Das Flussbad Unterer Letten befindet sich im städtischen Inventar der kunst- und kulturhistorischen Schutzobjekte. Die Instandsetzung des Architekturteams von Ressegatti Thalmann GmbH mit dem Bauleitungsbüro dierealisatorin.ch erfolgte in drei Etappen zwischen 2023–2026 jeweils ausserhalb der Badesaisons. Das denkmalpflegerische Ziel – der Erhalt dieser einzigartigen Badeanlage in ihrem Charakter, so dass sie ihren Charme für kommende Generationen bewahrt – ist mit der jüngsten Instandsetzung gelungen.
Im Rahmen der Instandsetzung wurden Reparaturen am historischen Bestand vorgenommen, um einen zeitgemässen Betrieb zu gewährleisten. Das historische Ziegeldach, einzelne Balken des Traggerüsts oder der Betonträger konnten dabei ressourcensparend erhalten und repariert werden. Die Badehäuschen wurden mit frischen Schindeln versehen und die Bodenbretter im Flussbadbereich wurden erneuert. Andere Bauteile wie beispielsweise Geländer oder ins Wasser führende Treppen aus Metall wurden aufgrund ihres schlechten Zustands und der sicherheitstechnischen Auflagen angepasst oder ersetzt.
Augenfällig ist die neue Fassade hin zum Kloster-Fahr-Weg: Bei der Erneuerung der nicht mehr bauzeitlich vorhandenen uferseitigen Holzverschalung wurde das ursprüngliche Fensterband wiederhergestellt. So ist wieder ein Blickbezug zwischen Weg und Flussbad möglich. Die bestehenden, nicht ursprünglichen Sanitär- und Garderobenräume wurden in erweiterter Form flussauf- und flussabwärts im Flussbad neu angeordnet.
Herausfordernd aufgrund des Gewässer- und Fischschutzes und der engen Platzverhältnisse waren auch die Bauarbeiten an den Stegen und der Kanalmauer zur Sihl, die über die Jahre stark gelitten hatte und umfassend ertüchtigt werden musste. Im oberen Bereich der Badeanlage wurde das Nichtschwimmer- und Planschbecken abgedichtet und die Kanalisationsleitungen repariert sowie die Beschallungsanlage erneuert.
Mit der Eingemeindung und der Ansiedlung von Industriebetrieben erlebten Aussersihl und Wipkingen ab dem ausgehenden 19. Jahrhundert ein starkes Wachstum. Viele der für die Arbeiterschaft erbauten Wohnräume verfügten damals nur eingeschränkt über Zugang zu eigenen Badezimmern. Gemeinschaftliche hygienische und sanitäre Einrichtungen spielten daher für die Arbeiterschaft eine zentrale Rolle. Dazu zählten neben öffentlichen Badeanstalten auch See- und Flussbäder. Anfang des 20. Jahrhunderts entstand eine neue Körperkultur, die den Aufenthalt an Luft und Sonne als gesundheitsfördernd entdeckte. Neben dem hygienischen Nutzen galt das Interesse nun vermehrt auch der Freizeit und der gesunden Erholung. So wandelte sich das Hygiene-Bad des 19. Jahrhunderts zum «Wasser-, Luft- und Sonnenbad» des 20. Jahrhunderts.
Das Flussbad Unterer Letten wurde 1909 nach den Plänen des Stadtbaumeisters Friedrich Fissler als erstes «Luft- und Sonnenbad» der Stadt erstellt und 1910 eröffnet. Damals bestand es nur aus der am Fluss liegenden «Männergarderobe». 1955 erweiterte das Architektenpaar Ernst und Elsa Burckhardt-Blum das Freibad mit einem neuen Garderobengebäude, einer Liegewiese und Nichtschwimmer-/Planschbecken, die auch für Familien geeignet sind. Im Jahre 1990 wurden die Umgangsstege und der Rechen des Flussbads instandgesetzt. Und 2005 erfolgte eine Gesamtinstandsetzung der oberen Garderobe und ein Neubau für das Eingangs- und Kioskgebäude von Baumann Architekten AG.
- Bauzeit 2023–2026, jeweils ausserhalb der Badesaison
- Eigentümerin Stadt Zürich
- Eigentümervertretung Immobilien Stadt Zürich
- Bauherrenvertretung Hochbau Amt für Hochbauten
- Architektur Ressegatti Thalmann GmbH, Zürich
- Bauleitung dierealisatorin.ch
- Holzbauingenieure Timbatec Holzbauingenieure Schweiz AG, Zürich
- Fachplanung Elektro Gode AG, Zürich
- Fachplanung HLKS Anex Ingenieure AG, Zürich
- Wasserbauingenieure Staubli, Kurath & Partner AG, Zürich
- Auswahlverfahren Planerwahl
- Ausführungskredit CHF 6,986 Mio.
- Adresse Wasserwerkstrasse 133, 8037 Zürich