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Münsterhof: Geschichte

Ein städtischer Platz

Luftaufnahme Spelterini 1909. (Foto BAZ)

Der Zürcher Münsterhof, einziger grösserer Platz der alten Stadt, stammt aus der Zeit um 1300. Entgegen bisheriger Deutung war dies kein Projekt der Stadtkommune in deren Kampf gegen die Machtansprüche der Äbtissin des Fraumünsters. Vielmehr spricht alles dafür, dass hier die Äbtissin – in ihrer Funktion als Stadtherrin und Reichsfürstin entsprechend der Tradition des alten Pfalzortes Zürich – dem Königtum und sich selber eine Bühne errichtete.

Publikation: Dölf Wild, Zürichs Münsterhof – ein städtischer Platz des 13. Jahrhunderts? Online-Publikation

Die Türen des Fraumünsters

Das Nordportal 1759. (Repro BAZ)

Im Jahr 2013 wurde beim Fraumünster neu das Nordportal als Haupteingang in Betrieb genommen. Seither treten die Besucherinnen und Besucher wieder vom Münsterhof her in die Kirche ein, so wie das in früheren Jahrhunderten der Fall war.

Der bisherige Eingang an der Ostseite war erst 1900 von Stadtbaumeister Gull realisiert worden. Gleichzeitig mit dem Bau des Stadthauses verschob er den Haupteingang des Fraumünsters an den neu angelegten Stadthausquai.

Der Münsterhof wurde von der im 19. Jh. konzipierten Verkehrsachse Limmatquai-Münsterbrücke-Paradeplatz beansprucht. Die Achse verlief unmittelbar vor der Längsfassade des Fraumünsters und hatte zur Folge, dass die seit dem 13. Jh. bestehende Friedhofmauer und die daran angebauten Marktbuden abgebrochen wurden. Um 1900 führte sogar eine Tramlinie am Fraumünster vorbei.

Publikation: Dölf Wild, Der Münsterhof und die Türen des Fraumünsters, Stadt Zürich, Archäologie und Denkmalpflege, Bericht 2010–2012 (2012) 43–47.

Züriputsch

Züriputsch 1839. (Repro BAZ)

Im Spätsommer 1839 eskalierte auf dem Münsterhof eine politische Kontroverse in einen bewaffneten Zusammenstoss zwischen Miliztruppen der Regierung und demonstrierender Landbevölkerung. Auslöser des «Züriputsch» war die Berufung des liberalen Theologen David Friedrich Strauss zum Universitätsprofessor. Sie hatte eine starke Gegenreaktion der konservativen Opposition zur Folge («Straussenhandel»).

Am 6. September 1839 fielen auf dem Münsterhof und in der Poststrasse Schüsse. Opfer waren 14 Putschisten sowie der Arzt und Regierungsrat Johannes Hegetschweiler (1789–1839). Er wurde beim Versuch, zwischen den Konfliktparteien zu schlichten, von der Schrotladung eines Aufständischen getroffen. Drei Tage später erlag er seinen Hirnverletzungen. Noch 80 Jahre später ehrte ein an die Fassade des Restaurants Münsterhof gemaltes Porträt Johannes Hegetschweiler als Vermittler in einem stark polarisierten politischen Umfeld. 

Münsterhof in Farbe?

Vorschlag von Augusto Giacometti.

Nach dem 1. Weltkrieg formierte sich in Europa als Reaktion auf das Grau der Agglomerationen die Bewegung «Farbige Stadt». Sie hatte sich zum Ziel gesetzt, die Städte bunter zu gestalten. Eines ihrer Zentren war die Industriestadt Magdeburg, in der in den Jahren nach 1921 ein umfassendes Farbkonzept umgesetzt wurde.

Im Rahmen des Projektes «Farbiges Zürich» sorgten die Häuser an der Augustinergasse für Furore, die nach 1925 nach einem Entwurf von Karl Hügin farbig gestrichen wurden. Auch die Fassade des ehemaligen Kinos «Radium» an der Mühlegasse ist mit seinem von Emil Morf geschaffenen bunten Felderfries ein wichtiger, noch existierender Vertreter der Farbenbewegung. Dagegen gelangte Augusto Giacomettis (1877–1947) farbenfroher Entwurf für die komplette Kolorierung des Münsterhofes nicht zur Ausführung. Zu Augusto Giacomettis bekannten Werken gehören in Zürich die Ausmalung der «Blüemlihalle» im Amtshaus I (Giacomettihalle), die Chorfenster des Grossmünsters und der Wasserkirche sowie das Glasfenster im Querhaus des Fraumünsters.

Rokokobrunnen

Stüssihofstatt mit Brunnen. (Foto BAZ)

1766 liess die Stadt im westlichen Bereich des Münsterhofs auf der Mittelachse des Zunfthauses «zur Meise» einen prachtvollen Rokokobrunnen errichten. Das Brunnenbecken bestand aus vier um ein Quadrat angeordneten halbrunden Schalen. Oben auf dem mit Meeresfabelwesen bevölkerten Brunnenstock thronte Neptun als Gott der Meere.

Die wasserbautechnische Leistung konnte jedoch nicht mit der künstlerischen Gestaltung mithalten, denn die Wasserleitung vom Üetliberg hatte zu wenig Druck. Hohn und Spott ergossen sich über den Brunnen: «Als alles fertig war, fand sich, dass kaum Wasser genug da war, um die Nase eines einzigen Delphins zu befeuchten, und als man das Werk spielen liess, sah es nicht anders aus, als ob alle diese Seepferde und Delphine den Schnupfen hätten».

Nach Beschädigungen in den Revolutionsjahren 1811 wurde der Brunnen abgetragen, doch verschwand er nicht ganz aus dem Stadtbild: Drei der vier Schalen des Beckens sind noch heute im Brunnen auf der Stüssihofstatt im Niederdorf eingebaut. 

Helvetischer Freiheitsbaum

Wiederaufrichten am 21.4.1798. (Repro BAZ)

Am 12. April 1798 wurde in Aarau auf französische Anordnung die Helvetische Republik proklamiert. Sie löste die alte Eidgenossenschaft ab und blieb bis 1803 bestehen. Bereits während der vorangehenden Revolutionsjahre und insbesondere unter dem Eindruck der seit Ende 1797 in die Schweiz vorrückenden französischen Truppen wurden Freiheitsbäume als Symbol für die neue Ordnung errichtet.

In der Stadt Zürich standen sich 1798 unterschiedliche politische Lager gegenüber. Solange die Franzosen das Sagen hatten, verhielten sich die Gegner der Revolution vorsichtig. Ein Aufsehen erregender Anschlag gelang ihnen noch vor dem Einmarsch der Franzosen. In der Nacht zum 21. April 1798 wurde der auf dem Münsterhof errichtete Freiheitsbaum umgehauen. Rund dreieinhalb Jahre später wurde das Revolutionssymbol in einer nächtlichen Aktion ein zweites Mal gefällt.

Publikation: Zürich 1799 –Eine Stadt erlebt den Krieg 

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