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Kunsthauserweiterung 2015/16

Die archäologischen Grabungen auf dem Areal für den Erweiterungsbau Kunsthaus Zürich waren in jeder Hinsicht aussergewöhnlich. Mit Funden von der Eiszeit bis zu den barocken Schanzen der Neuzeit hat sich ein grosses Stück Stadtgeschichte erschlossen. Der vermutete Friedhof der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde Zürichs hingegen kam nicht zum Vorschein.

Archäologie in grossem Massstab. (Fotos AfS)

  

Spuren der Pfahlbauer

Postglaziale Schichten.

Die Untersuchungen der Archäologie reichten in eine Tiefe von rund 10 Metern und bis an das Ende der Eiszeit zurück. Das Gelände wurde in dieser frühen Zeit stark durch Sedimente von Fliessgewässern und insbesondere des Wolfbaches geprägt. Überraschend war der Nachweis von Aktivitäten des prähistorischen Menschen. Die Schichtabfolgen lassen auf frühe Eingriffe in die Landschaft durch Rodungen und landwirtschaftliche Tätigkeiten schliessen. Auf der Geländeterrasse könnten jene Menschen ihre Felder bestellt haben, deren Wohnhäuser in den urgeschichtlichen Dörfern am Seeufer standen.

Wertvolle Funde im «Judengässli»

Das freigelegte «Judengässli».

Im Mittelalter lag das Areal der Grabungen noch ausserhalb der Stadtmauern. Aus dieser Epoche stammte das von der Stadt zum jüdischen Friedhof führende «Judengässli». Dieses konnte als gut konservierter Fussweg mit solide gebautem Strassenkörper sowie seitlichen Entwässerungsgräben und Staketenzäunen freigelegt werden

Rätselhaftes Fundensemble.

Im Bereich des «Judengässli» brachte die Grabung einige ihrer bedeutendsten und gleichzeitig rätselhaftesten Funde zu Tage: mehrere vergoldete Metallobjekte, die sich auf relativ kleiner Fläche fanden. Darunter befinden sich Buchschliessen, ein Zierknopf, Messerchen und ein Kettchen von grösserem Wert. Die Funde liefern ebenso spannende Antworten wie sie neue Fragen aufwerfen.

Jüdischer Friedhof im Mittelalter

(Repro BAZ, um 1640)
Lage des jüdischen Friedhofs.

Der mittelalterliche jüdische Friedhof in Zürich wird 1381 erstmals schriftlich erwähnt.  Aus historischen Beschreibungen und Plänen lässt sich ein relativ eng umrissenes Gebiet benennen, in dem sich der jüdische Friedhof befunden haben muss. Es liegt zwischen dem Wolfbach im Süden und dem «Judengässli» im Norden und ist auf nebenstehendem historischen Plan von 1640 grün eingefärbt.
 

(Plan AfS)
Baugrube (rot) und Friedhof (grün).

Die Baugrube der Kunsthauserweiterung liegt mitten in der potentiellen Friedhofsfläche. Der Friedhof kam aber bei den Grabungen nicht zum Vorschein. Auf den östlichen zwei Dritteln der untersuchten Fläche konnte er nicht mehr vorhanden sein, weil hier im 17. Jahrhundert der Graben der barocken Stadtbefestigung derart tief ins Gelände eingriff, dass allfällige Gräber damals beseitigt worden wären. Das restliche Drittel der Baugrube lag geschützt unter den Wällen der Befestigung. An dieser Stelle fanden sich keine Gräber.

Barocke Schanzenmauer

(Repro BAZ)
Schanze mit Hottingerpforte (1834).

Bereits im 17. Jahrhundert war auf dem Gelände der Kunsthaus-Erweiterung eine Grossbaustelle. Die Schanzenmauer mit Hottinger Porte und Schanzengraben wurden erbaut. Sie waren Teil der barocken Schanzenanlage Zürichs, die 1642 vom Stadtrat beschlossen worden war. Rund 200 Jahre später wurde bereits wieder mit deren Abbruch begonnen.  

Reste der Hottingerporte.

Den Archäologen und Archäologinnen war nicht bekannt, wieviel von der Mauer den Abbruch überstanden hatte und unter den meterhohen Geländeaufschüttungen überdauert hatte. Schliesslich konnte ein imposanter, rund 65 Meter langer und bis zu 6 Meter hoher Teil der Schanze freigelegt werden. Ebenfalls fanden sich der vorgelagerte Schanzengraben und stadteinwärts die Reste des ehemaligen Stadttores mit gewölbten Walldurchgängen sowie den Grundrissen von zwei Wachhäuschen.

Wolfbachkanal mit Überlaufbecken.

Der Wolfbach wurde im Schanzengraben gestaut und durch einen Kanal unterhalb der Porte zum Abfluss gebracht. Später führte man ihn in einem hölzernen Kanal in der Art eines Aquädukts unter dem Hottingersteg über den Graben. Diese Massnahme konnte nicht verhindern, dass der Wolfbach weiterhin eingeschwemmtes Erdmaterial ablagerte. Zum Zeitpunkt der Aufgabe hatte er den Schanzengraben 3 Meter hoch mit Bachsedimenten angefüllt.

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