Bis in die 1990er-Jahre war das Seefeld – neben Langstrasse und Niederdorf – als Rotlichtquartier bekannt. Vor allem die Strassenprostitution prägte das Bild. Vor diesem Hintergrund forderte 1974 eine Volksinitiative den Bau einer Siedlung mit Mietwohnungen für sozialen und freitragenden Wohnungsbau sowie Alters- und Invalidenwohnungen.
Da innerhalb der Frist kein ausgearbeitetes Projekt vorlag, legte der Gemeinderat die Initiative der Stimmbevölkerung vor. Knapp 58 Prozent sagten Ja zur 54. kommunalen Wohnsiedlung. Zu den damals gut 6800 städtischen Wohnungen sollten weitere hinzukommen. Als Standort war das 8165 Quadratmeter grosse Areal des Tramdepots Tiefenbrunnen vorgesehen, das seit 1900 bestand und geschlossen werden sollte.
Das Bauvorhaben wurde in einem offenen Planungsverfahren mit politischer und quartiersinterner Beteiligung vorbereitet. Auf dieser Basis schrieb die Stadt Zürich 1981 einen öffentlichen Projektwettbewerb aus, an dem 85 Architekturbüros teilnahmen. Nach einer Überarbeitung der fünf erstplatzierten Entwürfe ging der Wettbewerb 1983 zu Ende – Sieger war der Architekt Willi Kladler.
Die Stadt verzichtete im Wettbewerb bewusst auf rund 40 Prozent der möglichen Ausnützung und legte die Richtzahl auf 120 Wohnungen fest. Eine maximale Bebauung hätte zu überhöhter Dichte und unpassender Gebäudehöhe geführt. Im Interesse hoher Wohnqualität wurde die Zahl später nochmals auf 102 Wohnungen reduziert.
Architekt Willi Kladlers Vision war klar: Auf dem Areal des ehemaligen Tramdepots sollte ein «Dorf in der Stadt» entstehen – daher der Projektname «Village». Er setzte auf eine Blockrandbebauung, die den Strassen folgt und einen grosszügigen Hof freispielt. Die lange Backsteinfassade an der Seefeldstrasse prägt das Quartierbild und wird durch rhythmisch angeordnete Fenster und Balkone gegliedert. An den anderen Strassenseiten lockern Erker und Vorsprünge die verputzten Fassaden auf.
Im Innenhof zeigt sich die Siedlung von einer ganz anderen Seite: Vor- und Rücksprünge gliedern die hofseitigen Fassaden und schaffen geschützte Terrassen, Loggien und Sitzplätze. Während der Block nach aussen geschlossen und urban wirkt, überrascht das Hofinnere mit Offenheit und einer Vielfalt, die an die Dichte und den Charakter der Altstadt erinnert.
Nach 35 Jahren zeigt die Wohnsiedlung Altersspuren. Die Fassaden weisen Risse, Abplatzungen und Verschmutzungen auf, das Dach ist durch Wasserschäden undicht geworden. Im Rahmen des laufenden Bauvorhabens wird die Siedlung bis Ende 2027 behutsam erneuert. Neben der Fassadensanierung und Dachabdichtung werden auch alle Fenster und Aussentüren aufgefrischt. Die Mietenden können während der gesamten Bauzeit in ihren Wohnungen und Gewerbeflächen bleiben.
In den 102 Wohnungen mit 1,5 bis 6,5 Zimmern leben Menschen aller Altersgruppen. Die Grundrisse sind vielfältig, kaum eine Wohnung gleicht der anderen. Flexibel nutzbare Räume ermöglichen individuelle Wohnformen – vom Single- und Familienhaushalt bis hin zu barrierefreiem Wohnen.
Darüber hinaus gibt es Wohnateliers, einen Kinderhort sowie Gemeinschafts- und Bastelräume. Ergänzt wird das Angebot durch 13 Gewerberäume, einen Detailhändler und eine Werkstätte für psychomotorisch beeinträchtigte Menschen. Eine Tiefgarage bietet 102 Auto- und 17 Motorradplätze sowie 21 Besuchsparkplätze.
Der Innenhof bildet das Herzstück der Siedlung. Private Gärten und Terrassen gehen nahtlos in gemeinschaftliche Flächen über. Zwei Baumreihen säumen eine langgestreckte Kiesfläche, die von Sitzmauern eingefasst ist. Die Anlage bietet geschützte Rückzugsorte ebenso wie Treffpunkte für das nachbarschaftliche Leben. Kinder können ungestört spielen, während Erwachsene sich austauschen und plaudern. Ein besonderer Blickfang ist der alte Brunnen an der Ecke Wildbachstrasse/Münchhaldenstrasse, der noch aus der Zeit des Tramdepots stammt und heute Teil der Fassade ist.
Das Seefeldquartier ist eine beliebte Wohnlage. Grund dafür ist die Nähe zum See, das Strandbad sowie Spazierwege und Ufergärten. Auch kulturelle Angebote wie die Mühle Tiefenbrunnen, der Botanische Garten oder der Park der Villa Patumbah sind schnell erreichbar.
Die Siedlung ist ausgezeichnet an den öffentlichen Verkehr angeschlossen: Eine Tram- und Bushaltestelle befindet sich direkt vor der Haustür, der S-Bahnhof Tiefenbrunnen liegt nur wenige Gehminuten entfernt. So sind Ziele in der Stadt und der Region bestens angebunden.
Die kompakte Blockrandbebauung nutzt das Grundstück optimal aus und schafft zugleich geschützte Aussenräume. Die Orientierung der Wohnungen nach zwei Seiten – zur Strasse und zum Hof – sorgt für helle, freundliche Räume. Jede Wohnung verfügt über eine private Aussenfläche, die sowohl die Lebensqualität als auch die Identifikation mit dem eigenen Zuhause stärkt.
Die grosse Vielfalt an Wohnungsgrössen sowie die Einbindung von Ateliers, Gewerberäumen und sozialen Einrichtungen verhindern einseitige Strukturen. Diese Mischung fördert das Zusammenleben unterschiedlicher Generationen und Lebensstile und steigert so langfristig die Stabilität und Attraktivität des Quartiers. Beheizt wird die Siedlung über das Fernwärmenetz – eine nachhaltige, fossilfreie Energiequelle, die den CO2-Ausstoss reduziert.
- Baujahr 1989–1991
- Architektur Willi Kladler
- Instandsetzungen Sanierung Gebäudehülle mit Fassadenausbesserung und Dachabdichtung (2026–2027)
- Raumprogramm 102 Wohnungen (darunter 4 Wohnateliers und 1 Clusterwohnung mit 13,5 Zimmern), 1 Werkstätte für psychomotorisch Beeinträchtigte, 1 Gemeinschaftsraum, 1 Kinderhort, 13 Gewerberäume, 1 Supermarkt, 1 Bastelraum, 18 Lagerräume, Tiefgarage mit 102 Auto- / 17 Motorradplätzen, 21 Besuchsparkplätze
- Mietzinse Kostenmiete (freitragend und subventioniert)
- Adresse Seefeldstrasse 189–199, Wildbachstrasse 70–82, 8008 Zürich