Strassen bilden Lebensadern der Stadt. Eine Vielzahl der täglichen Entscheidungsprozesse der städtischen Verwaltung beruht auf der Kenntnis über den genauen Zustand der Strassen, über die Details der Strassengestaltung wie etwa die Bordsteinhöhe, über die Strassenmöblierung wie zum Beispiel die Signalisationen, aber auch auf der Kenntnis über die anliegenden Bebauungen und Pflanzungen. Mit den im Jahr 2020 erstmalig erfassten Daten können Mitarbeiter*innen der Stadtverwaltung erste Eindrücke von beliebigen Orten des Strassenraums gewinnen, ohne dabei an den Ort des Geschehens reisen zu müssen. Vor der Verwendung durch die städtischen Fachstellen werden die Bilder in einem automatischen Prozess anonymisiert.
Befahren werden alle öffentlichen Strassen (ohne Autobahnen), das gesamte Tramnetz der Stadt Zürich sowie ausgewählte Velowege und Plätze. Während der Fahrt werden kontinuierlich Fotos in hochauflösender Qualität geschossen. Die Panoramakamera befindet sich dabei zwei Meter oberhalb der Bordstein-Oberkante. So entstehen keine Perspektiven, die nicht auch von einer Fussgänger*in oder anderen Verkehrsteilnehmer*innen gesehen werden könnten. Das Fahrzeug verfügt weiter über einen Laserscanner, der während der Fahrt die Umgebung abtastet. Der Laser ist für das menschliche Auge ungefährlich. Durch die Kombination mit weiteren Sensoren können im Nachhinein die Koordinaten jedes einzelnen Bildpixel berechnet und weiterverwendet werden.
Städtische Mitarbeitende haben die Möglichkeit virtuell an einen beliebigen Ort im öffentlichen Raum zu gelangen und sich schnell einen Eindruck der Lage zu verschaffen. Ausserdem lassen sich am Computer Längen, Breiten und Höhen von Objekten und die genaue geografische Lage ausmessen. Es braucht weniger Begehungen und Messkampagnen vor Ort.
Das Projekt erleichtert beispielsweise die Erhebung und Überprüfung von Sitzbänken, Bäumen, Parkplätzen, Bodenmarkierung, Spurenführung und Signalisation. Temporäre Umleitungen und Ausweichrouten können vor der Testfahrt bereits am Computer befahren werden. Die Daten bieten eine erste Planungs- und Visualisierungsgrundlage mit der Vermessung von Strassenquerschnitten, Fahrbahnbreiten und Lichtraumprofilen. Sie sind eine Grundlage für digitale Modelle von Infrastrukturbauten (Building Information Modelling – BIM). Vorabklärungen bei Fensterersatz, Fassadendämmungen, Farbkonzepten und Beschattung können virtuell stattfinden. Die Aufnahmen helfen beim Entscheid über Anträge zur Nutzung des öffentlichen Grunds und für die Stadtpolizei sind sie ein zusätzliches Instrument für die Einsatzplanung.