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Betroffene

Abhängigkeit ist eine komplexe, aber behandelbare Erkrankung. Sie beeinflusst die Gehirnfunktionen und wirkt sich massgeblich auf das Verhalten aus.

Bild Betroffene und Angehörige

Wie wir Ihnen helfen können

Jeder und jede Betroffene unterscheidet sich hinsichtlich der persönlichen Situation, der eigenen Geschichte und dem sozialen und beruflichen Umfeld.

Folglich kann eine Behandlung nur dann effektiv sein, wenn sie sich den individuellen Voraussetzungen anpasst.

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Suchtfachklinik Zürich
Intake
Emil-Klöti-Strasse 18
8037 Zürich

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Sind Sie in eine Abhängigkeit geraten?

Wir sind für Sie da, unterstützen Sie mit einer persönlichen Beratung und den passenden Angeboten.
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Stephan, 45 Jahre alt

Interview mit einem Patienten der stationären Therapie in der Suchtfachklinik Zürich

0:02 Sie hören einen Audiobeitrag der Suchtfachklinik Zürich.
0:06 Die folgenden Aussagen stammen von einem Patienten der Suchtfachklinik Zürich.
0:11 Aus Diskretionsgründen wurde der Name geändert und die Antworten von einem Schauspieler neu
0:17 eingesprochen.
0:18 Stephan, wie bist du in die Abhängigkeit geraten?
0:22 Ich wurde im Alter von sechs Jahren fremdplatziert in einem Heim.
0:27 Meine Vorbilder kifften, nahmen Drogen.
0:31 Mit zwölf oder dreizehn Jahren habe ich selbst mit dem Kiffen angefangen, dann kam LSD, dann
0:36 Kokain, und mit 17 Jahren schliesslich Heroin.
0:41 Es war sicher auch die Kriminalität, das Illegale, das mich angezogen hat.
0:45 Das Heroin hat mir auch viel Geborgenheit und Wärme gegeben.
0:50 Was hat dich dazu bewogen, eine Therapie zu machen?
0:53 Ist es die erste Therapie?
0:55 Es ist jedenfalls die erste Therapie, die ich ernst nehme.
0:58 Ich sehe das jetzt als Entscheidung für mein Leben an.
1:02 Drogen kenne ich nun.
1:03 Jetzt will ich neue Sachen.
1:05 Ich war schon ein paar Mal hier im Entzug, habe aber nach wenigen Tagen stets wieder
1:10 abgebrochen.
1:11 Wie lange dauerte der Entzug?
1:16 Als ich hier eingetreten bin, war ich ziemlich hoch substituiert, mit Diaphin.
1:23 Es hat seine Zeit gebraucht, um abzubauen.
1:26 Insgesamt war ich etwa drei Monate lang im Entzug.
1:27 Wie sieht dein Therapiealltag aus?
1:29 Ich orientiere mich immer mehr nach aussen, die Therapie ist eher arbeitsintensiv.
1:36 Bei den Gruppensitzungen bin ich nicht mehr dabei.
1:38 Einzelsitzungen mit dem Therapeuten habe ich aber noch.
1:42 Es geht langsam voran.
1:44 Und ich schaue, wie’s geht, gerade auch, wenn ich draussen Leute sehe, Leute von früher.
1:52 Ich denke, man muss lernen, mit der Freiheit umzugehen.
1:58 Hast du ein Gefühl dafür bekommen, was dir am meisten hilft?
2:01 Über die Dinge reden zu können.
2:05 Und mich selbst dadurch besser kennenzulernen.
2:09 Zu verstehen, wie ich ticke.
2:12 Gibt es etwas, das du hier besonders schwer findest?
2:14 Oft ist es das Aushalten.
2:17 Das Aushalten der Launen der anderen Leute.
2:20 Oder das Aushalten, wenn es mal nicht so läuft, wie man es gern hätte.
2:24 Ausserdem braucht es viel Selbstdisziplin.
2:28 Warum ist es die erste Therapie, die du ernst nimmst?
2:31 Das liegt sicher auch an der Massnahme gemäss Artikel 60.
2:36 Ich habe drei Gründe, wofür ich die Therapie mache: für mich selbst, damit ich ein guter
2:42 Partner für meine Freundin sein kann, und eben wegen der Massnahme.
2:48 Es hat viele Momente gegeben, in denen ich nur wegen der Massnahme hier war.
2:52 Oder wegen der Freundin.
2:53 Und jetzt bist du der erste Grund.
2:57 Das ist eigentlich das Wichtigste, oder?
2:59 Das sollte so sein, ja.
3:01 Welche Ziele hast du dir gesetzt?
3:03 Ich will herausfinden, was ich beruflich machen will.
3:07 Ich habe als Sanitärinstallateur und in einer Fabrik gearbeitet, aber eine abgeschlossene
3:13 Lehre habe ich nicht.
3:15 Ich habe nie darüber nachgedacht, was ich gerne machen will.
3:18 Früher hat man mir immer gesagt, was ich machen soll.
3:22 Darüber nachzudenken ist neu.
3:24 Und dann geht’s ja auch darum, was möglich ist.
3:28 Viele Sachen habe ich mir wohl verbaut, mit Vorstrafen und Löchern im Lebenslauf.
3:33 Was würde dir denn beruflich zusagen?
3:37 Hier bin ich im Garten.
3:39 Das mache ich gern, es tut mir gut.
3:41 Das Grüne, das Ruhige, die Natur.
3:46 Was muss jemand mitbringen, damit Entzug und Therapie erfolgreich verlaufen?
3:51 Es braucht viel Ausdauer.
3:53 Und Mut, sich darauf einzulassen.
3:55 Was macht man, wenn man die Ausdauer und Disziplin verliert?
4:00 Wie kannst du dich wieder motivieren, wenn’s mal nicht so läuft, wie du möchtest?
4:04 Man muss sich an den übergeordneten Zielen orientieren, nicht an den kleinen Dingen.
4:11 Es läuft häufig nicht so, wie man’s gerne will, auch in der Therapie.
4:13 Mit dem muss man umgehen lernen.
4:17 Vielen Dank, Stephan, für deine Antworten – und weiterhin viel Erfolg!

Thea, 51 Jahre alt

Interview mit einer Patientin im Entzug der Suchtfachklinik Zürich

0:02 Sie hören einen Audiobeitrag der Suchtfachklinik Zürich.
0:06 Die folgenden Aussagen stammen von einer Patientin der Suchtfachklinik Zürich.
0:11 Aus Diskretionsgründen wurde der Name geändert und die Antworten von einer Schauspielerin
0:16 neu eingesprochen.
0:18 Thea, kannst du dich erinnern, wie du in die Abhängigkeit geraten bist?
0:23 Zum ersten Mal habe ich mit 17 konsumiert, weil ich eine Ballettprüfung nicht bestanden
0:30 habe.
0:31 Ich war damals bei Kollegen zu Hause, die irgendwelche Sachen genommen haben.
0:34 Ich wusste etwa drei Monate lang nicht, was das für Sachen waren.
0:39 Als ich erfuhr, dass ich heroinabhängig war, kam der grosse Schock.
0:44 Danach habe ich 14 Jahre lang nichts genommen. 1999 wurde ich dann schwanger.
0:52 Da waren die Umstände so, dass das einzige, was ich wollte, einen Schub daheim zu haben
0:57 nach dem Abtreiben.
0:59 Dann habe ich wieder begonnen, Heroin zu konsumieren.
1:03 Man sagt ja: Nach zwei Tagen bist du noch nicht süchtig, nach drei Tagen schon.
1:09 Ich ging vollkommen bewusst in die drei Tage.
1:13 Bewusst in die Sucht.
1:15 Damals war mir absolut egal, was mit mir passiert.
1:18 Hast du seit 1999 regelmässig konsumiert?
1:22 Ja.
1:23 Ich habe in der Zwischenzeit acht Entzüge hinter mir.
1:28 Nun habe ich aber das Gefühl, dass etwas geschehen muss.
1:31 Ich habe jetzt ja auch einen besonderen Ansporn.
1:34 Auf der linken Seite habe ich kein Hüftgelenk mehr, das mussten sie mir abfeilen, weil es
1:39 ans Becken rieb.
1:40 Und weil ich Konsumentin bin, haben sie mir kein neues Hüftgelenk eingesetzt.
1:45 Ich darf ein Jahr lang nicht konsumieren, erst dann bekomme ich ein neues Hüftgelenk.
1:51 Das ist natürlich ein Ansporn, denn ich will ein neues Hüftgelenk.
1:55 Was bedeutet denn ein Jahr ohne Konsum konkret?
1:59 Und warum darfst du nicht konsumieren?
2:01 Kein Kokain.
2:03 Substituiert darf man sein, aber Beikonsum geht nicht, wegen der Infektionsgefahr und
2:09 wegen dem Heilungsprozess.
2:11 Das ist aber von Person zu Person verschieden.
2:14 Bei mir ist es jetzt ein Jahr.
2:17 Andere werden früher operiert.
2:19 Ich verstehe es auch nicht ganz.
2:21 Aber vielleicht ist es gut so.
2:25 Warum bist du hierher in die Suchtbehandlung gekommen?
2:28 Ich war schon einige Male hier.
2:31 Es ist der einzige Ort, an den ich gehen würde.
2:35 Ich habe andere Plätze angeschaut, aber dort hat es nicht wirklich gefruchtet.
2:40 Hier war es immer gut, ich habe dann immer eine Zeit lang nicht konsumiert nach dem Entzug.
2:46 Dieses Mal gehe ich aber nachher in eine Tagesklinik.
2:49 Ich werde nicht einfach rausgehen und mich dem Geschehen wieder aussetzen.
2:54 Ich will wirklich, dass es funktioniert.
2:57 Ich kann es mir nicht leisten, wieder zu konsumieren.
3:01 Welche Form von Entzug machst du?
3:04 Ich möchte einen Totalentzug machen.
3:08 Zunächst baue ich sicher mal auf die Hälfte ab, und dann schaue ich, wie’s geht.
3:13 Ich will nicht sofort auf Null reduzieren, und dann funktioniert es draussen nicht.
3:19 Dann lieber zu Beginn noch substituiert.
3:22 Wie fühlst du dich hier?
3:24 Ich fühle mich hier wie zu Hause.
3:27 Und ich werde sehr gut betreut.
3:29 Was würdest du anderen Leuten raten, die in der gleichen Situation sind wie du es warst?
3:34 Unbedingt entziehen, weg von diesem Leben.
3:38 Es macht einfach keinen Sinn zu konsumieren, ausser dass du dir deine Gefühle und Probleme
3:42 wegflashst.
3:43 Aber danach hast du nur noch mehr Probleme, zusätzlich zu denen, die du mit den Drogen
3:49 hast zudecken wollen.
3:51 Zuerst hast du einen Freund – das Heroin.
3:54 Doch sobald dieser Freund dann in deinem Körper ist, hast du einfach noch ein Problem mehr
4:00 – ein grosses.
4:02 Was sind deine Ziele und Perspektiven?
4:05 Ich will ohne Konsum sein, arbeite am Abbau.
4:10 Sobald ich mal über den Berg bin, ist es dann hoffentlich ein normales Leben.
4:17 Wie sieht’s beruflich aus?
4:18 Du warst ja früher Tanzlehrerin, oder?
4:21 Ja, aber Tanzen geht nicht mehr.
4:24 Ich habe meinen Körper zugrunde gerichtet.
4:27 Ich weiss nicht, was nach dem Entzug möglich ist.
4:30 Wenn ich arbeiten kann, dann gehe ich natürlich arbeiten.
4:33 Dann aber eher ins Servicefach.
4:35 Ich glaube nicht, dass ich nochmals in die Tanzwelt eintauche – es tut zu sehr weh,
4:41 wenn ich nicht mehr selber tanzen kann.
4:43 Warum ist es deiner Meinung nach wichtig, dass es Entzugskliniken gibt, in die man immer
4:48 wieder gehen kann, auch für kurze Zeit, ohne danach den Anspruch zu haben, abstinent zu
4:54 leben?
4:55 Jeder Tag, den man ohne Drogen lebt, ist ein guter Tag, ein geretteter Tag deines Lebens.
5:02 Entzug lohnt sich immer.
5:04 Und sei es nur, um Ferien vom ganzen Beschaffungsstress zu haben.
5:09 Hast du eine Botschaft für andere?
5:11 Macht so viel wie möglich ist.
5:15 Macht Entzug, macht Substitution.
5:18 Zurück ins normale Leben zu finden – das ist der Sinn der Sache.
5:23 $Vielen Dank, Thea, für deine Offenheit – und viel Erfolg!

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