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Interview mit dem Leiter ZüriWC: «Man gewöhnt sich an die Bilder und auch an den Geruch»

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Ihm und seinem Team haben wir es zu verdanken, dass wir fast überall in Zürich ein sauberes stilles Örtchen finden: Urs Brunner leitet seit 14 Jahren den Fachbereich ZüriWC beim Umwelt- und Gesundheitsschutz Zürich (UGZ). Ende Januar 2022 geht er in Pension – und gibt zum Abschied Einblicke in eine Arbeit, die ebenso wichtig wie herausfordernd ist.

14. Januar 2022

14 Jahre lang hat Urs Brunner den Fachbereich ZüriWC beim UGZ geleitet.
14 Jahre lang hat Urs Brunner den Fachbereich ZüriWC beim UGZ geleitet.

Wie sah Ihr Alltag als ZüriWC-Leiter aus? 

Die Mitarbeitenden sind verstreut über die 107 WC-Anlagen. Da braucht es Vertrauen und zeitliches Engagement, damit man gut zusammenarbeiten kann. Mir war es immer wichtig, die Leute zu kennen und die Vernetzung voranzutreiben. Nicht nur innerhalb des UGZ, sondern auch mit den anderen Dienstabteilungen, die in die Planung und den Bau von neuen Anlagen involviert sind. Spannend war es für mich, zu sehen, wie die Stadt mit ihrer 24-Stunden-Gesellschaft tickt. Es läuft sehr viel in Zürich. In dem Job wird man aber auch immer wieder mit Vandalismus, Aggressionen, verstopften WCs, herumliegenden Spritzen oder blutbespritzten WC-Wänden und Menschen am Rand der Gesellschaft konfrontiert.

Ist es nicht frustrierend, wenn die WC-Anlagen immer wieder mutwillig beschädigt oder verschmutzt werden? 

Das gehört zum Job. Man gewöhnt sich an die Bilder und auch an den Geruch. Wir bieten eine Leistung für alle Menschen in Zürich an. Es hilft, wenn man an die 98 Prozent denkt, die dieses Angebot nutzen und dafür sehr dankbar sind.

Gab es besonders schwierige Situationen bei ZüriWC?

Kurz nach meinem Start hatten wir in der WC-Anlage am Limmatplatz einen Mann, der auf dem Behinderten-WC in einem Einkaufswagen geschlafen hat. Er war stark verschmutzt und vollkommen verwahrlost. Dieses Bild war prägend und lässt mich bis heute nicht los. Damals war ich so einen Anblick noch nicht gewohnt. 

Wie haben Sie solche Erlebnisse verarbeitet?

Man arbeitet mit Polizei und SIP zusammen und aktiviert alle Schnittstellen, damit es für den Menschen weitergeht. Mehr kann man nicht tun. Es ist anfangs schwer, das zu akzeptieren, aber das muss man. Und mit der Zeit stumpft man ehrlich gesagt auch ab. Ich habe gelernt, mich auf das zu konzentrieren, was ich beeinflussen kann. 

Aber es gab sicher auch schöne Momente bei ZüriWC?

Ja, viele. Besonders an den grossen Anlässen wie der Street Parade hatten wir immer wieder sehr schöne und lustige Kontakte mit unseren Kundinnen und Kunden. Und die Eröffnung einer neuen WC-Anlage war jedes Mal ein besonderer Höhepunkt für mich. Es gibt viele Klippen zu überwinden, bis so eine Anlage in Betrieb gehen kann. Wenn man am Ende ein gutes Resultat hat, ist das ein tolles Gefühl. 

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