Der Festsaaltrakt des Schützenhaus Albisgütli war für die Bewirtung von bis zu 1'200 Personen ausgelegt und verkörpert die bürgerliche Schützen- und Festkultur um 1900. Als dreischiffige Festhalle in Holzbauweise bildet er einen markanten Kontrast zum massiven Burgentrakt. Die Anlage entstand nach Plänen der Architekten Richard Kuder und Josef Müller und zählt zu den frühen Zeugen ihres Wirkens in Zürich.
Der langgestreckte, dreischiffige Saalbau wurde in einfacher Holzbauweise errichtet, wie sie für grosse Festanlässe des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts typisch war. Die Fassaden sind schlicht gestaltet und werden durch einen oberen Lichtgaden mit kleinen Sprossenfenstern sowie grossformatige Erdgeschossfenster mit abgeschrägten Ecken gegliedert. Akzentuiert wird die talseitige Hauptfassade durch einen rustizierenden Eingangsturm mit gemauertem Sockel, Holzturmzimmer und spitzen Helmdächern.
Das Innere wird von einem offenen Pfettendach mit vielteiligem Hängewerk, Zugstangen und weit spannenden Bogenbindern geprägt. Die Sparrenzwischenräume sind seit der Erbauungszeit mit schmalen Brettern vertäfelt. Zu den bauzeitlichen Ausstattungen von 1898 gehören zudem die Rundschilde mit dem Schweizer- und den Kantonswappen. Das ursprünglich mit Ziegeln gedeckte Sattel- und Pultdach wurde 1979/80 durch eine Eindeckung aus rötlichem Welleternit ersetzt.
Sanierung in zwei Etappen
Nachdem 2019 die Taverne saniert wurde, folgte vier Jahre später die Instandsetzung des Festsaals. Dabei wurde Dach und Fassade bis auf das Tragwerk zurückgebaut. Dieses wurde statisch ertüchtigt; zudem wurden Fenster und Türen ersetzt, wobei sich der Fensterersatz an der historischen Gliederung orientierte.
Im Inneren wurden Boden-, Putz- und Bühnenflächen sowie sämtliche Oberflächen überarbeitet, um die ursprüngliche räumliche Wirkung wiederherzustellen und die akustischen Eigenschaften zu verbessern. Erneuerung der nicht bauzeitlichen Ausstattungselemente (aus den 1980er-Jahren) im Sinne der bauzeitlichen Ausgestaltung und Raumwirkung. Einen wesentlichen Bestandteil der Sanierungsmassnahmen bildeten die brandschutztechnischen Massnahmen mit einer Sprühlöschanlage im Bühnenbereich, einer technischen Entrauchung über Dachventilatoren, neuen Fluchttüren mit automatischer Nachströmung sowie dem Ersatz der rund vierzig Jahre alten Bühnenvorhänge. Darüber hinaus wurde die gesamte Haustechnik erneuert. Der schadstoffbelastete Innenverputz wurde durch mineralischen Putz ersetzt, wobei die historischen Fassungen an der Bühne restauriert wurden.
Mit der Sanierung wurde ein bedeutendes Zeugnis der Zürcher Schützen- und Festkultur langfristig gesichert und den heutigen Anforderungen an Betrieb, Sicherheit und Komfort angepasst. Besonders positiv ist die Verbindung von denkmalpflegerischer Sorgfalt mit zeitgemässen technischen und betrieblichen Verbesserungen. Der hohe kulturhistorische Wert der Anlage zeigt sich nicht zuletzt in ihrer langjährigen Nutzung für das seit 1899 jährlich stattfindende Knabenschiessen.
- Adresse: Uetlibergstrasse 341
- Kreis / Quartier: 3 / Wiedikon
- Inventar: kommunal, inkl. Umgebung
- Baujahr: 1897/98
- Architektur: Richard Kuder und Josef Müller
- Bauherrschaft: Schützengesellschaft der Stadt Zürich
- Architektur: SAD Architekten
- Ausführung: 2023