Zwischen Himmel und Erde liegt das Licht.
Nell Gattikers dreiteiliges Bleiverglasungsfenster «Himmel und Erde» entstand 1964 und ist heute Teil der Fachschule Viventa in Wipkingen. Eingebunden in die Architektur, tritt das Werk in einen unmittelbaren Dialog mit dem Alltag des Hauses – mit dem Kommen und Gehen, dem Lernen und Lehren, den Begegnungen und den stillen Momenten dazwischen. Im wechselnden Licht des Tages verändert sich seine Erscheinung immer wieder und lässt den Raum in neuen Farbnuancen aufleuchten.
Gattiker macht das Licht selbst zum Bildträger: Es fällt durch das farbige Glas, wandert über die Flächen und verändert ihre Wirkung mit der Tageszeit. So bleibt «Himmel und Erde» niemals ganz dasselbe. Am Morgen, im hellen Mittagslicht oder gegen Abend erscheint die Komposition immer wieder in einem anderen Ton. Die Bleiruten geben den Farben eine klare Ordnung; die Linien und Flächen fügen sich zu einem Gefüge, das zugleich fest und offen wirkt. Der Titel «Himmel und Erde» lässt dabei an die Verbindung zweier Sphären denken: an das Oben und Unten, das Irdische und das Unfassbare, an Verwurzelung und Weite.
Gerade an einem Ort der Bildung erhält diese Verbindung eine besondere Resonanz. Lernen bedeutet, sich die Welt zu erschliessen, den eigenen Horizont zu erweitern und zwischen Bekanntem und Neuem immer wieder Übergänge zu finden. Gattikers Fenster begleitet diesen Prozess nicht mit einer konkreten Botschaft, sondern mit Farbe, Licht und Offenheit.
Das Fenster verbindet Innen und Aussen. Es lässt den Tag in den Raum eintreten und macht aus dem wechselnden Licht ein immer neues Bild. So ist «Himmel und Erde» nicht nur ein Werk an einem Ort, sondern ein Werk für diesen Ort: still, präsent, wandelbar und offen für alle, die ihm begegnen.
- Kunst Nell Gattiker (1906–1997)
«Himmel und Erde», 1964
Bleiverglasungsfenster; 3-teilig
Foto: Pietro Mattioli, Zürich - Eigentümervertretung Immobilien Stadt Zürich
- Zugang barrierefrei
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