Das Haus «Zum Rothen Ackerstein» liegt an der Limmattalstrasse 9 am südlichen Hang des Hönggerbergs im Zürcher Kreis 10. Der zweigeschossige Landsitz mit steilem Giebeldach wurde aus unverputztem rotem Ackerstein errichtet, dessen charakteristisches Verrucano-Gestein dem Gebäude seinen Namen gab und in wirkungsvollem Kontrast zu den hellen Sandsteingliederungen steht. Die Lage an der historischen Landstrasse zwischen Zürich und Baden unterstreicht die einstige Bedeutung des Landsitzes.
Geschichte
Der Landsitz «Zum Rothen Ackerstein» wurde vermutlich 1674 durch Junker Marx Escher vom Luchs erbaut und blieb bis 1799 im Besitz der Familie Escher. Bereits zuvor bestand auf dem Areal eine Trotte aus dem 16. Jahrhundert, welche auf die frühe Nutzung als Reb- und Landwirtschaftsgut verweist. Im 19. Jahrhundert wechselte das Anwesen mehrfach den Besitzer und entwickelte sich zu einem Treffpunkt der Zürcher Oberschicht sowie bedeutender Intellektueller. Unter Professor August Adolf Ludwig Follen, der das Gut ab 1829 bewohnte und erweiterte, verkehrten Persönlichkeiten wie Gottfried Keller oder der Komponist Theodor Fröhlich im «Rothen Ackerstein». Nach weiteren Besitzerwechseln erwarb es 1895 der Landwirt Heinrich Weber, der das Anwesen mit einer Veranda und elektrischer Beleuchtung modernisieren liess. Ab 1928 befand sich das Anwesen im Besitz der Familie Kubny, welche 1959 die zugehörigen Ökonomiebauten abbrechen liess, sodass lediglich das Hauptgebäude erhalten blieb. Heute dient der ehemalige Landsitz als Wohnhaus.
Sanierung
Mit der jüngsten Sanierung wurde der über 300-jährige «Rothe Ackerstein» in ein neues Kapitel überführt und zu einem Zweifamilienhaus mit zeitgemässem Wohnstandard umgestaltet. Das Gebäude hatte durch zahlreiche Umbauten und Besitzerwechsel viel von seiner ursprünglichen Wirkung als herrschaftlicher Landsitz eingebüsst. Während die Sanierung einerseits gezielt historische Substanz stärkte, wurde durch moderne Elemente wie Dachausbau, neue Gauben, Küchen, Nasszellen, Treppen und angepasste Grundrisse, sinnvoll ergänzt. Im Laufe der Bauarbeiten sind hinter einem Biedermeier-Täfer überraschend gut erhaltene barocke Ranken-, Blumen- und Tiermalereien entdeckt worden. Diese Funde erforderten eine Anpassung der Planung und stellten neue denkmalpflegerische Anforderungen an die Verbindung von Erhalt und zeitgemässer Nutzung. Da Planung und Ausführung zu diesem Zeitpunkt bereits weit fortgeschritten waren, mussten spezifische Lösungen für die wertvollen Oberflächen entwickelt werden. So wurde in einem der historischen Räume zum Beispiel eine hermetisch abgeschlossene „Nasszellen-Box“ eingebaut, um die Malereien dauerhaft zu schützen.
Der Landsitz «Zum Rothen Ackerstein» zählt zu den bedeutenden frühneuzeitlichen Herrschaftssitzen entlang der Hangterrassen des oberen Limmattals. Er steht beispielhaft für jene Landsitze, welche ab dem 17. Jahrhundert von einflussreichen Zürcher Familien ausserhalb der Stadt errichtet wurden.
Die Sanierung zeigt exemplarisch, wie historische Bauten, während der Arbeiten neue Erkenntnisse und unerwartete Funde hervorbringen können, die den Umgang mit dem Bestand wesentlich beeinflussen. Obschon die wertvollen Malereien eine kunsthistorische Überraschung boten, waren sie zugleich mit erheblichem planerischem Aufwand verbunden. Ihre sorgfältige Restaurierung zusammen mit der hohen handwerklichen Qualität, trugen wesentlich zu einer gelungenen Verbindung von Bestandserhalt und zeitgemässer Erneuerung bei. Die Sanierung wurde auf die heterogene Situation des historischen Gebäudes abgestimmt womit dieses nicht nur erhalten, sondern zugleich in die Gegenwart überführt und um ein weiteres Kapitel seiner Geschichte ergänzt werden konnte.
- Adresse: Limmattalstrasse 9
- Kreis / Quartier: 10 / Höngg
- Inventar: kommunal, inkl. Garten
- Baujahr: 1674
- Bauherrschaft: privat
- Architektur: DAX Architektur (2021-23) und Marco Naef Architekt, FH/ETH
- Ausführung: 2023-25