Viele Paare leben gleichgestellt – bis sie Eltern werden. Die Geburt eines Kindes verändert die Aufteilung der Sorge- und Erwerbsarbeit zwischen den Elternteilen. Meistens sind es die Mütter, die ihr Erwerbspensum reduzieren und mehr unbezahlte Familienarbeit leisten. Diese Entscheidungen haben langfristige finanzielle Folgen, besonders im Falle einer Trennung. Wie teilen sich Paare die bezahlte und unbezahlte Arbeit auf, und aus welchen Gründen? Wie wirkt sich die Arbeitsteilung bei einer Trennung finanziell auf die beiden Elternteile aus? Was muss sich auf struktureller Ebene ändern, damit eine egalitäre Arbeitsteilung attraktiver wird und Trennungen kein Armutsrisiko mehr darstellen?
Tabea Kaderli, Ökonomin und Projektleiterin im Büro für arbeits- und sozialpolitische Studien (BASS) mit Schwerpunkten Arbeit und Soziale Sicherheit, geht in ihrem Referat diesen Fragen nach.
BiblioTalk «Teilzeitarbeit: Eine Armutsfalle bei der Trennung?»
Transkript
Fachstelle für Gleichstellung Stadt Zürich, 2. April 2025
Einführung von Simon Dinkel, Fachstelle für Gleichstellung
Herzlich willkommen. Wir beginnen, auch wenn noch nicht ganz alle hier sind. Vielleicht kommen Sie noch – vielleicht sind Sie in der Sonne geblieben. Im Namen der Fachstelle für Gleichstellung begrüsse ich Sie ganz herzlich zum heutigen BiblioTalk «Teilzeitarbeit: Eine Armutsfalle bei der Trennung?». Mein Name ist Simon Dinkel. Ich bin Projektleiter bei der Fachstelle hier und unter anderem für das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie zuständig. Und ich habe die Ehre, Sie durch den heutigen Abend zu begleiten.
Für alle diejenigen unter Ihnen, unter euch, die hier zum ersten Mal sind in dieser Bibliothek, das ist die Bibliothek zur Gleichstellung. Das ist eine Ausleihbibliothek, die jeweils dienstags und donnerstags nachmittags geöffnet hat. Falls Sie also Fragen haben zu Gleichstellungsthemen respektive Bücher suchen: Zögern Sie nicht, hierher zu kommen. Sie können diese vielen Bücher, die Sie hier sehen, kostenlos ausleihen. Und falls Sie spezifische Fragen haben, oder Beratung suchen zu Büchern oder eine Liste zusammenstellen lassen möchten, empfehle ich Ihnen Barbara Lienhard, unsere Projektleiterin, die auch für die Bibliothek zuständig ist. Dann sehen Sie zu Ihrer Linken hier ein paar Exemplare, die wir ausgestellt haben zum heutigen Thema des heutigen BiblioTalks. Und für all jene, die die neuesten Neuigkeiten der Fachstelle erhalten möchten, ist hier die Newsletterliste. Da können Sie sich gerne eintragen.
Ja, die Fachstelle für Gleichstellung ist das Kompetenzzentrum und die Anlaufstelle für Gleichstellungsfragen in der Stadt Zürich. Wir haben den Auftrag, die Gleichstellung von Männern und Frauen, von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, intergeschlechtlichen und Transmenschen zu fördern, und zwar sowohl in der Stadt Zürich also für alle Menschen, die hier leben oder arbeiten, wie auch für das städtische Personal. Wir befassen uns bei der Fachstelle mit ganz unterschiedlichen Gleichstellungsthemen, mit Fragen nach Diskriminierung aufgrund von Elternschaft, häufig Diskriminierung aufgrund von Mutterschaft, mit sexueller sexistischer Belästigung am Arbeitsplatz, Lohngleichheit und wie eingangs erwähnt auch dem Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie, um hier nur einige zu nennen. Ja, für unsere Arbeit ist es ganz wichtig, dass wir zwischen diesen Gleichstellungsthemen Zusammenhänge erkennen und auch die dahinter liegenden Strukturen verstehen. Und genau das versuchen wir am heutigen BiblioTalk.
Das Thema
Wir gehen nämlich der Frage nach, welche Auswirkungen eine ungleiche Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen Paaren auf eine mögliche Trennung hat. Denn die finanziellen Folgen von Teilzeitarbeit zeigt sich häufig erst nach einem Ereignis wie einer Trennung. Und das vor allem bei Frauen, da sie nach wie vor den grössten Teil an unbezahlter Arbeit leisten. An diesem Zusammenhang sehen wir aber auch einen Widerspruch im Thema Teilzeitarbeit, in unserer Tätigkeit, in unserer Beratungs- und Projekttätigkeit gegenüber Einzelpersonen, Führungskräften, Fachpersonen und Organisationen. In der Stadt Zürich, in der Stadtverwaltung verstehen wir Teilzeitarbeit als ein ganz wichtiges Mittel, um Beruf und Familie zu vereinbaren. Also neben der Erwerbsarbeit auch der essenziell notwendigen Sorgearbeit nachgehen zu können.
Und gleichzeitig wissen wir, dass ein tiefes Erwerbspensum respektive Teilzeitarbeit kombiniert mit einem tiefen Lohn oder einer Pensionskasse mit nur minimalen Leistungen auch zu Altersarmut führen kann. Und auf diese Zusammenhänge und Widersprüche gehen wir am heutigen BiblioTalk ein und darum freue ich mich sehr, Ihnen heute unsere Fachreferentin vorstellen zu dürfen.
Der*die Referent*in
Tabea Kaderli ist Ökonomin und Projektleiterin beim Büro BASS. Dort ist sie zuständig für die Schwerpunkte Arbeit und soziale Sicherheit. Und sie hat ebenfalls mitgewirkt am Online Tool «Cash or Crash», das sie heute ebenfalls kurz vorstellen wird. Und Sie haben alle hier so einen kleinen Flyer, den Sie gerne auch mitnehmen dürfen. Ja, ich freue mich sehr auf den Input und begrüsse Tabea Kaderli bei uns am BiblioTalk.
Und bevor wir starten, kurz etwas zum Ablauf des heutigen Abends. Wir werden jetzt zuerst etwa 40 Minuten einen Input hören von Frau Kaderli. Dann haben Sie die Möglichkeit, Fragen zu stellen und zu diskutieren. Und im Anschluss daran lade ich Sie herzlich ein, das Gespräch draussen bei einem Apéro weiterzuführen oder zu vertiefen. Und als letzter Hinweis: Sie merken, ich habe ein Mikrofon. Wir zeichnen den BiblioTalk auf. Das heisst, wir werden bis zum Schluss ein Mikrofon haben, das wir dann herumgeben werden. So, und jetzt habe ich fertig gesprochen und übergebe gern Ihnen, Frau Kaderli. Ich freue mich auf den Input.
Referat «Teilzeitarbeit: Eine Armutsfalle bei der Trennung?»
[Folie 1] Tabea Kaderli: Herzlichen Dank für die Vorstellung. Und ja, einen schönen guten Abend Ihnen. Ich freue mich sehr, hier zu sein und mit Ihnen ins Thema Teilzeitarbeit einzutauchen. Und das Ziel, die Idee des heutigen Abends ist, dass wir eben Teilzeitarbeit betrachten, aber nicht nur, was es für die jetzige Situation bedeutet, wenn jemand Teilzeit arbeitet, sondern eben auch auf die langfristigen Folgen eingehen.
[Folie 2] Und ich werde starten mit einem kurzen Überblick zum Thema Teilzeitarbeit, bezahlter unbezahlter Arbeit, Trennungs- und Familienmodellen, ein grober Überblick, einige Statistiken. Bevor ich Ihnen dann die Resultate einer Studie vorstelle zur wirtschaftlichen Situation von Familien in der Schweiz, die wir beim Büro BASS durchgeführt haben. Und anschliessend, wie Simon Dinkel erwähnt hat, werden wir dann noch zusammen in dieses Online Tool «Cash or Crash» reinschauen und uns da die Auswirkungen von einer Entscheidung zur Teilzeitarbeit berechnen lassen. Genau. Und ganz zum Schluss freue ich mich dann auf Ihre Inputs, Rückmeldungen und auf die gemeinsame Diskussion.
Teilzeitarbeit ist nach wie vor weiblich geprägt
[Folie 3] Die erste Frage des Abends: Wer arbeitet denn nun Teilzeit und aus welchen Gründen? Vorweg, wenn ich hier in diesem Zusammenhang von Teilzeitarbeit spreche, ich verwende hier die Statistiken des Bundesamts für Statistik. Das heisst, Teilzeitarbeit ist definiert als ein Pensum von weniger als 90 %. Und Teilzeitarbeit ist nach wie vor weiblich geprägt. Der Anteil der Männer, die Teilzeit arbeiten, hat zwar in den letzten zehn Jahren zugenommen, dennoch sind die Anteile bei den erwerbstätigen Personen, die Teilzeit arbeiten, zwischen Männern und Frauen noch weit voneinander entfernt. Wie Sie sehen, sind über 50 % der erwerbstätigen Frauen und 16 % der erwerbstätigen Männer, die Teilzeit tätig sind.
Noch deutlicher werden dann diese Unterschiede, wenn wir uns Elternteile anschauen mit Kindern unter 15 Jahren. Da sind es fast 80 % der Mütter mit einem Teilzeitpensum und 14 % der Väter. Und hier fällt direkt auf: Tatsächlich sind Väter mit Kindern unter 15 Jahren weniger häufig Teilzeiterwerbstätig als Männer ohne Kinder oder mit Kindern, die bereits älter sind. Bei den Müttern ist das genau umgekehrt. Und ebenfalls spannend – das wird später noch relevant werden, wenn wir uns anschauen, wie sich die Erwerbseinkommen in den Familien aufteilen – ist, bei den Vätern nimmt mit zunehmendem Alter der Kinder, also wenn die Kinder im Schulalter sind, dann nimmt die Teilzeitarbeit etwas ab. Ich würde mal sagen, das macht auch Sinn: Mit kleinen Kindern ist es ja, die Betreuung ist anders geregelt als mit Schulkindern. Bei den Müttern hingegen ist das nicht der Fall. Hier spielt das Alter keine Rolle dafür, ob die Mütter Teilzeit arbeiten oder nicht.
Dann vielleicht noch allgemein ganz wichtig zu sagen. Erwerbstätig – wir können natürlich Teilzeit erwerbstätig sein. Teilzeiterwerbstätig kann nur sein, wer auch erwerbstätig ist. Erwerbstätig sind die meisten Eltern mit Kindern unter 15 Jahren. Bei den Müttern sind es etwa 80 % und bei den Vätern über 95 %. Und hier sehen wir auch tatsächlich grosse Entwicklungen in den letzten Jahren. Dieser Anteil der Mütter, die erwerbstätig sind, hat von rund 70 % vor 20 Jahren auf diese 80 % zugenommen. Und ein Grund, weshalb ich auch damit anfangen wollte, ist: Ich merke bei mir oder manchmal auch bei anderen, vielleicht merken Sie das bei sich auch, dass je nachdem, in welchem Umfeld man sich bewegt, man das Gefühl bekommt, dass doch mittlerweile fast alle Väter Teilzeit arbeiten. Das ist im grossen Ganzen aber tatsächlich nicht so. Es mag vielleicht in einem bestimmten Kreis, in dem man sich bewegt, zutreffen, aber im Grossen und Ganzen entspricht das nicht der Realität.
Gründe für die Teilzeitarbeit variieren je nach Geschlecht
[Folie 4] Und wir haben schon von Kinderbetreuung gesprochen. Die Top drei Gründe, die Personen angeben, weshalb sie Teilzeiterwerbstätig sind. Das sind bei den Frauen hauptsächlich Kinderbetreuung, dann auch andere familiäre oder persönliche Verpflichtungen. Bei den Männern sind es Aus- und Weiterbildung, die hier an erster Stelle sind.
[Folie 5] Und diese Gründe, die genannt werden, die sehen wir dann auch hier. Wenn wir uns anschauen, wer in den Familien bezahlte und unbezahlte Arbeit leistet. Sie sehen auf der rechten Seite [auf Folie 5] die unbezahlte Arbeit, die Frauen im Durchschnitt pro Woche leisten. Durchschnittliche Anzahl Stunden: Das sind diese 54 Stunden pro Woche unbezahlte Arbeit und 16 Stunden bezahlte Arbeit. Das heisst, es werden zwei Tage – ein 40 % Pensum. Diese, eben das sind Paarhaushalte mit Kindern unter 15 Jahren. Bei den Männern auf der linken Seite einerseits der dunkelgraue Balken, die bezahlte Arbeit, das sind im Durchschnitt 35 Stunden, und die unbezahlte Arbeit mit 33 Stunden hier fast gleich hoch. Genau, Sie sehen die Aufteilung, die bei Männern fast gleich ist. Bei den Frauen überwiegt die unbezahlte Arbeit deutlich und – hier jetzt nicht sichtbar, aber ich habe das im Anhang noch dabei, falls es jemand dann später genau interessiert: Wir können das dann auch noch vergleichen mit den Personen ohne Kinder in Paarhaushalten. Da sind es auch die Frauen, die etwas – im Vergleich zu den Männern – mehr unbezahlte Arbeit leisten. Hier ist es aber dann deutlich ausgeglichener, als wenn Kinder im Haushalt sind. Und ganz allgemein natürlich: Sie sehen die Anzahl Stunden mit 70 Stunden pro Woche – ein grosses Arbeitspensum.
[Folie 6] Dann kurz: Welche Familienmodelle gibt es und wie häufig sind die tatsächlich? Das quasi-Standardmodell ist der Paarhaushalt mit Kindern unter 25 Jahren. Diese Haushaltstypen machen den grössten Anteil an den Familienhaushalten aus. Und da sind auch die meisten Elternteile dann verheiratet. Das Konkubinat hier nach wie vor in der Minderheit, diese 13 % der Paare mit Kindern unter 25, die nicht verheiratet sind. Dann ebenfalls ein wichtiger Haushaltstyp, den wir hier später noch genauer anschauen werden, sind die Einelternhaushalte mit Kindern. Das sind hauptsächlich Mütter mit ihren Kindern, in 82 % der Fälle. Natürlich gibt es dann noch ganz andere Haushaltstypen und Familienmodelle. Die werden teilweise nicht abgebildet in dieser Statistik. Ein bisschen ein anderer Familienhaushalt, den wir hier in der Statistik sehen, das sind die Mehrfamilienhaushalte. Die machen aber nur einen ganz kleinen Anteil aus. Also insgesamt können wir hier sagen, das Familienbild in den Köpfen und quasi so in den Haushalten: sehr traditionell.
[Folie 7] Und der letzte Punkt in meiner Übersicht hier noch zu den Trennungen. Wenn sich die Trends, die jetzt beobachtet werden können, so fortsetzen, dann werden zwei von fünf Ehen im Laufe der Zeit geschieden. Das sind dann pro Jahr so, 2022 waren es 16 000 Ehen, die geschieden wurden, und bei der Hälfte dieser Ehen waren Kinder involviert. Und da es dann oft ja mehrere Kinder sind, kommen wir auf diese rund 13 000 Kinder, die von einer Scheidung ihrer Eltern betroffen sind. Und die meisten dieser Kinder sind zum Zeitpunkt der Scheidung im Schulalter, also zwischen fünf und 15 Jahren. Und an dieser Scheidungsziffer – wird die genannt wird – hat sich in den letzten zehn Jahren nicht viel geändert. Die ist immer so um die 40 %. Diese zwei von fünf Ehen geschieden werden. Und nun eben, wenn es zu dieser Trennung kommt, die kommt doch relativ häufig vor, was passiert dann nun finanziell, wenn es zu einer Trennung kommt?
Studienresultate «Die wirtschaftliche Situation von Familien in der Schweiz»
[Folie 8] Und dazu möchte ich Sie mitnehmen in die Resultate dieser Studie [«Die wirtschaftliche Situation von Familien in der Schweiz», Büro BASS 2023]. Wir haben die durchgeführt im Auftrag des Bundesamtes für Sozialversicherungen. Und die Hauptfrage, die drehte sich darum, wie es Familien, Familienhaushalten in der Schweiz finanziell geht. Wie stehen sie finanziell da im Vergleich zu Haushalten ohne Kinder? Und das so die ganz statische Situation. Dann hat uns aber auch interessiert, was eben bei solchen Ereignissen wie einer Trennung passiert. Was passiert im Verlauf, wenn die Kinder älter werden, nach der Geburt? Sie kommen in die Schule, es gibt vielleicht die Möglichkeit, ein Erwerbspensum zu erhöhen. Das wollten wir in den Daten nachvollziehen. Nun, wie definieren wir das? Die finanzielle Situation, wir verwenden hier ein relatives Konzept von Armut oder Armutsgefährdung. Das heisst, die Situation eines Haushalts wird immer im Verhältnis zu den anderen Haushalten definiert.
Und um das überhaupt tun zu können, um verschiedene Arten von Haushalten, verschiedene Haushaltsgrössen auch miteinander vergleichen zu können, berücksichtigen wir eben die Haushaltsgrösse, indem wir die Personen im Haushalt gewichten. So dass wir am Schluss immer eigentlich, dass das Einkommen die Zahlen, die Sie dann auch gleich sehen werden, das ist immer eigentlich für einen Einpersonenhaushalt umgerechnet. Wir haben von den Daten, die wir für diese Studie verwendet haben, haben wir eine Einkommensperspektive. Das heisst, wir konnten verschiedene Arten von Einkommen betrachten, natürlich Erwerbseinkommen als wichtigste Einkommenskomponente, dann aber auch Sozialhilfe, Renten, sei es aus der AHV oder aus der zweiten Säule, auch Unterhaltszahlungen, die geleistet werden.
Was wir nicht berücksichtigen konnten, waren Ausgaben, die die Haushalte obligatorisch tätigen müssen, also Steuern oder Krankenkassen, Krankenkassenprämien. Und wir haben auch keine Informationen zu den Kinderbetreuungskosten oder bzw. wir hatten Informationen, aber im Einkommen haben wir die nicht berücksichtigt. Das heisst, das Einkommen ist quasi ein Nettoeinkommen, so wie es vom Arbeitgeber*in ausbezahlt wird. Und insgesamt konnten wir von rund 3,5 Millionen Personen in der Schweiz Steuerdaten anschauen. Deshalb haben wir auch all diese Informationen zu den Einkommen für den Zeitraum 2012 bis 2015. Und diese Daten sind so somit repräsentativ für die gesamte Schweizer Bevölkerung.
[Folie 9] Ganz konkret nun das Beispiel: Was bedeutet es mit diesem relativen Konzept, wenn wir von schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen oder hier jetzt geringen finanziellen Mittel sprechen. Ein Einpersonenhaushalt mit einem Jahreseinkommen unter 31 100 Franken wird als Haushalt mit sehr geringen finanziellen Mitteln angesehen. Das heisst, das sind monatlich knapp 2600 Franken.
[Folie 10] Und wie sich dann diese Einkommen in der Schweiz verteilen, das sehen Sie hier [auf Folie 10]. Diese Einkommensverteilungsgrafik ganz links in Rosa, das sind die Personen mit sehr geringen finanziellen Mitteln, also unter diesen 31 100 [Franken]. Das heisst, diese Personen haben weniger als die mittleren medianen Einkommen. Und der Median hier, das ist diese Mitte der Einkommensverteilung, also die Hälfte der Bevölkerung in der Schweiz hat weniger und die Hälfte hat mehr. Die zweite Kategorie dann für geringe finanzielle Mittel, das ist dieser dunkelgraue Balken. Hier sind die Personen, die weniger als 60 % des Medianeinkommens haben und dann diese breite Masse quasi mit dieser Mediansituation, so zwischen etwas über 40 000 bis rund 110 000 Franken pro Jahr. Und dann noch ganz rechts: Personen mit umfangreichen finanziellen Mitteln. Und wir konzentrieren uns nun auf die Familienhaushalte, also die Haushalte mit Kindern unter 25 Jahren. Die sind als gesamte Kategorie betrachtet deutlich häufiger in einer Situation mit sehr geringen finanziellen Mitteln als Haushalte ohne Kinder oder auch Haushalte mit Kindern über 25 Jahren.
[Folie 11] Und für diese Studie haben wir diese Familientypen noch ein bisschen aufgedröselt, möchte ich sagen. Und zwar zum einen der klassische – klassisch in Anführungszeichen – Typ, wo das Elternpaar im Haushalt mit den gemeinsamen Kindern lebt, die wohnen alle im selben Haushalt. Dann ein Haushalt, in dem Kinder leben, mit einem Elternteil, aber noch eine andere Person, ein neuer Partner, eine neue Partnerin. Dann die Einelternhaushalte, die mit ihren Kindern zusammenleben.
Und hier nun jeweils das Pendant zu den beiden vorherigen Typen. Das sind die Elternteile, die eben nicht mit ihren Kindern zusammenwohnen. Hier die Kinder ausserhalb des Haushaltes – entweder lebt die Person allein oder auch mit einem neuen Partner, einer neuen Partnerin. Das heisst, wenn wir hier oben [Folie 11] zuoberst quasi diese Ursprungsfamilie betrachten, sind die anderen Haushaltstypen jene, die eben nach einer, die sich nach einer Trennung ergeben. Und wir sehen hier bei den älteren Paarhaushalten mit den gemeinsamen Kindern sind es insgesamt 13 %. Also 13 % all dieser Haushalte, die mit sehr geringen oder geringen finanziellen Mitteln auskommen müssen. Und dann steigen die Anteile: Die Anteile sind deutlich höher bei den getrennten Eltern, insbesondere wenn die Kinder im Haushalt leben und hervorstechen die Einelternhausalte mit den Kindern im Haushalt. Das sind hier zu 84 % Haushalte mit Müttern und ihren Kindern. Und nun haben wir hier einerseits quasi die Situation ohne diese Trennung und dann diese eher schwierigen, häufig schwierigeren Situationen mit einer Trennung. Wie kommt es nun dazu oder was steckt dahinter? Und dazu, haben wir schon die Aufteilung ganz am Anfang, die Aufteilung der bezahlten und unbezahlten Arbeit angesprochen. Es wird sehr viel unbezahlte Arbeit geleistet in Haushalten mit Kindern und entsprechend weniger bezahlte Arbeit. Kommt es dann zu Trennungen, sind die Personen, die hauptsächlich unbezahlte Arbeit geleistet haben, in einer finanziell schwierigen Situation.
Das erste Kind prägt die Erwerbsbiografie kurz- und langfristig
[Folie 12] Und wie ungleich die Erwerbseinkommen in diesen Familienhaushalten verteilt sind, das sehen wir hier. Wir haben hier dieselbe Kategorie wie zuvor, also diese Elternpaarhaushalte mit den Kindern im Haushalt. Hier betrachten wir nun nur verschiedengeschlechtliche Haushalte. Verschiedengeschlechtliche Paare. Und Sie sehen an den Balken sind die Anteile des Erwerbseinkommens, das die Frau erwirtschaftet, gemessen am gesamten Haushaltserwerbseinkommen. Und in 57 % dieser Haushalte erwirtschaftet die Frau weniger als 25 % des gesamten Haushaltseinkommens. Beispielsweise können wir uns einen Haushalt mit zwei Kindern vorstellen. Das Erwerbseinkommen pro Jahr ist 100 000 [Franken]. Das wäre nach dieser Kategorisierung, die wir zuvor gesehen haben, ein Haushalt in dieser medialen Situation. In dem Falle heisst es: Die Frau erwirtschaftet weniger als 25 000 pro Jahr, das heisst rund 2000 Franken pro Monat. Hier kommt auch relativ häufig dann vor, dass die Frau zwischen 25 und 44 % des Haushaltserwerbseinkommen erwirtschaftet. Aber genau –Sie sehen, da handelt es sich immer noch um eine relativ ungleiche Verteilung der Erwerbseinkommen im Haushalt. Ganz rechts dann einerseits in Rosa wäre eine eigentlich gleichmässige Aufteilung zwischen Mann und Frau, was das Erwerbseinkommen angeht. Und dann ja noch die Fälle, in denen die Frau mehr zum Haushaltserwerbseinkommen beisteuert. Und grundsätzlich wird bzw. haben wir stark feststellen können in dieser Studie, dass sich die gewählte Aufteilung der Erwerbsarbeit – und natürlich heisst es dann auch nicht nur Erwerbsarbeit, sondern auch Sorgearbeit –im Haushalt, dass das, was bei der Geburt des ersten Kindes gewählt wird, das setzt sich quasi durch und das zieht sich ziemlich lang durch die Erwerbsbiografien dieser Personen. Nur noch hier zum Vergleich das Paar ohne Kinder – hier eine deutlich gleichmässigere Verteilung der Einkommen.
[Folie 13] Eben bei diesen Haushalten mit dieser Aufteilung kommt es dann zu Trennungen. Wir betrachten nur die Familien mit den Kindern unter 25 Jahren. Meist wenig überraschend, wahrscheinlich für die meisten. Es gibt zuerst diese räumliche Trennung. Die Haushalte werden aufgelöst und später folgt dann die Scheidung. Unmittelbar nach der räumlichen Trennung sind 80 % der Mütter leben mit ihren Kindern und 20 % der Väter.
Trennung als schwierige finanzielle Situation für Mütter
[Folie 14] Nun, was passiert mit den Finanzen? Wir hatten diese 13 % der Paare mit geringen finanziellen Mitteln. Die hatten wir vorhin kurz gesehen, da ist das Paar noch zusammen im selben Haushalt. Entsprechend sind hier auch die Anteile gleich und dann, im Jahr der Trennung, kommt es häufig sehr häufig zu einer schwierigen finanziellen Situation für die Mütter. Es spiegelt sich die Arbeitsteilung im Haushalt wider und eben daraus auch die eine finanzielle Abhängigkeit. Dann, ein Jahr nach der Trennung, zwei Jahre nach der Trennung, können wir sagen: Die Situation stabilisiert sich und es passieren hier eigentlich zwei Dinge. Einerseits fliessen Unterhaltszahlungen und gleichzeitig können die Mütter auch ihr Erwerbseinkommen steigern. Das heisst in den meisten Fällen, sie können ihr Pensum erhöhen und entsprechend mehr Erwerbseinkommen erzielen. Und genau, bei den Vätern verändert sich so jetzt in diesem Bild nicht viel. Wenn wir hier tatsächlich berücksichtigen können, dass die Väter eben teilweise Unterhaltszahlung leisten. Meistens geschieht das dann erst hier so ab diesem ersten Jahr nach der Trennung, wo quasi offiziell alles geregelt ist. Diese Unterhaltszahlung, die die Väter leisten, die können wir berücksichtigen, die sind von ihrem Einkommen abgezogen.
Was wir aber nicht berücksichtigen können, ist, dass es natürlich möglich ist, wenn jetzt, dass die Ausgaben nach wie vor höher sind, auch bei den Vätern, weil eben beispielsweise, auch wenn die Kinder nicht bei den Vätern leben, eine grössere Wohnung benötigt wird, damit die Kinder regelmässig da übernachten können. Genau. Das einfach als Hinweis, dass wir das hier nicht so nicht anschauen können.
Einkommen gleichen sich nach Trennung langfristig an
[Folie 15] Nun, zwei Jahre nach einer Trennung, ein, zwei Jahre, das war nun ein sehr kurzfristiger Blick. Langfristig können wir auch anschauen, was sich verändert, vor allem in Bezug auf die Erwerbseinkommen. Und hier, um das langfristig zu betrachten, da schauen wir die Scheidungen an und dann ja, hier. Zehn Jahre nach der Scheidung, fünf Jahre vor der Scheidung. Wie entwickeln sich die mittleren Erwerbseinkommen? Einerseits der Mütter mit Kindern, der Frauen ohne Kinder. Und dann hier: Männer ohne Kinder und die Väter. Und wir sehen, dass es sowohl bei den Frauen ohne Kinder wie auch bei den Müttern zu einer Steigerung der Erwerbseinkommen kommt mit der Scheidung. Und dass sich diese Einkommen über die Zeit sogar praktisch angleichen. Hier so gegen Ende, da im Jahr zehn, die mit praktisch fast gleich viel Erwerbseinkommen. Und was ebenfalls passiert ist, dass der Anteil jener Mütter, die erwerbstätig sind, dass sie ebenfalls zunimmt. Und was hier natürlich gleichzeitig auch noch passiert, ist, dass die Kinder älter werden. Wir sehen das. Wir sehen aber auch im Vergleich zu Personen, die keine Scheidung haben, da gibt es diesen Anstieg nicht so ausgeprägt.
Und natürlich so ein bisschen die Warnung: Wenn wir etwas langfristig betrachten wollen, müssen wir immer in Kauf nehmen, dass wir dann halt ziemlich weit zurückgehen in der Zeit. Das heisst, es sind diese Scheidungen jetzt mittlerweile ja, sind das 20 bis 30 Jahre her. Damit wir dann die Personen betrachten können.
[Folie 16] Und noch längerfristig – und vielleicht auch etwas unabhängig von einer Trennung – sehen wir dann die Auswirkungen der Teilzeitarbeit auch im Rentenalter. Insbesondere die Renten der zweiten Säule. Die sind einerseits deutlich tiefer bei den Frauen als bei den Männern, wenn dann eine Rente aus der zweiten Säule vorhanden ist. Der Anteil der Frauen, die gar keine zweite Säule hat, ist aber auch geschätzt viel höher als jener der Männer. Bei der AHV, da ist es praktisch gleich, da sind die durchschnittlichen Renten gleich hoch.
[Folie 17] Zusammenfassend können wir festhalten, dass die Situation nach der Trennung, also dieser Verlauf, wie sich die finanzielle Situation für die Mütter und die Väter verändert, die ist sehr stark geprägt durch die ungleiche Erwerbsbeteiligung nach der Geburt. Eben diese sehr ungleiche Aufteilung der Einkommen im Haushalt, die wir bei den älteren Paarhaushalten, die Paare, die zusammen noch zusammen sind, sehen. Wenn es dann zu einer Trennung kommt, gleichen sich die Erwerbseinkommen stärker an, als wenn das nicht der Fall ist. Und gleichzeitig, obwohl es diesen getrennten Elternteilen gelingt, ihr Erwerbseinkommen zu steigern, müssen sie häufig mit sehr geringen finanziellen Mitteln auskommen. Und das sind eben insbesondere die kinderbetreuenden Elternteile, vor allem die Mütter. Und am Rande, was hier auch noch reinspielt, ist tatsächlich, dass wenn jetzt in einem Paar, das sich trennt mit geringen finanziellen Mitteln, der Vater beispielsweise nicht in der Lage ist, finanziell Unterhalt zu zahlen, dann ist es die Mutter, die dann Sozialhilfe beantragen muss. Also auch wenn sie quasi Anrecht auf dieses Geld hat – wenn das der Vater aus aufgrund einer finanziellen schwierigen Situation nicht bezahlen kann, dann ist die Mutter mit dem Kind in dem Fall bei der Sozialhilfe. Wir können uns natürlich fragen: Wieso? Wieso ist das so? Es gibt auch ganz verschiedene Gründe, eben ein vielleicht ein tiefes Teilzeitpensum zu wählen bei der Geburt eines Kindes. Ich denke eben verschiedene Gründe, die sollen auch nicht gewertet werden. Die Frage ist, ist dann die finanzielle Auswirkung ein Grund bei der Entscheidung? Oder ist es eben keiner, weil man es sich nicht bewusst ist, was die Auswirkungen der Teilzeitarbeit sind?
[Folie 18] Und hierzu gibt es eine interessante Studie. Da haben diese Forscher*innen unter anderen der Uni Zürich ein Feldexperiment durchgeführt und ihr Fazit ist, dass sich Mütter sehr oft nicht bewusst sind, was die langfristigen finanziellen Konsequenzen der Teilzeitarbeit sind. Und tatsächlich, wenn sie dann informiert werden, wenn sie die nötigen Informationen erhalten, konnten die Forscher*innen dann auch tatsächlich beobachten, dass diese Mütter ihr Erwerbspensum gesteigert hatten. Also hier, genau, ist die Frage: Ja was kann man hier tun? Wie kann man hier auch darüber informieren?
Einblicke ins Tool «Cash or Crash»
[Folie 19] Und aus genau diesem Grund hat Alliance F das Tool «Cash or Crash», ein Online Tool, lanciert mit dem Ziel bzw. mit der Idee, dass man sich da eben informieren kann und dass man ganz konkret anschauen kann: Was bedeutet es denn für mich, wenn ich jetzt entscheide, mein Pensum zu reduzieren?
Sie haben hier auch den QR-Code. Ich werde jetzt auch hier direkt mal reingehen. Sonst können Sie auch schon auf dem Handy – Ich weiss nicht, ob Sie dazu gekommen sind in diesen paar Sekunden den QR-Code zu scannen. Ansonsten finden Sie ihn sicher auch auf dieser kleinen Broschüre. Können Sie mal schon reinschauen?
Genau. Wir können hier verschiedene Lebensentscheidungen simulieren. Und eine wichtige Entscheidung davon ist die Teilzeitarbeit. Wir können hier einerseits ganz kurz so mit einem Quickcheck schauen, ja was sind hier die finanziellen Auswirkungen. Und das mache ich jetzt mal, und wir können uns das hier detailliert berechnen lassen. Dazu können wir uns ein Profil erstellen. Wir können beispielsweise hier einen Monatslohn eingeben. Das aktuelle Pensum, der Bildungsabschluss dann auch ob man in einer Gemeinde mit eher tiefen oder hohen Steuern lebt. Für die Berechnung dieser Tiefsteuervariantenvariante haben wir tatsächlich die Stadt Zürich, äh der Kanton Zürich verwendet. Und dann können wir auch Angaben zum Partner, zur Partnerin machen. Beispielsweise hier jetzt verheiratet mit einem Partner, der mehr verdient. Und mit einem Kind.
Und nun wäre jetzt die Frage: Ja was wären denn nun die Auswirkungen, wenn diese Person hier in dieser Situation eben mit dem frisch geborenen Kind das Pensum auf, sagen wir mal 40 %, reduziert? Und dann kann man sich einerseits die ganz unmittelbaren Auswirkungen davon anschauen. Hier links sehen Sie, eigentlich ganz ähnlich, was ich vorhin gezeigt habe zur Aufteilung der Erwerbseinkommen im Haushalt. Also hier die Situation vorher: Einkommen des Partners und eigenes Einkommen. Und dann, wie sich das verteilt mit der Pensen-Anpassung. Und hier wird dann auch angegeben, mit dieser Pensen-Anpassung ist dann der Anteil am Erwerbseinkommen des Haushaltes noch 23 %. Dann erhalte ich hier direkt auch diese Warnung, dass es eben zu Trennungen kommen kann. Und was passiert in diesem Fall? Hier sehen wir nun das verfügbare Haushaltseinkommen, also das Haushaltseinkommen nach Steuern. Ohne Pensen-Anpassung. Mit dieser Reduktion hier eben dieser unmittelbare Effekt der Teilzeitarbeit und dann im Falle einer Trennung. Und neben diesen kurzfristigen Folgen können wir uns jeweils immer auch noch langfristig anschauen: Was ist die erwartete Lohnentwicklung eben ohne oder mit dieser Reduktion? Was passiert mit der Altersrente? In diesem Fall würde die um rund 1600 Franken pro Monat sinken und deshalb hier eben auch diese Warnung für die tiefe Altersrente. Und auch ein Faktor, dass es oft schwierig ist, wenn man lange in einem tiefen Pensum gearbeitet hat, zu erhöhen, wenn eben beispielsweise die Kinderphase vorbei ist. Dazu haben wir in der Studie auch Auswertungen gemacht und wir konnten tatsächlich sehen, dieses Erwerbseinkommen das geht runter mit der Geburt des ersten Kindes und dann – auch wenn das jüngste Kind, ich glaube, das Alter war 15 Jahre, also wir sagen okay, die Kinder, die sind jetzt Teenager, die sind die Kinderphase ist vorbei. Es kommt bei den Müttern nicht zu einem grossen Anstieg anschliessend. Also hier deshalb auch diese dieser Hinweis, dass es schwierig sein kann.
Und genau zuletzt sehen Sie dann noch eine Übersicht der Ergebnisse, eben ohne Änderung, mit Pensum-Reduktion und im Falle einer Trennung. Ich lade Sie ein, da auf diese Seite zu gehen und sich da etwas – ja, wie soll ich sagen – um da etwas sich umzuschauen. Es gibt noch ganz andere Entscheidungen, die man eben so simulieren kann, um dann die finanziellen Auswirkungen zu sehen. Beispielsweise, ob es sich vielleicht lohnt, noch eine Ausbildung zu machen. Was bedeutet Heiraten für die finanzielle Situation etc.?
[Folie 20] Nun, die Frage: Ja, was nun? Hier beim Blick auf mögliche Lösungen - ja, was könnte man tun? Da möchte ich unterscheiden grundsätzlich zwischen Lösungen, Ansätzen, die auf einer strukturellen Ebene ansetzen, beispielsweise Elternzeit, Bemühungen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie und aber auch Auswirkungen von Lösungsmöglichkeiten auf individueller Ebene, wie beispielsweise eben gewisse langfristige Aspekte mitzudenken oder auch diese Option einer Trennung eben tatsächlich als Option anzusehen. Ja, so, weil es eben eine Option ist, auch wenn ja, auch wenn man es sich natürlich nicht wünscht. Genau. Vielen Dank. Nun möchte ich für diese Diskussion um Lösungen – was tun? – möchte ich öffnen und Sie auch einladen, Fragen zu stellen. Und dann übergebe ich.
Austausch mit dem Publikum
Simon Dinkel: Vielen Dank, Frau Kaderli, für diesen Input. Vielen Dank für die zuerst vielen Zahlen und langsam ans Thema heranführen. Und dann aber auch ein solches Tool, auf das ich ehrlich gesagt ziemlich lange gewartet habe. Weil ich finde, auch wenn es nicht ganz treffsicher ist, ist es doch immerhin eine Möglichkeit zu sensibilisieren und die Zusammenhänge zu verstehen, weil es ja sehr ein komplexes Thema ist.
Genau jetzt wären wir bei der Fragerunde angelangt. Sie dürfen gerne Fragen stellen und jetzt ist es so: Ich habe das anfangs erwähnt, es wird aufgezeichnet. Falls jetzt jemand von Ihnen eine Frage stellen möchte, aber nicht bei den Aufzeichnungen dabei sein möchte oder drin sein möchte, darf das jeweils am Anfang sagen und dann kann es im Nachhinein herausgeschnitten werden. So genau – wären jetzt gerade Anschlussfragen.
Frage zu Ersparnissen
Publikum 1: Eine Frage, und zwar betreffend Ersparnisse. Gibt es auch Zahlen dazu, wer wie viele Ersparnisse machen kann? Also von den Paaren jeweils - sagen wir, wenn die Frau tiefprozentig arbeitet, der Mann hochprozentig – tragen sie dann gleich viel bei? Sprich die Frau kann dann keine Ersparnisse machen. Gibt es dazu Zahlen?
Tabea Kaderli: Vielen Dank für die spannende Frage. Tatsächlich konnten wir jetzt auch spezifisch in dieser Studie Informationen zum Vermögen auswerten. Das Problem ist, wenn natürlich die Paare verheiratet sind, dann wird nicht ersichtlich, quasi ja, wer wie viel angespart hat. Man kann es sich eben, wie Sie auch gesagt haben, anhand der Einkommen vielleicht denken oder vermuten. Und dann bei der Trennung und Scheidung kommt es dann natürlich darauf an, auch welcher Güterstand wurde gewählt. Und ja, wie wird das dann aufgeteilt. Aber deshalb können wir dazu tatsächlich nicht viel sagen. Vielleicht, ich habe ja am Schluss noch die Situation im Rentenalter erwähnt und da ist ein Teil, den ich jetzt gar nicht angesprochen habe, wären ja die Kapitalbezüge aus der dritten Säule. Jetzt muss ich schauen, wie gut ich mich erinnere. Das ist eine Studie zum Rentenübergang, an der ich mitgearbeitet habe. Und da konnte man schon sehen, dass Frauen viel weniger häufig Kapitalbezüge tätigen und diese dann auch eher, also deutlich geringere Beträge sind.
Simon Dinkel: Vielleicht hier noch eine Anschlussfrage: Gibt es im Tool «Cash or Crash» irgendeinen Hinweis darauf, wie sich Paare das vorhandene Geld, wenn dann Geld vorhanden ist, aufteilen können? Weil das sind Fragen, die wir auch in der Beratung haben. Sozusagen habe ich, wenn ich mehr unbezahlte Arbeit leiste und der im Normalfall der Ehemann mehr Geld verdient. Habe ich dann nicht eigentlich einen Anspruch darauf, dass meine Arbeit irgendwie abgegolten wird? Sei es eben, dass ich einen grösseren Teil auf mein Konto erhalte oder eben Geld für in die dritte Säule oder wenn ich ein bisschen erwerbstätig bin, dass man sich in die in die zweite Säule einkauft oder so. Das sind eigentlich auch Fragen, die uns gestellt werden. Wäre die Frage auch aufgrund der Sensibilisierung, ob da etwas drinsteht oder ob das geplant ist?
Tabea Kaderli: Ja, tatsächlich gibt es dazu im Moment nichts im Tool und ich bin nicht über alle Dinge, die geplant sind, informiert. Es gibt da auch schon noch Aktualisierungen und auch neue zusätzliche Module. Aber ich habe das Gefühl, das ist eher nicht geplant. Aber ja, das da müsste ich noch mal nachgucken.
Simon Dinkel: Danke. Dann war hier eine Frage.
Frage zu konkreter Zahl auf Folie fünf
Publikum 2: Danke für die Erläuterungen. Ich habe noch eine Frage zu einer Statistik, die am Anfang gezeigt wurde. Ich glaube, auf Folie fünf: Bedeutet das, dass die Wochenarbeitszeit der Frauen insgesamt deutlich höher ist?
Tabea Kaderli: Genau. Also, sie ist etwas höher. Wir haben hier 68 Stunden bei den Männern und 70 bei den Frauen. Genau. Wochenarbeitszeit, ja.
Simon Dinkel: Weitere Fragen?
Frage zum internationalen Vergleich
Publikum 3: Mich würde es wundernehmen, ob es einen internationalen Vergleich gibt? Zum Beispiel zu Ländern mit kürzeren Wochenarbeitszeit oder anderen Kinderbetreuungsmöglichkeiten, oder auch Elternzeit. Also im Vergleich zur Schweiz oder auch auf Armut oder auch auf die finanzielle Situation oder auch die Arbeitstätigkeit der Mütter.
Tabea Kaderli: Dankeschön. Zum Vergleich der Schweiz mit anderen Ländern. Also tatsächlich ist Teilzeitarbeit in der Schweiz schon stärker verbreitet als in anderen Ländern. Eben auch ein Grund ist die hohe, quasi Normwochenarbeitszeit. Ich kann jetzt gerade nicht sagen, wo es hier solche Vergleiche gibt, die man sich hier anschauen kann. Was man gut vergleichen kann, ist dieser sogenannte Child Penalty, also wie sich die Erwerbseinkommen der Frauen mit der Geburt des Kindes, des ersten Kindes reduzieren und ob das dann wieder eben quasi sich fängt, ansteigt oder nicht. Und hier ist die Schweiz ziemlich weit hinten. Ich habe dazu eine Grafik hier im Anhang, ganz zuhinterst. Genau hier sehen wir noch die verschiedenen Jahre, in denen dieses erste Kind zur Welt gekommen sind. Aber das ist dieses die sogenannte Mutterschaftsstrafe/Child Penalty man eben die Reduktion der Erwerbseinkommen nach der Geburt sieht und dann auch was mit denen passiert über die Zeit. Und hier hat einerseits die Schweiz eine sehr starke Reduktion im Vergleich mit anderen Ländern und tendenziell. Und Länder, die auch eine starke Reduktion haben, die haben dann einen stärkeren Anstieg, so in den ja in den ersten fünf Jahren. Also hier ist die Schweiz schon eher als Schlusslicht.
Simon Dinkel: Vielleicht noch anschliessend eine Frage daran. Was Sie jetzt nicht erwähnt haben, ist so das Thema Lohnungleichheit, die einen grossen Einfluss auch darauf hat. Haben Sie das bewusst weggelassen?
Tabea Kaderli: Gute Frage. Ich hätte vielleicht als erste Antwort gesagt, dass es vielleicht nicht mal die unterschiedlichen Löhne in denselben Berufen sind, die hier quasi den grossen Brocken ausmachen, sondern die systematisch deutlich tieferen Löhne in den sogenannten Frauenberufen gegenüber den Männerberufen, die dann einen Effekt haben. Tatsächlich konnten wir in dieser Studie nicht – ja, wir wussten auch das Pensum der Person tatsächlich nicht. Sondern wir wussten einfach, wie viel Einkommen erwirtschaften sie. Und deshalb ist es nicht immer ganz klar: Sind es die tiefen Pensen oder sind es die tiefen Löhne? Aber wohl auch eine Kombination davon.
Frage nach Zahlen zu gleichgeschlechtlichen Paaren
Publikum 4: Die Zahlen, die Sie uns präsentiert haben, die befassen sich ja mit heterosexuellen Paaren, gibt es auch im Vergleich Zahlen zu gleichgeschlechtlichen Paaren, wie es sich da aufteilt, ob das gleichmässig aufgeteilt ist oder eben auch so klar, dass jemand das Pensum klar reduziert und jemand eher Vollzeit arbeitet?
Tabea Kaderli: Wir haben angeschaut – wir konnten gleichgeschlechtliche Paare separat anschauen. Da ist die Aufteilung deutlich gleichmässiger. Was wir tatsächlich nicht getan haben, ist dann auch im Falle einer Geburt da zu schauen. Ich vermute, wahrscheinlich waren die Zahlen dazu zu gering, um da wirklich etwas aussagen zu können. Aber die Aufteilung der Erwerbseinkommen, die weist keine solche klaren Muster auf.
Frage zum neuen Scheidungsrecht und Individualbesteuerung
Publikum 5: Ich bin hier vom Vorstand von Männer.ch. Ich habe zwei Fragen, und zwar einerseits hat das Bundesgericht die Rechtsprechung angepasst bei Scheidung: Frauen müssen schneller wieder arbeiten. Das ist das eine und das andere ist: Aktuell wird die Individualbesteuerung verhandelt. Die FDP Frauen haben das ins Spiel gebracht. Können Sie ein bisschen etwas dazu sagen, was für Auswirkungen das langfristig natürlich wieder haben könnte?
Tabea Kaderli: Ja, vielen Dank. Sehr spannende Fragen. Mit dem Bundesgerichtsentscheid, dass Frauen schneller wieder arbeiten sollen nach einer Scheidung. Ja, ich denke, da ist man vielleicht der Realität etwas voraus tatsächlich. Also wenn man natürlich in einer Situation ist mit – wie sage ich es – mit ausgeglichenen, relativ ausgeglichener Erwerbs- und Sorgearbeit, dann macht das Sinn. Die Realität ist ja tatsächlich eine andere. Ja, ich denke, die Auswirkungen davon. Ich vermute es. Ja, es ist wahrscheinlich zu befürchten, dass das eben diese Anteile der getrennten Mütter in schwierigen finanziellen Situationen, dass die dadurch tendenziell steigen, weil eben zwar Unterhalt für Kinder, aber nicht für die Ehefrau geleistet wird.
Ja, und in Bezug auf die Individualbesteuerung. Ich denke, grundsätzlich wäre es gut, wenn hier die Einkommen individuell besteuert werden, wenn es nicht diesen ja wie soll ich sagen eigentlich diesen Anreiz gibt, aufgrund der Steuersituation dann vielleicht doch nicht so stark ein Pensum zu erhöhen. Da ist die Individualbesteuerung sicherlich hilfreich. Was ja bei der Individualbesteuerung auch diskutiert wird, ist, dass es dann eben auch diese Anreize hat auf die Erwerbsbeteiligung der Frauen. Ja, hier ist natürlich die Frage, wie gross ist die Rolle, die dieser Anreiz dann tatsächlich spielt? Oder sind da eben noch ganz andere Gründe, weshalb sich die die Person für eine Teilzeitarbeit entscheiden, relevant? Aber ja, mal schauen, ob das überhaupt realistisch ist, dass das durchkommt.
Simon Dinkel: Sie sprechen auch einen Punkt an, den wir auch noch nicht erwähnt haben. Das Thema Geschlechterstereotypen, also wie fest die eigentlich dazu beitragen, dass jemand Vollzeit oder Teilzeit arbeitet. Da waren noch mehr Fragen.
Frage zu Mindestlöhnen als mögliche Massnahme
Publikum 6: Bezüglich dieser Lohnungleichheit. Also es gibt ja Statistiken, die zeigen, dass Frauen in typisch, also atypisch prekären Arbeitsverhältnissen beschäftigt sind. Und da wäre auch meine Frage, ob Mindestlöhne eine denkbare Massnahme wären? Und meine zweite Frage wäre auch, ob es irgendwie ja andere Gründe gibt, neben der hohen Wochenarbeitszeit, die zu diesem ausgeprägten Child Penalty führen?
Tabea Kaderli: Ja, vielen Dank. Ich denke. Wie soll ich sagen – Ich denke, Mindestlöhne können ein Instrument sein. Ich denke, sie können etwas beitragen, würden aber das Problem jetzt nicht quasi diese Situation nicht aus der Welt schaffen. Aber eben genau für auch Situationen mit atypischer Beschäftigung – ja, könnte das ein erster Schritt sein.
Und genau dann haben Sie noch gefragt wegen anderen Gründen? Ja, ich denke, da kommen wir wahrscheinlich auf diese Rollenbilder zurück. Was denke ich eine grosse Rolle spielt. Genau. Und dann, ja dann stellt sich auch die Frage. Wir haben ganz zu Beginn auch gesehen, dass die Teilzeitarbeit bei Männern zugenommen hat. Ist zwar noch tief, aber in den letzten Jahren doch deutlich zugenommen hat. Und wenn man sich dann da überlegt, dass vielleicht eben Väter vermehrt sagen ja, ich will ja Zeit mit meinen Kindern verbringen, das ist ja auch häufig ein Argument. Hier stellt sich die Frage, ob, ja ob es vielleicht dann eher Lösungen wären in Richtung ich sage mal Reduktion der Wochenarbeitszeit, was eben dann eine bessere Vereinbarkeit erlaubt, dass man sich vielleicht nicht mehr so entscheiden muss.
Frage nach Tipps im Tool «Cash or Crash» und Anmerkung zur Lektüre
Publikum 7: Ich habe zwei Bemerkungen. Die erste ist in Bezug auf die Frage, ob es im Tool kommt, dass die Verteilung der Kosten, also das Tipps gibt oder so. Ich weiss jetzt nicht mehr der Name, aber ich habe ein Buch von zwei französischen Autorinnen gelesen, die sich mit diesem Thema beschäftigt haben. Und die haben dann festgestellt, dass Männer, die oft viel mehr verdienen, dann die grossen Einkäufe machen, und Frauen eher den Alltag. Und bei einer Trennung gehen einfach die Frauen mit den leeren Einkaufstaschen. Und der Tipp war einfach, dass Frauen eher bei grossen Einkäufen mitmachen sollten und Männer eher mehr für den Alltag bezahlen sollten. Und die zweite Bemerkung war für die - es war nur die Studie da, auf Englisch von der Universität Zürich, glaube ich. Also der Titel finde ich ein bisschen sexistisch. Von mir aus, weil es nimmt gar nicht die systemische Probleme. Also ich würde gerne die Studie mal lesen. Aber es ist, als wären Frauen dumm und würden nicht daran denken. Also, ich weiss nicht. Der Titel finde ich ein bisschen nicht in Ordnung.
Simon Dinkel: Da müsste man noch den Inhalt anlesen. Genau.
Frage nach Spezifikation von Frauen mit Migrationshintergrund
Publikum 8: Meine Frage ist, ob in der Studie auch geschaut wurde, wie das Verhältnis ist zwischen Schweizerinnen und Migrantinnen? Ich befasse mich bei der Stadt Zürich mit der Integration von Frauen, vor allem Frauen im Familiennachzug. Und einerseits finden sie keine Stellen. Also das ist so die Realität. Die andere auch, es finden viele ausländischen Frauen, dass sie mehr arbeiten möchten. Und weil es in anderen Ländern gar nicht möglich ist, Teilzeit zu arbeiten, fühlen sich manchmal auch irgendwo ein bisschen von anderen Müttern schlecht angesehen, wenn sie sagen, sie möchten 100 % arbeiten.
Tabea Kaderli: Ja. Was wir uns in Bezug auf die Nationalität angeschaut haben, ist, inwiefern das auch die Wahrscheinlichkeit beeinflusst, sich in einer schwierigen finanziellen Situation zu befinden. Und da ist es ein Faktor. Die jetzt so spezifisch, solche Auswertungen. Ja, super. So, diese Auswertungen haben wir dann nicht spezifisch für beispielsweise Ausländerinnen und Ausländer gemacht, sondern immer für diese gesamte Gruppe.
Bemerkung zu persönlichen Erfahrungen
Publikum 9: Ja, vielleicht noch eine Geschichte jetzt. Also wir machen so Crashkurse mit werdenden Vätern und es ist auch wieder so eine mittel-langfristige Geschichte. Aber genauso wie es wichtig ist, denke ich, dass Frauen sensibilisiert sind auf die Notwendigkeit, einfach diese finanzielle Geschichte genauer anzuschauen. Sind ja werdende Väter genauso zu sensibilisieren, dass sie in einem relativ kurzen Fenster sind, wo Dinge beweglich werden, weich werden, wo man sich vorstellen kann, etwas grundsätzlich zu ändern. Und trotzdem erfahren wir viele nachher. Sie schauen zurück und merken dann: Ja, jetzt bin ich wieder der Vollzeit arbeitende Vater. Also ich finde diese ganze Geschichte, da gibt es auch eine Interventionsmöglichkeit, Bewusstsein zu schaffen, dass das man wirklich selber. Ich kenne das selber. Ich arbeite Teilzeit, aber das ist vielleicht auch so, weil ich in der sozialen Arbeit bin. Ich musste mich nie dafür rechtfertigen, wenn ich 60 oder momentan 40 % arbeite. Aber so mit den Männern und den Paaren zu arbeiten und zu sagen: Nein, wenn ihr jetzt nicht aufpasst, dann seid ihr später wieder da, wo alle anderen vor euch auch schon waren.
Simon Dinkel: Sicher ein ganz wichtiger Punkt bei Gleichstellungsthemen, dass der Fokus nicht auf die Frauen und ihre Verantwortung für die gemeinsame Zukunft gelegt wird, sondern eigentlich die Männer erreicht werden müssen, die Väter. Genau. Ja, aber dass man es nicht vergisst, dass da immer zwei sind. Möchten Sie noch etwas dazu sagen?
Tabea Kaderli: Ja. Also, ich finde es einen sehr guten Punkt. Und ich denke, in diesem Zusammenhang habe ich auch gerade an eine Elternzeit gedacht, wie sie denn auch ausgestaltet ist. Aber um quasi eine andere Ausgangslage zu schaffen, und dass nicht die Väter dann nach zwei Wochen oder vielleicht sind es dann vier Wochen wieder normal ihrer Arbeit nachgehen und dadurch auch viel verpassen und man automatisch als Paar in diese Aufteilung, in diese Rollenbilder auch rutscht.
Simon Dinkel: Eine letzte dringende Frage? Das ist gut und dann müssen wir hören.
Frage nach möglichen Massnahmen
Publikum 10: Als ich habe eine Frage, und zwar zu dieser Studie. Gibt es denn konkrete Massnahmen, also Vorschläge, was kann man jetzt dagegen eigentlich tun kann? Wie erreicht man diese Zielgruppe? Das sind zum Beispiel die Mütter mit kleinen Kindern. Die sind dann beschäftigt mit Kindern. Wie erreicht man sie eigentlich dann? Danke.
Tabea Kaderli: Ja, also in der Studie, die ich vorgestellt habe, die wir beim Büro BASS durchgeführt haben, da ging es tatsächlich nicht darum, irgendwelche Massnahmen auch aufzuzeigen. Die Studie, die ich hier erwähnt habe, von der Uni Zürich. Ja, wie man das machen könnte. Also tatsächlich wäre, gäbe es hier vielleicht so die Möglichkeit eben über – also beispielsweise, ich sage mal über den Arbeitgeber, über diese Information, die man vielleicht zur Pensionskasse erhält, quasi darüber auch zu informieren. Genau, oder ja, ansonsten denke ich, müsste es eher ja, wenn es nicht von einer solchen Seite kommt, dann ja Informationssensibilisierungskampagnen. Aber genau, Sie haben es angesprochen: Man muss eigentlich die Person erreichen, bevor sie dann mit dem kleinen Kind da sind, weil sie, wie sie gesagt haben, dann ist Anderes wichtiger.
Simon Dinkel: Das ist sicher Arbeit, die so Büros für Gleichstellung wie unsere Fachstelle auf dem Schirm haben. Und auch mit Plakatkampagnen oder Beratungs- und Sensibilisierungsarbeit versuchen, junge Männer wie auch junge Frauen zu erreichen. Genau. Mit eben auch so einem Tool wie «Cash for Crash», dass man sich so die Zukunft vorstellen kann. Neben unserer weiteren Arbeit. Dann würde ich sagen wir stoppen hier.
Wie erwähnt haben sie die Möglichkeit auch draussen das Gespräch weiterzuführen. Sie, Frau Kaderli, werden auch noch dabei sein. Super, dann bedanke ich mich ganz herzlich bei Ihnen fürs Kommen, für diesen wichtigen Input. Herzlichen Dank nochmals.
Und bei Ihnen, euch bedanke ich mich herzlich fürs Kommen, fürs Interesse, für den regen Austausch. Und ich hoffe, Sie kommen wieder mal an einen BiblioTalk. Ich habe nämlich hier noch genau ein Save the Date, das ich da mitteilen muss, nämlich die nächsten zwei BiblioTalks. Das ist einerseits am 13. Mai zum Thema Gleichstellung im Sport – sicher ganz interessant und aktuell im Zusammenhang mit der Women's Europameisterschaft hier in der Schweiz. Und dann am 5. Juni kommt Franziska Schutzbach zum Thema oder mit ihrem Buch «Revolution der Verbundenheit». Also für alle, die das interessiert, dürfen sehr gerne wiederkommen. Wenn Sie den Newsletter haben, dann kriegen Sie auch automatisch die Einladung für die BiblioTalks. So, und jetzt wünsche ich allen einen guten Abend. Besten Dank.