Sie sind nicht zu übersehen: Die vier braunroten Türme ragen 72 bis 93 Meter in den Himmel und gehören zu den Wahrzeichen Zürichs. Zum Ensemble gehören auch zwei viergeschossige Bauten mit über 80 Wohnungen. Die Wohnsiedlung Hardau II im Quartier Hard ist damit weit mehr als ein architektonisches Statement: Hier entstand in den 1970er-Jahren eine kleine Stadt in der Stadt, die bis heute beweist, wie verdichtetes Wohnen funktionieren kann.
Architekt Max P. Kollbrunner gewann 1965 den Wettbewerb für die «Überbauung Hardau» gegen 61 Mitbewerber. Anders als viele von ihnen verzichtete er auf scheibenförmige Hochhäuser und entwarf stattdessen «ungewohnt hohe, schlanke» Türme (Zeitschrift Bauen + Wohnen, 1965). Ursprünglich mit kreuzförmigem Querschnitt geplant, wurden schliesslich kompakte, quadratische Grundrisse realisiert – aerodynamisch optimiert und mit geringer Verschattung der Umgebung.
Die Aussenwände wurden mit vorgefertigten, wärmedämmenden Betonelementen ummantelt. Aus der Ferne wirken die Gebäude wie massive Blöcke, doch bei näherem Hinsehen treten gestalterische Details hervor: die grobkörnige Oberfläche der Fassadenteile, das feine Netz der Fugen und die zurückversetzten Balkone – sogenannte Loggien –, die wie kleine Freiluftzimmer genutzt werden können.
Das Fundament der 23- bis 33-geschossigen «Giganten» besteht aus etwa 50 Meter langen Betonpfählen, die bis zu 30 Meter tief durch aufgefüllte ehemalige Kiesgruben in den tragfähigen Baugrund reichen – ohne das Grundwasser zu beeinträchtigen. Die Bauarbeiten zwischen 1973 und 1978 schritten in bemerkenswertem Tempo voran: Alle neun Tage wurde ein weiteres Stockwerk erstellt.
Die Überbauung umfasst neben den vier Hochhäusern zwei viergeschossige Wohnblöcke mit jeweils fünf Mehrfamilienhäusern, eine U-förmige Alterssiedlung mit Personalhaus, ein sechsgeschossiges Alterswohnheim sowie ein 4 geschossiges Parkhaus. Die Überbauung befindet sich im Inventar der Denkmalpflege.
Derzeit läuft eine umfassende Instandsetzung der Fassaden und der Decke der Tiefgarage. Die Arbeiten umfassen auch die energetische Optimierung der Gebäudehüllen – unter anderem durch den Einbau neuer Fenster – sowie eine Teilbegrünung der Fassaden zur Reduktion von Hitze und zur Förderung der Biodiversität. Zusätzlich werden brandschutztechnische Massnahmen umgesetzt. Die Wohnungsmieten – fast zwei Drittel sind subventioniert – bleiben trotz der Investitionen unverändert.
Die 570 Wohnungen umfassen ein breites Spektrum von 1,5- bis 5,5-Zimmer-Einheiten. Im Zuge einer Renovation in den Jahren 2006/07 wurden 64 kleinere Wohnungen zu 32 Familienwohnungen mit 4,5 und 5,5 Zimmern zusammengelegt. Sämtliche Wohnungen erhielten neue Küchen und Bäder. Die dezente Materialwahl und Farbgebung harmonieren mit dem Charakter der Architektur.
Neben Wohnraum für über 1000 Menschen bietet die Überbauung mehrere Einrichtungen für den Alltag: Ein Kindergarten, ein Kinderhort, eine Arztpraxis sowie eine Tankstelle mit Shop sind integriert. Das Parkhaus verfügt über 984 Plätze und ist in einen öffentlichen sowie einen geschlossenen Bereich mit Dauermietenden gegliedert.
Durch die vertikale Stapelung der Wohnfläche in den Türmen blieb im Umfeld grosszügiger Raum für Grün- und Freiflächen erhalten. Die Anordnung der Gebäude ermöglicht sowohl kleine als auch grosse, zusammenhängende Aussenräume. Direkt angrenzend wartet der Hardaupark mit einer weiten Wiese, baumbestandenen Flanierwegen, Sitzgelegenheiten, überdachten Holzdecks und Grillstellen.
Nur wenige Gehminuten vom Albisriederplatz entfernt, profitiert die Siedlung von einer ausgezeichneten Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Tram- und Busstationen am Letzigraben, Albisriederplatz und Hardplatz ermöglichen direkte Verbindungen in verschiedene Stadtteile. Eine Velovorzugsroute verläuft direkt neben der Wohnsiedlung.
In unmittelbarer Nähe bieten das Stadion Letzigrund, das Freibad Letzigraben und die Dreifachhalle Hardau ein breites Freizeitangebot. Schulen und Kindergärten in der Umgebung machen die Siedlung familienfreundlich. Einkaufsmöglichkeiten rund um den Albisriederplatz runden die gute Wohnlage ab.
Im Sinne einer verdichteten und kompakten Bauweise minimiert die Wohnsiedlung den Landflächenverbrauch und trägt zur nachhaltigen Stadtentwicklung bei. Die solide Bausubstanz ermöglichte eine zeitgemässe Erneuerung im Rahmen von Renovationen. Dies spart graue Energie ein und schont die Ressourcen. Die Anbindung an das Fernwärmenetz sorgt für eine effiziente und klimafreundliche Energieversorgung.
- Baujahr 1973–1978
- Architektur M. P. Kollbrunner
- Künstlerische Gestaltung Aussenraumskulpturen und Brunnen von Carl Bucher
- Instandsetzungen Aufwertung des Wohnumfelds, Projekt: Gerold Loewensbarg (2001–03); Innenrenovation mit Wohnungszusammenlegungen, Projekt: Batimo AG, Bauleitung: Implenia Generalunternehmung AG (2006/07); Fassadensanierung mit Brandschutzmassnahmen, Sanierung Tiefgaragendecke (2024–2026)
- Raumprogramm 570 Wohnungen, 8 Bastelräume, 1 Kindergarten, 1 Kinderhort, 1 Arztpraxis, 1 Tankstelle mit Tankstellenshop, 1 Tiefgarage mit 984 Parkplätzen, 58 Mofa-Abstellplätze, 1 Freizeitlokal, 1 Gemeinschaftsraum, 1 Gantlokal, 1 Ambulatorium (Samariterverein)
- Mietzinse Wohnungen: Kostenmiete (freitragend und subventioniert ), Parkplätze: Marktmiete.
- Adresse Bullingerstrasse 41–73, Norastrasse 34, 8004 Zürich