Zwischen Friedhof und Schulhaus, am Rand des Einfamilienhausquartiers von Zürich-Wollishofen, duckt sich ein Wohnensemble in den steilen Hang: die Siedlung Manegg. Die Bauten wirken, als wären sie aus der Topografie herausgewachsen – als hätte die Landschaft selbst sie geformt. Doch hinter der stillen Erscheinung verbirgt sich eine Baugeschichte voller Herausforderungen, kluger Entscheidungen – und ein Prinzip, das bis heute überzeugt.
Das Projekt entstand für heutige Verhältnisse in Rekordzeit: Im März 1953 beauftragte der Stadtrat die Architekten Bruno Giacometti – Sohn des bekannten Malers Giovanni und Bruder des noch bekannteren Künstlers Alberto Giacometti – und Robert Winkler mit der Planung. Bereits Ende August war das Vorprojekt genehmigt, und Ende Dezember lag das endgültige Bauprojekt mit Kostenplan vor.
Die Herausforderung war gross: Ein steiler 15-Meter-Hang zwischen Friedhof und Schulhaus sollte für günstigen und zugleich hochwertigen Wohnraum genutzt werden. Giacometti und Winkler entwickelten ein durchdachtes Konzept: Fünf Hauszeilen wurden diagonal am Hang angeordnet und in leicht versetzte Baukörper gegliedert. So entstand eine gestaffelte Höhenentwicklung, die sich harmonisch in die Landschaft einfügt.
Oben stehen dreigeschossige Gebäude, darunter zweigeschossige mit integrierten Atelierwohnungen. Dabei wurden Licht, Sichtachsen, Privatsphäre und der städtebauliche Gesamteindruck sorgfältig berücksichtigt. Die Sanierung 2006 bewahrte das ursprüngliche Erscheinungsbild: Sichtbackstein in warmem Orange und helle Putzflächen prägen das Bild. Die Siedlung steht heute unter Denkmalschutz.
1987 wurden Küchen und Bäder erneuert, 2006 folgten Fenster, Läden und Fassaden. Trotz aller Modernisierungen blieb der ursprüngliche, funktionale und zeitlose Charakter erhalten.
Die 75 Wohnungen bieten eine breite Auswahl :
- 5 Atelierwohnungen mit 1 Zimmer
- 14 Zwei-Zimmer-Wohnungen
- 6 Vier-Zimmer-Wohnungen
- 30 Drei-Zimmer-Wohnungen
- 20 Reihenhäuser mit 4 Zimmern
Die Wohnungen sind praktisch und platzsparend geplant: Flure sind knapp gehalten, und der Zugang erfolgt teilweise über offene Laubengänge entlang der Gebäude. Jeder Quadratmeter wird sinnvoll genutzt.
Durch die Mischung verschiedener Wohnformen – vom kleinen Atelier bis zum Reihenhaus – entsteht eine bunte Gemeinschaft. Rund 170 Menschen aus über 20 Ländern leben hier: Singles, Familien, Künstler, Handwerker, Junge und Ältere – alle zusammen.
Jede Wohnung öffnet sich zu einem Aussenbereich – mal offen, mal geschützt. Die Häuser staffeln sich terrassenförmig am Hang und schaffen gemeinsam mit Bäumen, Sträuchern und Freiflächen ein wohnliches Umfeld mit hoher Aufenthaltsqualität.
Das Besondere: Die Siedlung ist fast ausschliesslich über Fusswege zugänglich. Autos bleiben draussen, sodass Kinder sicher spielen können. Das Familiäre unterstreicht die Nähe zu Kindergärten, Schule, Freizeitangeboten und dem Gemeinschaftszentrum.
Die «Manegg» vereint das Beste aus zwei Welten: ruhiges Wohnen im Grünen und zugleich gute Anbindung an die Stadt. Zwei fussläufige Buslinien (33 und 66) verbinden die Wohnsiedlung mit dem Stadtgebiet. Kindergarten, Primarschule, Hort und die Schulschwimmanlage Tannenrauch sind bequem zu Fuss erreichbar – kurze Wege, die besonders für Familien ein grosser Vorteil sind.
Die Wohnsiedlung Manegg war bereits lange vor dem Nachhaltigkeits-Trend nachhaltig: Mitte der 1950er-Jahre für Menschen mit geringem Einkommen gebaut – damals durfte das Jahreseinkommen der Bewohner 9000 Franken nicht überschreiten – bietet sie bis heute bezahlbaren Wohnraum. Die Gebäude passen sich dem Gelände an, statt es aufzuschütten oder abzutragen. Mit wenig versiegelter Fläche, viel Grün und kurzen Wegen wird die Umwelt geschont.
- Baujahr 1954–1955
- Architektur Bruno Giacometti, Robert Winkler
- Instandsetzungen Erneuerung Badezimmer und Küchen, neue Heizanlage (1987/88); Fassadensanierung, Erneuerung Fenster, Läden und Storen, Einbau von Unterdächern (2006), Projekt: Winkler Streit Steiner Architekten AG
- Raumprogramm 75 Wohnungen, 1 zumietbares Einzelzimmer, 3 Einzelgaragen, 11 Mofaparkplätze
- Mietzinse Kostenmiete (freitragend und subventioniert)
- Adresse Salomon-Vögelin-Strasse 7–25, Thujastrasse 51–57, 8038 Zürich