Der markante Moränenrücken «Probstei» in Zürich-Schwamendingen ist geprägt von Kleingärten und Landwirtschaft. Er ist Teil des Freiraumbandes zwischen Zürichbergwald und Schwamendingen/Seebach. Die breite Bevölkerung kann den Ort bisher nur eingeschränkt für die Erholung nutzen. Durchgängige Wege und eine Aufenthaltsinfrastruktur für Erholungssuchende fehlen.
Schwamendingen erfährt eine starke bauliche Verdichtung und braucht zusätzliche Orte für die Erholungsnutzung. Es soll ein attraktiver Ort der Erholung und Begegnung für die Quartierbevölkerung entstehen. Ziel ist, dass der Siedlungsrand den Charakter eines landschaftlich geprägten Parks erhält – mit Kleingärten, Landwirtschaft und öffentlich nutzbaren Bereichen.
Im Rahmen eines Studienauftrags wurden drei Planer*innenbüros zum Wettbewerb eingeladen. Ganz Landschaftsarchitekt*innen konnten mit dem Nutzungs- und Gestaltungskonzept «Genuss» die Jury überzeugen.
Im Fokus des Nutzungs- und Gestaltungskonzepts stehen:
- Gartennutzung und Park: Miteinander statt nebeneinander, als «Landschaftlicher Park mit integrierter Kleingartennutzung»
- Verbesserte öffentliche Nutzbarkeit dank neuer Wegverbindungen und punktueller Infrastruktur
- Synergien zwischen Erholung und Landwirtschaft
- Stärkung des landschaftlichen Charakters und der Naturwerte
Die Umsetzungsplanung des Konzepts läuft derzeit und wird in mehreren Projekten umgesetzt.
Im Herbst 2025 wurde mit dem Naschgarten der erste Teil des neuen Landschaftsparks auf dem Probsteihügel umgesetzt. Der Garten ist öffentlich zugänglich und lädt die Bevölkerung zum Pflücken, Plaudern und Pausieren ein. Der neue Garten mit geschwungenen Wege, Sitzplätze zum Verweilen und Infotafeln zu den Pflanzenarten kann sich somit in den kommenden Jahren zu einem festen Treffpunkt im Quartier entwickeln.
Im Herbst 2026 soll der bestehende Naschgarten gegen Westen erweitert werden, um das aktuelle Angebot weiter auszubauen und zu bereichern.
Der neue Gartenteil wird zusätzlichen Raum zum Entspannen, Entdecken und Erleben bieten. Geschwungene Wege führen die Besucherinnen und Besucher durch abwechslungsreiche Gartenbereiche mit schattigen Abschnitten, einem Wildbienenhotel sowie verschiedenen Gartenbeeten. In diesen Beeten ist der Anbau von Gemüse geplant, wodurch der Garten zusätzlich einen lehrreichen und nachhaltigen Charakter erhält. Die Erweiterung verfolgt das Ziel, einen vielfältigen, naturnahen Begegnungsort zu schaffen, der sowohl Erholung als auch Umweltbildung fördert und für Menschen aller Altersgruppen attraktiv ist.
Das Probstei-Atelier wird gemeinsam mit dem Quartier entwickelt. Bevor bauliche Massnahmen umgesetzt werden, wird der Ort zunächst durch verschiedene Nutzungen erprobt. Im sogenannten Placemaking‑Prozess entsteht das Betriebskonzept schrittweise zusammen mit der Bevölkerung. Ein zentraler Bestandteil sind Veranstaltungen und Beteiligungsformate, in denen Ideen gemeinsam entwickelt werden. Darauf folgen Testnutzungen, bei denen diese Ideen im Alltag erprobt und weiterentwickelt werden. So wird sichtbar, welche Nutzungen funktionieren und welche Bedürfnisse bestehen.
Der Prozess ist bewusst offen und iterativ angelegt. Ziel ist es, eine engagierte Community, passende Nutzungen und eine langfristige Trägerschaft für das Probstei-Atelier aufzubauen. Als Ergebnis entsteht ein tragfähiges Betriebs- und Raumkonzept als Grundlage für die weitere bauliche Entwicklung.
In der Kiesgrube soll ab 2030 wieder erkennbar sein, was sie war: ein Loch im Boden, ein Fenster in den Untergrund. Die Gärten werden rückgebaut, der Humus abgetragen. Die markante Topografie bleibt erhalten. Der Boden der Grube wird kiesig-sandig und damit Lebensraum für seltene Wildbienen und Reptilien. An den Grubenrändern wachsen dichtere Krautbereiche, Gebüschgruppen und einzelne Pionierbäume. Kleingewässer, Wurzelstöcke, Sandlinsen und Asthaufen strukturieren die Kiesgrube. In der Kiesgrube hat die Natur den Vorrang. Aus nächster Nähe ist die Kiesgrube bei Pflegeeinsätzen oder Exkursionen zu erleben. Vom Grubenweg aus ist das Naturparadies jederzeit bestens einsehbar.
Der Probsteihügel ist heute schon ein vielfältiges Mosaik von Lebensräumen. Zahlreiche Pflanzen und Tiere, auch viele seltene und gefährdete, leben hier. Diese sollen von den geplanten Veränderungen am Probsteihügel mit-profitieren. Die Biodiversität soll bei jedem Projekt gestärkt werden. Dazu werden 2026 die vorhandenen ökologischen Werte und Defizite erfasst. Für jedes Projekt werden Massnahmen für die ökologische Vernetzung erarbeitet und durch geeignete Massnahmen kontinuierlich verbessert.
Das neue Wegnetz schliesst die heutigen Sackgassen zu einem attraktiven Fusswegnetz zusammen und verbindet das Quartier, die landwirtschaftlich geprägte Hügellandschaft und den Waldrand besser miteinander. Dabei wird der Fussverkehr gestärkt und neuer Transitverkehr vermieden. Entlang der Wege entstehen ruhige Orte zum Verweilen mit Bänken, Nischen und schönen Aus- und Durchsichten. So wird der Probstei-Hügel stärker als Erholungsraum für verschiedene Nutzergruppen erlebbar.
Der Gemeinschaftsacker auf dem Hügelrücken nahe der Aussichtswiese entsteht als Projekt des Vereins Weltacker Zürich. Auf 2000 m² zeigt er globale Landwirtschaft massstabsgetreu: von Reisanbau bis Kartoffelfeld, mit Fokus auf Kulturen, Ernährung und Ressourcen. Als begehbarer Lernort lädt er zum Erkunden, Gärtnern und Austausch ein. So verbindet er Bildung, Gemeinschaft und Erholung.
An das bestehende Familiengartenareal anschliessend entsteht eine Kleingärtenerweiterung mit kleinen Parzellen, die bevorzugt an Gemeinschaften und Vereine verpachtet werden. Der Fokus liegt auf einer vielfältigen Gartennutzung, sozialer Teilhabe, Naturerfahrungen und nachhaltigem Umgang. Die überschaubaren Parzellen ergänzen das Gartenensemble des Probsteihügels harmonisch. Wege und eine dezente Erholungsinfrastruktur sorgen für eine gute Durchlässigkeit, damit mehr Menschen teilhaben können, ohne den ursprünglichen Charme des Probsteihügels zu verlieren.