Seit über 100 Jahren steht die Wohnsiedlung Riedtli. Die Wohnsiedlung – gebaut für besser gestellte Arbeiterkreise und den Mittelstand – hatte damals bereits in jeder Wohnung ein eigenes Badezimmer: ein Novum für die Zeit.
Die zweite städtische Wohnsiedlung, erbaut im romantischen Heimatstil, wurde 1919 fertig gestellt. Dabei integrierten die Architekten Elemente der englischen Gartenstadtbewegung wie grosszügige Grünflächen, Aussenplätze und eine grosse Anzahl an Bäumen.
Erker, Loggien und Balkone beleben die Hausfassaden. Rote Tonziegel decken die Sattel- und Walmdächer – Gauben und Lukarnen verleihen jedem der 27 Häuser sein eigenes Gesicht. Einheitlich grüne Fensterläden und abgestufte Farbtöne von Grau bis Gelb verbinden die Häuser zu einem Ganzen. Als Beispiel des Heimatstils mit Anleihen bei der englischen Gartenstadt steht die Siedlung seit 1981 unter Denkmalschutz.
Zwischen 2003 und 2008 wurden die Küchen und Bäder unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten saniert sowie eine kontrollierte Lüftung entlang der vielbefahrenen Riedtlistrasse installiert. Ebenso wurden kleinere Wohnungen zusammengelegt und zu grosszügigen Familienwohnungen umgebaut.
Die Siedlung bietet viel Wohnraum für Familien: Von den 291 Wohnungen entfallen 50 Prozent auf 4,5-Zimmer-Wohnungen und 38 Prozent auf 3-Zimmer-Wohnungen. Das Angebot runden einzelne 5- sowie 6-und-mehr-Zimmer-Wohnungen ab. Parkettböden in den Zimmern und grosse Fenster schaffen ein angenehmes und helles Wohnumfeld.
Die leichte Hanglage der Wohnsiedlung unterstützt die abwechslungsreiche Gestaltung der Freiräume. Grünflächen, Plätze, Kieswege, individuelle Vorgärten und alte Bäume bieten Rückzugsorte mitten in der Stadt. Brunnen und Kinderspielplätze ergänzen das Grün.
Die Siedlung war mehrmals von Abriss und Verdichtung bedroht. 1971 sollte sie abgebrochen und neu bebaut werden – die Mieterschaft wehrte sich erfolgreich dagegen. Seit 1977 vertritt ein Siedlungsverein die Interessen der Bewohnerschaft gegenüber der Stadt. Ihr Engagement war so bekannt, dass sie in den 1970er- und 1980er-Jahren sogar im Schweizer Fernsehen (SRF) auftraten.
Mitten in der Stadt gelegen, profitiert die Wohnsiedlung von einer guten Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Nur wenige Tramhaltestellen entfernt befinden sich auf der einen Seite der Hauptbahnhof und das Niederdorf. In der anderen Richtung liegt der Campus Irchel der Universität Zürich. Im Süden grenzt die Siedlung an eine Velo-Vorzugsroute und ist – nach Überwindung einiger Höhenmeter – gut mit dem Velo erreichbar.
Seit 2021 stehen für die Bewohnenden der Wohnsiedlung 14 E-Ladestationen für Autos, 4 Car-Sharing-Parkplätze sowie 3 E-Cargobikes bereit. Zusätzlich besteht eine Urban-Gardening-Initiative: 11 Gartenkisten werden gemeinschaftlich genutzt.
- Baujahr 1911–1919
- Architektur Stadtbaumeister Friedrich Willhelm Fissler
- Instandsetzungen Einbau Zentralheizung, Umbau von 17 4,5- bis 5,5-Zimmer-Wohnungen in 34 1,5- bis 3-Zimmer-Wohnungen (1934), Sanfte Sanierung der Bäder und Küchen (1985–1986), Innenrenovation mit Wohnungszusammenlegungen, Verbesserung Aussenraumgestaltung (2003–2008)
- Raumprogramm 291 Wohnungen, Überdachter Abstellraum für Fahrräder, 34 Mansardenzimmer, 1 Kindertagesstätte, 1 Laden, 2 Ateliers, 1 Hauswartbüro, 23 Parkplätze
- Mietzinse Kostenmiete (freitragend und subventioniert)
- Adresse Götzstrasse 4–12, Kinkelstrasse 44–60, Riedtlistrasse 65–85, Röslibrunnenweg 1–10, Scheuchzerstrasse 82–102, Stolzestrasse 14–46, Winterthurerstrasse 27–55, 8006 Zürich