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Turicum II

Von der kleinstädtischen Siedlung und Zollstation des 2. und 3. Jahrhunderts zum spätantiken Kastellort

Farbige Topographie in römischer Zeit mit Lage der Siedlungsbefunde

Topographie und wichtigste Fundorte der römischen Kleinstadt
1
  Hafenquartier mit Thermen (Weinplatz 3, 4/5, Storchengasse 23) 
2
  Kultbau (Storchengasse 13)
3  Gasthaus? (Fortunagasse 28/Rennweg 38)
4  Fundort Goldschmuck (Oetenbach, ehemaliges Klosterareal)
5  Gräber (Poststrasse/Zentralhof)
6  Rundtempel (Grosser Hafner)
(Plan Stadtarchäologie)

Dreidimensionale Rekonstruktion der Gebäude mit unterlegtem Grundriss
Weinplatz 3, 4/5, Storchengasse 23: Thermenanlage im 2. Jh. (Zeichnung Beat Scheffold)

Zusammengesetzte Verputzfragmente mit eingeritzten Kritzeleien
Fortunagasse 28/Rennweg 38: Verputzreste mit unzähligen Kritzeleien (Bild Stadtarchäologie)

Zwei Armbänder mit getriebenen Schlangenköpfen und mehrere Fingerringe
Oetenbach, ehemaliges Klosterareal: Goldschmuck (Bild Stadtarchäologie)

Römische Kleinstadt und Zollstation

Um 70/75 n.Chr. entstand auf dem neu gewonnenen Baugrund an der Limmat am Fusse des Lindenhofes ein eigentliches Hafenquartier, zugleich wurde das Siedlungsareal auf das rechte Limmatufer ausgedehnt – weitere Marksteine in der Geschichte Turicums!

Die nun aus gemörteltem Mauerwerk errichteten öffentlichen Gebäude und befestigten Strassenzüge verliehen der Siedlung einen gänzlich anderen Charakter, der das Bild des antiken Zürichs weitere nahezu drei Jahrhunderte geprägt hatte.

Auch wenn im Verlaufe des 1. Jh. n.Chr. die von Süden über die Bündnerpässe nach Norden führende Verkehrsache etwas an Bedeutung verlor, so blieb Zürich, der damalige vicus Turicum ein wichtiger Umlad- und Etappenort und nahm zudem gemäss einer Grabinschrift die Funktion einer Zollstation der gallischen Provinzen ein.

Antike Stadteinblicke

Heiligtum. Am Ort des früheren keltischen Heiligtums, dort, wo der Lindenhof auf einen zwischen  Sihl und Limmat gelegenen Sporn gegen Norden ausläuft, kam im 19. Jh. ein mehrteiliger Goldschmuck aus dem mittleren 2. Jh. n.Chr. zu Tage. Vielleicht wurde er einst in einem Heiligtum niedergelegt – möglicherweise jenem Heiligtum, in dem eine Gemeinschaft von Bärenjägern einst einen Weihestein für die Jagdgöttin Diana und Silvanus aufgestellt hatte.

Gasthaus, Herberge oder Versammlungsraum? In unmittelbarer Nähe fanden sich Reste eines einer Feuersbrunst zum Opfer gefallenen Gebäudes, auf dessen Wänden sich mehrere Personen mit zahlreichen Graffiti und Kritzeleien verewigt hatten. Nicht die Schriftzüge und Zeichnungen an sich, aber ihre Zahl und Motive stellen im Gebiet der gesamten römischen Provinzen fast einmalige Zeugnisse dar und lassen vermuten, dass hier ein Gasthaus oder eine Herberge, allenfalls ein Versammlungsraum einer Vereinigung gestanden hatte.

«Hafenquartier» mit öffentlichem Bad und Kultbau. Am linken Limmatufer, südöstlich des Lindenhofs, befand sich ein weiterer öffentlicher Bau: Im 2. Jh. stand hier ein geräumiges öffentliches Bad, dem ein Hafenquartier mit Lagerbauten angeschlossen war (Thermengasse). An der südlichen Ausfallstrasse, die am ausserhalb der Siedlung  gelegenen Friedhof vorbei Richtung See führte, lag ein kleiner runder Kultbau, der einen mächtigen Findling umschloss und in welchem bis ins 4. Jh. n.Chr. Münzvotive niedergelegt wurden.
 

Spätantikes Kastell

Auf die Unruhen und Bedrohungen des 3. und 4. Jahrhunderts n. Chr. reagierte man an manchen Orten im römischen Reich mit dem Bau einer Befestigung (Kastell) zum Schutz der Bevölkerung. So wurde auch in Turicum der Lindenhofhügel massiv befestigt. Dieses mit Türmen versehene spätrömische Kastell sollte sich zu einem Kern der mittelalterlichen Stadt entwickeln. Bis heute tragen die Kastellmauern über weite Strecken die Stützmauern der Lindenhofterrasse.

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