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Umweltbericht: Methodik

DPSIR-Modell

Die Struktur des Berichts orientiert sich an dem europaweit harmonisierten DPSIR-Modell (Driver, Pressure, State, Impact, Response bzw. Treiber, Belastung, Zustand, Auswirkung, Reaktion). Dieses Modell erlaubt es, die kausalen Zusammenhänge zwischen Ursachen, Belastungen, Zustand und Auswirkungen aufzuzeigen und entsprechende Massnahmen zu adressieren. Die einzelnen Einschätzungen zu Zustand und Handlungsbedarf erfolgten durch städtische Fachpersonen.

PBA-Bewertungsmethode

Die Belastbarkeitsgrenzen des Planeten wurden mithilfe der PBA-Bewertungsmethode (Planetary Boundary Allowance) mit Ökobilanzen verknüpft. Belastbarkeitsgrenzen zeigen auf, welche Umweltschäden unser Planet aushalten kann, ohne gefährliche planetare Systemwechsel nach sich zu ziehen. Ökobilanzen bilden gesamthaft verschiedenste Umwelteingriffe ab, die mit konsumierten Produkten einhergehen, auch benötigte vor- und nachgelagerte Prozesse wie Herstellung und Entsorgung. In herkömmlichen Ökobilanz-Resultaten werden Umweltbelastungen der betrachteten Konsumprozesse für sich dargestellt oder zur besseren Verständlichkeit mit anderen Tätigkeiten verglichen. Diese Vergleiche ergeben nur eine relative Einordnung, zum Beispiel wie viele Kilometer Autofahrt mit  ein Kilogramm Flugspargel gleichgesetzt werden können. Die Planetary Boundaries erlauben dagegen eine absolute Einordung mit den vorhandenen natürlichen Pufferkapazitäten. Die planetar vorhandenen Pufferkapazitäten für Umweltbelastungen können als maximale Obergrenze der Umweltbelastungen verstanden werden, die eine Gesellschaft nicht überschreiten soll, will sie ökologisch nachhaltig sein. Dieser absolute Vergleich erlaubt eine fundierte Bewertung der ökologischen Nachhaltigkeit von Konsumprozessen beziehungsweise Lebensstilen.

Um die Belastbarkeitsgrenzen des Planeten mit Ökobilanzen zu verknüpfen, wurden zum einen die für den ganzen Planeten definierten Grenzen auf Pro-Kopf-Budgets (Allowances) runtergebrochen. Dies wurde auf der Basis einer Weltbevölkerung von 10 Milliarden Personen gemacht, um künftige Bevölkerungsentwicklungen zu berücksichtigen und nicht jährlich schrumpfende Pro-Kopf-Budgets nachführen zu müssen. Verwendete Messgrössen der Belastbarkeitsgrenzen mussten teilweise in kompatible andere Messgrössen übersetzt werden, wie sie in Ökobilanzen verwendet werden. Zu bemerken ist, dass sich diese Messgrössen oder eben Planetary Boundaries auf unterschiedliche Indikatoren des DPSIR-Modells beziehen. 

Letztlich geht es in der PBA-Bewertungsmethode darum, verschiedenste Eingriffe in die natürliche Umwelt auf der Basis einer Lebenszyklusrechnung in ihrer relativen Wirkung zu bewerten und sie mit den vorhandenen absoluten planetaren Pufferkapazitäten der Erde zu vergleichen. Dieser Vergleich kann auf der Stufe Belastung, Zustand oder Auswirkung stattfinden. Welche Stufe für welchen Umwelteffekt zur Anwendung kommt, haben die Originalautoren der Planetary Boundaries bei ihrer Festlegung implizit ausgewählt (Rockström et al. 2009, Steffen et al. 2015), was zumeist auf die verfügbare Datenlage zurückgeht.

Die Belastbarkeitsgrenzen des Planeten wurden vor allem in folgenden zwei Publikationen festgehalten:

Rockström J., Steffen W., Noone K., Persson Å., Chapin III F. S., Lambin E., Lenton T. M., Scheffer M.,Folke C., Schellnhuber H., Nykvist B., De Wit C. A., Hughes T., van der Leeuw S., Rodhe H., Sörlin S.,Snyder P. K., Costanza R., Svedin U., Falkenmark M., Karlberg L., Corell R. W., Fabry V. J., Hansen J.,Walker B., Liverman D., Richardson K., Crutzen P., Foley J. 2009. Planetary Boundaries: Exploring the Safeoperating Space for Humanity. Ecology and Society 14(2): 32.

Steffen W., Richardson K., Rockström J., Cornell S. E., Fetzer I., Bennett E. M., Biggs R., Carpenter S. R., deVries W., de Wit C. A., Folke C., Gerten D., Heinke J., Mace G. M., Persson L. M., Ramanathan V., Reyers B., Sörlin S. (2015) Planetary Boundaries: Guiding Human Development on a Changing Planet. Science Vol. 347, Issue 6223, p. 1259855. 

Die Herleitung der PBA-Bewertungsmethode ist in folgendem Bericht aufgeführt:

Combining Life Cycle Inventory Results with Planetary Boundaries: The Planetary Boundary Allowance Impact Assessment Method. Update PBA'06. Gabor Doka, Doka Life Cycle Assessments, Zurich, Switzerland. April 2016. 

Mengengerüst und Umweltbelastungen

Die in der Stadt Zürich konsumierten Produktemengen stammen weitgehend aus Statistiken des Bundes, wobei darauf geachtet wurde, dass die Verhältnisse der Zürcher Bevölkerung möglichst spezifisch abgebildet werden. Für die Jahresmobilität wurden die Ergebnisse des Mikrozensus 2015 für «Urbane Kernzonen» herangezogen. Die mit den konsumierten Produkten gesamthaft einhergehenden Umwelteingriffe basieren weitergehend auf Lebenszyklus-Daten der Ökoinventardatenbank Ecoinvent (v3.5/2018) sowie zusätzlichen Recherchen von Doka Ökobilanzen, Zürich.

Die Bewertung der Summe der Umwelteingriffe aus dem stadtzürcherischen Konsumprofil erfolgte mit einer aktualisierten Version der oben beschriebenen PBA-Bewertungsmethode. Für den Umweltbericht wurde die planetare Belastungsgrenze für den Artenverlust neu auf einen Wert von 0.0000117 temporär verdrängte Arten pro Person und Jahr festgelegt, was eine Korrektur der obigen PBA'06-Methode darstellt.

Zwei Arten der Zeitintegration

Die pizzaförmige Grafik im Umweltbericht stellt dar, wie weit die gegenwärtig beobachteten planetaren Belastungen die verfügbaren Belastbarkeitskapazitäten über- oder unterschiessen. Es ist der gegenwärtige Zustand für den ganzen Planeten. Je nach Umweltbereich stellen diese gegenwärtigen Belastungen eine Summe von vergangenen und gegenwärtigen Aktivitäten dar. So ist zum Beispiel die gegenwärtig festgestellte Konzentration an Klimagasen in der Atmosphäre das Resultat vergangener und gegenwärtiger Emissionen, da viele Klimagase nur sehr langsam wieder aus der Atmosphäre verschwinden. Für den Klimawandel stellt die Belastbarkeitsgrenze die Emissionsmenge an Klimagasen dar, die auch langfristig zu keiner übermässigen Akkumulation von Klimagasen führt, da diese emittierte Menge von der Natur wieder vernichtet werden kann. Da aber bereits während Jahrzehnten eine globale Akkumulation in der Atmosphäre stattgefunden hat, werden künftig verstärkte Entfrachtungen der Atmosphäre nötig sein, um dieses System wieder weg von einem nicht nachhaltigen Kipppunkt zu bringen.

Die Säulengrafik mit den Belastungen aus den Konsumaktivitäten eines durchschnittlichen Stadtzürchers oder einer Stadtzürcherin stellt das gegenwärtige Konsumniveau der Stadt Zürich dar. Die Konsumaktivitäten wurden wie oben dargelegt mit Ökobilanzdaten verrechnet. Diese Lebenszyklusdaten enthalten auch die anteilsmässigen Belastungen aus vorgängiger Herstellung, etwa von Geräten und der künftigen Entsorgung von Abfällen. Die dargestellten Belastungen sind daher ebenfalls zeitintegriert, wenn auch auf eine andere Art: sie enthalten die Belastungen aus vergangenen und künftigen Aktivitäten, die für den gegenwärtigen Konsum notwendig waren oder durch ihn ausgelöst werden.

Fussabdruck der Gesamtumweltbelastung

Der Fussabdruck der Gesamtumweltbelastung der Schweiz wird mit den Ökofaktoren 2013 der Methode der ökologi­schen Knappheit quantifiziert und in Umweltbelastungs­punkten (UBP) ausgedrückt. In dieser Methode wird pro Schadstoff beziehungsweise Umweltwirkung ein kriti­scher Fluss festgelegt, bei welchem die Schweizerischen Umweltziele als eingehalten gelten. So verwendet im Kapitel Ernährung.

Carbon Footprint

Treibhausgasintensität («Carbon Intensity») bezeichnet die Menge verursachter Treibhausgasemission (in CO2-Äquivalenten) pro Million US-Dollar Umsatz der Unternehmen [t CO2-Äq / Mio. USD].

Die Schwierigkeit bei der Erhebung des Carbon Footprints eines Unternehmens bzw. einer Organisation oder von Staaten, Regionen und Gemeinwesen besteht derzeit darin, dass es für die Bemessung keine verbindliche Normierung gibt. Einzelne Anbieter von Kennzahlen zum Carbon Footprint von Unternehmen haben eine Vorreiterrolle übernommen, wodurch sich deren Daten in den letzten Jahren als häufig genutzte Referenzwerte etabliert haben. Für den Carbon Footprint von Unternehmen können beispielsweise Institutional Services Shareholder Inc. (ISS), S&P Trucost Ltd (Trucost) und Morgan Stanley Capital International (MSCI) erwähnt werden. Bei Staaten spielen überdies International Energy Agency (iea), Food and Agriculture Organisation of the United Nations (FAO) sowie Global Footprint Network (GFN) eine gewichtige Rolle. Der Aspekt der Bemessung von Nachhaltigkeitskriterien ist in den letzten Jahren dermassen in den Vordergrund gerückt, dass sich regelmässig neue Anbieter für die Bewertung von Nachhaltigkeit am Markt positionieren und mehr oder weniger gut etablieren.

Die Vermögensverwalter haben vermehrt ein Interesse, Mandate als speziell nachhaltig am Markt anzubieten, weshalb sie fortlaufend ganze Fachteams aufbauen, um die Nachhaltigkeit von Investitionen zu beurteilen. Der Begriff der Nachhaltigkeit wird dabei von jedem Vermögensverwalter nach dessen eigenen Vorstellungen, Datenquellen und Messkriterien definiert. Durch eigene Ansätze in der Bewertung von Nachhaltigkeitskriterien wollen diese sich denn auch im Wettbewerb von anderen Konkurrenten abgrenzen. Für den Carbon Footprint bedeutet dies dementsprechend, dass die als nachhaltig offerierten Anlagelösungen oft aufgrund unterschiedlicher Referenzwerte bemessen werden.

Der Carbon Footprint wird grundsätzlich definiert als ein Mass für den Gesamtbetrag von Treibhausgasemissionen, die – direkt und indirekt – durch eine Aktivität verursacht werden. Das Treibhausgasprotokoll unterscheidet drei Stufen von Treibhausgasemissionen:

  • Scope 1: direkt erzeugte Treibhausgasemissionen
  • Scope 2: indirekte Treibhausgasemissionen durch eingekaufte Energie
  • Scope 3: weitere indirekte Treibhausgasemissionen durch Dritte (optional)

Als Ausgangspunkt für den Carbon Footprint werden meistens die beiden ersten Stufen (Scope 1 und 2 in CO₂-Äquivalenten) gewählt, bei denen die Datenverfügbarkeit gewährleistet werden kann. In einigen Segmenten greifen die Vermögensverwalter auch auf die Daten von Scope 1, 2 und 3 zur Bemessung des Carbon Footprints zurück.

Die nachstehende Liste gibt einen Überblick über die Einteilung der für die Bemessung der Carbon Footprints analysierten Aktivitäten eines Unternehmens.

  • Scope 1: Verbrennung von Treibstoffen, Dienstfahrzeuge, diffuse Emissionen
  • Scope 2: zugekaufte Elektrizität, Strom oder Dampf
  • Scope 3: zugekaufte Waren und Dienstleistungen, Geschäftsreisen, Pendeln der Mitarbeitenden, Abfallentsorgung, Verwendung und Nutzung verkaufter Produkte, Transport und Verteilung (vor- und nachgelagerte Prozesse), Investitionen, geleaste Vermögenswerte und Konzessionen

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