Publikationen & Broschüren

Juli 2009

Persönlich-Kolumne: «Züriwasser ab em Hahne» – mein Favorit

Publikation im Tagblatt der Stadt Zürich

Vorsteher Industrielle Betriebe, Andres Türler
Vorsteher Industrielle Betriebe, Andres Türler

Die Nachricht, dass im australischen Bundanoon der Verkauf von Wasser in Flaschen aus ökologischen Gründen verboten wurde, hat Wellen geschlagen und Kopfschütteln ausgelöst. Ist das nur ein sinnloses Verbot mehr, eine unnötige Bevormundung oder was steckt dahinter? Bei uns wird die Konsumfreiheit und damit die Eigenverantwortung mit gutem Recht gross geschrieben. Dennoch ist die Massnahme einige Überlegungen wert. Immerhin sind auch in den USA, in Kanada, England und Frankreich ähnliche Bestrebungen im Gang.

Für Produktion, Transport und Entsorgung einer Liter-
flasche Mineralwasser aus dem EU-Raum sind ca. 3 dl Erdöl erforderlich. Wenn alle Stadtzürcherinnen und –zürcher täglich 1 Liter Mineralwasser tränken – und zwar ausschliesslich EU-Mineralwasser aus Flaschen – würden pro Jahr etwa 400 000 Hektoliter Erdöl benötigt. Dies entspricht dem Energiebedarf für Heizung und Warmwasser von knapp 30 000 Wohnungen oder rund einem Sechstel des Wärmeenergie-
bedarfs in einem typischen Zürcher Zweipersonenhaushalt. Würde die Stadtzürcher Bevölkerung nur einheimisches Mineralwasser aus Flaschen konsumieren, reduziert sich der Energieaufwand um die Hälfte. 1000-mal kleiner ist der Aufwand hingegen für die Produktion von Trinkwasser aus dem Hahn. Denn für 1 Liter Züriwasser werden nur gerade 0,003 dl Erdöl benötigt! Geliefert wird er franko domizil, in bester Qualität und zum unschlagbaren Preis von weniger als einem halben Rappen!

Für mich persönlich Gründe genug, um mich vom mühsamen Schleppen schwerer Flaschen zu entlasten und damit erst noch einen bequemen Beitrag zur 2000-Watt-Gesellschaft zu leisten. Und das ohne Einbusse von Lebensqualität – denn erstens liege ich mit dem Konsum von stillem Wasser voll im Trend, und zweitens braucht unser hochwertiges «Züriwasser ab em Hahne» den Vergleich mit Mineralwasser in keiner Weise zu scheuen.

Andres Türler,
Vorsteher Industrielle Betriebe