Hochhäuser, Verkehr, Flugzeuge am Himmel – und dann: ein Baumstreifen, ein Wanderweg, die Glatt. Die Siedlung Ueberland – nicht zu verwechseln mit der Siedlung Ueberlandstrasse – liegt an einem Ort voller Gegensätze.
Was auf den ersten Blick rau erscheint, entfaltet auf den zweiten Blick eigene Qualitäten. Die Ende der 1960er-Jahre errichtete Wohnsiedlung zeigt, wie sich trotz Verkehrsnähe ein angenehmes Wohnen realisieren lässt. Architektur, Nutzung und Umgebung erzählen von einer durchdachten Balance zwischen Stadt und Grünraum.
Die Wohnsiedlung Ueberland ist Teil einer Arealüberbauung mit zwei neungeschossigen Hochhäusern, einem flachen Ladengebäude und zwei viergeschossigen Mehrfamilienhäusern. Eines davon bildet die städtische Siedlung mit 32 Wohnungen – eine der kleineren im Bestand der Stadt Zürich. Die rechtwinklige Anordnung der Gebäude folgt dem Richtplan von Stadtbaumeister Adolf Wasserfallen für Schwamendingen aus den 1960er-Jahren.
Nach einem Rekurs verzögerte sich der Baubeginn, doch 1967 wurde mit dem Bau begonnen und 1968 abgeschlossen. Bei der Sanierung 2002, geplant von Adrian Streich Architekten und Toni Güntensperger, wurden die Grundrisse geöffnet: Küchen erhielten mehr Licht, Korridore wurden verkürzt, die Wohnbereiche grosszügiger gestaltet.
Die Siedlung umfasst 32 Wohnungen in drei Grössen:
- 8 x 2,5-Zimmer (67 m²)
- 16 x 3-Zimmer (74 m²)
- 8 x 3,5-Zimmer (82 m²)
Ergänzt wird das Angebot durch 2 Bastelräume und 19 Autoabstellplätze im Freien. Raumhohe Fenster mit Schiebetüren lassen viel Tageslicht in die Wohnungen und schaffen Offenheit. Die schmalen, vorgehängten Balkone bieten Platz für Pflanzen oder eine (Rauch-)Pause im Freien.
Die Lage an der stark befahrenen Ueberlandstrasse wirkt zunächst wenig einladend – doch der Eindruck täuscht. Durch die geschickte Anordnung der Gebäude entstehen geschützte, ruhige Aussenbereiche. Gestaltet wurden sie ursprünglich vom Gartenarchitekten Willi Neukom (1917–1983), einem prägenden Vertreter der Schweizer Nachkriegsmoderne.
Die Nähe zur Glatt mit Wander- und Velowegen bringt überraschend viel Grün in die direkte Nachbarschaft. Wege führen über Sumpfwiesen, entlang alter Industriegleise und durch kleine Rückzugsorte – ein Kontrast, der den Charakter der Siedlung prägt.
Fussgänger- und Velobrücken sowie direkte ÖV-Anbindungen sorgen für eine unkomplizierte Erreichbarkeit. Besonders praktisch: Binnen zehn Gehminuten erreicht man das Einkaufszentrum Glatt, den Bahnhof Wallisellen oder eine Haltestelle der Glattalbahn. Auch Tram- und Bushaltestellen liegen in Gehdistanz. Dank Glattalbahn, regionalem Wegnetz und Autobahnanschluss ist die Siedlung attraktiv für Berufstätige mit täglichem Arbeitsweg.
Im Rahmen der Sanierung 2002 wurden Dämmung, Lüftung und Wärmetechnik energetisch optimiert und auf Minergie-Standard gebracht. Die Fernwärmeversorgung bietet eine lokal verankerte, umweltfreundliche Energiequelle. Die geringe Anzahl an Autoparkplätzen unterstützt eine ÖV-orientierte Mobilität der Bewohnerschaft.
- Baujahr 1967–1968
- Architektur Bernet + Naef
- Instandsetzungen Flachdach (1976); Anschluss Fernwärme (1991); Totalsanierung, Projekt: ARGE Adrian Streich, Toni Gütensperger (2002)
- Raumprogramm 32 Wohnungen, 2 Bastelräume, 19 Autoabstellplätze im Freien
- Mietzinse Kostenmiete (freitragend)
- Adresse Überlandstrasse 385 und 387, 8051 Zürich