Leutschenbach hat sich in den letzten Jahren vom reinen Gewerbegebiet zu einem vielfältigen, lebendigen Quartier entwickelt. Die städtische Wohnsiedlung geht auf eine vom Gemeinderat unterstützte Einzelinitiative aus dem Jahr 2009 zurück. Mit Kostenmiete, sozialer Durchmischung und einem hohen Anteil an Familienwohnungen folgt sie den Grundsätzen des gemeinnützigen Wohnungsbaus.
Die Stadt besass an dem Standort bereits zwei Grundstücke, die jedoch nicht aneinandergrenzten. Das dazwischenliegende Grundstück erwarb die Stadt Zürich 2008 von der Heineken Switzerland AG. Damit stand ein zusammenhängendes, 21 500 Quadratmeter grosses Areal für die Realisierung der 58. städtische Wohnsiedlung bereit.
Das realisierte Projekt ging aus einem Architekturwettbewerb im Jahr 2015 hervor, an dem sich 49 Büros beteiligten. Das Siegerprojekt umfasst zwei U-förmige Wohngebäude, die einen grosszügig begrünten Innenhof mit niedrig gehaltenen Pavillons fassen.
Der revitalisierte Riedgraben durchzieht die Siedlung als durchgehender Grünraum. Der Hauptzugang liegt an der Leutschenbachstrasse und bindet die Anlage an das Quartier an.
Die Siedlung zeichnet sich durch eine grosse Vielfalt an Wohntypologien bei einem sehr effizienten Flächenverbrauch von durchschnittlich 30 Quadratmetern pro Person aus – deutlich unter dem städtischen Mittel. Insgesamt entstanden 369 Wohnungen mit 2 bis 6,5 Zimmern, darunter zwei Satellitenwohnungen mit je 15 Zimmern, sieben WG-Wohnungen und elf doppelgeschossige Ateliers. Hinzukommen 29 flexibel zumietbare Flächen.
Mit 46 Prozent bilden 4- bis 4,5-Zimmer-Wohnungen für Familien den Schwerpunkt des Wohnungsangebots. Die barrierefreie, übersichtliche Anlage mit zentralem Innenhof eignet sich zugleich gut für Senior*innen.
Gewerbliche und gemeinschaftliche Nutzungen tragen wesentlich zur Belebung der Siedlung bei. Dazu gehören die Filiale eines Grossverteilers, eine Kita sowie ein Gemeinschaftszentrum als soziokultureller Treffpunkt des Quartiers. Vier Kindergärten mit Betreuungsangeboten stärken die familienfreundliche Ausrichtung. Weitere Gewerbeflächen ergänzen das Angebot und festigen die Funktion des Quartierzentrums.
In der Siedlung leben rund 1100 Menschen aller Generationen, darunter etwa 420 Kinder und Jugendliche. Der grosszügige Innenhof dient als Spiel-, Begegnungs- und Aufenthaltsraum.
Direkt angrenzend liegt der preisgekrönte Leutschenpark mit Wasserbecken. In Gehdistanz befinden sich weitere Grünräume wie der «Innere Garten», ein verkehrsfreier Fussweg zur Verbindung einzelner Parzellen, sowie der Andreaspark.
Die nächste Haltestelle des öffentlichen Verkehrs ist rund 300 Meter entfernt. Ein Mobilitätskonzept reduzierte die Zahl der Autoparkplätze zugunsten von Umwelt und Baukosten. Vorrang bei der Vergabe der 120 Parkplätze haben Personen mit beruflichem oder gesundheitlichem Bedarf. Car-Sharing ergänzt das Angebot. Die Einstellhalle bietet 540 Plätze für Velos und Spezialvelos.
Die Wohngebäude erfüllen den Minergie-P-ECO-Standard, die Hofpavillons Minergie-ECO. Die Wärmeversorgung erfolgt über das städtische Fernwärmenetz, Photovoltaik-Module auf den Dächern liefern Solarstrom. Der Vorplatz zur Leutschenbachstrasse wurde mit Bäumen und Sitzelementen gestaltet. Die Grünflächen am Riedgraben wurden aufgewertet. Die Wege im Siedlungshof verfügen über ein Pflanzendach, die begrünten Dachflächen fördern Biodiversität und mindern lokale Hitze.
- Baujahr 2021–2025 (Fertigstellung in Etappen)
- Architektur Clou Architekten AG
- Landschaftsarchitektur Atelier Oriri Landschaftsarchitekten
- Auswahlverfahren Architekturwettbewerb im offenen Verfahren nach SIA 142 mit 49 Teams (einstufig, anonym), 2015
- Raumprogramm 369 Wohnungen, 9 Gewerbeflächen und 125 Parkplätze
- Mietzinse Kostenmiete (freitragend)
- Objektkredit 213,20 Mio. Fr.
- Adresse Leutschenbachstrasse 70–112, Kurt-Früh-Weg 2–6, Riedgrabenweg 200–210, 8050 Zürich