18. September – 7. Oktober 2026
Münsterhof, Zürich
SUPERFLEX bringt mit ihrer Installation einen Kommentar zur ökologischen Krise auf den Münsterhof. Der Titel «Cry Me A River» verweist nicht nur auf einen bekannten Popsong, sondern wird im Englischen auch oft als spöttische Antwort auf jemandes Klagen verwendet. Das Kollektiv kehrt das um: Was sonst als sarkastische Abfuhr gilt, wird hier zum Appell der Erde an uns selbst. Es ist Zeit, den Worten zum Klimawandel endlich Taten folgen zu lassen. An ausgewählten Tagen zur blauen Stunde singen zudem lokale Chöre eine eigens bearbeitete Fassung des gleichnamigen Songs.
Die Installation greift die visuelle Sprache kommerzieller Leuchtreklamen auf, wie man sie oft auf Dächern oder Fassaden von Geschäftshäusern findet. Im Zentrum der Installation steht ein ozeanblau leuchtender Schriftzug auf dem Münsterhof, unweit der Limmat. Umgeben ist er von zahlreichen orangefarbenen Sandsäcken. Weitere Säcke, wie man sie aus Katastrophen- und Hochwassergebieten kennt, verteilen sich über den ganzen Platz: An manchen Stellen sehen sie aus, als wären sie in Eile gegen eine drohende Flut aufgetürmt worden, andernorts dienen sie als Sitzgelegenheit oder sind zu kleinen Hügeln gestapelt. So verändern die Sandsäcke das gewohnte Bild des Platzes und wecken das Gefühl einer drohenden Gefahr.
Musikalische Interventionen erweitern die visuelle Installation um eine gemeinschaftliche, klangliche Dimension: Am 21. und 28. September jeweils um 19 Uhr zur blauen Stunde singt der lokale Chor Cantata Nova den einen eigens für diese Installation komponierte Song. Die Komposition dauert bewusst rund 20 Minuten und evoziert eine traurige Schönheit. Die Stimmen bewegen sich zwischen Pop und Kirchenmusik, zwischen Wiedererkennbarkeit und Auflösung einer Melodie.
Für einen Moment wird der Stadtraum zur Bühne: Der Chorgesang durchbricht den Alltag des Platzes und schafft eine kollektive Intensität. Die emotionale Aufladung des Songs verstärkt die Wirkung der Installation und macht ihre Botschaft umso dringlicher.
Mit feiner Ironie und zugleich grosser Ernsthaftigkeit lässt SUPERFLEX die Erde auf die andauernde Umweltdebatte antworten. Die Worte «Cry Me A River» werden so zum unmissverständlichen Weckruf. Die Arbeit lädt dazu ein, unsere Haltung gegenüber den Folgen des Klimawandels und die eigene Verantwortung innerhalb eines fragilen Ökosystems neu zu bedenken. So entsteht ein Werk, das zwischen Popkultur, öffentlichem Raum und gesellschaftlichem Engagement vermittelt.
SUPERFLEX ist eine international geschätzte, dänische Künstlergruppe, die 1993 von Rasmus Nielsen, Jakob Fenger und Bjørnstjerne Christiansen gegründet wurde. Die Gruppe entwickelt interdisziplinäre Projekte zu gesellschaftlichen, ökologischen und ökonomischen Fragestellungen – oft in Zusammenarbeit mit Institutionen, Gemeinschaften sowie Expert*innen aus verschiedenen Disziplinen. Ihre Arbeiten sind zugleich Kunstwerke, gesellschaftspolitische Statements und reale wirtschaftliche Initiativen.
2010 realisierte SUPERFLEX an der Badenerstrasse 210 (Hardau) das Kunstprojekt «2000 Watt Gesellschaft», bei dem sich Bewohner*innen des Gebäudes verpflichteten, ihren Energieverbrauch auf maximal 2000 Watt pro Person zu reduzieren.
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Donnerstag, 17. September 2026, 18-21 Uhr
Münsterhof, 8001 Zürich
Mit Apéro
Chorauftritte am 21. und 28. September, jeweils um 19 Uhr
Kunst im öffentlichen Raum dankt der Galerie von Bartha und dem Chor Cantata Nova für die wertvolle Zusammenarbeit.
Vom 4. bis 29. Oktober 2025 präsentierte die Künstlerin Lauren Lee McCarthy auf dem Münsterhof Zürich eine Installation mit einem automatisierten Postauto. Sie zeigte auf, wie Künstliche Intelligenz, Automatisierung und Überwachung unseren Alltag prägen.
Das Publikum war eingeladen, dem Gefühl des Autopiloten in einem fahrerlosen Wagen nachzuspüren. Der Münsterhof wurde mit Schildern, Absperrungen und Gerüsten als Testparcours eingerichtet, der zeigte, wie physische Strukturen des öffentlichen Raums mit digitalen Steuerungslogiken verknüpft sind. Das Publikum wurde Teil der Performance und konnte das automatisierte Postauto in kleinen Gruppen besteigen. Dabei war jede Fahrt einzigartig: Im Zusammenspiel von Automatisierung und Kontrolle verschwammen die Grenzen zwischen Menschen und Maschine. Die Mitfahrenden schlüpften in die Rolle der KI, folgten vorgegebenen Prompts und behielten dennoch ihre eigene Handlungsfreiheit.
Von 2017 bis 2019 war der Münsterhof Schauplatz für Kunst im öffentlichen Raum – seit 2025 finden hier wieder Kunstprojekte statt. Jedes Jahr wird ein*e Künstler*in eingeladen, eine Arbeit für den Platz zu realisieren – und sich dabei auf eigene Art mit dem Ort auseinanderzusetzen: inhaltlich, räumlich oder atmosphärisch. So entsteht über die Jahre eine Reihe von Kunstprojekten, die den Münsterhof immer wieder neu zeigen und dabei auch spürbar machen, wie sich Zürich verändert.