategorisierung. Was die Sprachregionen angeht, sind wir recht repräsentativ für die Schweiz. Aber wir sind übervertreten mit jüngeren Personen. Das heisst, auch hier würden wir gerne mehr ältere Personen erreichen. Eine Barriere ist sicherlich auch, dass die Umfrage online ist. Und wir haben eine Überrepräsentation von Leuten, die eine höhere Bildung haben. [Folie 17] Hier noch mal unsere Karte auch hier. Léïla hat sich das noch mal ein bisschen angeguckt im Vergleich zu der Bevölkerungszahl, weil wir auch gedacht haben, wir sind komplett übervertreten, aber so schlimm sind wir gar nicht. Aber man sieht natürlich auch, dass queere Personen ein bisschen in den grösseren Städten wohnen, das heißt in Zürich, in Basel, in Genf, in Bern. Und Ziel von unserer diesjährigen Umfrage ist auch hier auf jeden Fall mehr Leute zu erreichen. Ergebnisse des Schweizer LGBTIQ+ Panels [Folie 18] So, jetzt zu den Ergebnissen. Was haben wir gefunden? Wir haben uns zum einen das Coming-out angeguckt. [Folie 19] Hier sehen wir die Daten jetzt für Angehörige sexueller Minderheiten, die eben cis sind – oder sagen wir mindestens nicht trans oder nicht binär. Und hier sehen wir in Dunkelblau Personen, die sagen «Ich bin gar nicht oder sehr wenig geoutet». Wir sehen in grünen Personen, die sagen «ich bin so bei der Hälfte der Leute geoutet» und dann hier in Lila sehen wir Personen, die sagen «ich bin fast überall geoutet». Was wir sehen, ist zum Beispiel hier im Freund*innenkreis sind 80% der Angehörigen sexueller Personen geoutet. Wir sehen gleichzeitig in der Kirche, dass 70% nicht geoutet sind. Heute wollten wir uns noch mal ein bisschen den Arbeitsplatz angucken. Auch hier sind das sehen wir, dass circa 1/3 der Personen sagen «Ich bin in der Arbeit nicht geoutet». Wenn wir uns die Uni angucken, einfach mal als Vergleich, weil es ja immer heißt, die Uni ist so liberal. Auch hier sehen wir, dass 1/3 der Angehöriger sexueller 7 Transkript BiblioTalk «Wie geht es queeren Menschen in der Schweiz?» Minderheiten sagt «Nee, ich rede nicht über meine sexuelle Orientierung» und es ist natürlich auch wichtig, dass es manchmal nicht relevant ist. Aber es kann auch sein, dass man einen Druck hat, ich kann gar nicht über mein Privatleben reden und muss es verstecken. [Folie 20] Jetzt gucken wir uns das für Angehörige geschlechtlicher Minderheiten an, und hier wird es natürlich noch mal komplizierter, weil ich kann ein Outing haben, bevor ich die Social Transition habe. Das heisst zum Beispiel, wenn ich noch als männlich gelesen werde und aber sage, meine Geschlechtsidentität ist weiblich, kann es sein, dass ich mich erst mal oute, dass ich eine Frau bin. Und wenn ich die Transition habe, ist dann die Frage: Möchte ich überhaupt noch darüber reden, dass ich trans bin? Oder reicht es mir, dass mich Personen einfach als Frau lesen? Was wir hier sehen, ist generell, dass Personen deutlich weniger geoutet sind. Wir sind zum Beispiel im Arbeitsplatz, dass die Hälfte sagt, sie sind nicht geoutet und auch sehr, sehr ähnliche Zahlen von der Uni. [Folie 21] Hier ein paar Zitate von unseren Teilnehmenden. Eine Person hat zum Beispiel gesagt: «Ich denke, mit meinem aktuellen Job kommt es oft vor, dass es für Frauen am Arbeitsplatz bereits schwierig ist, dann noch zusätzlich lesbisch zu sein ist schwierig. Viele Frauen outen sich nicht, da sie das Gefühl haben, dass ihre Arbeit und ihre Karrierechancen beeinträchtigen wird». Hier haben wir auch das Thema Intersektionalität, das natürlich auch die LGBT-Community. Wenn wir uns Geschlecht, Geschlechtsidentität, sexuelle Orientierung und eben dann Geschlechtscharakteristiken anschauen und dann natürlich auch noch ganz viele andere Merkmale sehr, sehr vielfältig ist. [Folie 21] Hier haben wir noch ein anderes Zitat: «Das Bewusstsein für Transmenschen hat in der Gesellschaft etwas zugenommen und die Toleranz hat sich verbessert. Obwohl das Outing einfacher geworden ist, stellt es für die Betroffenen immer noch ein grosses Hindernis dar. Das Outing am Arbeitsplatz ist nach wie vor oft problematisch und führt immer wieder zum Verlust des Arbeitsplatzes.» Also auch hier ein Grund, warum sich Leute nicht outen, dass sie Angst haben, dass es sich negativ auf ihre Karrierechancen oder sogar zum Jobverlust auswirkt. [Folie 22] Hier noch mal kurz, was ich vorhin erzählt habe. Wir sehen, dass eben circa 1/3 der Angehörigen sexueller Minderheiten in der Arbeit und auch an der Uni nicht geoutet ist. Und bei den trans, nicht binären und intergeschlechtlichen Personen ist die Hälfte – also noch mal deutlich mehr. Und hier haben wir auch wieder das Problem, dass 8 Transkript BiblioTalk «Wie geht es queeren Menschen in der Schweiz?» eben gerade die Personen, die am vulnerabelsten sind, innerhalb der LGBT-Community nicht geschützt werden durch das Antidiskriminierungsgesetz. [Folie 23] Wir haben Personen auch gefragt «Was für Arten von Diskriminierung haben Sie im letzten Jahr erlebt?» Und hier haben wir das einfach codiert als «wurde erlebt in den letzten zwölf Monaten oder nicht». Wir sehen hier, dass wir Sachen gefragt haben, wie Witze, nicht ernst genommen werden, aber auch geoutet werden von anderen Personen, ohne dass man das möchte. Das sollte immer die Entscheidung des Individuums sein. Oben im Blau haben wir Angehörige sexueller Minderheiten und dann in lila Angehörige geschlechtlicher Minderheiten. Und auch hier sehen wir wieder, dass Angehörige geschlechtlicher Minderheiten wirklich überall deutlich mehr Diskriminierung erleben. Gucken wir uns zum einen das Thema strukturelle Diskriminierung an. [Folie 24] Hier hatten wir 2022 eben jetzt das Geschlechtsmarker oder Einträge und auch Namen in offiziellen Dokumenten einfacher geändert werden können. Und wir haben gefragt okay, wie haben Personen, die diese Dokumente geändert haben, das erlebt. Und da steht ganz klar, am schwierigsten ist es in der Schule, da ist viel Widerstand vorhanden. Bei Geburtsurkunden ist es schwierig und auch für Ausweise. Am einfachsten haben Personen diese Verfahren für Führerschein erlebt. [Folie 25] Jetzt gucken wir uns körperliche Gewalt an und das finde ich schon relativ hohe Zahlen. Wenn wir sagen, dass 7 % unserer Angehörigen sexueller Minderheiten und bei trans Personen doppelt so viele 16 % im letzten Jahr körperliche Gewalt erfahren haben. Dann ist auch hier noch mal wichtig: Wir haben gefragt, haben Personen das gemeldet? Es gibt die Hate-Crime Hotline, es gibt verschiedene Meldestellen. Und wir sehen, ein ganz grosser Teil meldet es nicht; nur jede vierte Person von Angehörigen sexueller Minderheiten; bei trans, nicht binären und intergeschlechtlichen Personen sogar nur jede fünfte Person. Wir haben dann gefragt: Warum haben es die Personen nicht gemeldet? [Folie 26] Und hier sagt eine Person zum Beispiel: «Die Polizei führt keine Statistik zu Hassverbrechen solcher Art. Und ich glaube nicht, dass die Fahndung in meinem Fall erfolgreich wäre.» Also auch hier, dass man sagt, okay, es bringt überhaupt nichts, warum soll ich das machen? Es ist auch belastend für mich, weil ich muss den Tathergang wieder rekapitulieren. Eine andere Person hat gesagt: «Ich habe kein Vertrauen, würde wohl eh nicht erfasst werden und würde nicht ernst genommen werden». Und eine andere Person hat geschrieben: «Es gibt kein Gesetz für die 9 Transkript BiblioTalk «Wie geht es queeren Menschen in der Schweiz?» Verfolgung von Hassverbrechen an Transpersonen. Es lohnt sich daher nicht, den Aufwand einer Meldung zu durchlaufen, wenn alles, womit sie konfrontiert werden könnten, eine Geldstrafe ist.» Also auch hier so ein bisschen die Frage: Lohnt es sich für mich, überhaupt so was zu melden oder nicht? [Folie 27] Ich möchte hier auch nochmal darauf eingehen, weil das ist etwas, was wenig angeguckt wird. Das ist sexuelle Belästigung, die LGBTI-Personen erfahren. Hier haben wir das binär erfasst, aber wir sehen, dass sie eben vor allem von Männern ausgeht. Das ist auch etwas, was ich generell in der Literatur wiedersieht. Wenn wir uns die Daten speziell angucken, sehen wir, dass zum einen queere Frauen vor allem Opfer von sexueller Belästigung werden. Transpersonen generell auch sehr grosse betroffene Gruppe. Also auch hier wäre es wichtig, wirklich Präventionsmassnahmen zu machen. Und es ist eben auch wichtig, dass wir wissen generell, wenn Anzeigen erstellt werden oder Sachen gemeldet werden, dass das wirklich nur die Spitze des Eisberges ist, dass ganz viele Fälle nie irgendwo gemeldet werden, wie wir das auch bei Hassverbrechen gesehen haben. Andererseits wenn Fälle gemeldet werden, werden die Verfahren sehr oft eingestellt, also auch hier die Frage: Wie kann man Opfer und Opferinnen besser schützen? [Folie 28] Hier noch mal Daten von einem Jahr davor. Da hatten wir uns noch gefragt okay, wie sieht das aus in verschiedenen Bereichen? Auch hier wieder ganz klarer Trend, dass sowohl auf der Arbeit, in der Schule und in der Uni geschlechtliche Minderheiten deutlich mehr Diskriminierung im letzten Jahr erlebt haben. Und was eben auch sehr, sehr wichtig ist und wofür es wichtig ist, dass wir eben heute hier sind, zum Beispiel der Fachstelle für Gleichstellung, ist, dass 1/3 der Befragten sagt, sie wissen gar nicht, an wen sie sich wenden können. Das heisst, selbst wenn es Hilfeangebote gibt, werden die zu wenig kommuniziert und Personen haben Hemmnisse und suchen sich keinen Rat. Kurze Zusammenfassung zum Schweizer LGBTIQ+ Panel [Folie 29] Also kurze Zusammenfassung von meiner Seite: Wir finden generell relativ hohe Diskriminierungsraten, die dazu führen, dass Personen sehr selektiv geoutet sind. Wichtig ist eben auch Ungleichheiten innerhalb der LGBTIQ-Community. Wir haben eine sehr heterogene Gemeinschaft. Wie ich schon erwähnt habe, sehen wir das vor allem daran, dass nicht binäre Personen und intergeschlechtliche Personen besonders vulnerabel sind und gleichzeitig wenig geschützt werden. 10 Transkript BiblioTalk «Wie geht es queeren Menschen in der Schweiz?» Auch wenn wir uns Daten angucken zur erlebten Unterstützung, ist die deutlich tiefer und gesundheitliche Lücken, die wir finden, zum Beispiel schon zwischen heterosexuellen Personen und der LGBT-Community sind bei trans und nicht-binären und intergeschlechtlichen Personen noch mal deutlich stärker ausgeprägt. Wir können uns dann aber auch innerhalb der sexuellen Orientierung zum Beispiel Unterschiede anschauen. Und da sehen wir, dass bi- und pansexuelle Personen deutlich mehr Diskriminierung erfahren, weniger Unterstützung erleben und auch hier gefährdeter sind. Wichtig ist auch noch mal zu erwähnen, dass die Diskriminierung nicht nur von cis heterosexuellen Personen kommt, sondern teilweise auch von innerhalb der LGBTQ Community. Also auch hier ist die Frage, was kann die Community machen, damit sich wirklich alle Personen wohlfühlen? Und wie kann man vielleicht Personen, denen es noch schlechter geht, unterstützen? Den letzten Punkt, den ich noch machen möchte, ist, wir haben uns auch angeguckt: Wie sieht das aus mit LGBTI-Personen die noch anderen Minderheitengruppen angehören, zum Beispiel Personen, die religiöse Minderheiten angehören, ethnische Minderheiten, Personen mit Migrations- oder Fluchthintergrund oder auch Personen, die eine entweder körperliche oder geistige Behinderung haben. Und auch hier sehen wir, dass diese Personen besonders gefährdet sind. Teilweise Diskriminierung, zum Beispiel in der ethnischen oder auch in der neurodiversen Community erfahren, weil sie LGBT sind und dann in der LGBT-Community, weil sie der anderen Minderheiten angehören. Also auch hier wieder so ein bisschen der Appell: Was kann man machen in verschiedenen Bereichen, dass sich wirklich alle Personen a) gesehen fühlen, aber b) vor allen auch akzeptiert und unterstützt fühlen. Mögliche Unterstützungsformen [Folie 30] Wir haben auch noch unsere Teilnehmenden gefragt: Was würde helfen? Und hier ist zum Beispiel mehr Aufklärung, Unterstützung aus dem Freundeskreis, das Wissen, dass es noch andere Queers gibt, gerade so vom Anfang, vom Outing. Wir sehen, dass wir vier Jahre haben, wo Leute wissen, dass sie queer sind, bevor sie sich überhaupt bei der allerersten Person outen. Und das ist eine Zeit, wo Personen super vulnerabel sind, weil sie natürlich mit Witzen konfrontiert werden und gleichzeitig keine Unterstützung erleben. 11 Transkript BiblioTalk «Wie geht es queeren Menschen in der Schweiz?» Eine andere Person hat gesagt, es hätte geholfen, wenn man einfach mehr gelernt hätte. Wenn es eine Organisation gäbe, zum Beispiel auch in der Arbeit oder in der Schule; eine Gruppe positiver Erwähnung, dass man vielleicht auch nicht nur im Sexualkundeunterricht erwähnt wird, sondern auch positiv, dass zum Beispiel Bücher inklusiv gestaltet werden. Aufklärung in der Schule, mehr Offenheit. Gerade Schule ist die Zeit, wo viele Personen ihr Coming-out haben und natürlich sehr vulnerabel sind. Und auch hier wieder der Wunsch für einen offenen Umgang, eine thematische Behandlung in der Schule, die eben nicht nur auf den Sexualkundeunterricht reduziert wird und wo eben auch positive Seiten vom Queersein erwähnt werden. Nun möchte ich an Léïla übergeben, die unsere Ergebnisse zur «Ehe für alle» Studie vorstellt. Vielen Dank. «Ehe für alle»-Studie: Stresslevel von LGBTIQ+ Personen vor, während und nach der Abstimmung Léïla Eisner: Okay. Perfekt. So. Seid ihr bereit für meinen französischen Akzent? Ich hoffe, es wird schon gehen und ich werde klar genug sein. [Folie 31] Wie Tabea erwähnt hat, werde ich jetzt ein bisschen über unsere Forschung zur «Ehe für alle» sprechen. So wie wir schon ein bisschen erwähnt haben mit dem Panel machen wir viel Forschung, einfach um zu verstehen, wie die Situation für LGBTIQ-Leute in der Schweiz ist. Aber was uns auch sehr wichtig ist, ist besser zu verstehen, wie politische oder soziale Veränderungen sich auf LGBTIQ-Personen auswirken. Und das war ein Ziel von unserer Forschung, wo wir ein bisschen besser verstehen wollten, wie die «Ehe für alle» und die politische Kampagnen, die mit der «Ehe für alle» zu tun hatten, welche Wirkung solche Kampagnen auf die Gesundheit von Leuten, die direkt betroffen waren? [Folie 33] Wieso haben wir das gemacht? Es ist erstens, weil wir wussten, dass solche Prozesse, zum Beispiel wenn es Kampagnen gibt oder wenn eine Gruppe in der Mitte von öffentlicher Aufmerksamkeit ist, dass es oft auch eine Situation ist, wo die Leute dann viel Diskriminierung erfahren, dass sie einfach viel mehr in der Öffentlichkeit stehen. Und das wussten wir auch von anderen Ländern, die schon zum Beispiel «Ehe für alle» Abstimmungen hatten, und Forschungen gezeigt haben okay, solche Situation, wenn es 12 Transkript BiblioTalk «Wie geht es queeren Menschen in der Schweiz?» Diskriminierung während der Kampagne gibt, Hasskommentare und solche Elemente haben einen Einfluss auf die psychische Gesundheit von queeren Menschen. Und das wollten wir dann auch in der Schweiz erfahren und auch schauen, was passiert jetzt, wenn «Ehe für alle» und Diskussionen da sind. [Folie 34] Ein anderer Teil von dieser Forschung, die wir wirklich ein bisschen besser verstehen wollten, ist auch: Welche Auswirkungen haben solche Situationen und Debatten auch auf die körperliche Gesundheit von den Leuten? Wieso haben wir das studiert? Es ist, denn wir wussten schon von damaligen Forschungen, dass Personen direkt auf Diskriminierungserfahrungen reagieren und was passiert ist sehr oft, wenn die Leute diskriminiert sind, dass es ein Anstieg der Stresshormon Cortisol gibt. Das heisst, die Leute sind mehr gestresst und es hat auch eine Reaktion im Körper und Stresslevel von den Leuten. Und wieso ist das wichtig? Also es ist wichtig, weil es den Leuten weniger gut geht. Aber es ist auch wichtig, weil solche Wirkungen des Stresshormons Cortisol haben dann auch oft andere Einflüsse auf die Gesundheit von den Leuten. Zum Beispiel zeigt die Forschung, dass, wenn die Leute ein höheres Cortisol-Niveau haben, dass es auch stressbedingte Erkrankungen wie Depressionen oder Herzkrankheiten fördern kann. Studie zur «Ehe für alle»: Stresslevel per Haarprobe erkennen [Folie 35] Und das wollten wir wirklich in der Schweiz studieren, um wirklich besser zu verstehen, was passiert, wenn es eine Abstimmung wie «Ehe für alle» gibt? Und hat es einen Einfluss, auch einen langfristigen Einfluss auf die Gesundheit von den Leuten? Das war das Ziel unserer Studie. Und ein riesiges Ziel war auch besser zu verstehen: Einfach wie sind die Leute, welche Einfluss hat es aber auch besonders wie die Kampagnen zum Beispiel gegen die «Ehe für alle» aber auch für die «Ehe für alle» – welche Auswirkung sie auf die Gesundheit von den Leuten haben. Die Methode, die wir benutzt haben, war ein bisschen weniger Standard für uns, weil normalerweise machen wir meistens Umfragen. Aber für diese Studie haben wir auch Leute gefragt, auch ein bisschen mehr andere technische, dass die Leute uns ihre Haarproben schicken. Also ein Teil von den Haaren: dreimal per Post, so dass wir dann die Cortisol-Werte von diesen Leuten messen können. Was interessant oder wirklich gut für die Forschung mit Haarproben ist, dass man wissen kann anhand von einem Zentimeter der Haare, wie die Person einen Monat vorher gestresst war. 13 Transkript BiblioTalk «Wie geht es queeren Menschen in der Schweiz?» Für uns war es interessant und wir konnten dann wirklich sehen, wie die Cortisol-Spiegel oder Cortisol-Werte sich verändert haben. Und wir haben das an drei Zeitpunkten gemacht und die Leute haben vor der Abstimmung und vor der Kampagne teilgenommen und ihre Haare geschickt. Und sie haben auch während und gerade kurz vor der Abstimmung das wieder gemacht. Und dann wieder noch einmal nach der Abstimmung ein paar Monate später, wenn das alles ein bisschen, also die Abstimmung vorbei war. Diese Leute haben nicht nur Haarproben geschickt, sie haben wirklich viel für uns gearbeitet. Sie haben auch einen Fragebogen beantwortet, auch dreimal. Und in diesem Fragebogen hatten wir viele Sachen. Aber was uns wirklich wichtig war, ist auch zu wissen, wie viel sie Argumente gegen die «Ehe für alle» gesehen haben, wie viel sie Hasskommentare gesehen haben und wie viel sie auch Argumente für die «Ehe für alle» und von den Pro-Kampagnen gesehen haben und auch, wie viel sie sich engagiert haben. Was uns wichtig war, war zu sehen: Wenn wir Veränderungen im Cortisol-Werten sehen oder finden, können wir das mit Umfragedaten Fragebogendaten erklären. So ist das, weil die Leute mehr Hasskommentare oder mehr Diskriminierung erfahren haben. [Folie 36] Wir haben das gemacht und wir hatten ganz viele Leute, die teilgenommen haben. Es gab etwa 400 Personen, die ihre Haare geschickt haben. Die Mehrheit waren queere Leute. LGBTIQ-Personen, aber auch cis-heterosexuelle Personen haben teilgenommen. Diese cis-heterosexuellen Personen waren wirklich Leute, die entweder Familie oder sehr nah an LGBTIQ-Personen waren. Also Leute, die auch ziemlich engagiert waren, oder Allies. Ergebnisse: Erhöhte Cortisol-Werte zeigen Stress von LGBTIQ-Menschen [Folie 37] So was haben wir gefunden? Wir wollten sehen, ob die Cortisol-Werte sich geändert haben. Und wie erwartet: Wir haben wirklich eine Erhöhung des biologischen Stresses vor der Abstimmung gefunden. Die Stresswerte waren höher vor der Abstimmung, also ein paar Monate vorher. Sie waren wirklich höher während der Kampagne und gerade vor der Abstimmung als vorher. Und sie waren auch höher als nach der Abstimmung. Aber nach der Abstimmung waren die Werte ein bisschen runtergekommen wieder, aber sie waren trotzdem noch ziemlich hoch. Und das war nicht ein kleiner Effekt. Das waren riesige Veränderungen. Die Leute waren wirklich mehr gestresst während der Abstimmung. 14 Transkript BiblioTalk «Wie geht es queeren Menschen in der Schweiz?» Was uns wichtig war, war zu verstehen: Okay, wie können wir das erklären? Was hat einen Einfluss auf diese Werte? Was wir gefunden haben, was wir erwartet haben, ist, dass diese Stresswerten wirklich hervorgerufen durch die Kampagne gegen die «Ehe für alle» wurden. So jemand – also die Leute, die Argumente gegen die «Ehe für alle» gesehen haben, aber auch Hass und Diskriminierung erlebt haben, waren mehr gestresst. Das hat ganz viel erklärt, wieso diese Werte viel höher waren als früher. [Folie 38] Zuerst habe ich ein Zitat von jemandem, die in unserer Umfrage teilgenommen hat und geschrieben hat, welchen Einfluss die Kampagne gegen die «Ehe für alle» hatte. Ich will das kurz vorlesen: «Die Kampagne gegen die Ehe für alle war beängstigend. Ich hatte verstärkt Angst, um mein Leben in der Öffentlichkeit aufgrund meines queeren Aussehens angegriffen zu werden. Es war emotional anstrengend, so viele Menschen offen über Homophobie und Transphobie sprechen zu hören.» Das ist ein Beispiel von was: Wie die Leute die Kampagne gegen die «Ehe für alle» wahrscheinlich auch dort erlebt haben. [Folie 39] Und mit unserer Studie haben wir gezeigt, dass es auch eine Wirkung auf die körperliche Gesundheit von den Leuten hat. Was eigentlich schön war, ist, dass die Kampagne für die Ehe für alle einen positiven Einfluss hat. Also es hat wirklich geholfen. Vor allem hat es geholfen für die Leute, die Diskriminierung erfahren haben. Tabea hat früher über Unterstützung gesprochen und das war wirklich so. Wir haben gefunden, dass diese Kampagne wirklich sehr, sehr geholfen hat. Das heisst, die Leute, die viel im Kontakt mit der Kampagne für die «Ehe für alle» und viele Argumente für die «Ehe für alle» gehört oder gesehen haben, für diese Leute waren diese negativen Effekte von der Kampagne gegen die «Ehe für alle» weniger stark. Für diese Leute war es eigentlich okay ist oder die Stresswerten haben sich nicht so viel verändert. Die Stressfaktoren haben sich ganz viel verändert für die Leute, die nur die Kampagne oder am meisten Hass und Diskriminierung erfahren haben und ohne Unterstützung waren, waren die, die am meisten höhere Cortisol-Werte haben. [Folie 40] Jetzt hier einfach ein kleines Zitat über jemand die über die positiven Effekte von der Kampagne. Es kann viele verschiedene Sorten von positiven Effekten sein, aber einfach hier jemand hat geschrieben: «Die Kampagne für die Ehe für alle war sehr empowernd. Es zauberte mir ein grosses Lächeln aufs Gesicht, so viele Regenbogenflaggen von Balkonen in Zürich hängen zu sehen!» Und das hat ja geholfen. 15 Transkript BiblioTalk «Wie geht es queeren Menschen in der Schweiz?» Und die Leute haben sich wirklich – zum Beispiel hier: dieser Person hat es wirklich geholfen. Und wir haben auch, wie gesagt, wie früher gesagt, es hatte auch einen Einfluss auf den Stress, das Stressniveau von der Person. [Folie 41] Jetzt haben wir das gefunden, aber es gab eine Gruppe von Leuten, die eigentlich - für diese Leute war es ein bisschen anders und diese Leute waren eigentlich die Kampagnenführer für die «Ehe für alle», hatten nicht so viel Einfluss auf die Stressniveau von diesen Leuten. Und diese Leute waren auch ein bisschen mehr gestresst als andere und ziemlich mehr gestresst. Und das waren die Leute, die wirklich engagiert waren. Diese Leute, sie haben ganz viel gemacht, sie haben ganz vielen anderen Leuten eigentlich geholfen mit dieser Unterstützung aber für diese Leute war es – ja – hatte es wirklich negative Auswirkungen, sie hatten viel mehr Stress und ja – das ist eine Gruppe, die viel für die LGBTIQ-Community gegeben hat. Aber auch hatte es vielleicht Konsequenzen für das Stressniveau. Und das heißt, was wichtig ist, ist auch zum Beispiel die Leute, die sehr engagiert waren, dass es auch Unterstützung gibt nach der Kampagne, wenn es alles fertig ist, dass die Sachen, die während der Kampagne da waren, dass sie, dass sie bleiben, dass es auch Unterstützung gibt und um ja wirklich zu helfen. Take Home Message [Folie 42] Jetzt noch einmal das Take Home Message von unserer Studie: Ich werde nicht wieder wiederholen, aber Sie können das lesen. So einfach diese negativen Wirkungen von Diskrimination, die die Leute während Kampagnen erleben und das haben wir, könnten wir wirklich in unserer Studie zeigen. Wenn ich ein bisschen unklar war oder etwas noch nicht ganz voll alles klar war, könnt ihr auch unter anderem unserer Artikel lesen. Oder es gab auch ein paar Artikel in den News über diese Forschung, zum Beispiel der Tagesanzeiger hat ein ziemlich guter Artikel geschrieben und ihr könnt das auch gerne lesen und auf unserer Website finden. [Folie 43] Jetzt habe ich ein bisschen dieses eine Beispiel von der Forschung, die wir machen präsentiert und das ist wirklich ein Teil, von was wir machen. Was wir auch machen, ist auch ein bisschen Empfehlungen, evidenzbasierte Empfehlungen zu präsentieren, um mehr Gleichstellung zu erreichen. Das ist nur ein kleiner Teil von unserer Arbeit, eigentlich ist es auch etwas, was wir von anderen Leuten lernen die auch wirklich Erlebnisse oder andere Situationen erleben und uns auch informieren können. 16 Transkript BiblioTalk «Wie geht es queeren Menschen in der Schweiz?» Und ich werde jetzt einige Empfehlungen präsentieren, aber wir werden uns auch sehr freuen, wenn ihr später mehr spezifische Fragen, Empfehlungen oder Ideen fragt. Handlungsempfehlungen und Best Practices für Institutionen [Folie 44-45] So, ein bis zwei Empfehlungen: Die sind meistens eigentlich ziemlich logisch. Aber es ist immer gut, auch was logisch ist, wieder zu bringen. So etwas sehr Wichtiges – und was auch die Forschung zeigt, wie wichtig es ist – ist Diversity Richtlinien zu entwickeln. Es ist wichtig, dass es ganz klar für die Leute ist, was ist okay was ist nicht okay was sind die Richtlinien über queere Themen zum Beispiel. Und es ist auch wichtig, oft sehr spezifische Richtlinien zu haben, Guidelines, für sehr spezifische Erfahrungen oder Situationen, dass die Leute wirklich wissen: okay, was soll ich machen, was kann ich machen, wie soll ich reagieren? Es hilft ganz oft, dass die Leute dann besser reagieren und es weniger Probleme gibt. Was auch sehr wichtig ist – und Tabea hat das schon erwähnt – aber man muss auch wirklich diese Richtlinien kommunizieren. Ganz oft sind sie auf einer Website irgendwo, die Leute wissen vielleicht, dass sie da sind, aber die Leute kennen sie nicht. Und es ist wirklich sehr wichtig, dass Leute diese Richtlinien kennen, dass sie wissen, wo sie sind und dass sie die auch einfach finden können. Was auch wichtig ist – vor allem für die Leute, die motiviert sind, um ein bisschen besser Inklusivität zu fördern, sind Workshops wie heute, zum Beispiel ist das etwas das wirklich hilft. Was auch wichtig ist, wie Tabea schon erwähnt hat, wir haben viel über queere oder LGBT-Personen gesprochen. Da muss man auch über Intersektionalität sprechen. Die meisten von den Leuten sind nicht nur queer oder LGBT, sondern die sind auch Teil von anderen Gruppen, sie können auch Mehrfachdiskriminierung erfahren oder ganz spezifische Erfahrungen die spezifisch zur Intersektionalität von den Leuten sind und man muss das wirklich – ja – integrieren, um die Situation der Leute besser zu verstehen. Was auch wichtig ist – und ich habe hier [in der Bibliothek zur Gleichstellung] ein bisschen gesehen – es ist auch immer wichtig die Vielfalt, menschliche Vielfalt zu zeigen. Ganz oft gibt es Sachen zum Beispiel über LGBT-Themen, aber manchmal sind nur einige Gruppen gezeigt oder Bilder oder Diskussionen über spezifische Gruppen oder Subgruppen von der LBTIQ-Community. Und es ist auch wichtig, zu probieren diese Vielfalt zu zeigen und so inklusiv wie möglich zu sein. So dass die Leute repräsentiert sind und es gibt auch ganz viel das wir machen und wir verstehen diese Diversität. 17 Transkript BiblioTalk «Wie geht es queeren Menschen in der Schweiz?» Einfluss von Normen Jetzt das ist ein Teil, der mir besonders wichtig ist, weil es ist die Forschung, die ich mache – ich mache viel Forschung über Normen. Und Normen sind wirklich bzw. haben einen Einfluss und sind wichtig, vor allem für die Leute, die eigentlich nicht unbedingt tolerant sind oder nicht unbedingt anders denken wollen. So, diese Leute, Leute die – ich weiss nicht – ein bisschen über Wokeness oder irgendetwas sprechen, die Meinung von diesen Leuten zu ändern. Sie haben eine Meinung, private Meinung und es ist okay und man kann das nicht so oft beeinflussen. Was wir beeinflussen können, ist wie diese Leute sich verhalten und äussern. Wenn sie wissen, dass die Normen, das Klima, dass die Richtlinien in einem Kontext wirklich so sind, dann können sich die Leute ein bisschen mehr überlegen, ob es okay ist etwas zu sagen oder nicht zu sagen oder zu machen. Sie können privat etwas denken, aber es ist wichtig, dass diese Normen zeigen, was okay ist oder nicht okay ist und das kann wirklich einen Einfluss haben auf Verhalten und wie die Leute sich äussern haben. Und das kann man mit ganz viel machen: Zum Beispiel mit Talks aber auch mit Kommunikation über zum Beispiel Diversity Richtlinien. Und es ist auch mit Safety Signals, die auch wirklich ganz da sind und Akzeptanz wirklich signalisieren. Und wirklich einfach zu zeigen, diese Safety, dass die Leute vielleicht dieses Signal. Einfach ein Beispiel: Weil es ist innerhalb von der Stadt im Kontext jetzt, aber es gibt auch Forschung die zeigt, dass wenn die Leute Diskriminierung antizipieren, so ganz oft früher LGBT-Leute falls sie im Kontakt mit anderen Leuten in einem spezifischen Kontext gehen, die würden dann oft überlegen okay werde ich diskriminiert sein; ist es ein Safe Space oder nicht und wenn die Leute vor ihnen Kontakt mit diesem Kontext haben – wenn sie denken oh vielleicht werde ich Diskriminierung erfahren, weil sie sind nicht informiert und ich kann das nicht – es wird einen Einfluss auf mich haben, vielleicht will ich das nicht haben. Das heisst es kann sein, dass Leute die Angst vor Diskriminierung haben, weil die einfach kein Signal kriegen, dass sie dann zum Beispiel städtische Dienstleistungen meiden oder dass sie ein Integrationsprogramm nicht teilnehmen oder Angst vor diesen Programmen haben weil sie erwarten, dass etwas Schwieriges passieren wird. Und manchmal ist auch der Fall, man muss auch das Wissen, aber es ist auch wichtig, dass dieses Signal zu haben und auf diese Situation zu arbeiten. Tabea hat das schon erwähnt, aber was wirklich sehr wichtig ist, ich weiss, ich sage wirklich und wichtig immer. Ich probiere es ein bisschen weniger, aber es ist schwierig irgendwie. Sicher zu sein, dass Personen Anlaufstellen kennen. Es ist immer schwierig, 18 Transkript BiblioTalk «Wie geht es queeren Menschen in der Schweiz?» wenn man Diskriminierung erfährt, dass wenn man nicht weiss wohin zu gehen. Es ist einfach so viel Arbeit noch zu suchen: Wo soll ich hin, wen soll ich kontaktieren? Deshalb machen es die meisten Leute nicht und niemand weiss dann, was passiert. Und wegen dem ist es wirklich wichtig, dass die Leute diese Anlaufstellen schon kennen bevor etwas passiert. Dass sie ganz gut kommuniziert sind; dass die Leute wissen, wenn ich etwas passiert, aufgrund meiner LGBT-Identität, weil ich eine Frau bin, weil verschiedene Gründe, dass man wirklich direkt weiss, wo, was man kann und was welche Optionen es gibt. Und dann – letzter Punkt: Bevor ich das letzte Wort an Tabea gebe. Das ist nun auch etwas, dass wir im – ja – fordern wollen, ist dass wir können nicht verändern was wir nicht messen. Also wenn wir nicht wissen, wie es ist; wie die Situation ist; was los ist. Dann können wir nicht so viel machen. Tabea hat es gezeigt, die meisten Leute sagen nicht, wenn etwas passiert, wenn es Diskriminierung gibt. Oft die Leute bringen das nicht. Das heisst, wir müssen das irgendwo mit einer anderen Art von Messung herausfinden; zu finden, so dass wir etwas machen können. Wegen dem sind Studien und Umfragen sehr wichtig, weil diese mehr anonymisiert sind. Das heisst die Leute können auch über ihre Erfahrungen sprechen und dass man können ein bisschen mehr wissen, wie ist die Situation, dass wir dann etwas machen können und wir können auch besser wissen: okay, was läuft gut, was läuft weniger gut wo können wir ein bisschen mehr Ressourcen bringen. So, das war für mich der letzte Punkt. Wir sind fast fertig. Nur noch vielleicht fünf Minuten von Tabea und dann sind wir bereit für Fragen. Tabea Hässler: Gut. Ja vielen Dank. (Applaus). [Folie 46] Ja ich halte mich jetzt kurz, weil unser Anliegen ist ja eigentlich auch mit Ihnen und euch ins Gespräch zu kommen. Also wir sind in der Forschung immer so ein bisschen zirkulär: Wo wir sagen, das erste ist eben Erhebung: Wie geht’s überhaupt LGBT Personen? Dann Überschreibung. Das machen wir eben zum Teil mit den deskriptiven Berichten, die wir wirklich für ein allgemeines Publikum schreiben und nicht nur wissenschaftliche Publikationen. Dann eben die Evidenzbasierte Empfehlung: Wir haben zum Beispiel verschiedene Factsheets, die sind auch auf unserer Homepage. Zum Beispiel warum Operationen an intergeschlechtlichen Personen schädlich sind, wenn man die aufschieben kann. Oder auch wie sieht das aus mit Konversionstherapien hier in der Schweiz, die auf nationaler Ebene noch nicht verboten sind. Da haben wir uns auch mit der Schweizer Gesellschaft für Psychologie ausgetauscht. Die dann auf unser 19 Transkript BiblioTalk «Wie geht es queeren Menschen in der Schweiz?» Bestreben hin auch eine Stellungnahme verfasst haben und gesagt hat, dass es unethisch ist, keine Wissenschaftliche Evidenz ist, dass diese sogenannten Therapien einen Nutzen haben aber sehr viel Schaden hervorrufen sollen und deswegen auch ganz klar medizinische und psychologische Fachschaften für ein Verbot aussprechen. Dann kommen wir eben zu Massnahmen. Und hier verlassen wir so ein bisschen das Feld, weil wir sind, ja eher in der Wissenschaft verortet – und übergeben an Sie – an Institutionen, die dann gucken, kann man diese Ungleichheiten, über die wir berichten, angehen. Und wir freuen uns sehr, dass wir wissen, dass zum Beispiel das Schweizer Parlament unsere Daten genommen hat. Verschiedene Kantone haben uns angeschrieben. Weil wir auch Daten zur Konversionstherapie hatten und wie Personen, die erlebt haben. Die Daten werden also wirklich genutzt. Und wir haben ja gesehen z. B. mit der Ehe für alle oder der Erweiterung des Antidiskriminierungsgesetztes wirklich auch Sachen sich verändern. Und dann kommen wir wieder hier an den Punkt, wo wir jetzt sind: wie sieht die Situation jetzt aus, wo es verschiedene Änderungen gibt? Hat das einen Einfluss oder nicht? Oder wie lange dauert das auch? Aufruf zur Teilnahme am Schweizer LGBTIQ+ Panel [Folie 47] Und hier möchten wir Sie und euch wirklich dann auch um Mithilfe bitten: Je mehr Daten wir haben, desto besser können wir queere Personen repräsentieren. Desto mehr Einfluss oder Gewicht haben unsere Daten, unser Bericht. Auch für das Parlament, für die Kantone, die Schweizer Armee hat sich beraten lassen. Verschiedene auch Polizeistationen, die Gleichstellungsbüros der Uni haben sich von uns beraten lassen. Also wir können wirklich damit einiges bewirken. Wir sind noch nicht ganz da, dass sie draussen ist, aber wir sind in den letzten Zügen es ist immer viel Arbeit, weil wir es viersprachig machen und natürlich ganz viel verschiedene Subgruppen haben die wir gut repräsentieren möchten. Wir hoffen, dass wir Anfang Februar unsere Umfrage starten. Und im besten Jahr hatten wir 3500 Leute. Dieses Jahr haben wir gedacht vielleicht kriegen wir 5000. Wir würden also freuen, wenn sie alle mitmachen und das auch teilen. Ich habe ja ganz am Anfang gesagt, dass wir z.B. in der Innerschweiz, in der Ostschweiz untervertreten sind. Im Tessin – wenn sie da Personen kennen, würden wir uns sehr sehr freuen. Auch ältere Personen möchten wir haben. Wir haben jetzt auch gerade eine Quest gekriegt, wir werden mit den Palliativmediziner*innen in Lausanne arbeiten mit der Leitung dort. Auch mit dem Ziel palliative Pflege inklusiver zu machen für LGBTQ Personen. 20 Transkript BiblioTalk «Wie geht es queeren Menschen in der Schweiz?» [Folie 48] Wenn sie mehr über unsere Arbeit lernen möchten, könnt ihr oder sie gerne auf unsere Homepage gehen. Hier haben wir eben Infos über uns, die Factsheets zur Ehe für alle, zur Konversionstherapie, zum Verbot von Operationen an intergeschlechtlichen Personen, die verschiedenen Berichte, und wir berichten auch ein bisschen über unsere Forschung und was wir auch haben, ist unser Team – heute sind zwei hier – vielleicht könnt ihr ganz kurz winken. [Folie 49] Wir hatten gerade einen Wechsel. Unsere ersten Teammitglieder haben jetzt gerade ihr Studium abgeschlossen. Teilweise doktorieren sie, teilweise sind sie jetzt in anderen Bereichen tätig Aber unsere ganze Arbeit wäre ohne unsere Mitarbeitenden gar nicht möglich, deshalb ganz vielen Dank für alle eure Arbeit und nochmals vielen Dank für eure Einladung. Und allen die bisher mitgemacht haben oder zukünftig mitmachen, auch ganz vielen Dank für die Teilnahme. Denn ohne die Teilnehmenden wäre unsere Arbeit auch nicht möglich. Und damit möchte ich abschliessen und freue mich auf eine Diskussion und später auch noch ein Gespräch beim Apéro. Vielen Dank. Applaus. Austausch mit dem Publikum Nathan Schocher: Ja, erst mal schon vielen herzlichen Dank an Tabea Hässler und Léïla Eisner für diese wirklich wichtigen Einblicke in diese wirklich wichtige Forschung, die auch mir wirklich bei der Arbeit hilft. Weil bei der Gleichstellungsarbeit muss man am Ende die Leute mit Zahlen überzeugen können von Massnahmen und deswegen ist diese Arbeit auch für mich wichtig. Jetzt würde ich gerne die Diskussion eröffnen. Ich bitte euch alle unseren Gäst*innen Fragen zu stellen. Ihr müsst ein bisschen Geduld haben, bis ich bei euch bin mit dem Mikrofon, damit man euch hört. Aber ich möchte euch herzlich einladen, fragt alles, was ihr Wissen möchtet. Wir können auch noch – es waren jetzt viele Folien – wir können auch noch zurückgehen auf irgendeine Folie, wenn ihr eine Zahl noch genauer anschauen möchtet oder irgendwo noch Fragen habt dazu. Wer möchte anfangen? Frage nach möglichem Vergleich der beobachteten Effektgrössen Publikum 1: Hallo, merci vielmal für den Vortrag. Ich habe eine – vielleicht ein bisschen ich weiss nicht – technische Frage, und zwar die Methodik mit den Haarproben war für 21 Transkript BiblioTalk «Wie geht es queeren Menschen in der Schweiz?» mich neu. Und ich finde es mega spannend, das so messen zu können. Was ich mich gefragt habe, ist, könntet ihr vielleicht zum Beispiel ein Vergleich anbieten, wenn wir von den Effektgrössen reden – also die Effekte, die ihr beobachten konntet, kann man die mit irgendwelchen anderen Lebensereignissen vergleichen? So dass vielleicht auch nicht queere Personen (lacht), das sich irgendwie vorstellen können? Tabea Hässler: Ja, also – die Auswertung hat Léïla gemacht. Aber was wichtig ist, wir haben uns angeguckt, weil wir hatten ja zum Beispiel auch Covid. Und wir haben das kontrolliert. Das heisst, Statistik haben wir gesagt: Okay, wenn wir den Effekt von Covid rausnehmen, weil es gab ja auch verschiedene Wellen, sind unsere Anstiege in dem Stress überhaupt noch relevant. Zu der Effektstärke selbst kann ich dir bisschen weniger sagen, weil ich – also das war das erste Mal, dass wir mit Cortisolwerten gerechnet haben. Das Problem ist auch hier, dass es zwar einige Forschung zu Cortisolwerte gibt aber sehr wenig Forschung mit queeren Menschen. Was uns aber interessiert hat, war eben dieser Vergleich davor und danach. Das heisst, dadurch dass wir vor der Abstimmung – ca. sechs Wochen vor der Abstimmung das erste Mal die Haarproben bekommen haben, dann direkt die Woche vor der Abstimmung und dann nochmals sechs Wochen oder waren es drei Monate, auf jeden Fall einiges danach. Wir haben geguckt, dass es ungefähr gleichmässig verteilt ist. Dann sehen wir eben wirklich, dass direkt vor der Abstimmung das wirklich hoch geht. Und das war ziemlich krasser Anstieg, wir hatten einen Forscher dabei aus Kanada, der sehr sehr viel mit Stresshormonen arbeitet und uns gesagt hat, dass es schon sehr starke Effekte waren. Ja, das mit den Haaren – man muss hier hinten abschneiden. Ich weiss nicht, ob mancher von Ihnen mitgemacht haben, ich hatte danach nämlich angesprochen, dass wir jetzt kleine Löcher haben und man muss genau hier hinten abschneiden, weil da wächst das Haar eben genau ein Centimeter pro Monat. Und das ganz nah abschneidet, dann hat man eben in dem einen Zentimeter den kumulierten Stress von einem Monat. Und das war genau das, was wir in der Umfrage dann erhobenhaben: Wie sah das im letzten Monat aus? Da kann man natürlich wirklich sagen, wir finden biologisch diesen Anstieg an Stress und das finden wir, selbst wenn wir für Covid kontrollieren und auch für andere Sachen. Leila vielleicht kannst du mehr sagen, was du noch alles kontrolliert hast. Aber wir haben wirklich geguckt, dass es robust ist und auch wenn wir für ganz viele Eigenschaften kontrolliert finden wir diesen Anstieg und er lässt sich eben vor allem durch die Nein-Kampagne erklären. 22 Transkript BiblioTalk «Wie geht es queeren Menschen in der Schweiz?» Léïla Eisner: Ja etwas, vielleicht ein bisschen mit dem Haar-Cortisol, das eine besondere Technik ist für Cortisol-Messung – Werte zu messen. Es ist wirklich wie, es ist schwierig zu erklären, wie es sich anfühlt, weil eigentlich Haar-Cortisol ist mehr dieser chronische Stress. Es ist nicht «ich bin jetzt gestresst, weil ich eine Prüfung habe oder ich bin gestresst, weil ich meinen Zug verpasst habe und werde weil ich spät bin». Das sind wirklich mehr Akutformen von Stress. Und das ist mehr die Leute, die das Forschen... Und Haar-Cortisol ist wirklich mehr dieser Druck – es ist schwierig zu erklären. Aber der Druck, dass die Leute fühlen, dass das Chronische immer da ist aber nicht immer bewusst eigentlich. Dass einfach es hat einen Einfluss aber wir merken das gar nicht oder nicht unbedingt so fest. Es ist etwas das sehr stark und chronisch und immer ein bisschen da ist im Hinterbewusstsein aber nicht unbedingt etwas, dass wir so – auf eine kleine Zeit oder nur für ein paar Stunden da ist. Und das ist etwas, dass Haar-Cortisol sehr – also es ist typisch für Haar-Cortisol das das so gemessen oder benutzt haben. Aber wie Tabea gesagt hat, wir wollten wirklich sicher sein, dass das, was wir gefunden haben, dass es mit der Kampagne zu tun hat. Wir haben mit allem, was wir konnten, kontrolliert: Alter, Covid, Hormoneinnahme, Gewicht, ganz viele Sachen, die einen Einfluss haben auf Cortisol. Leute die sich die Haare färben – alles hat einen Einfluss auf Cortisolwerte. Aber mit allem, was wir kontrolliert haben, haben wir das immer diese starke Veränderung oder Werte gefunden. Nathan Schocher: Vielen Dank. Weitere Fragen? Frage zu Normen und Geduld: Nutzung der genderneutralen Toilette Publikum 2: Vielen Dank auch für die vielen Zahlen. Ich habe eine Frage zu Normen und Geduld. Und zwar, wir haben beobachtet bei uns, wir haben in einem Gebäude viele Stockwerke und in einem Stockwerk hat es eine genderneutrale Toilette. Die wird praktisch nicht benutzt. Heisst das, oder wie schätzt ihr das ein: Müssen wir einfach Geduld haben? Kommt es noch oder ist es ein Trend? Tabea Hässler: Also ich glaube auch hier ist natürlich wieder, fühlt man sich sicher oder fühlt man sich nicht sicher. Wenn man natürlich diese Toilette nutzt, ist das vielleicht ein Zeichen. Wenn ich den Eindruck habe, dass jetzt zum Beispiel trans oder nicht-binäre Personen medial sehr ausgeschlachtet werden, sehr oft auch negativ berichtet wird. Ist das vielleicht: okay, entweder gehe ich gar nicht auf Toilette oder ich gehe halt, wenn mich grad keiner sieht. Also auch hier wäre es eben wichtig, dass man wirklich in der Firma oder – ich weiss nicht ob das auf Firmenebene ist -, ganz klar signalisiert, dass alle 23 Transkript BiblioTalk «Wie geht es queeren Menschen in der Schweiz?» Menschen willkommen geheissen sind; dass man vielleicht auch nochmal Aufklärung über nicht-binäre und auch Transpersonen leistet; dass man auch ganz klar sagt: auch andere Personen können die Toilette nutzen. Das hilft vielleicht auch, wenn erst mal Personen, die sagen ich bin nicht trans, aber ich kann dahingehen, um einfach zu sagen: He ich nimm das so ein bisschen weg und das ist glaube ich, was das ganz ganz wichtig ist, dass unterstützende Personen sehr sehr viel bewirken können. Das heisst nicht nur cis-heterosexuelle Personen, sondern auch innerhalb der Community. Wenn ich jetzt z.B. nicht trans bin, kann ich mich für Transrechte einsetzen und bin vielleicht gar nicht so direkt in der Schussrichtung und kann auch mit negativen Kommentaren manchmal besser umgehen, als wenn ich eh schon die Person bin, die immer diskriminiert wird. Das heisst hier wäre vielleicht eine Möglichkeit, dass gewisse Personen sich verabreden und sagen wir nutzen jetzt die Toilette, um jetzt einfach ein Zeichen zu setzen. Und ich glaube, das könnte etwas verändern. Dass man einfach sieht: okay das ist nicht die Tabu-Zone, sondern es ist okay auf die Toilette zu gehen. Und ich denke damit kriegt man dann somit ein bisschen einen Normenwandel und gleichzeitig eben auch mit Workshops und Aufklärungskampagnen. Nathan Schocher: Danke. Weitere Fragen? Frage zur Unterstützung engagierter Personen Publikum 3: Ich fand es mega spannend, wie ihr beobachten konntet, dass den positiven Effekt von Unterstützung. Mich würde nochmal interessieren, ob ihr vielleicht nochmals kurz umreissen könnt: Erstens, was genau versteht ihr unter Untersetzung erfahren? Einerseits im Zusammenhang mit der Kampagne z.B. ich glaube da waren auch Beispiele wie Zum Beispiel die Pro-Kampagne zu sehen – könnte man schon als Unterstützung verstehen. Und im Zusammenhang damit würde mich dann noch interessieren, ob ihr in der Hinsicht auch nochmals Empfehlungen habt für Personen die nicht nur kampagnenbasiert, sondern chronischen Aktivismus oder Engagement zeigen – irgendwie – ja, (lacht) regelmässig zum Beispiel solche Workshops wie ihr sie empfehlt durchführt oder an Schulen geht oder sowas. Ja jemand der dem regelmässig ausgesetzt ist, was in diesem Fall noch Unterstützung sein könnte? Tabea Hässler: Ja, gut ich probiere mich an alles zu erinnern. Fangen wir erst an mit der «Ehe für alle»-Kampagne. Was Léïla da präsentiert hat, war erstmal der negative Nein Kampagne und hier haben wir das recht breit abgefragt. Wir haben gefragt: Haben Sie 24 Transkript BiblioTalk «Wie geht es queeren Menschen in der Schweiz?» Bilder gesehen, Poster gesehen. Gibt es im Freundes- oder Bekanntenkreis oder auf der Arbeit Diskussionen, wo Leute sich für die bzw. für das Verbot oder gegen die Ehe für alle äussern. Also ganz verschieden, es kann ja im Radio sein, es kann in den Medien sein, es kann aber auch im Bekanntenkreis sein und wir haben zum Beispiel auch Statements gelesen, wo Personen gesagt haben, ich bin in meiner Familie gar nicht geoutet. Die Personen wissen also gar nicht, dass es mich betrifft – äussern sich jetzt aber negativ und das ist natürlich super super schwierig. Weil es dann wirklich im engsten Kreis ist, wo man merkt, wow – Personen haben negative Einstellungen. Und in der Schweiz redet man ja sehr oft etwas weniger über Sachen. Wie auch in dem Zitat gezeigt, kam das dann manchmal zu Tage «wow, ich wusste gar nicht, dass die Person so gegen die «Ehe für alle» ist und das hat mich wirklich verletzt». Zum Thema Unterstützung: Da haben wir eben auch gefragt wie sieht das aus im Freundeskreis, wie sieht das aus in der LGBT-Community? Wie sieht das aus mit Postern, Medien also auch da ganz viele Sachen. Und was wir eben auch so ein bisschen sehen ist gerade in den ländlichen Gegenden, ist die Personen eher mit der Gegen- oder Nein-Kampagne konfrontiert worden und weniger mit der Ja-Kampagne. Wir hatten auch das Ja-Komitee davor angeschrieben und wirklich gesagt, dass es wichtig ist, dass ihr auf ländliche Gegenden guckt, es ist wichtig, dass ihr in der Nähe von Schulen guckt. Das wissen wir aus Irland und Australien, dass z.B. auch Kinder – auch Kinder von anderen Familien zum Beispiel Single-Eltern sehr viel von der Nein-Kampagne hat sich ja wirklich auf das Thema Kinder fokussiert. Weil sie gesagt haben wir können nicht direkt auf gleichgeschlechtliche Paare zielen aber wir können auf die Kinder zielen und damit sehr viel Emotionen triggern. Und da ist es eben auch dann wichtig, dass die Ja Kampagne genau da ist. Und wir haben auch gesagt, hey es ist wichtig, dass ihr die Volunteers unterstützt. Es gab ja auch zum Beispiel psychologischen Grauelzeugnis dass man hingehen konnte, wenn man hingehen konnte, wenn man Diskriminierung erlebt hat. Es gab ja wirklich das auch dass bei Infoständen die Sachen runtergeworfen wurden, dass Eier geworfen wurden. Es ist also schon teilweise recht heftig gewesen. Zum chronischen Aktivismus: Eine Sache ist manchmal wirklich auch eine Pause machen. Deswegen haben wir z.B. letztes Jahr auch keine Umfrage durchgeführt. Weil wir eine Pause genommen haben. Also wir haben auch schon – wir hören auf unsere Veranstaltungen positives Feedback, sonst kriegen wir eher die Leute, die sich beschweren. Und teilweise sind die Emails, die wir bekommen haben, auch nicht so schön. Und zum Beispiel auch am Anfang meiner Forschungslaufbahn, dass ich mit 25 Transkript BiblioTalk «Wie geht es queeren Menschen in der Schweiz?» queeren Themen meine Karriere zerstöre. Also auch intern. Was nicht immer ganz einfach ist. Ändert sich jetzt auch so langsam. Aber ich glaube auch da manchmal persönlich zurückschalten und sagen okay vielleicht ist auch mal Zeit das Zepter weiterzugeben, dass andere Personen das machen. Also wirklich Unterstützung innerhalb der Community, dass man sich unterstützt aber auch ausserhalb. Also dass wirklich auch cis-heterosexuelle Personen sagen: hey ich bin da du kannst mit mir reden. Vielleicht dann auch eben auch cis-heterosexuelle Personen die Aufklärungsarbeit zum Teil übernehmen, weil sie eben selbst weniger vulnerabel sind. Und gleichzeitig paradoxerweise Forschung auch zeigt, dass man manchmal cis-heterosexuellen Personen mehr glaubt. Z. B. gehen wir aufs Thema Sexismus, wenn eine Frau sagt ich habe Sexismus erlebt wird der weniger Glauben geschenkt, als wenn ein Mann sagt, die Situation war sexistisch. Also auch hier vielleicht manchmal wirklich Verantwortung auslagern. Gibt es was, was du ergänzen möchtest? Léïla: Ich denke das sind alles gute Punkte. Und was Tabea ja erwähnt hat, manchmal Zeit zu nehmen und das ist etwas, was wir auch in diese neue Umfrage auch wirklich messen wollen: Ein bisschen zu fragen, was machen die Leute um 'queer joy' oder dass es ihnen besser geht. Dass wir ein bisschen auch besser verstehen, was hilft bei den Leuten. Aber wie gesagt, wirklich Zeit zu nehmen und auch zu sehen, okay, wenn man wirklich müde ist oder ein bisschen down ist, dann vielleicht ist auch eigentlich – es gibt eine Wirkung auf den Stresslevel und alles und das heisst, manchmal ist es gut ein bisschen Zeit für sich zu nehmen. Wir wissen mit Burnout Studien, wo die Leute sehr gestresst sind, dass es immer zu spät ist, wenn die Leute das merken. Es ist wirklich wichtig, dass die Leute auch ein bisschen Zeit für sich selbst haben; «Safe Space» und auch Unterstützung von anderen Leuten. Und Tabea hat das schon erwähnt mit Arbeitskontext, z.B. es gibt es ganz oft, dass queere Leute oder Leute, die Mitglied einer Minderheit sind, dass wenn sie angestellt sind, sind sie ein bisschen die Personen, wo alle Leute hingehen, um zu fragen oh was soll ich da machen, was ist das? Und das ist auch einfach immer Arbeit und immer Druck und immer Stress und das heisst dass die Leute, die eigentlich mehr wissen wollen, könnten manchmal auch andere Kanäle oder die Leute, die nicht direkt betroffen sind können auch helfen um die anderen Leute zu informieren. Das glaube ich, dass das manchmal wirklich helfen kann. 26 Transkript BiblioTalk «Wie geht es queeren Menschen in der Schweiz?» Tabea Hässler: Genau und noch ganz kurz, du hast gefragt verschiedene Formen von sozialer Unterstützung. Also eigentlich unterscheiden wir einmal interpersonelle – das heisst, wenn wir zum Beispiel im Kontakt mit einer anderen Person sind: wie sieht es da aus. Das kann die queere Community sein das können aber auch straighte Freunde sein, das kann die Familie sein. Sportvereine, Sport ist ein Thema wo noch ganz viel getan werden muss. Dann eben institutionell wie sieht das aus in der Schule, wie sieht es aus auf der Arbeit. Was gibt es da für Angebote? Gibt es z.B. queere Gruppen? Gibt es eine Sichtbarkeit? Wird ganz klar signalisiert, dass alle Menschen willkommen sind? Und dann, wenn man auf Staats- oder Kantonseben gucken, dann wie sieht es aus mit der rechtlichen Gleichstellung und wird sich da auch aktiv eingesetzt z.B. von der Fachstelle für Gleichstellung. Wo man sagt, okay, ganz klare Signale, queere Menschen sind willkommen. Solche Signale sind extrem wichtig. Nathan Schocher: Danke. Frage zu wahrgenommener Offenheit von Unis vs. Studienresultate Publikum 4: Vielleicht nicht Frage aber einen Kommentar, ich war tatsächlich überrascht mit den Ergebnissen zu dem Coming-out, vor allem an der Uni, vielleicht weil ich selbst an der Uni arbeite. Und ich hatte den Eindruck – und ich glaube weiterhin, dass die Uni doch unterstützend ist. Die Uni Zürich gibt auch Signale nach draussen mit dem LGBT Label und so weiter – hat sich selbst beworben um das Label. Und dann, jetzt was man zusammenstellt mit den Ergebnissen der Studie überrascht es mich doch, dass bzw. warum doch noch Leute sich verstecken, machen kein Coming-out. Ich merke an meinem Arbeitsort ist es ein offener Umgang unter den Studierenden aber auch im Kader. Vielleicht könntet ihr das ein bisschen kommentieren so in diese Richtung? Léïla Eisner: Ja, vielleicht kann ich anfangen. Ich denke, zum Coming-out und so, was einen Einfluss hat ist sicher was die offizielle Richtlinie von der Uni zum Beispiel ist. Und ob es die Gleichstellungsprogramm, z.B. in Zürich sie machen schon ziemlich viel und es ist auch sichtbar. Es hat auch einen Einfluss und die Leute sehen wahrscheinlich dieses Signal. Aber das sind nicht die einzigen Signale, oder. Es sind manchmal sehr unterschiedlich zwischen Fakultäten. Es gibt Fakultäten wo es ganz oft z.B. im Unterricht man spricht ganz viel über queere Themen, z.B. Literatur oder Gender Studies. Hier gibt es vielmehr diese Themen, sie werden mehr besprochen, dann gibt es auch mehr Akzeptanz oder Signale. In andere Fakultäten gibt es fast gar nicht, wir kollaborieren jetzt ein bisschen mehr mit der Medizinischen Fakultät und z.B. dort aber auch in vielen 27 Transkript BiblioTalk «Wie geht es queeren Menschen in der Schweiz?» Fakultäten und Unis in der Schweiz gibt es fast nicht – oder nur ein bisschen – über queere Themen. Und das ist zum Beispiel dann auch so, dass es fehlt, ein bisschen das Signal auch beim Unterrichten, dass es solche Signale, dass auch die Leute darüber sprechen bzw. wenn jemand darüber spricht. Dann hören die Leute ah die sind total okay und dann kann ich darüber sprechen oder kann ich mich outen. Das sind Sachen, die sind wirklich eine Vielfalt. Ich denke und wegen dem ist immer schon wieder so, dass die diese Nummern nicht so hoch sind. Dass so viele Leute noch nicht ganz out sind bei so vielen Leuten bei der Uni sind. Ich denke es ist wirklich diese Vielfalt. Tabea Hässler: Ja wir haben uns zwei Themen – also zum einen haben wir uns mal Daten angekuckt, wo wir ein bisschen mehr auf den Sportkontext geschaut haben. Ich habe mal an der Sporthochschule in Köln studiert. Und da war vor allem bei den Männern niemand geoutet. Ich kenn sogar Leute, die offiziell dann Freundinnen hatten. Oder ich kenne Personen, die ihr Studium abgebrochen haben. Und das in Köln. Köln ist eigentlich die queerste Stadt in Deutschland. Und gleichzeitig hat man zum Beispiel das 'das ist so schwul' fast jede Woche gehört und das ist natürlich ein Klima wo Personen sagen ich fühle mich nicht sicher. Was interessant ist, wenn wir uns die Daten angekuckt haben, wir haben uns Daten angekuckt an der Uni Köln, dann eben in der Sporthochschule, dann hier in Zürich und in Lausanne. Und bei den eigenen Werten sehen wir gar nicht so ein Unterschied. Wo wir einen Unterschied sehen, ist das wahrgenommene Klima. Wenn ich viele solche Kommentare höre, glaube ich, dass alle anderen super intolerant sind. Und das ist auch das Problem, was Léïla in einer anderen Studie gezeigt hat. Dass die Leute viel viel toleranter sind als das wahrgenommen ist. Wir glauben also, dass andere viel negativer sind und dieser Mismatch führt eben dazu, dass sich Personen nicht outen weil sie Angst haben. Auch, ich habe mir mal die Daten von der Uni Zürich im Vergleich zu den anderen Schweizer Unis angekuckt und die Uni Zürich hat sogar schlechter abgeschnitten als der Durschnitt. Ich habe gleichzeitig in meinen Seminaren schon Studierende gehabt, die mir gesagt haben, dass man Homosexualität heilen kann. Und wir reden über Psychologie wo wir später auch Therapeut*innen haben, also auch hier ganz ganz wichtig, dass wirklich in den Seminaren wirklich in allen Fachgebieten über das Thema Diversität gesprochen wird. Ganz klare Signale kommen. Es gibt jetzt auch ein Netzwerk für Mitarbeitende an der Uni. Das ist glaube ich auch ganz ganz wichtig. Und eben auch für Studierende, um zu sagen, okay wir heissen alle Leute willkommen und dass eben wirklich in verschiedene – ja – Vorlesungen einfach mal so ein bisschen einfliessen zu lassen und eben auch der Aktivismus von unten. Wir haben zum Beispiel, unsere Studierenden haben unserer Statistik-Professorin geschrieben, weil wir als binäre 28 Transkript BiblioTalk «Wie geht es queeren Menschen in der Schweiz?» Variable Mann und Frau hatten und sie sagten, hey das schliesst nicht-binäre Personen aus, die fühlen sich einfach nicht sichtbar. Das wurde geändert. Also auch hier: Wie kann man Vorlesungen gestalten, dass sich alle Menschen repräsentiert fühlen und das sendet dann ein ganz ganz wichtiges Signal. Nathan Schocher: Vielen Dank. Wir haben noch Zeit für so ein-zwei Fragen. Nachher würden wir dann zum Apéro übergehen, wo man dann bilateral noch Fragen stellen kann. Kommentar zum Outing in Männerfirma und positiver Signalwirkung Publikum 5: Ich wollte mich zuerst einmal bedanken für den Vortrag. War sehr gut und sehr hilfreich. Und ich wollte mich vor allem bedanken, dass ihr das Thema Intersektionalität reingenommen habt. Weil Personen, die mehrfach benachteiligt sind natürlich den höheren Stresslevel haben als andere. Und dann wollte ich noch das Beispiel bringen – ich arbeite in einer Firma als einzige Transperson. In einer männerdominierten Firma, in einem männerdominierten Beruf und nur alleine, dass ich da war, hat sie dazu gebracht, dass andere Menschen sich als queer geoutet haben. Und ich wollte auch noch sagen, dass es mega wichtig ist, dass wir uns zeigen und das Positive zeigen und nicht nur immer das Negative. Tabea Hässler: Ja ich glaube das ist sonst auch ein ganz tolles Schlusswort. Und – also wir haben es auch z. B. gehört, dass Leute auf uns zugekommen sind und generell gesagt haben gebt uns Sichtbarkeit und eine Stimme auch innerhalb der Uni Zürich. Dass zum Beispiel auch nicht-binäre Personen zu mir gekommen sind und gesagt haben: hey, wir fühlen uns Sorgen, wie sichtbar wir sind. Zeigt uns, dass Wissenschaft und Queer sein vereinbar ist. Ich glaube, diese Sichtbarkeit ist ganz ganz wichtig: Dass man sich zeigt und damit eben auch Vorurteile zum einen abbauen kann. Aber zum anderen auch zu anderen Queers sagt: Hey, es ist okay, man kann erfolgreich sein und man kann einfach da sein. Dass man es anderen Leuten erleichtert, sich zu outen. Wie gesagt, wir haben so Sphären wo sich Leute gar nicht outen. Und auch für die queeren Kids und Jugendliche ist das ganz ganz wichtig, dass sich Leute outen und sie merken: Hey ich bin nicht allein und es ist total okay queer zu sein. Nathan Schocher: Genau, wir hatten jetzt unabsichtlich schon fast ein Schlusswort. Wenn es noch eine letzte Frage gibt, würde ich die noch nehmen. Tabea Hässler: Noch zwei Fragen. Die kriegen wir glaube ich auch noch hin. 29 Transkript BiblioTalk «Wie geht es queeren Menschen in der Schweiz?» Kommentar zur spürbaren Angst heutzutage Publikum 6: Ich will das positive Schlusswort ja nicht crashen. Aber ich bin schon sehr sehr lange unterwegs mit den Themen lesbisch, schwul, trans, queer und ich muss sagen, ich habe noch nie so viel Angst gehabt, offen darüber zu sprechen. Und nicht unbedingt in meinem Umfeld. Da habe ich ein gut gesinntes – war aber auch Arbeit. Sondern mehr was rund herum passiert und was ich extrem schnell beobachte. Ich bin schon 20 Jahre in der Geschäftsleitung und das kommt und geht: Man spricht genderneutral, wenn die Chefin oder der Chef so ausgerichtet ist. Und von einem Tag auf den anderen ist es nicht mehr so. Dann wird nur noch generisches Maskulinum. Und das ist unglaublich, die Abhängigkeit von äusseren Faktoren. Und wie gesagt, es ist wirklich so, dass ich noch nie so viel – wirklich – Angst hatte und das mit dem Cortisol hat mich sehr nachdenklich gemacht. Dieses Spüren – man nimmt so viel mit – Menschen sind unterschiedlich, aber eigentlich nimmt man wahnsinnig viel mit, was so geht und diesen Einfluss. Und ja, ich denke, ich finde es extrem wichtig, was ihr macht. Und es interessiert mich auch, wie das jetzt weiter geht. Früher in den 90er Jahren fand ich es total cool; wir hatten Partys und was ich was. Und jetzt finde ich es eigentlich gar nicht mehr cool, weil sich so viel verändert hat. Und – gut positiv, ich bin froh, macht ihr solche Studien. Aber eben wie gesagt ich finde Angst, das ist etwas, was ich auch mal benennen möchte. Dass Angst wirklich ganz stark ist. Léïla Eisner: Ja vielleicht ganz kurz: Ich denke das ist wirklich ein sehr guter Punkt und das ist etwas, dass wir auch – ja wir sehen es ein bisschen, es gibt einfach so viele Veränderungen in letzter Zeit. Auch vor allem mit politischem Fokus und Debatten. Und wenn wir sehen, wie es in anderen Ländern geht, dann wissen wir, wird es noch ein bisschen weiter so weitergehen. Und das ist auch für uns ein Grund, weshalb wir weiter mit dem Panel machen. Weil wir uns überlegt haben, sollen wir überhaupt weitermachen. Ist es jetzt vielleicht okay? Aber dann haben wir gesagt: Nein, es gibt viel und man muss ein bisschen sehen, was und welche Einflüsse es gibt, um es zu verstehen. Und dann vielleicht auch einen Einfluss zu haben, wenn wir zeigen, was es bringt. Das kann auch manchmal doch einen Einfluss haben. Ich denke, vielleicht, positiv: Elemente dazu ist das – ja – es ist sehr eine akademische Perspektive, aber: Wenn sich Sachen verändern, die Leute ein wenig Angst vor dieser Veränderung haben, reagieren ganz stark. Und dann gibt es viel Hass, wenn es eigentlich mehr Veränderung gibt. Denn diese Leute wollen nicht, dass es sich ändert, sind nicht bereit und sie wollen das nicht sehen. Und es ist auch ein Ziel von unserer Studie zu zeigen, okay, diese Sachen verändern sich. Und 30 Transkript BiblioTalk «Wie geht es queeren Menschen in der Schweiz?» dann auch zu zeigen, dass eigentlich manchmal so zu reagieren und vor allem so stark, manchmal nichts bringt und oft eine Reaktion ist, die die Gesellschaften sehen, wenn sich die Sachen ändern. Das ist oft etwas, dass da ist. Dann muss man ein bisschen mehr Kämpfen dagegen. Aber manchmal gibt es dann trotzdem, dass sich die Meinungen ändern. Ich denke die Leute, die dagegen sind, haben stärkere Worte – sie sprechen mehr, sie sind mehr in der Öffentlichkeit. Aber es heisst nicht unbedingt, dass die Leute dann weniger tolerant sind. Es ist eigentlich auch oft das Gegenteil. Es ist auch zu sehen, dass es gibt, immer diese Unterschiede zwischen den Leuten, die ganz in der Öffentlichkeit sind, ganz viel sprechen und viel machen und wirklich die Leute, die die Mehrheit repräsentieren. Und ganz oft sind diese lauten Leute nicht die, die die Mehrheit repräsentieren. Das ist ganz wichtig zu sehen. Und auch zu sehen, dass wir – die Leute nicht unbedingt so intolerant geworden sind. Ich denke es ist mehr die Reaktion. Tabea Hässler: Also vielleicht auch nochmals kurz. Ich teile zwar einerseits das Bedenken. Wir sehen das weltweit. Wir hatten auch letztes Jahr eine Person aus Ghana, für die haben wir Crowd-Funding gemacht, dass wir sie mit auf die Konferenz nach USA schicken konnten. Direkt in dem Moment, wo die Konferenz in den USA war – und wir hatten eine LGBT-Konferenz organisiert –, hat in Ghana das Parlament, dass sie LGBT und auch unterstützende Personen kriminalisieren. Das heisst, das können auch forschende Personen sein. Ich hatte persönlich Angst, was jetzt passiert, wenn die Person zurückfliegt, weil ich habe sie ja in die USA geholt. Auch hier, wie gesagt, gerade was Debatten angeht, die vor allem trans- und nicht-binäre Personen aber eben auch hier den fehlenden Schutz von intergeschlechtlichen Personen betrifft, mache ich mir Gedanken. Und ich glaube hier ist es ganz wichtig, dass die Community zusammensteht und auch Personen, die nicht trans sind, sagen, okay, wir haben auch bis zu einem gewissen Grad Rechte erkämpft und dass auch alle sagen: Okay, nur weil wir irgendwann mal Rechte bekommen haben, heisst das nicht, dass diese auch zementiert sind, sondern es geht weiter und wir müssen weiter da sein, wir müssen aufklären. Auch hier wieder: Alles ganz ganz wichtig mit Leuten reden. Ich rede sehr oft mit Personen, die sagen, ah das ist aber Meinungsfreiheit/Freedom of Speech und dann kann man manchmal das so ein bisschen umlenken, dass man sagt, okay, was ist wenn du zu einer Person sagst, mir ist das ganz ganz wichtig. Ist das nicht persönlicher Respekt? Und kann man damit dann manchmal so ein bisschen Umdenken bewirken, wo man weggeht von dem politischen Freedom of Speech, hin zu hey, wir möchten doch Menschen respektvoll behandeln. Du möchtest 31 Transkript BiblioTalk «Wie geht es queeren Menschen in der Schweiz?» respektvoll behandelt werden, dann bitte behandle andere auch so. Wir wissen, dass Personen, die sich sehr negativ äussern, sehr wenig Kontakt mit LGBT-Personen haben. Also auch hier: Wie kann man die Vielfalt zeigen? Wir haben überlegt, ob wir irgendwann auch mal Videos machen mit unseren ganzen Teilnehmenden. Wir hatten eine Studie wo Queers mit nicht-Queers gesprochen haben und es war einfach schön so die Vielfalt zu sehen. Sowohl in der Community als auch bei den anderen Personen. Und ich glaube auch da, wie kann man Empathie schaffen? Wir wissen, dass Empathie ganz ganz stark ist, um Vorurteile abzubauen. Und das ist was, wo wir alle dran arbeiten müsse. Weil wie gesagt, es gibt doch die Gegenbewegung und ich glaube auch da wird der Wind nochmals ein bisschen rauer werden. Also wichtig, dass wir auch alle gucken, zu unseren Kapazitäten: was können wir machen. Nathan Schocher: Danke. Ich nehme noch die Abschlussfrage entgegen. Frage zur Finanzierung und Mittelbeschaffung Publikum 6: Ja, ich hätte eine eher technische Frage. Eure Forschung ist ja sehr wichtig. Kommt ihr ohne Probleme an Mittel für die Forschung? Müsst ihr euch rechtfertigen an der Uni? Kommt allenfalls auch was aus der Privatwirtschaft? Man sieht ja Banken und Versicherungen seit Neustem auch über die Pride rollen. Ist da was zu holen? Tabea Hässler: Ja, das ist eine sehr gute Frage. Also wir haben das Panel angefangen, als wir doktoriert haben. Einfach privat, sehr viel nachts, sehr viel am Wochenende. Wie gesagt, ein Kollege von Léïla hat das alles auf Italienisch übersetzt. Er ist übrigens cis hetero. Und fand aber die Forschung so wichtig, dass er gesagt hat, hey ich unterstütze euch. Mittlerweile haben wir so ein bisschen, wir haben jetzt das Projekt mit dem Palliativmediziner*innen bekommen, und auch eine Finanzierung über – es gibt so eine LGBT-Use-Fund, und die haben uns wirklich beauftragt einen grossen Fokus auf jugendliche zu setzten. Die werden jetzt viele Projekte in den nächsten zehn Jahren zu LGBT-Jugendlichen unterstützen. Für die «Ehe für alle»-Studie haben wir sehr viele Anträge geschrieben, die sind alle abgelehnt worden. Teilweise haben wir auch von Fachgesellschaften einen Zweizeiler bekommen «keine wissenschaftliche Relevanz». Und ich würde schon sagen, dass das unter anderem auch daran liegt, weil wir LGBT Forschung machen. Aber auch hier habe ich den Eindruck, dass sich das ändert. Dass wir hoffentlich jetzt auch mehr beim Schweizer Nationalfonds Anträge stellen können. Davor waren wir einfach zu jung. Weil ach da Barrieren sind, dass man im Doktorat keine Anträge stellen kann, dass geht erst nach dem Doktorat. Was die Privatwirtschaft angeht, 32 Transkript BiblioTalk «Wie geht es queeren Menschen in der Schweiz?» haben wir bislang keine Unterstützung bekommen. Ja. Also einfach dazu. Und wir beide haben auch keine festen Stellen. Das heisst im Moment, wenn ich keine Professur bekomme, dann ist auch 2029 meine Zeit an der Uni Zürich um. Das ist natürlich auch ein bisschen schwierig, wenn man selber prekär angestellt ist oder ohne langfristige Perspektive irgendetwas Grosses aufzubauen. Nathan Schocher: Ja, nochmal herzlichen Dank für die engagierte Diskussion. Ich möchte nun den offiziellen Teil der Veranstaltung hier abschliessen. Ich bedanke mich sehr bei Tabea Hässler und Léïla Eisner für diesen spannenden Input. Sie haben es gehört, es wird bald eine neue Umfrage für da Panel starten. Machen Sie mit. Füllen Sie die Umfrage aus. Leiten Sie sie weiter. Das empfehle ich Ihnen wie gesagt auch als Eigennutz um gute Gleichstellungsmassnahmen für LGBTI-Menschen zu realisieren brauchen wir gute Datengrundlagen. Der nächste BiblioTalk findet am 27. Februar statt. Dann zum Thema sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Wenn Sie gerne auf dem Laufenden sind zu den BiblioTalks und den Arbeiten unserer Fachstelle, tragen Sie sich doch hier vorne noch für unseren Newsletter ein. Dann danke ich Ihnen allen fürs Kommen und ich darf Sie jetzt auf die Galerie einladen zu Käse, Humus, Brot und Wein wo wir noch weiter miteinander diskutieren können.